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Monika Runge
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Frage von Joachim H. •

Frage an Monika Runge von Joachim H. bezüglich Kultur

Sehr geehrte Frau Dr. Runge,

Während die Wahlkampfparolen der Parteien und Bundestagsbewerber eher einfältig und nichtssagend sind, sorgte der Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche mit dem Spruch "Arbeit, Familie, Vaterland" für bundesweites Aufsehen. Wie stehen Sie zu dieser Aussage?

mfg Joachim Hahn

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Antwort von
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Henry Nitzsche ist mir persönlich aus vielen Jahren im Sächsischen Landtag bekannt.

Schon dort fiel er durch menschenverachtende Äußerungen gegenüber Moslems auf. Die Losung "Arbeit, Familie, Vaterland" ist wie bekannt geworden eine Losung des NPD-Parteitages gewesen. Insofern würde ich meinen Wahlkampf niemals unter eine solche Losung stellen. Nitzsche fischt damit bewußt am rechten Wählerrand und teilt selbst vor allem Positionen, die sich gegen Migranten und ausländische Mitbürger richten.

Dass wir es in Deutschland mit mehr als 5 Millionen Arbeitslose und zu wenig Geburten zu tun haben, ist ein reales Problem. Darauf müssen vernünftige Anworten gefunden werden. Ich stelle deshalb meinen Wahlkampf eher unter die Losung "Für ein kinderfreundliches Land und mehr existenzsichernde Beschäftigung".

Zum Thema Vaterland habe ich ein kritisches Verhältnis, weil in der deutschen Geschichte das "Vaterland" zu oft kriegerisch mißbraucht worden ist. Und angesichts des Umstandes, dass Deutschland Mitglied der Europäischen Union ist, den europäischen Integrationsprozess voranbringen will, der zur Zeit in der Krise ist, bin ich der Meinung, dass es sich in Gegenwart und Zukunft um ein Europa der integrierten Vater- und Mutterländer handelt, ein Prozess, der die Vaterländer bzw. Nationalstaaten eher weniger bedeutsam werden läßt. Der Weg zu einer europäischen Identität aber wird, wie das zunächst gescheiterte Referendum zum EU-Verfassungsvertrag zeigt, ohne Rückschläge nicht zu haben sein.

Politisch sehe ich zur Zeit die Gefahr zu einer Renationalisierung der Politik in den einzelnen Natinalstaaten, was das Solidaritätsprinzip in der EU tendenziell in Frage stellt. Aber das ist nicht vom Himmel gefallen, sondern Resultat eines Wirtschaftsliberalismus in der EU, der die Umverteilungskämpfe verschärft hat. Und das halte ich im Interesse der Bewahrung des Friedens in Europa für einen beunruhigenden Trend. Ich bin überzeugte Europäerin und liebe den humanistischen Teil deutscher Kulturgeschichte. Das aber auch künftig im europäischen Integrationsprozess voll zur Geltung zu bringen, ist ein entscheidendes politisches Motiv meines Handelns. Der Europäische Traum, wie J. Riffkin titelt, ist für mich eine konkrete Vision, für die es sich lohnt, sich zu engagieren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Monika Runge, DK der Linkspartei. PDS