Max Steininger
DIE LINKE
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Frage von Roy H. •

Frage an Max Steininger von Roy H. bezüglich Kultur

Guten Tag Herr Steininger,

Ihre Kollegen von der CSU führen in diesem Jahr einen ziemlich polemischen und arg an Panik erinnernden Wahlkampf. Unser Innenminister ist mal wieder wieder auf einem Kreuzzug gegen gegen "Killerspiele-Spieler", wobei er jegliche Sachkenntnis vermissen lässt.

Das bereits in diesem Jahr verschärfte Jugendschutzgesetz ist, ist sehr begrüßenswert und überaus wichtig. Lediglich fünf Prozent der Spiele haben im Jahr 2007 "keine Jugendfreigabe" von der USK erhalten und sind damit ausschließlich für Erwachsene zugänglich.

Wenn ich mir jetzt einmal eine Szene aus einem Elektrogroßmarkt vor Augen führe: Da kauft ein älterer Herr einen Ü18-Titel. Die Kassiererin meint im Spaß: "Sie spielen tatsächlich noch Computerspiele." Meint der Herr darauf hin: "Nein diese Spiel ist für meinen 12jährigen Enkel." ... Das zeugt eindeutig von nicht vorhandener oder absichtlich ignorierter Medienkompetenz oder würde dieser Großvater seinen Enkel auch bedenkenlos in einen (von Herrn Hermann nicht beanstandeten) Ü18-Horrorfilm mitnehmen?

Da die CSU bei dieser Landtagswahl unter keinen Umständen meine Stimme erhalten wird, möchte ich gern Ihre Meinung zu diesem Thema kennen lernen.

Was werden Sie unternehmen, um einen Beitrag zur Steigerung diese eindeutig fehlenden Medienkompetenz und des Verantwortungsbewusstseins bei Eltern und Pädagogen zu steigern?

Wie stehen Sie, stehen DIE LINKEN, zu dem Thema Zensur und Bevormundung von erwachsenen Bürgern?

Mit freundlichen Grüßen
Roy

Antwort von
DIE LINKE

Sehr geehrter Herr Hascher,

Im Allgemeinen empfinde ich den Begriff des "Killerspiels" für Computerspiele als eine Irreführung. Es gibt nach wie vor keine einzige seriöse Studie, die den Zusammenhang von Computerspielen und realen Morden nachweisen kann. Psychologen sehen vor allem Perspektivlosigkeit, Versagensängste und Isolation als Ursache für Gewalt unter Jugendlichen. Wirklich bizarr wird das ganze, wenn dieser Vorwurf des "Killerspiels" von Seiten der gleichen Politiker erhoben wird, die echte Soldaten in echte Kriege wie zum Beispiel nach Afghanistan schicken.
Auch in Bayern umwirbt die Bundeswehr junge Menschen mit gut bezahlten Ausbildungs- und Studienplätzen - einziger Haken: Wer einen Ausbildungs- oder Studienplatz bei der Bundeswehr antritt, weil er sich zum Beispiel Studiengebühren nicht leisten kann, der muss sich gleichzeitig zum einjährigen Auslandseinsatz verpflichten.
Eine Gesellschaft, in der 18-jährige nach der Schule in der Bundeswehr den Umgang mit der Waffe lernen und dazu getrimmt werden, Menschen zu töten, kann sich wohl kaum darüber wundern, dass sich dies auch auf die Medienlandschaft auswirkt. "Killerspiele" sind Folge, nicht Ursache einer zunehmend gewalttätigen und militarisierten Gesellschaft.
Mein erstes "Kriegsspielzeug" bekam ich im Alter von 5 Jahren auf einer Bundeswehrausstellung. Dort wurden wir als Kinder in Kampfjets gesetzt, durften uns echte Panzer ansehen und bekamen kleine Spielzeugkampfflugzeuge zum Zusammenstecken geschenkt. Uns wurde erklärt, wie die Waffen funktionieren und was mit so einer Rakete alles abgeschossen werden kann.
Die Attraktivität von Computerspielen mit Gewaltinhalt, die hierzulande "Killerspiele" genannt werden, ist vor allem Folge einer zunehmend militarisierten Gesellschaft, nicht deren Ursache.
Deswegen ist die LINKE gegen diese Militarisierung der Gesellschaft, gegen Kriege und für eine demokratische und friedliche Gesellschaft, in der Gewalt auch durch soziale Gerechtigkeit und Zukunftsperspektive vorgebeugt wird.
Eine Zensur von Computerspielen ist im Zeitalter des Internets, wo sich jeder 12-jährige Raubkopien in wenigen Minuten runterladen kann, kann dabei auf Dauer keine Lösung sein.

Lieben Gruß,
Max Steininger