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Matthias Fischer
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Frage von Thomas B. •

Frage an Matthias Fischer von Thomas B. bezüglich Familie

Sehr geehrter Herr Fischer,

mein Vater ist jetzt 85 Jahre. Er bekommt 1250€ Rente. Er verdiente im Durchschnitt 9,00€/ Std. ( also ca. 16,50DM). Dies war zu seiner Zeit ( 1978 ) natürlich ein ordentliches Gehalt. Ich vergönne meinem Vater seinen Ruhestand natürlich. Ich bin jetzt 45 und bekam wieder einmal eine Rentenauskunft ( was die wieder gekostet hat?). Ich verdiene jetzt 13,50€/Std.. Für meine Region ein durchschnittlich guter Lohn und in DM 25,00. Also mehr als mein Vater verdiente. Wenn ich jetzt dieses Gehalt beibehalten kann bei einer jährlich Lohnsteigerung von 2,5% bis zum 67. Lebensjahr, also noch 22 Jahre lang, dann erziele ich eine Rente von 997,68€. Das sind die Angaben der Rentenversichereung. Bisher habe ich 29 Beitragsjahre, mit durchschnittlich gleichen Lohn wie mein Vater hatte. Also bezahle ich erheblich mehr und länger als mein Vater ein und bekomme in 22 Jahren weniger heraus als er jetzt. Können oder wollen Sie politisch etwas dagegen unternehmen ( bitte jetzt nicht an eine Rentenkürzung meines Vaters denken! ) ?

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Biskupski

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Antwort von
SPD

Sehr geehrter Herr Biskupsi,

vielen Dank für ihre Frage.

Eines vorweg: Kein Mensch denkt an eine Rentenkürzung bei den Bestandsrentnern.

Ich kann ihre Bedenken durchaus nachvollziehen, allerdings gilt es zu beachten, dass die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) vor nicht zu unterschätzenden Herausforderung steht. Es gilt, langfristigen Finanzierungsproblemen, resultierend einerseits aus der steigenden Lebenserwartung und andererseits dem gleichzeitig ungünstiger werdenden Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentnern, entgegenzuwirken. Längere Rentenlaufzeiten, die von einem kleiner werdenden Anteil der Aktiven finanziert werden müssen, würden zu unvertretbar hohen Beiträgen führen.

Nachfolgend nenne ich Ihnen einige Daten, die verdeutlichen, warum Reformschritte nötig waren bzw. nötig sind:

· Die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer ist seit 1959 um 11 auf fast 76 Jahre gestiegen. Die Lebenserwartung der Frauen sogar um 13 auf gut 81 Jahre. Im Jahr 2030 werden Männer im Schnitt eine Lebenserwartung von 83 Jahren haben, Frauen werden dann fast 88 Jahre alt werden.
· Parallel dazu ist im selben Zeitraum die Geburtenzahl dramatisch zurückgegangen. 1969 brachte jede Frau durchschnittlich 2,1 Kinder zur Welt. Damit konnte das zahlenmäßige Verhältnis zwischen den Generationen stabil gehalten werden. Das hat sich seit Mitte der siebziger Jahre verändert. Die Geburtenrate liegt nun bei 1,4 Kindern. Das Gleichgewicht der Generationen ist damit verschoben.
· Das Verhältnis der 65-jährigen und Älteren zu den 20- bis 65-jährigen beträgt zur Zeit rd. 1:3. Auf einen Rentner kommen drei Menschen, die arbeiten und eine Rente bezahlen. Im Jahr 2030 wird sich das Verhältnis auf 1:2 verschlechtern - dann sind es nur noch zwei Beitragszahler, die für einen Älteren sorgen. Grund dafür sind die sinkende Geburtenrate und die steigende Lebenserwartung. D. h. immer weniger junge Menschen müssen die Renten für immer mehr Ältere erwirtschaften. Das kann auf Dauer nicht ohne Auswirkungen bleib
· Die wachsende Lebenserwartung verlängert die Rentenbezugszeit: 1960 betrug die durchschnittliche Rentenbezugsdauer knapp 10 Jahre; 1990 waren es bereits über 15 Jahre; 2006 17 Jahre. Im Jahr 2020 werden es fast 20 Jahre sein.
· Gleichzeitig nehmen die Versicherungsjahre immer weiter ab. Die normale Berufskarriere beginnt später und weist immer mehr Brüche auf. 1998 lagen die durchschnittlichen Versicherungsjahre bei Frauen bei 26,5 Jahren, 2004 bei nur 25 Jahren. Bei den Männern sind die Versicherungsjahre im selben Zeitraum von 40 Jahren auf 39,2 Jahre gesunken.

Dieser Entwicklung wirkt die Rentenreform aus dem Jahr 2001 entgegen. Durch eben diese Reform wurde das Ziel der Lebensstandsicherung aufgeben, wodurch das Leistungsniveau der GRV langfristig abgesenkt werden sollte. Das heißt aber auch, dass die zukünftigen finanziellen Leistungen der GRV nicht mehr ausreichen, um einen als ausreichend erachteten Lebensstandard im Alter zu sichern.
Durch diesen Schritt wird jeder in den nächsten Jahren weniger Rente erhalten. Die zusätzliche Rentenlücke soll jeder freiwillig durch private Altersvorsorgeverträge ("Riester-Rente") schließen, die der Staat durch Zulagen und Steuerersparnisse fördert. Dadurch sollen breite Teile der Bevölkerung zur zusätzlichen individuellen Altersabsicherung motiviert werden.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit meiner Antwort weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Fischer