Lars Klingbeil
SPD
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Frage von Znep Naqerßra an Lars Klingbeil bezüglich Sicherheit

# Sicherheit 14. Sep. 2017 - 02:05

In der Frage der Lent-Kaserne haben Sie sich zuletzt für den Erhalt des Namens ausgesprochen. Dieser steht jedoch im Widerspruch zum Traditionserlass. Dieser sagt aus:

"Ein Unrechtsregime, wie das Dritte Reich, kann Tradition nicht begründen."
Lent war als gefeierter Held unzweifelhaft und unwiderruflich ein Repräsentant dieses Systems

"Die Pflege von Traditionen soll der Möglichkeit entgegenwirken, sich wertneutral auf das militärische Handwerk zu beschränken."
Zu einer "neutralen" Beurteilung des Handelns Lents kann man nur gelangen, wenn man den Kontext in dem er diese Leistungen erbrachte ignoriert - einen Angriffs- und Vernichtungskrieg, dem eine Rasseideologie zugrunde lag.

"In der Traditionspflege der Bundeswehr sollen solche Zeugnisse, Haltungen und Erfahrungen aus der Geschichte bewahrt werden, die als ethische und rechtsstaatliche, freiheitliche und demokratische Traditionen auch für unsere Zeit beispielhaft und erinnerungswürdig sind."
Es ist nicht bekannt oder dokumentiert, dass Lent in diesem Sinne beispielhaft und damit erinnerungswürdig wäre.

"Kasernen und andere Einrichtungen der Bundeswehr können mit Zustimmung des Bundesministers der Verteidigung nach Persönlichkeiten benannt werden, die sich durch ihr gesamtes Wirken oder eine herausragende Tat um Freiheit und Recht verdient gemacht haben."
Es ist nicht bekannt oder dokumentiert, dass Lent in diesem Sinne verdient gemacht hätte.

Wie begründen Sie Ihre Haltung, dass Lent trotzdem als Namensgeber einer Kaserne als "sinnstiftend und vorbildgebend" dienen kann oder womit begründen Sie, dass Sie in dieser Frage den Wunsch einiger nach Beibehaltung des Namens über die "Werte und Normen" des Traditionserlasses stellen?

Von: Znep Naqerßra

Antwort von Lars Klingbeil (SPD)

Lieber Znep Naqerßra,

vielen Dank für Ihre Nachfrage zu diesem Thema über die wir ja auch persönlich schon häufig gesprochen haben.

Die Entscheidung über die Umbenennung der Kaserne liegt nicht in meiner Hand. Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass die Bundesverteidigungsministerin die Meinungsbildung vor Ort im Stadtrat, im Landkreis und der Kaserne berücksichtigt wird. Ich finde die Debatte vor Ort ist sehr gewissenhaft und respektvoll geführt worden. Ich habe zum Beispiel auch Respekt vor Ihrer Position zu diesem Thema.

Wenn Sie mich nach meiner persönlichen Meinung fragen halte ich eine Beibehaltung des Namens Lent-Kaserne in Einbeziehung aller mir vorliegenden Gutachten und Bewertungen für vertretbar. Vor allem die Aussage des Zentrums für Militärgeschichte wonach Lent „kein Nazi im eigentlichen Sinne war“ ist hier für mich entscheidend. Man würde heute keine Kaserne mehr nach Lent benennen. Allerdings geht es hier um eine Umbenennung eines jahrzehntelang etablierten Namens, der für viele in der Region eine wichtige Bedeutung. Das muss als eines von vielen Argumenten in die Debatte einfließen.

Was ich nicht verstehe sind die völlig widersprüchlichen Signale von Bundesverteidigungsministerin von der Leyen zu diesem Thema. Ich finde so geht man mit unserer Region in einem so emotionalen Thema nicht um.

Zum Traditionserlass noch folgender Hinweis: Er wird derzeit überarbeitet. Welche Kriterien hier am Ende angelegt werden ist derzeit noch nicht abzusehen.

Ich würde mich freuen, wenn es mal mit einem gemeinsamen Kaffee klappt.

Beste Grüße
Lars Klingbeil, MdB