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Klaus Riegert
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Frage von Gert I. •

Frage an Klaus Riegert von Gert I. bezüglich Umwelt

SgH Riegert, in Ihrer Antwort an S. Hötzel ignorieren Sie leider folgende Fakten :

a) Die in GVO Mais produzierte Bt-Toxinmenge ist flächenbezogen deutlich höher als die im Öko-Landbau zeitweilig eingesetzte, die sich im übrigen unter Witterungseinflüssen wieder abbaut, während im Gen-Mais der Wirkstoff ununterbrochen nachproduziert wird.
http://vorort.bund.net/heilbronn-franken/positionen/positionen_5/files/120_einwendung3koepfelogo.doc

b) Jobs in Forschung und Technologie steht die Vernichtung zahlreicher Arbeitsplätze durch Konzentration in der Saatgutbranche und die Zerstörung arbeitsplatzintensiver kleinbäuerlicher Strukturen gegenüber.

c) Hunger ist keine Frage von Nahrungsmittelunterproduktion, sondern ein soziales und politisches Problem. Brasilien z.B. ist drittgrößter Lebensmittelexporteur der Welt, während ein Fünftel der Bevölkerung an Unterernährung leidet.
http://www.zeit.de/2004/03/Brasilien_2fHunger

d) GVO bedeuten Süd-Nord-Transfer: Kleinbauern in der 3. Welt werden zu abhängigen Dienstleistern transnationaler Saatgut- und Agrochemiekonzerne des Nordens, welche für Erst-Aussaat und Nachbau horrende Lizenzgebühren (Royalties) einfordern.

e) Auskreuzung und Kontamination gentechnikfreier benachbarter Flächen (Pollenflug, Insekten, Wildvögel etc.) verhindert die Wahlfreiheit und macht auch Landwirte lizenzpflichtig, die unabhängig bleiben wollen.

f) Seit Tschernobyl sollte man mit dem Vorwurf der Technikfeindlichkeit vorsichtig sein. Ein Freiland Gen-Gau (mangels Langzeitstudien) mit weltweit vertriebenem Saatgut wäre nicht beherrschbar. Stichworte Antibiotikaresistenz und Bienensterben.

g) Ach ja, zur Kronzeugin, Frau Wambugu: Die Dame lebt bekanntermaßen von PR-Aktionen für Monsanto (wo sie auch lange Jahre gearbeitet hat) und reist auf Kosten von US- Entwicklungshilfe um die ganze Welt, um Vorträge über ihr (gescheitertes) GVO Süßkartoffel-Projekt zu halten.
http://www.gmwatch.org/profile1.asp?PrId=131

Könnten Sie ihre Position hinsichtlich a) -f) präzisieren?

MfG G. Irmler

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Antwort von
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Sehr geehrter Herr Irmler,

nach Urlaub und Ende der ersten beiden Sitzungswochen nach der Sommerpause will ich meine Ausführungen ergänzen.

Seit Jahren arbeiten Anti-Gentechnik-Aktivisten mit wilden Anschuldigungen gegen BT-Mais. Was wurde und wird nicht alles gegen diese „Schreckenspflanze“ vorgebracht, die Millionen deutsche Nordamerika-Touristen in Form von Gebäck und Cornflakes bereits gegessen haben. BT-Mais, wurde behauptet, habe sich im Tierversuch als giftig erwiesen, rotte Schmetterlinge aus und habe die Kühe eines hessischen Bauern umgebracht. Alle Anschuldigungen konnten wissenschaftlich widerlegt werden. Das hält die Aktivisten aber nicht davon ab, Maisfelder zu zerstören und sich dabei auch noch als Retter der Menschheit aufzuspielen.
Jetzt muss BT-Mais für das „Bienensterben“ herhalten und dies vor dem Hintergrund, dass Imker ihre Waben mit einem Pulver behandeln, das Bacillus thuringiensis enthält. Derselbe Wirkstoff wie im BT-Mais - nur nicht gentechnisch erzeugt. Bisher existieren in der wissenschaftlichen Fachliteratur keine Hinweise auf mögliche direkte oder indirekte Schädigungen von Bienen durch gegenwärtig zugelassene gentechnisch veränderte Pflanzen. Dies ist das Resultat zahlreicher Labor- und Feldversuche, bei denen eine unter natürlichen Bedingungen mögliche Exposition gegenüber den GVO-Pflanzen bzw. ihren Produkten zum Teil stark übertrieben wurde. "Wenn ich aus ideologischen Gründen einen bestimmten Schuldigen anprangere, dann kann es mir passieren, dass ich den wahren Schuldigen laufen lasse", so treffend die deutsche Bienenforscherin Elke Genersch, die zur Weltelite ihres Fachs gehört. Als Hauptverdächtige für das „Bienensterben“ gelten Varroamilben in Kombination mit Krankheitskeimen wie Bakterien, Viren oder Pilzen, die global verbreitet sind. Eine weltweite Forschungskooperation soll nun die Ursache klären helfen. Einen echten Anti-Gentechnik-Aktivisten schreckt dieses natürlich nicht. Mal sehen, wofür der BT-Mais als Nächstes verdächtigt wird und wieder rechtswidrig Felder zertrampelt werden.

Hinsichtlich der Auskreuzung haben die bisherigen Versuche in Deutschland gezeigt, dass ein Abstand von 50 m ausreicht, um den Schwellenwert von 0,9 % einzuhalten. Mit dem jetzt festgelegten Abstand zu konventionell angebautem Mais von 150 m ist der Sicherheitsabstand um den Faktor 3 erhöht worden und mit dem Abstand von 300 m zu Flächen mit Ökomais um den Sicherheitsfaktor 6. Insofern ist die Haftungsfrage weitgehend entschärft, da bei diesen Abständen ein unerwünschter Eintrag von gentechnisch veränderten Organismen nicht zu erwarten ist. Bleibt daran zu erinnern, dass nach der derzeitigen Rechtlage – von der damaligen rot-grünen Regierung geschaffen – der Sicherheitsabstand 0 m beträgt.
Bienen sammeln Blütennektar, der dann im Honigmagen der Biene mit Hilfe körpereigener Enzyme zu Honig umgewandelt wird. Hinzukommt, dass die biologische Funktionsfähigkeit von Maispollen unter natürlichen Bedingungen im Allgemeinen innerhalb von 20 – 36 Stunden inaktiviert ist. Maisblüten bilden aber keinen Nektar und sind für Bienen daher nicht besonders attraktiv. Es kann aber doch sein, das Bienen gelegentlich zur Aufzucht von Larven und Jungbienen Pollen vom Mais sammeln. In sehr geringem Maße kann Pollen dann zufällig in Honig gelangen. In allen Untersuchungen ist der gefundene Anteil von Pollen aus gentechnisch verändertem Mais weit unter der Kennzeichnungspflicht.

Wer von Wahlfreiheit spricht, der sollte in der Wahl seiner Worte vorsichtiger sein. Worte wie „Gendreck“, „gentechnische Verschmutzung“ etc. dokumentieren doch das Gegenteil! Bei Greenpeace heißt es denn auch konsequent, man sei „gegen jedwede Freisetzung gentechnisch produzierter Organismen in die Umwelt.“ Von wegen Wahlfreiheit! Und wenn Sie Befürchtungen äußern, GVO bedeute Abhängigkeit der Kleinbauern in der 3. Welt von Saatgut- und Agrochemiekonzernen, dann ist das doch kein Argument gegen die Gentechnik selbst. Das ist keine Frage der Gentechnologie, sondern der marktwirtschaftlichen Basisregulation, genauso wie der Microsoft-Prozeß kein Argument gegen Computer ist.

Sie schreiben, „Hunger ist keine Frage der Nahrungsmittelproduktion…“. Wirklich? Im 20. Jahrhundert wuchs die Weltbevölkerung von 1,65 Milliarden im Jahr 1900 auf 6,08 Milliarden im Jahr 2000. Die in den 1960er Jahren entstehende Umweltbewegung neuen Typs reagierte auf diesen Anstieg der Menschenanzahl mit Panik. Sie prophezeite apokalyptische Hungersnöte, denen Hunderte Millionen Menschen zum Opfer fallen würden. So schrieb Paul Ehrlich, ein grüner Seher und Mahner, der die Botschaft vom nahen Weltende den erschrockenen Gläubigen verkündete: „"The battle to feed all of humanity is over. In the 1970s, the world will undergo famines, hundreds of millions of people are going to starve to death in spite of any crash programs embarked upon now."( Paul Ehrlich, 1968 in "The Population Bomb")
Dass die Vorhersagen der Grünen nicht Wirklichkeit wurden, ist nicht zuletzt dem Pflanzenzüchter Norman Borlaug zu verdanken. Als Paul Ehrlich sein Buch "The Population Bomb" veröffentlichte, war der Erfolg von Borlaugs "Grüner Revolution" bereits offensichtlich. Zur Erinnerung: Die „Grüne Revolution“ bestand hauptsächlich aus Nutzpflanzen mit hohem Ertrag (neue Maissorten nach Mexico, neue Weizensorten nach Indien und neuen Reis nach China), Bewässerungs- und Wasserwirtschaftssystemen, Düngemitteln und Pestiziden sowie landwirtschaftlichen Managementmethoden.
Die Qualität der Prognosen der Umweltaktivisten kann z. B. an der Entwicklung Indiens überprüft werden. Seit 1968 hat sich die Bevölkerung Indiens verdoppelt, seine Weizenproduktion vervierfacht, sein Bruttoinlandsprodukt verneunfacht. Im Jahr 1970, als Paul Ehrlich die oben wiedergegebenen apokalyptischen Vorhersage machte, erhielt Norman Borlaug den Friedensnobelpreis in Anerkennung seines Beitrags zur Vermeidung des Hungers in der Welt. Was hat Paul Ehrlich, und mit ihm die gesamte Umweltbewegung, in diesem Zusammenhang geleistet? Wohin die Missachtung der Möglichkeiten von Wissenschaft und Technik führt, hat Borlaug treffend ausgesprochen: “ Es gibt heute auf unserem Planeten 6,6 Milliarden Menschen. Mit herkömmlicher Landwirtschaft könnten wir davon nur vier Milliarden ernähren. Welche zwei Milliarden würden sich freiwillig anbieten zu sterben?“ Und Paul K. Driessen (Öko-Imperialismus, Grüne Politik mit tödlichen Folgen) meint: „Die bessere Frage wäre, welche zwei Milliarden sich wegen Greenpeace, WWF und der Earth Liberation Front anbieten würden „freiwillig“ zu sterben.“

Sie schreiben, Frau Wambugu lebe bekanntermaßen von PR-Aktionen für Monsanto (wo sie auch lange Jahre gearbeitet hat). „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, das meinen Sie doch, oder?! Dies gilt freilich nur für „Büttel“ der Großindustrie, nicht aber für die aus edlen Motiven handelnden Aktivisten der Umweltschutzorganisationen. Erinnern Sie sich noch:
1995 bereitete Shell die Versenkung seiner Brent Spar-Ölplattform im Nordadantik vor. Greenpeace startete eine raffinierte und 2 Millionen US-Dollar teure PR-Kampagne, bei der Shell fälschlicherweise bezichtigt wurde, Tonnen von Öl, Giftabfallen und radioaktiven Materialien in den Ozean zu kippen. Das Unternehmen wurde gezwungen, für die Entsorgung der Plattform an Land ein Vermögen auszugeben. Ein Jahr später veröffentlichte Greenpeace eine schriftliche Entschuldigung. Darin gab die Organisation mehr oder weniger zu, dass die gesamte Kampagne ein Betrug war. Auf der Bohrinsel hatten sich weder Öl noch Giftabfälle befunden. Selbstverständlich ging dieses Eingeständnis in der Weltöffentlichkeit unter. Dass Nichtregierungsorganisationen „die am wenigsten kontrollierten Akteure der globalen Szene" sind, glaubt nicht nur der Politologe Professor Alexander Cooley vom New Yorker Barnard College. Eine Studie des Hauser Center for Nonprofit Organisations der Harvard University listet 152 Missbrauchsfälle von NGOs zwischen 1995 und 2002 auf. Darunter sind 104 Fälle eindeutig kriminellen Verhaltens. Genannt werden so prominente Organisationen wie das Amerikanische Rote Kreuz und Nature Conservancy.
Allein die international tätigen US-Umweltgruppen sind mittlerweile eine 8-Milliarden-US-Dollar-Industrie. Nach einer Studie der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität betrugen die Gesamtausgaben des Non-Profit-Sektors 37 ausgewählter Länder im Jahre 2002 sogar 1,6 Billionen US-Dollar. Wären diese Organisationen ein Land, dann wäre das die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Es wird Zeit, dass die alarmistische Umweltbewegung nicht die einzige multinationale Industrie bleibt, für die keinerlei Regeln für Ethik, unlautere Werbung, Transparenz, Offenheit und Haftung gelten, Regeln, welche die Bewegung selbst für gewinnorientierte Unternehmen fordert.
Ob Frau Wambugu von PR-Aktionen für Monsanto lebt oder nicht, ihre Aussagen bleiben zutreffend: Eine Gegnerschaft zur Biotechnologie ist "ein Luxus des Nordens …. alles, was nicht dazu beiträgt, unsere Kinder satt zu kriegen, ist unethisch."
Die Öko-Lobby konzentriert sich da z. B. lieber auf eine 175 Millionen US-Dollar teure Kampagne gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel. 175 Millionen US-Dollar, von denen Millionen hungernde Menschen für Monate ernährt werden könnten.

Und schließlich Tschernobyl. „Der Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 erfolgte bei einem Reaktortyp mit schlechterer Technik und schlechterer Sicherheitseinrichtungen, bewusster Abschaltung von Sicherheitseinrichtungen, Fehlverhalten und mangelnder Kenntnis der Bedienungsmannschaft ... Die heutigen westlichen Kernkraftwerke und auch die meisten östlichen Kernkraftwerke sind heute mit einer vielfachen und ausgeklügelten Sicherheitstechnik ausgerüstet, die einen Vorfall wie in Tschernobyl mit größter Wahrscheinlichkeit ausschließt." (Ludwig Lindner ) Ein Vergleich der Risiken zeigt, dass die Kernenergie zu den sichersten Energiearten zählt. Der Unfall von Tschernobyl spricht nicht gegen die Kernenergie, sondern gegen den Sozialismus, der ihn möglich gemacht hat.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Riegert