DIE LINKE

Frage an Dagmar Enkelmann von Pnzvyyb Zramry bezüglich Arbeit

04. Juni 2009 - 07:27

Im GG Art.1 heißt es"Die Würde des Menschen ist unantastbar" im Art.3 Abs.2 und 3 heißt es Frauen und Männer sollen gleich sein, sowie das keiner wegen seiner Herkunft benachteiligt werden soll.Der Staat soll auf die Beseitigung der Nachteile hinwirken. Warum hat man dies im GG verankert?Ich gehe davon aus, das es außer dem Geschlecht keine Unterschiede gibt zwischen den Menschen.Es gibt auch stärkere und intelligentere Frauen als Männer, ebenso bei Menschen unterschiedlicher Herkunft. Warum sollen dann Frauen nicht das gleiche Geld für ihre Arbeit erhalten wie Männer?Warum werden Unterschiede in der Qualifikation gemacht?Ist die Arbeit einer Gebäudereinigerin oder Arzthelferin weniger wichtig als die eines Lehrers?Soll die Arzthelferin, die drei Kinder hat, weniger bekommen für ihre Arbeit als der Arzt für den sie arbeitet? Für mich verstösst das gegn Art.1 des GG.Hier werden Menschen in bestimmte Wertigkeiten eingeteilt.Die einen sollen das 100fache wert sein, die anderen das vierfache eines Menschen. Wie stehen Sie und ihre Partei dazu?Ihr Kollege G.Gysi hat sich ja einmal so geäussert, das ein Mensch ,der studiert hat ,mehr verdienen soll ,als ein Ungelernter. Wäre es nicht mutiger gleiche Stundenlöhne für alle zu fordern, statt nur gleichen Lohn für Frauen, wie auf den Wahlplakaten ihrer Partei.

Frage von Pnzvyyb Zramry
Antwort von Dagmar Enkelmann
19. Juni 2009 - 11:23
Zeit bis zur Antwort: 2 Wochen 1 Tag

Sehr geehrter Herr Menzel,

ich freue mich, dass Sie - wie schon in Ihrer Frage vom 27. April 2009 - einen Artikel des Grundgesetzes zum Anlass für eine Frage nehmen. Verfassungstext und -wirklichkeit klaffen in der Bundesrepublik, wie Sie sicher wissen, teilweise immer mehr auseinander.

Für mich geht es, nimmt man beim Lohn den Artikel 1 des Grundgesetzes zum Maßstab, zunächst um eine menschenwürdige Entlohnung der Arbeit, um einen Lohn, von dem die oder der Arbeitende menschenwürdig leben kann. Dies ist durch Tarifverträge und gesetzliche Rahmenbedingungen seit langem nicht mehr gesichert. Deshalb fordert DIE LINKE nach wie vor einen gesetzlich garantierten Mindestlohn, der gegenwärtig bei 8,71 Euro liegen müsste. DIE LINKE verlangt für diejenigen, die - aus welchen Gründen auch immer - nicht durch Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen können, eine bedarfsorientierte Grundsicherung, deren Höhe ebenfalls ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.

Würdig zu entlohnen, bedeutet auch, dass Frauen und Männer für gleiche Arbeit der gleiche Lohn gezahlt wird. Frauen verdienen in der Bundesrepublik - übrigens trotz der grundgesetzlichen Vorschrift in Artikel 3 - aber noch immer rund 24 Prozent weniger als Männer. Das liegt vor allem daran, dass Frauen öfter als Männer in Teilzeit, in schlechter bezahlten Branchen oder in Billig-Jobs tätig sind. Ein gesetzlicher Mindestlohn würde so vor allem Frauen zu gute kommen. Beides zu fordern - Mindestlohn und gleicher Lohn für Frauen - ist aus linker Sicht nicht eigentlich mutig, sondern selbstverständlich.

Die volle Achtung der Menschenwürde besteht für mich auch darin, die Unterschiedlichkeit der Menschen und ihrer Lebensumstände, ihres Wollens und Könnens zu berücksichtigen. Die oder der eine findet ihre oder seine Erfüllung vielleicht weniger als Hausmann oder Hausfrau, eine andere oder ein anderer ist eher ein "workaholic". Jemand ist dazu berufen, Handwerker zu sein - und er oder sie macht dies, weil er oder sie mit Leib und Seele dabei ist und auch gutes Geld verdienen will. Andere wiederum sehen in Arbeit eher nur einen Broterwerb und tun das, was der Arbeitsvertrag verlangt.

In meinen Augen ist es kein Akt linker Emanzipation, sondern einer von Gleichmacherei, würde man allen diesen Menschen einen gleichen Lohn vorschreiben. Eine wirklich linke, emanzipatorische Politik geht von den konkreten Menschen aus und versucht, gesellschaftliche Bedingungen zu schaffen, in denen sich Menschen - Männer, Frauen, Ältere, Jüngere, Arbeitende, Nichtarbeitende - möglichst selbstbestimmt entwickeln können.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Menschen unterschiedlich viel verdienen dürfen, sondern wie groß diese Unterschiede sein dürfen, damit die Gesellschaft noch als eine gerechte wahrgenommen wird. DIE LINKE spricht sich hier für eine klar Begrenzung der Gehälter vor allem von Managern (und natürlich auch Managerinnen, wenn es denn solche gibt) aus. Diese sollten nicht mehr als das 20fache des normalen Durchschnittsverdienstes betragen. DIE LINKE plädiert, wenn Sie so wollen, für einen Mindest- und einen Maximallohn, aber nicht dafür, beim Lohn alle Menschen über einen Kamm zu scheren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dagmar Enkelmann