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Alexander Alvaro
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Frage von Thomas J. •

Frage an Alexander Alvaro von Thomas J. bezüglich Gesellschaftspolitik, soziale Gruppen

Sehr geehrter Herr Alvaro,

zur Zeit hört man immer mehr von Flüchtlingen die in Italien landen.
sicherlich befürworte ich Asyl für Menschen die um Leib und Leben bangen müssen. jedoch kann man den Medien entnehmen dass aber der größte Anteil Wirtschaftsflüchlinge sind. und dass ein gewisser Herr Berlusconi diesen Wirtschaftsflüchlingen Visa ausstellen will, damit sie sich in Europa frei bewegen können.

ich bin mit einer Brasilianierin verlobt. wir würden gerne heiraten und gemeinsam in deutschland leben. aber dies ist mit auflagen verbunden die nicht einfach lösbar sind. da meine verlobte in einer gegend wohnt wo keine schule ist damit sie deutsch lernen kann. auch internet ist nicht vorhanden so dass sie auch hier keine optimale möglichkeiten hat die voraussetzungen zu schaffen.

klar möchte ich dass meine verlobte schnellstmöglich deutsch lernt aber die beste möglichkeit wäre hier in deutschland.

hat herr berlusconi mehr rechte in deutschland wie ich als deutscher

wie wollen sie mir erklären dass ich für flüchtlinge bezahlen muß denen herr berlusconi ein visa ausstellt und ich darf nicht mit meiner zukünftige frau zusammenleben?
in unserer familie würde zumindest einer deutsch sprechen, und die finanziell braucht auch kein dritter für meine zukünftige frau aufkommen.
bei den wirtschaftsflüchtlingen muß die allgemeinheit bezahlen und die deutschkenntnisse sind auch gleich null.

im voraus vielen dank für ihre bemühungen

gruß thomas Jungherz

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Antwort von
FDP

Sehr geehrter Herr Jungherz,

vielen Dank für Ihre Frage. Ich kann ihr Gefühl der scheinbaren Ungerechtigkeit durchaus nachvollziehen, jedoch muss man beachten, dass es sich im Falle Ihrer Frau um ein Visum handelt, welches zu einem dauerhaften Aufenthalt in der Bundesrepublik berechtigt. Die von Ihnen angesprochenen Aufenthaltsgenehmigungen an die tunesischen Flüchtlinge sind Visa, die lediglich zu einem 90-tägigen Aufenthalt im Schengen-Raum berechtigen. Hierfür sind, anders als bei einem dauerhaften Aufenthalt in der Bundesrepublik, keine Grundkenntnisse der deutschen Sprache erforderlich.

Ich stimme durchaus mit Ihnen überein, dass die Gewährung von Asyl für Menschen, die um Leib und Leben bangen, ein fundamentales Recht der Betroffenen und gleichzeitig eine Verpflichtung der Europäischen Union ist. Die Verträge und bestehenden Regelungen unterscheiden ganz klar zwischen Asylsuchenden und sogenannten "Wirtschaftsflüchtlingen".

Wir als FDP im Europäischen Parlament setzen uns dafür ein, dass es zum einen ein europaweit einheitliches und harmonisiertes Asylrecht gibt, aber auch dafür, dass wir als Europäer dem erhöhten Andrang von Wirtschaftsflüchtlingen gemeinsam begegnen.
Migration aus wirtschaftlichen Gründen kann dabei nicht per se als schlecht angesehen werden. Fachkräfte werden in der EU händeringend gesucht und drei von vier tunesischen Hochschulabsolventen finden in ihrer Heimat keine angemessene Anstellung. Hier könnten wir als Europäer vom Know-how der Fachkräfte profitieren und gleichzeitig den wirtschaftlichen Aufbau Tunesiens unterstützen, da dieses Programm von vornherein auf eine Rückkehr der tunesischen Fachkräfte setzen sollte.

Ein solches Programm muss sehr sorgfältig ausgearbeitet und vorbereitet werden. Schnellschüsse und Alleingänge einzelner Mitgliedsstaaten sind dabei nicht hilfreich. Auch eine Beschränkung der fundamentalen Rechte der Europäer, die mit dem Schengen Abkommen garantiert wurden, lehnen wir als Liberale ab. Eines der größten Errungenschaften der Europäischen Einigung ist der grenzenlose Waren- und Personenverkehr in der Union und dies gilt es zu schützen und zu bewahren.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser Antwort ein Stück weiterhelfen konnte und ich wünsche Ihnen und Ihrer Verlobten alles Gute!

Mit freundlichen Grüßen,

Alexander Alvaro