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"Habe noch nie so wenig verdient": Reaktionen auf unsere Spitzenverdiener-Liste

Für einiges Aufsehen hat in den vergangenen Wochen unsere Liste von zehn Spitzenverdienern im Bundestag gesorgt. Ob im Fernsehen, im Radio oder in Zeitungen: Viele Medien berichteten über unsere Recherchen. Dennoch wollte sich zur genauen Höhe der Nebeneinkünfte kein Politiker öffentlich äußern. Statt dessen erklärte einer der Top-Verdiener, so wenig wie zur Zeit habe er noch nie verdient. Und ein Ex-Minister stellte eine ziemlich abenteuerliche Rechnung auf: Wegen seines hohen Nebenverdienstes würde er als Volksvertreter im Endeffekt sogar gratis arbeiten.

von Martin Reyher, 25.10.2012

 

Unsere Liste von zehn Spitzenverdienern im Bundestag hat die betroffenen Abgeordneten in einige Erklärungsnot gebracht. Auf Medienanfragen wollte sich, so weit zu überblicken, niemand zur tatsächlichen Höhe seiner Nebeneinkünfte äußern. Auch sonst gaben sich die Parlamentarier äußerst wortkarg und wenig transparenzfreudig. Reaktionen:

 

Der Bundestagsabgeordnete und Kaufmännischer Angestellter der Fraport AG, Peter Wichtel (Nebeneinkünfte seit 2009: mind. 218.750 Euro), ließ der Frankfurter Rundschau über einen Sprecher ausrichten: „Er bittet um Verständnis [dass er sich nicht äußern will].“

 

 

FDP-Generalsekretär Patrick Döring (mind. 185.400 Euro) sagte dem SPIEGEL: “Eine schematische Darstellung der Nebeneinkünfte ist praktikabler”. Auf seiner Homepage sah Döring sich zu dem Hinweis veranlasst, für ihn könne eine Offenlegungspflicht auch gar nicht gelten, schließlich strebe er "im Gegensatz zum Kollegen Steinbrück kein hohes Staatsamt" an.

 

 

Heinz Riesenhuber (mind. 380.000 Euro) erklärte auf SPIEGEL-Anfrage: "Reformbedarf sehe ich eigentlich nicht.” Aus seiner Sicht ist das durchaus verständlich. Denn bei einer vollständigen Offenlegung von Nebeneinkünften würde die Öffentlichkeit u.a. erfahren, wie hoch Riesenhubers Bezüge als Beiratsvorsitzender des Entsorgungsunternehmens Reclay Holding GmbH und als Aufsichtsratsmitglied bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung tatsächlich sind. In beiden Fällen muss der frühere Forschungsminister gemäß der geltenden Regeln derzeit nur einen Jahresverdienst der Höchststufe 3 (jeweils über 7.000 Euro) angeben.

 

 

Michael Fuchs (mind. 155.500 Euro) wollte zwar gegenüber der Leipziger Volkszeitung nicht die genaue Höhe seiner Nebeneinkünfte verraten, stellte aber fest: "Ich bin erst mit 52 Jahren Politiker geworden und habe noch nie so wenig verdient wie jetzt." Dabei sind seine derzeitigen Einkünfte aus Nebentätigkeiten, Abgeordnetendiät und steuerfreier Kostenpauschale mit durchschnittlich mindestens 195.000 Euro pro Jahr auch jetzt schon ganz ordentlich.

 

 

Michael Glos (mind. 546.000 Euro) spielte die Einkünfte aus seinen zahlreichen Nebenjobs am Dienstagabend bei "Pelzig hält sich" im ZDF mit einem drolligen Argument herunter: "Ich bin für den Steuerzahler der billigste Abgeordnete im Bundestag. Denn wenn das stimmt, was abgeordnetenwatch.de festgestellt hat - angeblich! - dann hätte ich mit meinen Nebeneinkünften so viel verdient, dass meine Diät aus meiner Einkommenssteuer finanziert worden wär."

Ein Abgeordneter, der Dank üppiger Nebenverdienste als Volksvertreter quasi gratis arbeitet! Besten Dank.

Michael Glos zu seinen Nebentätigkeiten bei "Pelzig hält sich" (ab Minute 19:22):

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