Frage an Ronald Doege von Han Urvarpxr bezüglich Bildung und Forschung

16. März 2006 - 08:40

Bevorzugen Sie ein förderales Bildungssystem (wie wir es z. Z. haben) oder ein zentrales (wie z. B. Frankreich, Finnland oder früher die DDR) und warum bevorzugen Sie ausgerechnet dieses Bildungssystem?

Frage von Han Urvarpxr
Antwort von Ronald Doege
16. März 2006 - 11:46
Zeit bis zur Antwort: 3 Stunden 6 Minuten

Sehr geehrte Frau Heinecke,

bezugnehmend auf Ihre Frage antworte ich Ihnen wie folgt:
Die vorläufigen Ergebnisse der Förderalismusreform auf die sich die Vertreter des Bundes und der Länder verständigt haben, sehe ich insbesondere im Bereich der Bildung sehr kritisch. Wie Sie meiner Biographie unter www.ronald-doege.de entnehmen können, habe ich ein Lehrerstudium im Bereich Technik/Wirtschaft abgeschlossen.
Ich bin deshalb sehr gut mit den Vorzügen und Nachteilen eines zentralen Bildungssystems vertraut. In einer Zeit, in der die Politik, aber auch die Wirtschaft von Beschäftigten erwarten, dass sie sehr mobil und bereit sind, ihren Wohnort ständig zu wechseln (z.B. zwischen Rügen und München), ist es ein Anachronismus, wenn in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Bildungssysteme vorherrschen. Persönlich hätte ich mir gewünscht, dass im Rahmen der Förderalismusreform beim Thema Bildung eine stärkere Zentralisierung erfolgt wäre.
Wenn wir Menschen berufsbedingt zumuten von Bundesland A nach Bundesland B zu ziehen, müsste gewährleistet sein, dass die Kinder bei einem Wohnortwechsel, in ein anderes Bundesland ohne Probleme sich in einen neuen Klassenverband integrieren können. Dies ist gegenwärtig jedoch zwischen den einzelnen Bundesländern problematisch, manchmal aber auch innerhalb einer Stadt, wo beispielsweise, an zwei Schulen unterschiedliche Lernmaterialien zum Einsatz kommen. Da die bisherigen Ergebnisse der Förderalismusreform in den nächsten Wochen und Monaten in Gesetzesänderungen einfließen müssen, liegt es nicht zuletzt an Ihnen, als Bürgerin und Wählerin, öffentlich für Ihre Vorstellungen eines Bildungssystems zu werben.
Es kann im Sinne der Sache nur dienlich sein, wenn Bürgerinnen und Bürger, die mit dem erreichten Stand der Förderalismusreform im Bereich Bildung unzufrieden sind, dies öffentlich Kund tun und damit die Politik auffordern, im Rahmen der Gesetzgebungsverfahren nochmals Änderungen vorzunehmen.
Ich persönlich würde mir Wünschen, dass es gelingt, beim Thema Bildung Veränderungen zu Gunsten eines zentralen Bildungssystems zu erreichen. Wie einschlägige Studien im Bereich der Bildung (Pisa, etc.) gezeigt haben, sind im europäischen Vergleich, stehen Länder wie Finnland im Ranking weit vor der Bundesrepublik. Finnland hat z.B. das Bildungssystem der ehem. DDR übernommen und auf seine eigenen Bedürfnisse angepasst. Insgesamt zeigen die Studien das Länder mit zentralen Bildungssystemen deutlich besser abschneiden als Deutschland mit seinem förderalen System.

SPD-Bürgerbüro
Ronald Doege, MdL