Ralph Boes
Grundeinkommen
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Frage von Stephanie Adler an Ralph Boes bezüglich Bürgerrechte, Daten und Verbraucherschutz

Sehr geehrter Herr Boes,

was wollen Sie im deutschen Bundestag bewirken?

Wie organisieren Sie Ihren Wahlkampf?

Was sind Ihre Erfahrungen mit den Bürgern und den Medien?

Mit freundlichen Grüßen

Georg Zenker

Von: Stephanie Adler

Antwort von Ralph Boes (Gru...) 03. Sep. 2009 - 17:05
Dauer zur eingetroffenen Antwort: 3 Wochen 2 Tage

Sehr geehrter Herr Zenker,

herzlichen Dank für Ihre Fragen:
Sie fragen, was ich im Bundestag bewirken will. Ich gebe Ihnen gerne eine Antwort darauf:

Ich trete als parteiloser Direktkandidat für das Bedingungslose Grundeinkommen ein. Innerhalb der Parteien gibt es inzwischen viele Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens - bis in die höchsten Parteispitzen hinein. Diese Befürworter können aber kaum produktiv zusammenarbeiten. Ein Vertreter der SPD kann kaum mit einem Vertreter der Linken sprechen usf.. Es hemmt da die jeweilige Parteidoktrin. Als unabhängiger Kandidat kann ich auf rein-menschlicher Basis freie Bündnisse mit allen diesen Befürwortern schließen - sie gegebenenfalls auch miteinander verbünden - und so die jeweils besonderen Kompetenzen, die in der verschiedenen Parteistandpunkten liegen, für die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens bündeln helfen.

Darüber hinaus kann ich als parteiloser Direktkandidat natürlich im Parlament ganz andere Fragen stellen, als dies den Parteivertretern möglich ist. Wer heute z.B. dafür ist, staatliche Transferleistungen nur NACH BEDÜRFIGKEIT auszugeben, der kann das sich immer stärker ausbildende Überwachungs- und Sanktionierungssystem, etwa bei Hartz IV - aber auch bei Grundsicherung, bei Kombilohn etc. - nicht kritisieren. Wer auf Bedürftigkeit schaut, MUSS die Bedürftigkeit auch überwachen! Und er MUSS auch sanktionieren können, wenn jemand sich in irgendeiner Weise der Total-Kontrolle entzieht.

- Schon formelle Kleinigkeiten können für den Hilfsbedürftigen heute äußerst harte Konsequenzen bringen. Abzüge vom Lebensminimum sind heute fast alltäglich (2008 sind fast 900.000 Menschen davon betroffen worden) und sind nur mit Hunger zu kompensieren. - Ich stand letztens15 Minuten am Bahnhof Gesundbrunnen in Berlin: Vier verschiedene Menschen kamen in dieser Zeit, um in der Mülltonne etwas Verwertbares zu finden.

- Das heute ausgebildete Überwachungs- und Bestrafungssystem steht der ehemaligen Stasi in nichts nach. Man hat dafür nur noch kein Empfinden, weil man die Ausgabe des Transfergeldes nach Bedürftigkeit für berechtigt hält. In der DDR hat man auch vieles für unabdingbar und berechtigt gehalten, was erst heute allgemein für unberechtigt gilt. - Als Mitglied einer Partei kann man die Überwachung und Sanktionierung eines Großteils der Bevölkerung kaum kritisieren, weil die Abgabe von Transfergeld nach BEDÜRFIGKEIT die durchgehende ideologische Basis aller bestehenden Parteien ist. Derartiges gilt es im Parlament zu thematisieren – auch dafür müssen unabhängige Kandidaten dort hinein.

Wie wir den Wahlkampf organisieren?
Wir haben eine Webseite gestaltet (www.fuer-grundeinkommen.de), auf der man unsere Positionen (Grundeinkommen und Bürgerpolitik) in Ruhe studieren kann - ansonsten halte ich viele Vorträge (Termine auf der Webseite) und stehe häufig in den Rathäusern in Mitte für Gespräche bereit. Wir verteilen Flyer u.ä. vor den Jobcentern, in den Verkaufsstrassen und machen viele nächtliche Kneipentouren.

Was sind unsere Erfahrungen mit den Bürgern und den Medien?
Die Medien reagieren sehr verhalten. Bei den Menschen scheint es so etwas wie eine allgemeine Tagesform zu geben. Es gibt Tage, da sind die Menschen sehr sehr offen und es ergeben sich viele schöne Gespräche. Und andere, da sind sie so verschlossen, dass es fast zum verzweifeln ist.

Mit freundlichem Gruß,

Ralph Boes