Elisabeth Jeggle
CDU
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Frage von Zngguvnf Neaqg an Elisabeth Jeggle bezüglich Land- und Forstwirtschaft

# Land- und Forstwirtschaft 12. Dez. 2008 - 01:21

Sehr geehrte Frau Jeggle,

die Bestäuberinsekten sind in Gefahr durch neuartige Pflanzenschutzmittel / Pestizide (Neonicotinoide) und diese sind laut jüngeren offiziellen Untersuchungen auch bereits in Lebensmitteln zu finden. Honigbienen, Schmetterlinge und Wildbienen in Gefahr, der Verbraucher in Gefahr - was werden Sie unternehmen?

Die Honigbiene gilt als drittwichtigstes Haustier des Menschen. Der wirtschaftliche Wert der Bestäubungsleistung der Honigbienen und anderer Bestäubungsinsekten wird laut einer aktuellen Studie auf weltweit 153 Milliarden Euro errechnet. Siehe dazu die Studie von Josef Settele et al. Die Honigbienen existieren seit 45 Millionen Jahren auf diesem Planeten und der Naturhaushalt hat sich auf ihre Existenz eingestellt. Die Wichtigkeit der Honigbiene für den Menschen und den Naturhaushalt ist ohne Zweifel äußerst hoch.

Die Anzahl der gemeldeter Bienenschäden von 1960 an gingen von 350 im Schnitt der siebziger Jahre auf 80 Meldungen zurück, bis im Jahr 2008 die Zahl der gemeldeten Bienenschäden auf 11.500 Völker hochschnellte. Eine Steigerung von 14.375 %.

Diese Steigerung, die ohne Zweifel als Großschadensereignis zu bezeichnen ist, ist nicht einem Einzelfall zu verdanken, sondern ist auch in anderen Ländern (Italien, Slowenien und der Tschechei) in dieser Form aufgetreten.

Pflanzenschutzmittel reichern sich im Naturhaushalt und im Nahrungskreislauf des Menschen an. Das in Baden und Bayern das Bienensterben verursachende Mittel, Clothianidin, ist in der Schweiz bereits im zum Verzehr bestimmten Salat nachgewiesen worden, der aus Italien importiert worden ist. Neonicotinoide reichern sich im Boden an, dass zeigen Studien und die Praxis.

Die Agrarpolitik braucht eine Wende, um nachhaltige Schäden am Menschen und am Naturhaushalt abzuwenden. Demnächst wird es eine Abstimmung über die Pflanzenschutzrichtlinie im Parlament geben, die maßgeblich unser aller Zukunft bestimmen wird.

Wie werden Sie sich positionieren?

MFG
M.Arndt

Von: Zngguvnf Neaqg

Antwort von Elisabeth Jeggle (CDU)

Sehr geehrter Herr Arndt,

vielen Dank für Ihre Anfrage vom 12. Dezember 2008.
Auch mir bereitet das Bienensterben große Sorge. Es muss alles dafür getan werden, dass der Lebensraum der Biene und die Bienen geschützt werden. Ebenfalls ist die Gewährleistung der ökologischen Grundlage der Imkerei unumgänglich. Wie Sie richtig anmerken, leisten die Bienen einen sehr wichtigen Beitrag für den Naturhaushalt. Die Biene hat für das ökologische Gleichgewicht eine wichtige Rolle eingenommen. Eine Schwächung des Bienenbestandes würde große Schäden des ökologischen Gleichgewichts nach sich ziehen. Dies kann keinesfalls hingenommen werden. Auch die Lebensmittelsicherheit muss im Hinblick auf die Imkerei durchgängig gewährleistet sein.
Das Bienensterben wurde dieses Jahr durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst. Das Bekämpfen des Westlichen Maiswurzelbohrers durch amtliche Anordnung, mithilfe einer erhöhten Dosis eines insektiziden Beizmittels auf Basis des Wirkstoffs Clothianidin war eine Ursache. Die mangelnde Beizqualität führte zu einem erhöhten Wirkstoffabtrieb und somit zu Staubbildung. Die Geräte, die zur Maisaussaat eingesetzt wurden verteilten den Staub in der Luft. Dies alles wurde noch verschlimmert, da aufgrund des Wetters viele Pflanzen später als normal blühten und dies mit der Maissaussaat zusammenfiel.
Unmittelbare Maßnahmen wurden bereits vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ergriffen. Aus Vorsorgegründen wurden acht insektizide Beizmittel vorläufig als unzulässig erklärt.
Der Bienenschutz wird in Deutschland sehr groß geschrieben und bevor ein Pflanzenschutzmittel zugelassen wird, werden Tests durchgeführt, ob es eventuell schädlich für Bienen sein könnte. Ist dies der Fall oder bestehen Zweifel über die Wirkung auf Bienen, wird das Mittel nicht zugelassen.
Ich verstehe Ihre Forderung, mehrere Pestizide vom Markt zu nehmen, um die Umwelt und die Bienen zu schützen. Auch ich unterstütze diese Forderung, sofern die Pestizide nicht mehr zeitgemäß sind, es also bereits bessere Pflanzenschutzmittel gibt oder nachweislich eine Schädigung der Bienen und des Naturhaushaltes vorliegt. Jedoch sollte auch die Ernährungssicherheit berücksichtigt werden, hierbei sind Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung von Schädlingen usw. nötig. Natürlich muss ganz genau geprüft werden, welche Mittel dafür zugelassen werden.
In der aktuellen Debatte zum Pflanzenschutz im Europäischen Parlament habe ich mich dafür stark gemacht, dass nur solche Pflanzenschutzmittel zugelassen werden, die keinerlei Auswirkungen auf die Bienen und somit auch nicht auf den Naturhaushalt haben.
Am 20. November 2008 verabschiedete das Europäische Parlament darüber hinaus eine Entschließung zur Lage der Bienenzucht. Die endgültige Entschließung finden Sie unter folgendem Link: http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P6-T...

Das Europäische Parlament hat sich ernsthaft in der Entschließung mit diesem Problem auseinandergesetzt und bemerkt, dass die Bienenzucht weltweit mit großen Problemen zu kämpfen hat. Das Europäische Parlament ist der Auffassung, dass "unverzüglich etwas unternommen werden muss, um die Gesundheit der Bienen, die sich in einem kritischen Zustand befindet, auf geeignete Art und Weise und mit wirksamen Mitteln anzugehen". Das Europäische Parlament hat ebenfalls einen Forderungskatalog an die Kommission gerichtet, in dem unter anderem ökologische Ausgleichszonen für Bienenvölker, die Erforschung von Parasiten und Krankheiten, die die Bienenvölker dezimieren sowie eine Untersuchung, inwieweit die Bienensterblichkeit auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zurückzuführen ist, gefordert wird.
Ich bin zuversichtlich, dass wir mit der Überarbeitung der Pflanzenschutzrichtlinie und mit der Entschließung des Europäischen Parlaments auf einem guten Weg sind, den Bestand der Bienen schützen zu können.

Mit freundlichen Grüßen,
Elisabeth Jeggle MdEP