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Carsten Sieling
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Frage von Volker U. •

Frage an Carsten Sieling von Volker U. bezüglich Außenpolitik und internationale Beziehungen

Sehr geehrter Herr Abgeordneter,

halten Sie es angesichts der jüngsten Veröffentlichungen, seitens der Bundesbank und der EZB(s. auch Titelstory im "Der Spiegel" v. 15.4.2013 dazu) im Hinblick auf die an letzter Stelle stehenden Nettovermögen der deutschen Haushalte im Median in Höhe von 51400,-- Euro für angebracht, sich immer noch für Eurobonds -im Zweifelsfall zu überproportionalen Lasten Deutschlands- auszusprechen? Wenn ja, wie bringen Sie dies in Einklang mit den Thesen der SPD, deren Vorstandsmitglied Sie sind,daß starke Schultern mehr stemmen müssen als schwache, wenn Bürger hilfsbedürftiger EU- Länder über ein mehrfaches Nettovermögen verfügen, als die deutschen Bürger? Erbitte dazu Ihre Antwort. Vielen Dank.

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Antwort von
SPD

Sehr geehrter Herr Ultes,

haben Sie vielen Dank für Ihre Frage auf abgeordnetenwatch.

Ohne Zweifel hat die Veröffentlichung der Vermögensstudie der Europäischen Zentralbank zu einem großen medialen Echo geführt. Daher verstehe ich, wenn sich einige Bürger nun in ihrer Ablehnung gegenüber Instrumenten wie beispielsweise Eurobonds bestätigt fühlen. Allerdings sind viele Zahlen, wie die Europäische Zentralbank selbst einräumt, mit Vorsicht zu genießen.

Zum einen muss man bedenken, dass auch die Vermögenswerte in vielen südeuropäischen Ländern deutlich geringer ausfallen würden, wenn diese Länder über vergleichbare soziale Sicherungssysteme wie in Deutschland verfügen würden. Gerade Leistungen aus unseren Pensions-, Kranken-, oder Arbeitslosenversicherung, die allen Beitragszahlern in Deutschland zustehen, werden in der Studie nur ungenügend berücksichtigt.

Zum anderen werden in der EZB-Studie die Unternehmensvermögen nur bedingt berücksichtigt. Da gerade in Deutschland weit über 80 Prozent der Vermögen aus sog. Unternehmensvermögen besteht, wäre es aus meiner Sicht notwendig gewesen, auch das gesamte Vermögen des Unternehmenssektors sowie das öffentliche Vermögen (Schulen, Spitäler, öffentliche Infrastruktur) in Deutschland einzubeziehen.

Schließlich gilt es zu berücksichtigen, dass der Großteil der Vermögenswerte aus Immobilien besteht. Entsprechend ist ein Vergleich zwischen den einzelnen Ländern natürlich schwierig. Denn während in Deutschland ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger zur Miete wohnt, ist die Zahl der Wohnungsbesitzer beispielsweise in Italien oder Spanien um ein Vielfaches höher. D.h., dass viele Italiener oder Spanier zwar ihre eigenen Wohnungen besitzen, sich dadurch ihr Vermögen aber entsprechend der aktuellen Immobilienpreise kontinuierlich verändert. Wie jeder weiß, haben die Immobilienpreise in vielen südeuropäischen Ländern eine jahrelange Expansionsphase hinter sich, die schließlich im Zusammenbruch der Immobilienblase mündete. Da viele Zahlen noch aus dem Jahr 2008 stammen, ist damit davon auszugehen, dass die Immobilienwerte - und damit die Vermögenswerte dieser Länder, viel niedriger wären, denn wenn die Immobilienblase in Spanien - wie wir wissen - eine Illusion war, dann war es auch die Vermögensblase.

Für mich ist klar, dass vor allem die Wohlhabenden in den Krisenländern einen Beitrag zur Sanierung der Wirtschaft leisten sollen. Allerdings ist auch klar, dass der Eindruck, Deutschland sei das Armenhaus Europas, ein verzerrtes Bild darstellt.

Ein Satz zum Schluss: Laut EZB liegt das deutsche Median Vermögen bei ca. 51.000 Euro. Das Durchschnittseinkommen liegt hingegen bei ca. 195.000 Euro - eine Differenz also von ca. 144.000 Euro, die viel mehr über die gravierende Einkommensungleichverteilung innerhalb Deutschlands aussagt, als über den Vergleich zu anderen Ländern

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Carsten Sieling MdB