Frage an Carsten Härle von Fronfgvna Jraqg bezüglich Bildung und Forschung

13. Oktober 2018 - 09:47

Ach ja, lieber Herr Härle, das Übliche. Es wird mit Unterstellungen und Provokationen auf eine sachliche Frage geantwortet. Denn: "Schule ohne Rassismus" - unsere Schule wird sich möglicherweise auch daran beteiligen - ist kein Unterrichtsfach nach dem ich gefragt habe, sondern eine sinnvolle Aktion gegen die Diskriminierung von Minderheiten, übrigens keineswegs nur Einwanderer. Eine Schule kann sich freiwillig dazu entschließen, unter der Voraussetzung, dass auch genügend Schülerinnen und Schüler mitmachen, das nennt man übrigens Mitbestimmung (oder auch Partizipation) - Demokratie, vielleicht etwas neues für sie! Natürlich werden Schülerinnen und Schüler nicht zu ihrer Unterschrift gezwungen, das ist einfach die gewöhnliche AfD - Unterstellungs-Rhetorik, denn Schülerinnen und Schüler sowie Eltern könnten sich gegen ein verpflichtendes Unterzeichnen wehren. Sie müssten doch eigentlich auch daran interessiert sein, denn AfDler gehören ja auch einer Minderheit an, die möglicherweise vor Diskriminierung geschützt werden muss.
Noch einmal meine Frage: In welchen Fächern sollten Ihrer Meinung nach politische Inhalte verschwinden?

Frage von Fronfgvna Jraqg
Antwort von Carsten Härle
16. Oktober 2018 - 12:06
Zeit bis zur Antwort: 3 Tage 2 Stunden

Sehr geehrter Herr Jraqg,

ich weiß nicht, wo Sie hier eine Unterstellung oder Provokation meinerseits sehen. Die Bewerbung des "Schule ohne Rassismus"-Programms findet im Untericht, anstelle Unterricht und in Pausen statt. In den ersten beiden Fällen wird hier also Schulzeit für fachfremde, politische Themen genutzt, im zweiten Fall werden Pausen, die der Erholung der Kinder dienen sollen, unzulässig mit schulischen und politischen Inhalten gefüllt.

Ich möchte Sie auch darauf aufmerksam machen, dass Demokratie, Zivilcourage und Rassismus verschiedene Dinge sind und miteinander kaum etwas zu tun haben. Dies wird nicht nur von Ihnen gerne unzulässig vermischt und dann teilweise in ihrer Bedeutung umgkehrt.

Es gerade kein Zeichen einer freien Demokratie, wenn Schüler in der Schule mit einseitiger Meinungsmache manipuliert werden damit sie dann "freiwillig" Listen unterschreiben. Interesant und bezeichnend ist auch, dass viele Eltern von diesen Aktionen in der Schule praktisch nichts mitbekommen haben.

Mit Zivilcourage hat das alles auch nichts zu tun, sondern ist gerade das Gegenteil. Man braucht keine Zivilcourage, um sich der öffentlichen Mehrheitsmeinung, der Meinung des Staats, des Vorgesetzten oder der Lehrer zu unterwerfen und dann auch noch gegen politisch andersdenkende Minderheiten zu agitieren. Die mit mehr oder weniger weichen Mitteln induzierte Anpassung an die Obrigikeit führt geradewegs zu einer unfreien Gesellschaft ohne Zivilcourage nach Muster der DDR.

Dieses Programm ist also gerade das Gegenteil, nämlich ein Zeichen von Unterwürfigkeit, Anpassung, Gleichschaltung und Unfreiheit. Wenn überhaupt müsste in der Schule eine offene Diskussion mehrerer Seiten stattfinden, aber eigentlich gehören diese Themen und Maßnahmen überhaupt nicht an die Schule und schon gar nicht in die Fachunterrichte, wie das bis vor wenigen Jahren auch üblich war.

Der Fokus hat hier schon 2010 einen schönen Artikel verfasst, denen ich Ihnen ans Herz legen möchte:

"Der Gesinnungsterror der politisch Korrekten ist eine Feind-Erklärung: Er stellt jeden liberal Denkenden in seiner Existenz in Frage."

(
https://www.focus.de/wissen/mensch/philosophie/tid-20094/debatte-die-ne…
).

Freiheit und Demokratie bedeuten Vielfalt der Meinung, nicht Einschränkung, wie das mit dem "Schule gegen Rassismus"-Programm gemacht wird.

Der Gesinnungsterror der politisch Korrekten ist eine Feind-Erklärung: Er stellt jeden liberal Denkenden in seiner Existenz in Frage. Der Gesinnungsterror der politisch Korrekten ist eine Feind-Erklärung: Er stellt jeden liberal Denkenden in seiner Existenz in Frage https://www.focus.de/wissen/mensch/philosophie/tid-20094/debatte-die-ne…

Bzgl. der Frage, welche Unterrichtsfächer ich meine, verweise ich auf meine ursprüngliche Antwort, wo bereits Musikunterricht, Deutschunterricht, Politikunterricht (hier bzgl. Punkt Einseitigkeit) und Physikunterricht erwähnt waren. Hier kann hier aber noch das Beispiel Englischunterricht ergänzen, in denen Aufsätze über das politisch aufgeladene Thema 9/11 geschrieben werden.

Im Endeffekt findet also in fast jedem Schulfach eine bis vor wenigen Jahren kaum denkbare einseitige politische Beeinflussung statt.

Die Mehrheit der Lehrer ist links und wählt links, wie schon diverse Umfragen und Studien ergeben haben ( z.B. DIE WELT: "Unsere linken Lehrer" https://www.welt.de/wams_print/article3835659/Unsere-linken-Lehrer.html ). Das bleibt ihnen in einer Demokratie unbenommen, aber es ist nicht die Aufgabe der Lehrer, ihre persönliche politische Meinung in die Fachunterrichte einzubringen. Es ist sogar ein eklatanter Verstoß gegen des Neutralitätsgebot, dass für Lehrer und Beamte gilt.

Ich bin daher der Meinung, dass Schule wieder deutlich entpolitisiert werden muss.

Mit freundlichen Grüßen

Carsten Härle