Benjamin Freiling
PIRATEN

Frage an Benjamin Freiling von Puevfgvar Xhcsre bezüglich Verbraucherschutz

02. April 2012 - 20:17

Sehr geehrte Kandidatinnen und Kandidaten,

spätestens seit Geburt meiner Tochter bin ich eine sehr aufmerksame und bewusste Konsumentin geworden. Mir missfällt schon seit sehr langer Zeit die inflationäre Verwendung von sogenannten Gütesiegeln. Als Verbraucher verliert man die Übersicht über all diese Siegel. Ich behaupte nur die wenigsten wissen Bescheid, was sich hinter den Siegeln an "Qualitätskriterien" verbirgt. Gefühlt ist mit der Etablierung der Bio-Produkte, eine neue Dynamik in der Neueinführung von Gütesiegeln entstanden.

Ein heutiger Beitrag im NDR Magazin "Markt" zu dem DLG-Gütesiegel bestätigt meine Einstellung hierzu. Hier versucht die Lebensmittelindustrie mit diesem Siegel den Produktverkauf anzukurbeln. Über 90 % aller eingereichten Artikel erhalten dieses Siegel und bei einer Straßenbefragung gaben erschreckend viele an, dass Produkt mit dem DLG Siegel bewussst zu bevorzugen.

Mich würde interessieren wie sie als Kandidat/in zu diesen Gütesiegeln stehen? Halten Sie eine strengere gesetzliche Vorgabe für Gütesiegel für erforderlich? Wie können der Verbraucherschutz und die Verbraucherinteressen in diesem Bereich verbessert werden? Was tun sie dafür, dass die Wirtschaft die Verbraucher nicht für dumm verkaufen kann?

Mit freundlichen Grüßen

Christine Kupfer

Frage von Puevfgvar Xhcsre
Antwort von Benjamin Freiling
24. April 2012 - 13:15
Zeit bis zur Antwort: 3 Wochen

Hallo Christine Kupfer,

vielen Dank für Ihre Frage und bitte entschuldigen sie die verzögerte Antwort.

Die Idee, anhand von Gütesiegeln sicherzustellen, das bestimmte Qualitätskriterien eingehalten werden halte ich für positiv. Die Art und Weise wie diese Idee umgesetzt wird stehe ich jedoch sehr skeptisch gegenüber.

Bei der Fülle von Gütesiegeln mit denen wir gegenwärtig überschwemmt werden, ist die Gefahr als Verbraucher die Übersicht zu verlieren sehr groß. Außerdem wird Unternehmen Tür und Tor geöffnet mit “greenwashing” (Umwelt-Gewissen reinwaschen) die Verbraucher zu täuschen und eine verdrehte Wirklichkeit zu verkaufen.

Zunächst einmal ist es wichtig zu hinterfragen wie die Regelungen und Gesetzte für Gütesiegel überhaupt zustande kommen. Eine Ahnung bietet einem die kontroverse Debatte über die Einführung der Ampel auf Lebensmittelverpackungen. “Nach Aussage von Foodwatch sprechen sich mehr als 70% der Direktkandidaten für die Bundestagswahl 2009 für die Einführung der Lebensmittelampel in Deutschland aus. Ca. 20% seien gegen das Ampel-Modell, vorwiegend Mitglieder der CDU und FDP.“

Verbraucher wollen Lebensmittel-Ampel
Krankenkassen fordern Lebensmittelampel
77 Prozent der Bürger sagen Nein zum Ampel-Verbot
Wissenschaft spricht für Ampelfarben
Lebensmittel-Ampel schlägt Modell der Industrie

Lebensmittelwirtschaft begrüßt Absage des Bundestages an die Ampel
Eine Begründung: “Die Ampel würde zu einer völlig ungerechtfertigten Diskriminierung von bei Verbrauchern hochgeschätzen Produkten führen (z. B. Fleischerzeugnissen, Süßwaren, Käse).”
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ampel_%28Lebensmittelkennzeichnung%29

Die Ampel Debatte verdeutlicht sehr schön, wie Einflussreich der Bund der Lebensmittelwirtschaft auf die Gesetzgebung ist. Mir ist es wichtig das die Belange der Bürger über den Interessen der Wirtschaft gestellt werden. Ich schlage vor die Gütesiegel von Verbrauchern und Wissenschaft bewerten zu lassen um eine unabhängige Kontrolle zu gewährleisten und die Verkaufsstellen für Lebensmittel zu verpflichten, diese Bewertung/Rating auszuhängen. Zusätzlich setzt ich mich dafür ein, die Produktion von Lebensmittel für die Bürger offen zugänglich zu machen, damit sie unabhängig von zentralisierten Kontrollorganen, sich von den vorherrschenden Produktionsbedingungen selber ein Bild machen zu können. Es kann nicht sein das unsere Nahrungsmittel als Grundlage unserer Gesundheit, hinter für Presse und Bürgern verschlossenen Türen passiert.

Ich beziehe einen Großteil meiner Lebensmittel von klein Bauern, von denen viele das Demeter Gütesiegel haben. Diese Betriebe sind offen für die Bürger und jeder kann sich selber ein Bild machen wie die Nahrungsmittel dort hergestellt werden.

Der Kattendorfer Hof ist wie ich finde ein sehr zukunftsweisendes Beispiel für unsere Nahrungsmittelproduktion.

Produktion in der Region und für die Region
klein bäuerliche und solidarische Landwirtschaft
strenge ökologische Richtlinien nach Demeter Gütesiegel
jederzeit offen für Kunden
direkte Finanzierung „Kuhaktien“

Beste Grüße

Benjamin Freiling