Check 3: Wurde „wesentliche” Lobby-Einflussnahme offengelegt?
Leider nur in sehr geringem Maße. Wir erklären, woran eine Offenlegung bislang scheitert:
Problem 1: Was ist wesentlich?
Unsere Kritik an den unverbindlichen Vorgaben zum exekutiven Fußabdruck bestätigt sich: Die sogenannte Wesentlichkeitsschwelle gibt den Ministerien zu viel Spielraum.
„Wesentlich ist die Interessenvertretung, wenn sie Niederschlag in der Ausrichtung der Hauptanliegen des Gesetzentwurfs gefunden hat oder durch sie der ursprünglich vorgesehene Inhalt des Gesetzentwurfs durch einen Vortrag in zentralen Fragen geändert worden ist.
Erfolglose Lobby-Versuche oder Änderungen, die die Ministerien selbst als „geringfügig” ansehen, müssen somit nicht im Gesetzentwurf abgebildet werden. Auf diese Interpretationsfreiheit scheinen einige Ministerien regelmäßig zurückzugreifen, um gar keine Lobby-Einflüsse beim exekutiven Fußabdruck angeben zu müssen.
- Gleich sieben Ministerien haben in dieser Legislaturperiode kein einziges Mal „wesentliche” Lobby-Einflüsse auf ihre Gesetzesentwürfe angegeben. Darunter die Ministerien für Verteidigung (Boris Pistorius, SPD), Inneres (Alexander Dobrindt, CSU), Wohnen und Bauen (Verena Hubertz, SPD), Forschung (Dorothee Bär, CSU) und Digitales (Karsten Wildberger, CDU) – Stand Anfang Februar 2026.
Problem 2: Was gilt als Einfluss?
Wir haben Gesetzesentwürfe ohne Angabe des exekutiven Fußabdrucks mit Stellungnahmen aus dem Lobbyregister abgeglichen. Auffällig dabei: Zu sehr vielen Gesetzesvorschlägen gingen massenhaft Lobby-Papiere bei den Ministerien ein.
- Das Wirtschaftsministerium erhielt 58 Stellungnahmen zum Gesetzentwurf zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge.
- Dem Arbeits- und Sozialministerium wurden 98 Stellungnahmen zum Gesetzentwurf zur Änderung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes zugesendet.
Wie all diese Lobby-Papiere gewirkt haben, bleibt unklar, denn im jeweiligen Gesetzentwurf haben die Ministerien keinen „wesentlichen” Lobby-Einfluss transparent gemacht. Und das, obwohl offizielle Lobby-Forderungspapiere nur einen Bruchteil des tatsächlichen Lobby-Einflusses auf Gesetze abbilden. Dass keine einzige dieser Stellungnahmen spürbaren Einfluss auf den Gesetzgebungsprozess hatte: kaum glaubhaft.
Zu wenige gute Fälle, zu wenig Transparenz
Nur drei aus 115 Gesetzesentwürfen der aktuellen Legislaturperiode erfüllen den Transparenz-Anspruch des Lobby-Fußabdrucks:
- Das Gesetz zur Änderung des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes sowie das Geoschutzreformgesetz aus dem Umweltministerium
- Die Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb des Justizministeriums.
In diesen Gesetzen wird durch den Fußabdruck deutlich, welche Lobby einen Gesetzesvorschlag „wesentlich“ beeinflusst hat, wie das Ministerium mit den Lobby-Forderungen umging und welche Anpassungen im Entwurf es auf Basis der Forderungen vornahm.