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Berliner Senat will Informationsfreiheit einschränken

Gemeinsam mit 33 Organisationen fordern wir: Berliner IFG stärken statt schwächen!

Die Berliner Regierungsfraktionen von CDU und SPD planen offenbar, das Berliner Informationsfreiheitsgesetz (IFG) deutlich einzuschränken. Gemeinsam mit einem breiten Bündnis aus 33 weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen fordern wir die Berliner Landesregierung auf, diese Pläne zu stoppen.

von ‎ abgeordnetenwatch, 06.03.2026

Was der Senat plant

Auslöser der Kritik ist eine Gesetzesvorlage des Berliner Senats zur Änderung des Berliner Datenschutzgesetzes und weiterer Rechtsvorschriften. Unter anderem mit Verweis auf den Katastrophenschutz sollen darin zehn neue Ausnahmeregelungen für das Informationsfreiheitsgesetz eingeführt werden.

Diese würden Auskunftsansprüche gegenüber Behörden in zahlreichen Bereichen erheblich einschränken – darunter:

  • Energie
  • IT und Telekommunikation
  • Transport und Verkehr
  • Entsorgung
  • Gesundheit
  • Wasser und Ernährung
  • Medien und Kultur
  • Finanz- und Versicherungswesen

Damit würde das Berliner Informationsfreiheitsgesetz damit faktisch weitgehend entkernt. Statt Transparenz abzubauen, muss die Informationsfreiheit in Berlin gestärkt werden. Noch im Koalitionsvertrag hatte die Regierung angekündigt, das bestehende Informationsfreiheitsgesetz zu einem Transparenzgesetz weiterzuentwickeln. Die aktuell geplanten Änderungen würden jedoch in die entgegengesetzte Richtung gehen.

Warum das problematisch ist

Informationsfreiheit ist ein zentrales Instrument demokratischer Kontrolle. Bürger:innen, Journalist:innen und zivilgesellschaftliche Organisationen können damit staatliches Handeln nachvollziehen und Missstände aufdecken. Bereits heute enthält das Informationsfreiheitsgesetz Regelungen zum Schutz sensibler Informationen. Behörden können Auskünfte verweigern, wenn deren Veröffentlichung etwa die öffentliche Sicherheit oder andere wichtige öffentliche Interessen gefährden würde. Vor diesem Hintergrund werfen zusätzliche pauschale Ausnahmeregelungen erhebliche Fragen nach der Verhältnismäßigkeit auf. Der Zeitpunkt der Reformpläne sorgt dabei für zusätzliche Kritik: Kurz zuvor hatte FragDenStaat tausende Seiten Dokumente zum sogenannten Antisemitismus-Fördermittelskandal rund um die Berliner CDU veröffentlicht. Unterlagen, die mithilfe des Informationsfreiheitsgesetzes angefordert worden waren.

Gemeinsame Forderungen

Gemeinsam mit 33 weiteren Organisationen fordern wir die Regierungsfraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus auf:

  • die geplanten Einschränkungen des Informationsfreiheitsgesetzes zurückzunehmen
  • bestehende Auskunftsrechte zu schützen
  • das Berliner IFG wie angekündigt zu einem echten Transparenzgesetz weiterzuentwickeln.

Offener Brief der Zivilgesellschaft

In einem gemeinsamen offenen Brief wenden wir uns an die Fraktionsvorsitzenden Dirk Stettner (CDU) und Raed Saleh (SPD).

Offener Brief an Dirk Stettner (CDU) und Raed Saleh (SPD): Informationsfreiheit in Berlin stärken statt schwächen!

Sehr geehrter Herr Stettner, sehr geehrter Herr Saleh,

mit großer Sorge verfolgen wir die Pläne des Berliner Senats, das Berliner Informationsfreiheitsgesetz (IFG) im Rahmen der „Vorlage – zur Beschlussfassung – Gesetz zur Änderung des Berliner Datenschutzgesetzes und weiterer Rechtsvorschriften“ zu ändern und dabei bestehende Auskunftsrechte massiv einzuschränken.

Demnach sollen künftig unter anderem Informationen im Zusammenhang mit kritischer Infrastruktur sowie mit laufenden oder vorbereiteten Ermittlungsverfahren pauschal von Informationsfreiheitsanfragen ausgenommen werden können. In der Beschlussvorlage finden sich insgesamt zehn neue Ausnahmevorschriften. Eine solche Ausweitung von Ausnahmetatbeständen würde praktisch die Aushöhlung des Informationsfreiheitsgesetzes bedeuten – das Berliner Gesetz würde so von einem der besten zum möglicherweise schlechtesten Informationsfreiheitsgesetz Deutschlands werden. 

Der Schutz kritischer Infrastruktur ist selbstverständlich wichtig. Doch es gilt bereits heute: Die bestehenden Regelungen ermöglichen es Behörden, sensible Sicherheitsinformationen zu schützen, etwa wenn ihre Herausgabe das Gemeinwohl oder den Schutz besonderer öffentlicher Belange gefährden könnte. Zusätzliche pauschale Ausschlüsse – etwa für potenziell strafverfahrensrelevante Informationen – werfen daher erhebliche Fragen nach der Verhältnismäßigkeit auf.

Informationsfreiheitsgesetze ermöglichen es Bürger*innen, Journalist*innen und Organisationen, staatliche Dokumente einzusehen und Entscheidungen der Verwaltung besser zu verstehen. Sie bilden eine wichtige Grundlage für faktenbasierte Berichterstattung, parlamentarische Kontrolle und zivilgesellschaftliches Engagement. 

Transparenz in der Verwaltung hat zudem nachweisbare positive Effekte: Sie stärkt das Vertrauen in staatliche Institutionen, fördert gesellschaftliche Teilhabe und erleichtert die Aufklärung von Missständen. Werden Informationsrechte eingeschränkt, gehen genau diese Vorteile verloren. Gerade in einer Zeit, in der das Vertrauen in staatliche Institutionen sinkt, ist ein solcher Schritt ein fatales Signal.

Wir bitten Sie daher eindringlich, sich im parlamentarischen Verfahren dafür einzusetzen, dass das Berliner Informationsfreiheitsgesetz nicht geschwächt wird. Stattdessen sollte Berlin den Zugang zu staatlichen Informationen weiter ausbauen und die Transparenz öffentlicher Verwaltung stärken.

Der Koalitionsvertrag von CDU und SPD aus dem Jahr 2023 stellt ausdrücklich in Aussicht, Transparenz und Informationszugang weiterzuentwickeln. Dieses Versprechen sollte gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und wachsender Anforderungen an staatliche Resilienz eingelöst werden.

Berlin hat sich in den vergangenen Jahren als Vorreiter für Open Data und digitale Innovation positioniert. Die Bereitstellung offener Verwaltungsdaten stärkt zivilgesellschaftliche Initiativen, wissenschaftliche Forschung und nicht zuletzt den Startup-Standort. Sie ist Ausdruck eines klaren Innovationswillens der Stadt. Ein Rückbau von Transparenzregelungen würde diesem Anspruch widersprechen und die positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre konterkarieren.

Eine transparente Verwaltung ist kein Risiko für Sicherheit und Funktionsfähigkeit des Staates – sie ist ein zentraler Bestandteil demokratischer Legitimation und ein wichtiger Baustein für Vertrauen zwischen Staat und Gesellschaft. Sicherheit und Transparenz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Beides lässt sich stärken, wenn das Informationsfreiheitsgesetz bestehen bleibt und ausgebaut wird.

Wir als breites zivilgesellschaftliches Bündnis aus 34 Organisationen, Vereinen und Projekten fordern Sie daher auf, die geplanten Einschränkungen kritisch zu prüfen und die Informationsfreiheit in Berlin zu stärken, statt sie zu schwächen.

abgeordnetenwatch
AG KRITIS
Amnesty International 
bUm Berlin
Chaos Computer Club
Democratic Society AISBL 
Deutsche Gesellschaft für Informationsfreiheit
Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di Berlin-Brandenburg
Digitale Gesellschaft für Informationsfreiheit e.V.
Deutscher Journalisten-Verband Berlin – Journalistenverband Berlin-Brandenburg
D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt
Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF)
Finanzwende e.V.
foodwatch
Freischreiber e.V – Berufsverband freier Journalistinnen und Journalistin
FragDenStaat
Gemeingut in BürgerInnenhand (GiB) e.V.
Green Legal Impact Germany e.V.
GRÜNE LIGA Berlin
Humanistische Union e. V. - Landesverband Berlin-Brandenburg
innn.it e.V. 
#LeaveNoOneBehind
LobbyControl
Mehr Demokratie e.V.
Netzwerk Recherche
Neue deutsche Medienmacher*innen
Open Knowledge Foundation Deutschland e. V.
Open Parliament TV
open petition
Reporter ohne Grenzen
Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein e.V. (RAV)
Sanktionsfrei e.V. 
Transparency Deutschland
Wikimedia Deutschland e.V.

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