Zeugnis für die Abgeordneten: 275x „sehr gut“, 169x durchgefallen

Mit einer "sehr guten" Antwortbilanz auf abgeordnetenwatch.de können 275 Bundestagsabgeordnete beruhigt in die Sommerpause gehen. 169 Volksvertreter sollten dagegen in den nächsten Wochen dringend nacharbeiten: Ihre Antwortquote liegt neun Monate nach der Bundestagswahl bei weniger als 50 Prozent. In der Schule wäre dies ein "mangelhaft" bzw. ein "ungenügend".

abgeordnetenwatch.de hat die Antwortquote aller 622 Bundestagsabgeordneten berechnet. Die Parlamentarier mit der aktuell besten Bilanz sind demzufolge:

Am schlechtesten schneiden diese Volksvertreter ab:

Eine Liste mit den Antwortquoten aller 622 Bundestagsabgeordneten haben wir in diesem pdf zusammengestellt.

Auf eine "sehr gute" Antwortbilanz (100 - 90%) kommen insgesamt 275 Abgeordnete. "Gut" (90 - 80%) und "befriedigend" (80 - 67%) ist die Quote von 51 bzw. 68 Volksvertretern. Immerhin noch "ausreichend" (67 - 50%) fällt die bisherige Bilanz von 59 Politikerinnen und Politikern aus. Die übrigen Abgeordneten ließen mehr als die Hälfte ihrer Fragen unbeantwortet. Bei 69 Parlamentariern war die Antwortquote "mangelhaft" (50 - 1%), bei den restlichen 100 Abgeordneten "ungenügend" (0%). Die Durchschnittsnote aller Bundestagsabgeordneten liegt bei 2,83.

 

Im Parteienvergleich schneiden die Abgeordneten der Linken mit einer durchschnittlichen Note von 2,38 am besten ab, gefolgt von den Parlamentariern der Grünen (2,39), der SPD (2,42) und der FDP (2,77). Mit größerem Abstand folgen die Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU, die auf eine Durchschnittsnote von 3,35 bzw. 3,49 kommen.

Um diejenigen Abgeordneten nicht zu benachteiligen, die erst vor kurzem eine Frage erhalten haben, wurden nur Antworten auf jene Fragen berücksichtigt, die vor dem 1. Juli 2010 gestellt wurden. In die Statistik eingeflossen sind alle Antworten, die bis vergangenen Freitag (23.7.2010) vorlagen. Antworten mit standardisierten Texten, sog. "Standardantworten", wurden als keine Antwort gezählt. Insgesamt haben die Abgeordneten seit der Bundestagswahl 5.221 von 7.056 Fragen beantwortet, das entspricht einer Quote von 73,99 Prozent. (Zum Vergleich: Am Ende der vergangenen Wahlperiode lag die Antwortquote bei 86,33 Prozent.)

Überrascht Sie die positive Antwortbilanz so vieler Abgeordneter? Was denken Sie darüber, dass 100 Volksvertreter bislang noch gar keine Bürgerfrage beantwortet haben? Wie sieht es mit der Qualität der Antworten aus? Schreiben Sie Ihre Meinung im Kommentarbereich.

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Nachtrag vom 03.08.2010: Der Bundestagsabgeordnete Dr. Joachim Pfeiffer weist uns darauf hin, dass er - anders als in unserer Tabelle zunächst dargestellt - alle 25 Fragen beantwortet hat und deswegen auf eine Antwortquote von 100 Prozent (statt 96 Prozent) kommt. In der Tat war uns ein Fehler unterlaufen, da wir eine seiner Antworten fälschlicherweise als Standard-Antwort (und somit als keine reguläre Antwort) gewertet hatten. Wir haben dies nun berichtigt und alle Tabellen in diesem Artikel entsprechend angepasst. Den Fehler bitten wir zu entschuldigen.

Vorkommende Politiker:innen

Lizenz: Der Text auf dieser Seite steht unter der Creative Commons Lizenz BY-NC-SA 4.0.

Kommentare

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Lobenswert ist die enorme Wandlung von Bildungsministerin Annette Schavan sozusagen von der Saula zur Paula in bezug auf ihre Mitarbeit bei abgeordnetenwatch.
Solche Verhaltensänderungen können gefördert werden, wenn Herr/Frau Wähler(in) sich ganz offiziell schriftlich(!!)an die jeweils zuständige lokale Parteiorganisation sowie die Presse vor Ort wendet mit der Frage "Was für Leute muten Sie uns eigentlich als Kandidat(inn)en zu? Merken Sie eigentlich noch irgendetwas?" Frau Schavan hatte sich ja bekanntlich gerade für rund 30.000 € "mal so eben" von der Flugbereitschaft zu einem Interview ins 50km von Stuttgart entfernte Zürich fliegen lassen und stand selbst bei ihren eigenen Leuten mächtig unter Feuer.
Die Abwahl verdienen jedenfalls alle Durchgefallenen, denen ganz offensichtlich der nötige Respekt vor dem Souverän fehlt. Wenn dann noch arrogante Arbeitsverweigerung hinzu kommt (Paradebeispiel: Peer Steinbrück), dann müssen wir Druck machen.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Koch

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Ich halte die Veröffentlichung einer solchen Liste prinzipiell für gut und notwendig. Problematisch finde ich jedoch die Bewertungszuordnungen.
Wenn jemand, der 10 Fragen gestellt bekommen hat, auch zehn Fragen beantwortet, dann ist dies sicherlich ein sehr gutes Antwortverhalten. Wenn jemand alle 73 gestellten Fragen beantwortet, dann ist das äußerst lobenswert.

Aber ist das Antwortverhalten derjenigen, die beispielsweise 41 von 52 Fragen (befriedigend) oder 88 von 162 Fragen (ausreichend) beantworten, tatsächlich qualitativ so sehr viel schlechter. Eine sinnvolle Beantwortung von Fragen benötigt Zeit. Ich halte es für vorstellbar, dass diejenigen, die alle Fragen beantworten, entweder sehr viel Zeit haben oder sich sehr viel Zeit nehmen oder ein hervorragend funktionierendes Büro haben.

Es ist ja auch außerdem auffällig, wie unterschiedlich stark die einzelnen Abgeordenten in Anspruch genommen werden. Immerhin 8 Abgeordnete haben über 100 Anfragen erhalten. Ich finde es bewundernswert, dass 5 von ihnen über 90% der Fragen beantwortet haben. Um so mehr fällt dann auf, dass einer dieser acht lediglich 19% beantwortet hat.

Mich würde deshalb sehr viel mehr als diese Rangreihe interessieren, warum einige Abgeordnete über 100 Fragen erhalten und andere keine einzige. Woran es liegt, dass einige über 100 Frage nahezu vollständig beantworten können und andere bei 25 Fragen gerade mal eine Antwortquote von 52% erreichen , und Dritte, wie z.B. Frau von der Leyen, von 96 Fragen nur eine einzige beantworten. Liegt das an der Qualität der Fragen, liegt das an dem mangelnden Respekt vor dem Souverän (s.o.), liegt das an einer schlechten Büroorganisation oder gar an einer gewissen Unfähigkeit, mit modernen Medien umzugehen.

Wie so oft wirft diese Rangliste mehr Frage auf, als sie beantwortet.

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Vielen Dank für die interessante Statistik!

Die Naturwissenschaftlerin in mir fragt sich allerdings, ob es fair ist, einem Abgeordneten, der immerhin 88 Anfragen beantwortet hat (Schäuble), die Note ausreichend zu geben, und einer Abgeordneten, die die einzige an sie gerichtete Frage beantwortet hat (Grotelüschen, um bei derselben Partei zu bleiben), die Note sehr gut. Auch die absoluten Zahlen verdienen Beachtung.

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Die Zeugnisaussteller haben offensichtlich nichts Beseres zu tun ,als ihre Zeit mit solchem unnützen Kram totzuschlagen.
Zivildienst wäre sinnvoller !

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Ich habe mich auch schon mit Fragen beteiligt : Antworten === 0,00
Es galt einmal, daß der Politiker für den Menschen da sei. Heute gilt nur eines : WÄHLT MICH , BEZAHLT MICH FÜRSTLICH UND ANSONSTEN HALTET EUER MAUL!
Vor dieser Art "Politikern" kann ich mich nur ekeln. Bis auf einige wenige nur Abzocker und Faulenzer. Nicht nur in Berlin sondern Weltweit! Meine E Mailadresse darf ruhig veröffentlicht werden!

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Sehr geehrte Damen und Herren von abgeordneten.watch!
Wir brauchen keine neue Hymne sondern einen wiederhergestellten aufrechten echten Staat!Mit ehrlichen Politikern, die für Ihr Tun auch persöhnlich die Verantwortung tragen.
Meine Stimme bekommt von den CDSUSPDFDPGrünenLINKEN usw. Keiner mehr!
Sagt Ihnen 1871 was?Echte Verfassung?
Sagt Ihnen noch der Begriff -Deutschland und Deutsches Reich etwas?(Bitte kommen sie mir nicht mit dem 3.Reich!)
Die Bundesrepublik und ihre "Politiker"(willigen Helfer der alliierten Besatzer)sagen mir garnichts mehr, da Sie uns 60 Jahre belogen und betrogen und abgezockt haben.Die "Allianz" und andere Lobbyisten(Pharma, Millitär,Finanzen)zeigen doch wer das"Sagen" hat -oder?
Was interessiert mich das Gelaber, Gequatsche der Bunzel-Politiker und Ihre meistens vorformulierten Antworten?Muppetshow für doofe unmündige Bürger?Daran wede ich mich nicht mehr beteiligen.
Ich hoffe, das sich das Lügengebäude von Innen selbst zerfrisst und zerstört.
Rechts und Links sind zwei Seiten der gleichen medaille.....

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es ist erstaunlich das so viele Abgeordnete sich die Mühe machen und auf Anfragen antworten. Es verwundert mich aber nicht das ebenso viele A. die4 Anfragen überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen und sich nicht einmal dazu herablassen die Anfrage zur Beantwortung weiter zu leiten. Für uns, das gemeine Volk, die diese Anfragen stellt sind die Damen und Herrn Abgeordnete schon lange nicht mehr "zuständig". Warum da Kraft und Zeit verschwenden und antworten? Oder haben sie keine Antworten? Dies wäre für mich allerdings erklärlich.
V.S.

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Ich selbst habe auch bereits einige Fragen an die Bundestagsabgeordneten meiner Wahlregion gestellt. Und hier würde ich bei der Bewertung der Linken-Abgeordneten Dr. Enkelmann tatsächlich 100% geben, da sie alle Fragen beantwortet. Und das, trotzdem ich andere Standpunkte habe. Hier sehe ich einfach den Respekt vor dem Wähler mit einer anderen Meinung. Der Herr von der Marwitz von der CDU hat bisher keine Frage beantwortet und erhält von mir deshalb 0%. Bevor er gewählt war, hat er hier Fragen beantwortet. M.E. läßt das tief blicken.

Allerdings trifft eine solche 100 oder 0 % Wertung sicher nicht überall zu. Das sehe ich ähnlich wie die anderen hier bereits veröffentlichten Meinungen. Der Maßstab Quantität wird hier von abgeordnetenwatch gegenüber der Qualität zu hoch gewichtet.

Es gibt einen guten Ausspruch, der da in etwa heißt: "Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten". Ob dieser Spruch tatsächlich gilt, kann man nur herausfinden, wenn man "seine" Abgeordneten zu den wesentlichen Fragen anschreibt. Ich erkenne aber an der geringen Fragefrequenz einen anderen Spruch: "Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient."

Und - lieber G Schmitz, auch wenn Sie z.T. recht haben mögen - es labern auch viele aus dem Volk am Stammtisch - ohne etwas Substantielles für Veränderungen beizutragen. Und Sie können davon ausgehen, dass es in jeder Partei (die Sie benannten) ehrliche Menschen gibt, die in der Politik Positives bewirken wollen. Überzeugen Sie diese von Ihren Werten, von Ihren Ansichten, von Ihrem Wissen.

Beste Grüße
Jens Veit Günther

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[...] heute muß ich zur abwechslung mal den "guten" ins gewissen reden: abgeordnetenwatch stellte den bundestagsabgeordneten heute schulnoten für ihr antwortverhalten aus. die idee mag gut sein, bei der ausführung ging aber einiges schief. [...]

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Bei MdB Max Lehmer (CSU) aus dem Wahlkreis Erding-Ebersberg, der auf dem beschämenden Rang 606 gelandet war (6 Fragen, keine Antwort), ist das Ergebnis nicht überraschend. Er hätte auch noch weiter hinten landen können, hatte aber das zweifelhafte Glück, dass die Bürger des Landkreises Erding es schlicht und einfach aufgegeben haben, von diesem Herrn irgendeine (klare) Stellungnahme zu einem Thema zu erwarten.

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Es ist überaus erfreulich, dass die öffentliche Anfrage über abgeordnetenwatch die Politiker motiviert, auf die schriftlich fixierten Sorgen, Anregungen und Fragen einzugehen. Das zeigt Bürgernähe. Kaschiert wird in der "Notengebung", dass nicht wenige Politiker durch ein Hintertürchen schlüpfen, indem sie zwar eine Antwort geben, die aber absolut nichtssagend ist oder schlichtweg nur den Inhalt hat, dass sie sich öffenbtlich dazu nicht äußern. Hier sollte man auch eine qualitative Notenvergabe einführen, um die "Mogler" zu überführen. Beschämend ist die Realitätsferne der Kanzlerin, die es nicht für nötig hält, auf Bürgeranfragen einzugehen und damit das Schlusslicht in der Notenskala einnimmt. Die Schlechteste regiert Deutschland! Das ist ein fetter Minuspunkt.

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Diese Werte sind erschreckend. Sagen sie doch aus, wie sch...egal denen hier negativ dargestellten Abgeordneten die Meinung des Volkes ist. Hauptsache die Diäten stimmen. Wenn man dann noch die leeren Plenarräume sieht, bei öffentlichen Veranstaltungen, kann man nur sagen: diese Abgeordneten sind Arbeitslose auf höheren Niveau und verdienen auch nur Harz IV Bezüge. Aber selbst Ihre hier dargestellten Statistiken sind nur die halbe Wahrheitt. Bei zwei Anfragen an Abgeordnete, erhielt ich zwar Antworten aber nur den Hinweis, dass sie nicht über Abgeornetenwatsch zur Sache öffentlich Rede und Antwort geben. Auf eine sachliche Anwort warte ich bis Heute. Schlimm was das deutsche Volk da gewählt hat.

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Hatte auch die Abgeordneten Proifalla und Kauder angeschrieben, allerdings auch keine Antwort erhalten.
Habe diese Partei dann allerdings nicht mehr gewählt, obwohl seit 40 Jahren Stammwähler.

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Hatte jemand etwas anderes von unseren Politikern erwartet ??? Sie haben sich wunderbar in Berlin eingerichtet und werden ja weiter von uns gewählt. Mal sehen wie lange noch !!!

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Super Liste, super Arbeit. Ich freue mich jedes mal über den Newsletter von Abgeordnetenwatch. Ein wichtiges Instrument zur Stärkung unserer Demokratie!

Eine Anregung: Es würde mich interessieren, wie die Antwortquote aufgeteilt nach "direkt gewählten" und über "Liste gewählten" Abgeordneten aussieht. Vielleicht läßt sich daran ja auch das Demokratieverständnis unserer Abgeordneten noch etwas transparenter machen.

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So sehr ich die Arbeit von Abgeordnetenwatch schätze , so fragwürdig finde ich allerdings die Bewertungskriterien dieser "Hitparade" . Dass Frequenz nicht unbedingt Qualität bedeutet , wurde schon gesagt . Den Abgeordneten der Plätze 215-241 aber eine 1 zu geben , nur weil sie einmal eine Frage beantwortet haben , und denen , die auf eine Frage
nicht geantwortet haben , gleich eine 6 zu verpassen , halte ich für mehr als fragwürdig .
Wolfgang Schäuble , der sich nun wirklich nicht über Unterbeschäftigung beklagen dürfte ,
hat von 162 Fragen 88 beantwortet und bekommt dafür gerade mal ausreichend . Wenn man als Lehrer Schülerleistungen so bewerten würde , bekäme man zu Recht dafür den Kopf gewaschen !

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Für die meisten Abgeordneten, die keine Fragen beantworten habe ich kein Verständnis. Als Ausnahme würde ich vielleicht Angela Merkel noch sehen, denn die dürfte nun wirklich kaum Zeit haben um persönlich zu antworten, und bevor sie irgendeinem Vertreter die Antwort überlässt, ist das dann schon besser so.
Den Rest der "müden 100" würde ich entweder als technisch zurückgeblieben, oder undemokratisch bezeichnen. Beides sind in der heutigen Zeit nicht gerade optimale Vorraussetzungen für einen Politiker. Wer die Fragen seiner Bürger einfach ignoriert, der hat eindeutig den völlig falschen Beruf und gehört schnellstmöglichst aus dem Amt gewählt.
Auch wird gerne Argumentiert, dass einigen Abgeordneten eine persönliche Anfrage per E-Mail lieber ist, da man diese viel persönlicher und schneller bearbeiten kann.
Ob Herr Ramsauer auch so argumentiert ist mir nicht bekannt, aber er ist ein gutes Beispiel für "schneller" und "persönlicher".
Auf eine E-Mail-Anfrage von mir kam 14 Tage später eine Antwortmail mit Standard-Pdf im Anhang. Hätte er diese Antwort auf auf meine Fragen auf Abgeordnetenwatch gegeben, wäre es doch recht peinlich für ihn gewesen.

Angenehm überrascht hat mich dann das Endergebnis trotzdem.

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Diese arroganten Typen sind keine Volksvertreter sondern Volksverräter .Für Geld gegen das Volk.

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Eine Umfrage unter den Abgeordneten, was sie selbst von abgeordnetenwatch halten, wäre sicher sehr interessant, aber wohl vergebliche Liebesmüh. Es scheint, als ob die weniger antwortfreudigen unter ihnen dieses Portal als zusätzliche Arbeitsbelastung emfpinden; und dass der größte Teil unserer Abgeordneten viel arbeitet - wenn auch häufig in einem erstaunlichen Gleichklang der Gewissen - darf unterstellt werden. Allerdings sind diese "Antwortmuffel" offenbar noch nicht im Internetzeitalter angekommen und haben nicht begriffen, dass dies eine Möglichkeit ist, mit Wählern über knappe Sprechstunden hinaus auf einfache Weise ins Gespräch zu kommen. Aber ich fürchte, der gesetzwidrige Fraktionszwang ist so groß, dass hier öffentliche Äußerungen der Abgeordneten kaum von der Fraktionslinie abweichen werden und wir somit ohnehin eher selten Antworten erhalten, die inhaltlich über Verlautbarungen in den Medien hinausgehen.

Eine Reihe von Abgeordneten will keine hier an sie gerichteten Fragen beantworten, sondern nur direkte mails oder herkömmliche Briefe. Warum das letztere weniger aufwändig sein sollte, erschließt sich mir nicht. Mir scheint, diese Abgeordneten scheuen eher die Öffentlichkeit. Oder sie halten die die Bürger, die auf abgeordnetenwatch Fragen stellen, für Dummbeutel, die auf Distanz gehalten werden müssen.

Auffällig sind auch diejenigen, die sich nicht zuständig fühlen für Fragen von Bürgern, die nicht aus ihrem Wahlkreis stammen und insoweit an den jeweiligen Wahlkreisabgeordneten verweisen. Diese Abgeordneten haben dann offenbar noch nicht verstanden, dass sie Vertreter des ganzen deutschen Volkes sind. Schließlich hatte die Zustimmung eines Abgeordneten aus dem bayrischen Wald zur Umsatzsteuererhöhung gleichmaßen Auswirkungen in Hamburg oder Kiel.

Schlimm sind auch die Schablonen-Antworter, die mit Hilfe von Fraktionsverlautbarungen nicht konkret auf gestellten Fragen eingehen und stattdessen Fragen beantworten, die überhaupt nicht gestellt wurden. Diese Haltung ist recht dreist; denn diese Abgeordneten versuchen, den Sinn dieses Forums auf den Kopf zu stellen und erreichen nebenbei mit den eigentlich als Nicht-Antwort zu wertenden Einlassungen, sich im Ranking der Antwortquoten nach vorn zu schieben.

All diese Fälle zeigen deshalb deutlich, dass die rein quantitativ angelegte Statistik zu einem beschränkt aussagefähigen, in Teilen sogar ungerechten Ergebnis führt. Da andererseits eine auf qualitative Merkmale abgestellte Statistik ungefähr so schwierig werden dürfte, wie die Benotung eines Deutschaufsatzes, schlage ich vor, auf die Benotung ganz zu verzichten.

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Ich sehe diese Benotung kritisch und eher kontraproduktiv. Einer Abgeordneten wie Ilse Aigner, die von 112 Fragen 83 beantwortet hat, die gleiche Note zu geben wie Günter Krings, der 8 von 11 beantwortet hat, macht keinen Sinn. Das lässt vollkommen unter den Tisch fallen, dass das Beantworten der Fragen Zeit benötigt, es gibt auch keinen Aufschluss über die Qualität der Antworten. Lasst doch bitte in Zukunft solche pauschalen Benotungen oder sucht euch jemanden, der von Statistik Ahnung hat... (Interessant wäre zum Beispiel von welchen Faktoren das Antwortverhalten abhängt. Alter, Zustimmung/Ablehnung der Thesen des Fragestellers...)

Generell finde ich es sehr gut, wenn Abgeordnete hier antworten. Ich verstehe auch nicht die Vorbehalte, die bei manchen Antworten durchklingen, wenn darauf verwiesen wird, dass man sich auch direkt an sie hätte wenden können. Die Arbeitszeit, die durch die Antwort draufgeht ist die selbe, aber Abgeordnete erreichen durch diese Platform ein viel größeres Publikum. Für mich sind die Antworten interssant und oft konnte ich einfach nur durch Lesen meine Meinung über einen Abgeordneten oder ein Thema überdenken.

Natürlich ist es schade, wenn sich Abgeordnete einen Dialog verweigern oder nur selektiv antworten. Manchmal habe ich den verdacht, dass sie aus taktischen Gründen nicht antworten um sich bei eher unangenehmen Themen nicht festlegen zu müssen. Aber daraus kann man ja wertvolle Schlüsse ziehen.
Viele meiner Freunde machen zum Beispiel ihr Wahlverhalten davon abhängig wie sich Abgeordnete hier "verhalten" und geben einem Abgeordneten, der nicht antwortet, keine Stimme. Obwohl sie vielleicht mit der allgemeinen Haltung der entsprechenden Partei übereinstimmen. (Und nein, es hilft nicht erst wieder zur Bundestagswahl zu antworten.)

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20 Kommentare hier im Blog, ein Meinungsaustausch auf unserer Facebookseite, zahlreiche Zeitungsartikel, Blogeinträge und Abgeordnete, die sich bei Twitter wie Schüler über ihre Note freuen - die Zeugnisnoten haben bewirkt, was sie bewirken sollten: Über das Antwortverhalten unserer Abgeordneten wurde diskutiert! Es ist dabei ins Blickfeld gerückt, welche Abgeordneten eine sehr gute oder eben eine sehr schlechte Antwortquote haben (letztere, weil sie sich dem öffentlichen Austausch mit uns Bürgerinnen und Bürgern verweigern.)

Die Frage, warum ein Abgeordneter, der seine einzige Frage beantwortet hat, in der Tabelle weiter oben steht als ein MdB, der 99 von 100 Fragen beantwortet hat, ist nur dann relevant, wenn man das Ranking als wissenschaftliche Untersuchung begreift und überinterpretiert.

Inzwischen haben die Zeugnisnoten übrigens auch noch einen anderen Effekt gehabt: Abgeordnete wie Fritz Kuhn oder Heiner Kamp, die in der Liste mit 0 Antworten ganz unten stehen, haben nun mit dem Antworten begonnen. Bürger erhalten nun endlich eine Reaktion auf ihr Anliegen.

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Vielen Dank für diese Mühe. Ein weiteres Kriterium und Prüfung sollte jedoch auch sein, ob die Frage von den Abgeordneten auch richtig und qualifiziert beantwortet wird. Ob dem Bürger damit ernsthaft und wirklich geholfen wird oder nur Vorgeblich ist. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen, daß die bisherigen Antworten sehr oft dumm, dümmer oder am Dümmsten waren. Vorallem von CDU und SPD. Es fehlen echte nachvollziehbare BEGRÜNDUNGen und Aussagen, die auch mit den Gesetzen dem RECHT und Gegebenheiten im Einklang stehen. Erst recht ist mir kein Fall bekannt in dem ein Abgeordneter sich ernsthaft um meine Anliegen und Beschwerden gekümmert hätte oder gar Einfluß auf die Behörden genommen hätte, - und zwar wie es von DENEN gewollt ist ! Für mich sind diese "hohen" Herren nunmehr gestorben wie für viele andere Bürger inzwischen auch.

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v. schubert sagt:
28. Juli 2010 um 21:14
es ist erstaunlich das so viele Abgeordnete sich die Mühe machen und auf Anfragen antworten. Es verwundert mich aber nicht das ebenso viele A. die4 Anfragen überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen und sich nicht einmal dazu herablassen die Anfrage zur Beantwortung weiter zu leiten. Für uns, das gemeine Volk, die diese Anfragen stellt sind die Damen und Herrn Abgeordnete schon lange nicht mehr “zuständig”. Warum da Kraft und Zeit verschwenden und antworten? Oder haben sie keine Antworten? Dies wäre für mich allerdings erklärlich.
V.S.
......... und (fremde) Anmerkung: Haben Sie Merkel@Co gefragt, ob sie bereit sind Ihre
pseudeo-demokratische Online-Adressenbeschaffungs-Schau durch Beteiligung zu unterstützen - oder setzen Sie das selbstgefällig voraus ........

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Angesichts der grassierenden Debatte über eine Zunahme des Phänomens "Politikverdrossenheit", die damit einhergehende Errosion der Stammwählerschaft und die anhaltend hohe Popularität von polemischen Kommentaren bezüglich der Riege des politischen Establishments, erscheint diese Methode der Bewertung von Politikern als erfrischend anders. So beteiligen sich zwar eine beachtliche Zahl der Politiker, darunter auch die Bundeskanzlerin, dezidiert nicht an einem direkten Austausch zwischen Bürger und Bürgervertreter; dem gegenüber stehen aber eine höhere Anzahl von Parlamentariern, die nahezu jede Frage beantwortet haben. Schlüsse lassen sich daraus einige ziehen, und allein das macht abgeordnetenwatch.de schon wertvoll für die Aktivierung und Revitalisierung einer aktiven Zivilgesellschaft.
Ich hoffe, das vorliegende Zeugnis erhöht die Reichweite der öffentlichen Wahrnehmung von abgeordnetenwatch.de und sorgt dafür, dass das Verhältnis zwischen Bürger und Politiker dadurch aufgeweicht wird und die üblichen Floskeln von "denen da oben" bald der Vergangenheit angehören.

MFg Mario

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Politik lebt vom Dialog mit dem Souverän ....dem Bürger.
Der Bürger und Wähler hat Anspruch darauf von seinen
Volksvertetern ernst genommen zu werden.
Das bedeutet ... Abgeordnete, die dieses Forum zu 100%
ignorieren sollte man in Ihrem Wahlkreis auf Ihren
Veranstaltungen (mit möglichst grosser Öffentlichkeit)
mit Ihrer Ignoranz konfrontieren und öffentlich
Ihre Wählbarkeit in Frage stellen!!

Hans Stein

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