Hintermänner unbekannt: Beratertätigkeit von Ex-Minister Glos wirft Fragen auf

Warum berät der frühere Wirtschaftsminister Michael Glos ein Unternehmen, dessen Hintermänner er nicht kennt? Die jüngste Nebentätigkeit des CSU-Abgeordneten wirft zahlreiche Fragen auf.

Der junge Müllermeister Michael Glos ist keine 30, da übernimmt er in seiner Heimatgemeinde Prichsenstadt die elterliche Stolzmühle. Noch heute befindet sich der traditionsreiche Betrieb im Familienbesitz: Glos' Ehefrau Ilse leitet die Geschäfte, er selbst berät sie dabei.

Anfang 2012 passiert allerdings etwas Merkwürdiges. Der Glos'sche Familienbetrieb aus der unterfränkischen Provinz tut sich mit einer international tätigen Beteiligungsgesellschaft aus dem Steuerparadies Malta zusammen. Zur "Anbahnung von Geschäften" zwischen Unternehmen in Katar und Deutschland, wie es im Gesellschaftsvertrag heißt, gründen die ungleichen Geschäftspartner eine Firma namens Qatar Germany Forum GmbH (QGF). Beiratsvorsitzender und damit oberster Berater wird Michael Glos, der frühere Bundeswirtschaftsminister.

Nach Recherchen von abgeordnetenwatch.de und dem STERN verbirgt sich hinter der Qatar Germany Forum GmbH ein verästeltes Firmengeflecht, das bis nach Liechtenstein reicht. Denn der Mehrheitsgesellschafter der QGF, die maltesische Swiss Mideast Limited, gehört einem liechtensteiner Treuunternehmen namens The New Oryx Trust. Die Hintermänner des Trusts sind selbst den dortigen Behörden unbekannt, was nach liechtensteinischem Recht möglich ist. Auf Anfrage erklärte Michael Glos, auch er wisse nichts über die Eigentümer.

 

Transparency International kritisierte gegenüber dem STERN die Beratertätigkeit des früheren Bundeswirtschaftsministers für die QGF. "Ein Bundestagsabgeordneter sollte sich nicht an solch klandestinen Konstruktionen beteiligen", sagte der Geschäftsführer von TI Deutschland, Christian Humborg. Schließlich blieben hierbei die wirtschaftlichen Nutznießer verborgen.

Involviert in das Konstrukt um die Qatar Germany Forum GmbH ist nach abgeordnetenwatch.de-Recherchen auch der Leiter des Bundestagsbüros von Michael Glos. Georg Fuchs half als Bevollmächtigter der Stolzmühle u.a. bei der Gründung der QGF mit. Für diese und andere Tätigkeiten beschäftigt die Stolzmühle den Büroleiter laut STERN als 400 Euro-Jobber.

"Tarnung aufgeflogen": Der STERN berichtet in seiner Ausgabe vom 22. November ausführlich über die Merkwürdigkeiten um die Beratertätigkeit des früheren Bundeswirtschaftsminister Glos. Der Artikel beruht auf gemeinsamen Recherchen von abgeordnetenwatch.de und dem STERN.


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Foto Michael Glos: Christian Horvat / Wikipedia unter CC BY-SA 3.0

Vorkommende Politiker:innen

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Kommentare

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Schöne schweiz/liechtensteinische Verschleierungs-Strukturen. Schillernd die Namen. It stinks! Da könnte einiges steuer-neutrale Geld hinter stecken. Herr Glos was läuft hier eigentlich? Erzählen Sie ihre Märchen ("weiss nichts über die Eigentümer") bitte ihrer Grossmutter!

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Na Herr Glos, sind Sie immer noch out of scope investiert? Merke die Zeiten haben sich geändert...

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Plädiere dafür die Troll-KOmmentare von Knackwurst & Rüscher zu löschen. Danke!

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An Abgeordnetenwatch: Dringend an dem Thema dranbleiben: die bisherige Reaktion der Presse ist ja sehr schwach. Nur Stern und Focus berichten.

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Wird sich, mal wieder, am Rande der Legalität bewegen!
Solche Geschäftskonstruktionen sind für einen "traditionsreichen Mühlenbetrieb" durchaus üblich, macht doch jeder, oder?!
Liechtenstein, Katar, mittlerer Osten... irgendwo muss das Korn ja herkommen!

Es wird wie immer laufen, alles rechtlich korrekt, aber moralisch bedenklich...blabla!
2013 tritt er ja nicht mehr zur Wahl an, der macht jetzt bessere Geschäfte!!!

Macht doch jeder (Politiker), oder?!

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Jeder Abgeorgnete sollte mal in seinem Leben einen Harz IV Antrag stellen und dabei seine Nebenkünfte offen legen. Ich denke, dann wissen sie in welcher Demokratie wir leben.
Warum kann man diese Abgeordenten nicht einmal an den Gleichbehandlungssatz erinnern?
Die einen kostet es die menschliche Existenz und die anderen werden unantastbar unmenschlich.

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M.E. sollte man diese unehrlichen, eigennuetzigen, grosskotzigen, nichtsnuetzigen, eingebildeten, heuchlerischen, unsolidarischen Politiker auf den Mond schiessen, um bei den dortigen Einwohnern um Stimmen zu betteln.

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Das schlimmste ist doch das es noch immer genug Trottel gibt die CSU wählen

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Die parlamentarische Demokratie verliert ihre Legitimation, wenn die politischen Mandatsträger nicht mehr das Gemeinwohl vertreten. An dem Punkt sind wir angelangt. Viele Menschen haben das Gefühl, dass sie von einem korrupten Netzwerk aus Politik und Wirtschaft beherrscht werden, das die Gestaltung der Gesellschaft über die Köpfe der Bürger, an sich gerissen hat. Wenn soviele Abgeordnete wie in Deutschland Nebentätigkeiten nachgehen und es kein auskunftgebendes Lobbyregister gibt, wird das Zustandekommen politischer Entscheidungen intransparent und das Vertrauen der Bürger in die Demokratie untergraben.

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