Als Experte für E-Democracy war der Bundestagsabgeordnete Gerd Höfer eigentlich nie aufgefallen. Vielmehr befasste sich der Major der Reserve zeitlebens mit dem Thema Sicherheitspolitik, beinahe wäre er Wehrbeauftragter geworden. Und so verwundert es ein wenig, dass Höfer bei der Tagung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates im Januar 2009 ausgerechnet zum Thema „digitale Demokratie“ das Wort ergriff und seine Sorgen vortrug.
Wenn, so der Abgeordnete in seinem Vortrag (pdf), heutzutage fast jeder einen Internetzugang habe, dürfe es nicht passieren, „dass die Abgeordneten aktiv oder passiv mit E-Mails überschüttet werden.“ Höfer schilderte den Delegierten aus ganz Europa auch gleich eine Anekdote aus seinen Büroalltag:
Ich gebe ein Beispiel aus der Bundesrepublik Deutschland: Dort gibt es einen sogenannten Abgeordnetenwatch, wo Leute anonym die Abgeordneten befragen und unter ihre Frage schreiben: „Auf die Antwort kommt es an, ob Sie für uns wählbar sind oder nicht.“ Ich erfahre dabei nicht, wer der Absender ist. Es ist also wünschenswert, dass derjenige, der sich einloggen will, um an der elektronischen Demokratie teilzuhaben, legitimiert sein muss und sich ausweisen kann.
Soso. Einen Ausweis würde Herr Höfer gerne sehen, bevor er eine Bürgerfrage beantwortet. Wenn am 1. November 2010 der neue elektronische Perso mit digitalem Chip eingeführt wird, ist der Politiker aus Hessen seiner Vision schon mal ein gutes Stück näher gekommen.
Höfers Sorge, er könne ohne Ausweispflicht im Netz die Kontrolle über Bürgerfragen verlieren, ist aus seiner Sicht durchaus berechtigt. Kurz vor der Bundestagswahl im September 2009 machte Höfer Schlagzeilen als “Abgeordneter, der Rüstungskontakte verschweigt“. Seinerzeit war er Präsidiumsmitglied des „Förderkreis Deutsches Heer“, hatte dies – wie vier andere Abgeordnete auch – dem Bundestagspräsidenten jedoch nicht mitgeteilt. Höfers Begründung: Ehrenamtliche Tätigkeiten seien nicht meldepflichtig. Diese Auffassung stellte sich allerdings als falsch heraus. Und so geriet ins Blickfeld der Öffentlichkeit, wo Höfer, der damals auch Mitglied des Verteidigungsausschusses war, da eigentlich im Präsidium sitzt: In einem Verein, der vom who is who der Rüstungsindustrie, sog. „Mitgliedsfirmen“, unterstützt wird: EADS, Heckler & Koch, Krauss-Maffei, Rheinmetall Waffen und Munition GmbH und einigen mehr.
Verständlich, dass man als Abgeordneter bei solch einer sensiblen Freizeitbeschäftigung gerne wissen möchte, wer einem öffentlich eine Frage stellt. Aber Höfer hatte Glück: Anders als z.B. von seinem Fraktionskollegen Johannes Kahrs wollte kein Bürger etwas über die Mitgliedschaft im Präsidium des „Förderkreis Deutsches Heer“ wissen, womöglich, weil sich Höfer auf den letzten Metern seiner Abgeordnetenkarriere befand. Zur Bundestagswahl, die wenige Wochen nach der Enthüllung stattfand, kandidierte er nicht mehr.
Den Zuhörern seines Vortrags über die „digitale Demokratie“ im Januar 2009 verschwieg Höfer übrigens, mit wie vielen Bürgerfragen via abgeordnetenwatch.de er in den vorangegangenen zwei Jahren überschüttet wurde. Es waren 16 - in Worten: sechzehn. Beantwortet hat Höfer zwei.
Kommentare
In eigener Sache: Warum Abgeordnetenwatch die Kommentar-Funktion abgeschaltet hat
Daniel Schultz am 07.09.2010 um 13:22 Uhr
PermalinkEs darf bezweifelt werden, dass Gerd Höfer erst nach einem Ausweis fragt, wenn ihm Kamera und Mikro hingehalten werden. Wer sagt außerdem, dass man sich nicht anonym an der Demokratie beteiligen darf?
cervo am 07.09.2010 um 13:26 Uhr
PermalinkBlöd, wenn die traditionellen Säulen der Macht erodieren, nicht wahr Herr Höfer? Kommen Sie doch einfach zur "Freiheit statt Angst"-Demo am Samstag den 11.09. um 13 Uhr (Berlin, Potsdamer Platz). Vielleicht können sie noch was lernen. Übrigens: Die Teilnahme ist auch anonym erlaubt. (#Transparenz)
jan am 07.09.2010 um 21:19 Uhr
PermalinkDas ist doch vollkommen egal, weil nach meinem Verständnis abgeordnetenwatch ohnehin nur Beiträge freischaltet, die den Politikern nicht schaden. Mich würde brennend interessieren ob z.B. schon eine Währungsreform ansteht. Diese Frage würde allerdings von abgeordnetenwatch nie freigeschaltet werden, also sollten sie dich Betreiber nicht so über Herrn Höfer aufregen, sie selbst sind kein Stück besser.
Gregor Hackmack am 07.09.2010 um 21:27 Uhr
Permalink@jan: Ich möchte Sie ermutigen Ihre Frage zu stellen. Sofern Sie den Moderationscodex http://www.abgeordnetenwatch.de/moderations_codex-766-0.html beachten, wird Ihre Frage auch freigeschaltet werden. Wenn Sie ein bisschen durch abgeordnetenwatch.de surfen, werden Sie auf viele kritische Fragen stoßen, die selbstverständlich veröffentlicht wurden.
Herbert Wangerin am 08.09.2010 um 09:01 Uhr
PermalinkZu jan sagt: vom 7September.
Das ist kein Komentar sondern eine Frage.
Hat Jan mit seinem Komentar recht und
warum geben Sie Jan kein Kontra.
DingsDa am 08.09.2010 um 10:43 Uhr
Permalink"Es darf bezweifelt werden, dass Gerd Höfer erst nach einem Ausweis fragt, wenn ihm Kamera und Mikro hingehalten werden."
Alles hypothetisch und eher generell denn bezogen auf den Herrn Mayor:
Ich denke es kann genauso sehr bezweifelt werden dass er, wenn ihm Kamera und Mikrofon hingehalten werden, sehr viel mehr sagt als "ich muss weg", "hab nen Termin", "kein Kommentar".
Damit sowas überhaupt ins reine Sendemedium Fernsehen oder Radio kommt, muss es schon nen ziemlich wichtiges Thema sein. Andernfalls: vergeben, weil vergessen oder nie mitbekommen.
-> keine Sendezeit -> kein gefühl etwas falsches getan zu haben -> "politische Borniertheit"
So leicht hat mans im Internetz nich... Folglich haben da viele Politiker kein Bock drauf.
Es geht um die Sache und die Tätigkeit von Höfer (oder anderen benennbaren Mandatsträgern), ob der Fragesteller Männlich, weiblich, groß, klein, dick, dumm, an der "elektronischen Demokratie" im Sinne Hr. Höfers interessiert oder nich ist, ist irrelevant.
Fragen und Antworten, Verantwortung zu übernehmen auf seiten der Mandatsträger, DARAUF kommts an.
Alles andere sind Nebelkerzen von "denen da oben".
freierBürger am 08.09.2010 um 15:56 Uhr
PermalinkIch hätte da eine Vorschlag! Man sollte auch eine Ausweispflicht an den Wahlkampfständen der Parteien einführen.
Rolf am 08.09.2010 um 16:49 Uhr
PermalinkEs sollte für Abgeordnete eine Pflicht geben, sich vor Antritt des Amtes eine gründliche Psychiatrische und Medizinische untersuchen auf Diensttauglichkeit unterziehen zu lassen.
Insbesondere die Punkte Größenwahn, Wahnvorstellungen, Chronisches Lügenboldsyndrom, Realitätsverweigerung und Narzismus und krankhafte Eitelkeit. Ganz wichtig auch Drogentests.
Mit diesem Kokainspuren in Bundestagstoiletten-Skandal hört man bis heute nichts mehr.
Thomas am 08.09.2010 um 18:16 Uhr
Permalink16 in Worten ist aber nicht sechszehn, sondern sechzehn.
admin am 08.09.2010 um 19:37 Uhr
Permalink@Thomas - danke für den Hinweis. Ist korrigiert!
prlas am 08.09.2010 um 20:57 Uhr
Permalinksoso, ich halte eh nix von der scheiss brd, ist ne verwaltungsorgie. wie kann man nur auf solche schwachmat-ideen kommen. lauter kranke hirne. wech damit, ab ins grab und verfaulen. höfer ? muss echt nen komischer kauz sein, da hab ich nen nachbar, der ist auch so nen hohes vieh bei der pfundeswehr und meint, die brd sei nachfolger des deutschen reiches und die brd muss am hindukuscht vereidigt werden. alles was bundeswehr ist ab zum uranmunition einsammeln, dann sind wir euch bald los. pfui teufel!
Wolf Michael Kröger am 09.09.2010 um 01:39 Uhr
PermalinkWer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Das geht diesmal an die Adresse von abgeordnetenwatch.de. Eine Frage von mir wurde nicht freigeschaltet. Nachfragen meinerseits über den genauen Grund sind die Betreiber des Portals schuldig geblieben. Sitzen hier vielleicht Betreiber des Portals mit den Politikern im selben Boot?
cervo am 09.09.2010 um 06:16 Uhr
Permalink@Wolf Michael Kröger
Und was hat das mit einer Ausweispflicht zu tun?
apple tree am 09.09.2010 um 09:40 Uhr
PermalinkAch ja, die lästige Demokratie. Die Wahlen bleiben aber vorerst noch anonym, ja?
Bernd am 09.09.2010 um 22:43 Uhr
PermalinkWarum wird die Sache jetzt zum Thema gemacht, wenn der betreffende Herr seinen Vortrag schon im Januar 2009 gehalten hat und heute schon gar nicht mehr politisch aktiv ist?
Schattenlos am 10.09.2010 um 09:25 Uhr
PermalinkAch jan, gräm Dich nicht. Man darf unseren tollen dseutschen Abgeordneten nämlich auch nicht zu viele Fragen stellen - auch dann wird blockiert. Und das, obwohl die Frage mit Zitaten und Links belegt wurde und auch keinerlei Beleidigungen enthielt. Scheinbar gibt es also auch eine Regel gegen zu viele Fragen.
Es ist aber natürlich wichtig, dass unsere Abgeordneten vor zu vielen Fragen von ihren "Wählern" belästigt werden.
cervo am 10.09.2010 um 20:59 Uhr
Permalink@ Bernd
Die Einstellung von Herrn Höfer haben bestimmt einige. Und mit dem eperso wachsen da Begehrlichkeiten. Höfer ist zwar kein "Volksvertreter" mehr, als Präsident des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr ist aber trotzdem politisch aktiv. Und Meinungsmacher.
Joachim Hahn am 11.09.2010 um 14:22 Uhr
PermalinkWieso eigentlich geheim? Fragesteller müssen immer ihren Namen, Wohnort und Email-Adresse nennen. Wenn ich in meinem Wahlkreis meine Abgeordnete befrage, wissen die genau wer ich bin. So ist das auch mit anderen Fragestellern aus meinem Bekanntenkreis.
Heike rogall am 14.09.2010 um 20:10 Uhr
Permalinkdas was dieser höfer da verlangt ist eine aushölung unseres grundgesetzes, dem geht unsere privatsphäre absolut nichts an;
die an ihn gestellten fragen soll er als abgeordneter des ganzenvolkes (GG) beantworten und nicht als privatmann; der herr hat ein verschwommenes demokratiebild;
DonDerfel am 25.07.2012 um 12:32 Uhr
PermalinkHat jetzt auch mal nicht direkt mit Ausweis zu tun. Nur die Frage an einige, warum eigentlich so viele Abgeordnete gegen AW sturmlaufen, es verhindern wollen etc, wenn AW doch angeblich mit denen "zusammenarbeitet", oder "Kritische Fragen unterbindet".
Was bitte wollen SIE widerum mit solchen Posts erreichen????
und (sorry, auch das kann ich mir jetzt nicht verkneifen) Wenn hier also Anfragen gefiltert werden (siehe "Schwachmat - Idee kranker Hirne") halte zumindest ich für sinnvoll, weil den Kritikern von AW andernfalls einleuchtende Argumente ohne Ende geliefert würden.
In diesem Sinn: Dank an AW (sofern es tatsächlich um Form und Ausdrucksweise geht).