Randhir Dindoyal
FDP
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Frage von Fnovar Znggurf an Randhir Dindoyal bezüglich Integration

# Integration 19. Sep. 2013 - 01:16

Sehr geehrter Herr Dindoyal,

wir brauchen wesentlich mehr Zuwanderung um dem Überalterungsprozess in Deutschland entgegenzuwirken. Immer weniger Junge können nicht immer mehr Alte versorgen. Wäre da eine greencard lottery nach US-amerikanischem Vorbild nicht sinnvoll, um junge kreative Köpfe unterschiedlichster Herkunft und Ausbildung für unser Land zu gewinnen, die mit ihren Steuern in unser Sozialsystem einzahlen und damit unseren Lebensstandard weiterhin finanzierbar machen? Und wäre eine affirmative action nach US-amerikanischem Vorbild sinnvoll, um den positiven Nutzen einer solch pluralistischen, multiethnischen Gesellschaft zu betonen? Da ich selbst einige Jahre in New York leben und arbeiten durfte, was in den 1980er/90er Jahren wunderbar unkompliziert ohne Bürokratie möglich war, wünsche ich mir eine solche Offenheit und Neugier auch für Deutschland.

Mit freundlichen Grüßen,
Sabine Matthes

Von: Fnovar Znggurf

Antwort von Randhir Dindoyal (FDP) 20. Sep. 2013 - 18:03

Sehr geehrte Frau Matthes,

vielen Dank für Ihre Nachricht. In der Tat bin auch ich der Meinung, dass Deutschland eine gezielte Einwanderungspolitik benötigt, um der demographischen Entwicklung und dem Fachkräfte-Mangel entgegen zu wirken. Hierzu wurden von der Bundesregierung in der letzten Legislaturperiode einige Maßnahmen auf den Weg gebracht, wie insbesondere die "Blue Card". Die Kritik an der Blue Card, dass diese bislang nicht viel Zuwanderung erbracht hätte, greift zu kurz, da die Maßnahme doch recht neu ist und sie insbesondere im Ausland auch erst richtig bekannt werden muss.

Eine Verlosung von Aufenthaltstiteln indes halte ich nicht für wirklich zielführend. Aber vielleicht können Sie mir hier mit Ihren positiven Erfahrungen aus den USA auch noch ein paar Argumente erläutern, die für ein solches Verfahren sprechen. Wichtig ist meiner Meinung nach durch gezielte Maßnahmen, eine bessere "Willkommens-Kultur" zu entwickeln, die Abstimmung zwischen Ausländerbehörden und Bundesagentur für Arbeit zu verbessern und im Ausland für Deutschland zu werben (z.B. auch mit Olympischen Spielen in München - erinnern Sie sich an das positive Bild Deutschlands nach der Fußball-WM 2006?). Denn die Vorbehalte ausländischer junger Menschen gegenüber Deutschland sind doch oft recht groß. Ein weiteres Problem dürfte oft die Angst vor der deutschen Sprache sein, so dass junge Menschen oft eher englischsprachige Länder für ihre Karriere vorziehen. Diesbezüglich müssen wir bereits bei jungen Menschen ansetzen, die zur Ausbildung bereits nach Deutschland kommen wollen. Einen guten Schritt sind wir in Bayern z.B. mit dem Programm “study and stay in Bavaria“ gegangen. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Initiative von Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel (FDP), Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) und Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch (FDP). Leider wurden unsere liberalen Minister und Staatssekretäre nicht wieder in den Landtag gewählt. Es bleibt zu hoffen, dass die CSU diesen Weg weiter verfolgt.

Einen affirmative act hingegen lehne ich ab. Meiner Meinung nach sollten Menschen nicht nach Herkunft unterschieden werden - weder positiv noch negativ. Für den wirtschaftlichen Erfolg und die Stellung im Arbeitsleben und die Aufstiegschancen eines Menschen sollten alleine Merkmale wie Qualifikation, Können und Fleiß stehen. Auch würden wir diesen neuen Mitbürgern keinen Gefallen tun, da die Integration in die deutsche Gesellschaft meiner Meinung nach erschwert wäre, hätten doch die Kollegen einen besonderen Blick auf die so Bevorzugten. Ich für meinen Teil denke, dass gerade in Deutschland Anstrengung und Fleiß eine hohe Anerkennung erfahren, die viele Menschen Herkunft und Hautfarbe vergessen lässt. Leider wird wirtschaftlicher Erfolg in diesem Zusammenhang dann wiederum meist eher kritisch oder neidisch beäugt - aber dies ist ein anderes Thema.

Richtig ist, dass wir bei der Visa-Beantragung und -bearbeitung das Verfahren möglichst einfach und unbürokratisch gestalten müssen. Sie selbst erwähnen Ihre guten Erfahrungen in den USA. Sie können sich aber auch vorstellen wie sehr sich die Lage nach 9/11 verkompliziert hat. Hier bedarf es auch viel Überzeugungsarbeit bei unseren konservativen Koalitionspartnern CDU und CSU. Ein erster Schritt wurde getan, indem unsere Justizministerin die Überprüfung und Evaluierung der Schwarz-Roten Terrorbekämpfungsgesetze durchgesetzt hat.

Mein Ziel ist es, dass Deutschland und insbesondere München in Zukunft eine wirtschaftlich erfolgreiche und weltoffene Stadt ist, die keine Angst hat vor Wandel, sondern die sich darin ergebenden Möglichkeiten als Chance und Bereicherung sieht.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen an mich beantworten und bedanke mich bei Ihnen für Ihr Interesse an meiner persönlichen Meinung.

Mit freundlichen Grüßen

Randhir K. Dindoyal