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Maximilian Funke-Kaiser
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Ist eine Freigabe von Cannabis ethisch und gesundheitspolitisch vertretbar, obwohl es häufig die Depersonalisation auslöst, eine schwere, meist unheilbare und nicht behandelbare Erkrankung?

Cannabis kann eine schwere psychische Störungen auslösen: Die Depersonalisations-Derealisationsstörung oder kurz Depersonalisation (ICD-10: F48.1; ICD-11: 6B66). Etwa 1% der Bevölkerung sind betroffen [1,2]. In 25% dieser Fälle sind Drogen der Auslöser, am häufigsten durch Cannabis [3,4]. Oft genügt bereits ERSTMALIGER Konsum.

Die Störung ist meist lebenslang und unheilbar und führt nicht selten zum Suizid. Eine wissenschaftlich anerkannte Therapie existiert nicht und Forschung gibt es so gut wie keine, denn die Psychiatrie ignoriert das Krankheitsbild. Die Depersonalisation ist wahrscheinlich viel häufiger eine Folge von Cannabiskonsum als die Psychosen.

Wird die Politik auch wegschauen, indem sie Cannabis legalisiert und zulässt, dass noch mehr Menschen Opfer dieser Krankheit werden?

[1] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15022041/
[2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35699456/
[3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/14651505/
[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19538903/

Frage von Peter F. am
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 4 Tage 9 Stunden

Sehr geehrter Herr F.

vielen Dank für Ihre Anfrage. Das Thema Entkriminalisierung oder Legalisierung von Cannabis beschäftigt mich persönlich, aber auch die gesamte Partei, seit geraumer Zeit. In vielen Debatten sind wir Freie Demokraten zur Position gekommen, dass die Legalisierung und entsprechend weitergehende Maßnahmen der beste Weg im Umgang mit Cannabis ist.  

Daher haben wir festgehalten, dass Cannabis kontrolliert freigegeben wird und der Verkauf an volljährige Personen in lizenzierten Geschäften ermöglicht wird. Wir sind der Überzeugung, dass eine erhebliche Gefahr vom Erwerb der Substanzen auf dem Schwarzmarkt ausgeht. Dort ist es schlicht nicht einschätzbar, wie sich die erworbene Substanz, zum Beispiel mangels THC-Gehaltskenntnis, auf den Körper auswirken wird und welche Verunreinigungen vorhanden sind. Mit dem Weiterbestehen des Verbots unterbinden wir nicht den Konsum, erhöhen aber im Zweifel stetig die Dunkelziffer an Konsumenten und Menschen, die unter Umständen an gesundheitlichen Problemen leiden. Mit der kontrollierten Abgabe hingegen erhalten wir eine Qualitätskontrolle und die Unterbindung der Weitergabe von verunreinigten Substanzen sowie bessere Kontaktmöglichkeiten zu Konsumenten. Zum anderen wird der Jugendschutz gewährleistet und die Ressourcenbindung der Ermittlungsbehörden verlagert. Wir kennen, neben den typischen „Dealer-Waren“, auch Cannabis in medizinischer und therapeutischer Verwendung, den Nutzen daraus und den verantwortungsvollen Umgang damit. Daran sollten wir uns orientieren.  

Ein enormes Problem unserer Gesellschaft ist leider auch die Stigmatisierung. Sei es die Stigmatisierung der Konsumenten von Cannabis oder derjenigen, die unter psychischen Erkrankungen leiden. Wir wirken darauf hin, dass alle Personen Hilfsangebote erhalten und niemand, der Hilfe sucht, ausgegrenzt wird. So ist in vielen Fällen die auf Cannabis zurückzuführende Psychose eine Folgeerscheinung von langfristigem und starkem Konsum und einer entsprechenden Veranlagung. Das zusätzliche Geld der Steuereinnahmen soll also zweckgebunden für Prävention, Suchtbehandlung und Beratung eingesetzt werden.  

Ein wichtiger Baustein ist dabei allerdings das geänderte Mindset in unserer Gesellschaft. Niemand, der psychologische Hilfe oder sonstige Beratungsangebote braucht, muss sich dafür schämen. Im Gegenteil verdient der Schritt Anerkennung und Respekt. Für die Freien Demokraten ist das Thema Aufklärung ein wichtiger Bestandteil für das selbstbestimmte Leben. Das gilt im Umgang mit Drogen aller Art und erst recht im Umgang mit sich selbst und anderen Menschen. So ist der Themenbereich mental health stark verankert in der Agenda der Freien Demokraten.  

Zu Ihrer konkreten Frage: Ja, ich halte es ethisch für vertretbar. Historisch gesellschaftlich anerkannt ist Cannabis fraglos nicht. Jedoch haben verschiedene Kulturkreise ganz verschiedene Auffassungen bezüglich einzelner Rauschmittel. Aus den oben genannten Erwägungen und dem klaren Ziel der Entstigmatisierung, der besseren Aufklärung und Prävention, teile ich die Position der Bundesregierung.  

Mit freundlichen Grüßen 

Maximilian Funke-Kaiser 

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