Bodo Ramelow (DIE LINKE)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Grunddaten
Bodo Ramelow
Jahrgang
1956
Berufliche Qualifikation
Kaufmann
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Gera - Jena - Saale-Holzland-Kreis
Landeslistenplatz
1, über Liste eingezogen, Thüringen
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Die BR Deutschland hat sich im geschlossenen Tross der EU zu der IAEO-Resolution für einen atomwaffenfreien Nahen Osten auf unrühmliche Weise enthalten. Diese Enthaltung Deutschlands wie auch der gesamten EU dokumentiert Doppelzüngigkeit und Feigheit. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Bodo Ramelow
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Frage zum Thema Kinder und Jugend
09.02.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Ramelow,

wir haben zwei Kinder und sind voll beruftstätig. Unsere Tochter (21) macht zur Zeit eine Ausbildung zur Logopädin an einer Berufsakademie in Naumburg. Wir bezahlen ein Schulgeld von 325,00 Euro. Unsere Tochter bekommt ein Schülerbafög von 157,00 Euro. Des Weiteren sind für die Ausbildung, Fahrtkosten (Bahn), 101,00 Euro und 35,00 Euro Fahrkosten für den städtischen Nahverkehr zu zahlen. Die Kleine geht noch in den Kindergarten (200,00 Euro). Meine Frage, warum gibt es für Auzubildendende deren Eltern arbeiten, keinen Fahrtkostenzuschuss vom Land, wie in anderen Bundesländern, wie z. B. Bayern, Sachsen-Anhalt?
Antwort von Bodo Ramelow
7Empfehlungen
12.02.2009
Bodo Ramelow
Sehr geehrte Frau ,

die Thüringer Landesregierung hat die früher auch in Thüringen durch das Land gezahlten Fahrtkostenzuschüsse für Auszubildende im Jahr 2007 abgeschafft. (Mitteilung des Kultusministeriums an die Staatlichen Schulämter vom 4. September 2007) Das Urteil des Verfassungsgerichts aus 2005, das das Land verpflichtete, die Kommunen finanziell ausreichend auszustatten, wurde zum Anlass genommen, diese freiwillige Leistung des Landes (es gibt dazu kein Gesetz) zu beenden und die Antragsteller an die Landkreise und kreisfreien Städte zu verweisen. Diese lehnen allerdings bis heute eine Kostenübernahme ab.

Die LINKSFRAKTION im Landtag hat diese Missstände mehrfach als Verschlechterung der Bedingungen von Ausbildung in Thüringen gebrandmarkt und von der Landesregierung verlangt, die Zahlung wieder aufzunehmen. Deshalb ist die Wiederaufnahme dieser Zahlungen auch Bestandteil unseres Regierungsprogramms.

Mit freundlichen Grüßen
Bodo Ramelow
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
20.02.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Ramelow,

sehen Sie - wie ich- die weltweit operierende Profit- NGO OSA/WISE/ABLE/Scientology in Deutschland als politisch bekämpfenswert an oder sind Sie für Toleranz dem Netzwek gegenüber, welches nach Informationen aus der Innenbehörde Hamburg ("Der Geheimdienst der Scientology- Organisation") Menschen vermittels Lüge/ Desinformationen beherrscht und lt. bayerischem Innenministerium ein cyberfaschistisches Menschen- und Gesellschaftsbild propagiert?

Was tun Sie in der einen oder anderen Richtung?

Mit freundlichen Grüßen
W.
Antwort von Bodo Ramelow
10Empfehlungen
23.02.2009
Bodo Ramelow
Sehr geehrte Herr ,

vielen Dank für Ihre erneute Nachfrage.

Ich möchte Ihnen versichern, dass wir gegenüber der Scientology-Organisation keinerlei Toleranz empfinden. Meiner Meinung nach handelt es sich bei dieser Organisation um eine Sekte, welcher man keinerlei Zusammenarbeit gewähren darf. Richtigerweise haben Sie in diesem Zusammenhang auf die "Arbeitsgruppe Scientology" der Hamburger Innenbehörde verwiesen. Meinen Informationen nach handelt es sich dabei um die einzige dauerhafte Arbeitsgruppe einer Innenbehörde in Deutschland, welche sich mit dieser spezifischen Problematik beschäftigt. Ich finde es sehr gut, dass es diese Arbeitsgruppe gibt. In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Publikation "Scientology - Irrgarten der Illusionen" hinweisen. Meiner Meinung nach verfolgt diese den richtigen Ansatz und zwar Scientology zu entzaubern, indem über ihre Entstehungsgeschichte, Vorgehensweise und Ziele informiert und aufgeklärt wird.

www.hamburg.de

Für weitere Rückfragen steht Ihnen auch mein Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Herr Benjamin Krüger, unter der Mailadresse bodo.ramelow.ma03@bundestag.de gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Bodo Ramelow
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Frage zum Thema Kinder und Jugend
24.02.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Ramelow,

wie kommt es, das die Linke bis heute keine Notwendigkeit für einen Sektenexperten/beauftragten auf Landes oder Bundesebene innerhalb der Partei sieht?

Besonders in den so-genannten "Neuen" Bundesländern, in denen Ihre Partei doch einen gewissen Einfluss hat, sollte die Gefahr, die durch Sekten ausgeht nicht unterschätzt werden.

mit freundlichem Gruß
Antwort von Bodo Ramelow
bisher keineEmpfehlungen
09.03.2009
Bodo Ramelow
Sehr geehrter Herr ,

für diese Fragen haben wir als LINKE keine eigenen Beauftragten. Für die Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag bin ich in solchen Fragen zuständig. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie gerne über meine Antwort auf eine Frage zum Thema Scientology informieren:

www.abgeordnetenwatch.de
073

Mit freundlichen Grüßen
Bodo Ramelow
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
01.03.2009
Von:

Mit Verwunderung habe ich ihr Interview in der Südthüringer Zeitung zur Kenntnis nehmen müssen, wo Sie um die Betitelung der DDR als "Unrechtstaat" doch ziemlich herumeiern, um es etwas salopp auszudrücken. Was hinderte Sie denn konkret daran, die DDR als Unrechtstaat zu bezeichnen, auch wenns Sie damit einen juristisch nicht haltbaren Begriff verwenden? Andere haben damit (zurecht) weit weniger Probleme.

Dass die DDR ein souveräner Staat in der Völkergemeinschaft war, von den Olympischen Spielen bis hin zu allen internationalen Gremien, ist doch eher nur eine Spitzfindigkeit, die auf ziemlich viele Diktaturen zutrifft. Aussagekraft dabei liegt nahe Null, der Verharmlosungsfaktor aber in meinen Augen bedenklich hoch!

Die DDR als eher "ganz normalen Staat" hinstellen zu wollen, der dann "nur ein paar Fehler" hatte, ist einfach empörend, wenn man schon mal in Hohenschönhausen war. Hier muss doch auch mal Klartext gesagt werden dürfen, auch wenn es keine juristisch haltbarer Begriff wäre.

Ich bitte diesbezüglich um etwas Aufklärung. Auch, da die Debatte dann auch von entsprechenden Medien entsprechend aufbereitet wurden.

Danke und Gruss.
Antwort von Bodo Ramelow
15Empfehlungen
04.03.2009
Bodo Ramelow
Sehr geehrter Herr ,

ich danke Ihnen für Ihre Frage, denn Sie gibt mir die Möglichkeit auch hier noch einmal in aller Deutlichkeit darzustellen, dass ich die Toten an der innerdeutschen Grenze nicht leugne, sondern die Geschehnisse nachdrücklich verurteile. Jeder Tote war einer zu viel und kein Einziger war durch irgendeinen Grund zu rechtfertigen. Die Tötungen können auch nicht mit in der DDR geltendem Recht begründet werden. Im Originalinterview mit der Südthüringer Zeitung habe ich auf die Umstände der Teilung hingewiesen und erläutert, dass die deutsche Teilung durch die Alliierten erfolgte. So entstand eine Grenze mitten in Europa, die zugleich Nahtstelle zwischen den Blocksystemen war, in einer Zeit, die wir als "Kalten Krieg" bezeichnen. Das Grenzregime, mit dem die DDR diese Grenze aufrüstete wurde mit der fortschreitenden Entwicklung des Kalten Krieges immer brutaler, auch weil die DDR und die Sowjetunion sich einem "Systemwettkampf" ausgesetzt sahen. Gleichzeitig verließen aus den unterschiedlichsten Gründen immer mehr Menschen die DDR. Schließlich kam die verhängnisvolle Fehlentscheidung, die Grenze hermetisch abzuriegeln.

Dass der Versuch, sein Menschenrecht auf freie Selbstbestimmung und freie Wohnortwahl auszuüben, seit dieser Entscheidung an dieser Grenze häufig und zwingend tödlich endete, ist unbestritten. Dies deutlich auszusprechen versteht sich aus meinem Selbstverständnis und aus Respekt vor den Toten sowie deren Angehörigen. Im Interview habe ich nur über die Frage gesprochen, ob es einen verschriftlichten Schießbefehl gab. Bei der Debatte über meine Äußerung scheint es nun aber nur um Worte und nicht mehr um Inhalte zu gehen – leider. Ich sagte, dass es nach dem bisherigen Kenntnisstand keinen schriftlichen Befehl gab, die Flüchtenden zu töten und dass dieser Umstand sogar in seiner Konsequenz noch schlimmer war. Veröffentlicht wird aber nun über mich der Eindruck ich sei ein "Schießbefehl-Leugner",das Gegenteil wollte ich aber aussagen.

Es begann mit der systematischen Verunsicherung der einfachen Soldaten an der Grenze, was letztendlich zur tödlichen Tragödie führte. Das geschah schon bei der täglichen "Vergatterung". Die Einteilung der Posten wurde täglich neu gemacht, nie durften zwei zusammen länger den Postenweg gehen oder so etwas wie menschliche Nähe entwickeln. Der andere könnte ja "rüber" machen und was dann? Dieser Druck und die Angst vor dem "Versagen" führten zu einer tödlichen Falle an der Grenze. Dazu kamen dann noch Übergriffe aus dem Westen, der Abbau von Selbstschussanlagen und das Zeigen dieser "Trophäen" im bundesdeutschen Fernsehen. Dies führte zu einem permanenten psychischen Druck, der ständig auf den Grenzsoldaten lastete. Durch diese Rituale zur psychologischen Aufrüstung bei der Grenztruppe wird klar, wie sehr dies alles verinnerlicht war. Deshalb ist die Suche nach einem Stück Papier leider so sinnlos. Die Konstruktion der Grenze und der personelle Einsatz verbunden mit der Vergatterung führten zu viel Schlimmerem, nämlich zwingend tödlicheren Ergebnissen. Die Tötung war einkalkuliert und musste gar nicht explizit befohlen werden. Ich finde das in der Wirkung sogar noch schrecklicher. Der Flüchtende war immer das Opfer aber der Grenzsoldat wurde so zum Täter und häufig auch zum Opfer. Die wirklich Verantwortlichen saßen woanders und waren fein raus –das sind typische Merkmale einer Diktatur.

Meine Partei hat sich zu ihrer Wurzel in der SED und der damit verbundenen Verantwortung für dieses schreiende Unrecht bekannt. (Das steht übrigens auch in dem Interview aber es ist natürlich nicht so spektakulär wie "Unrechtstaatsleugner". Unsere Konsequenz ist, dass wir als Linke soziale Rechte nicht ohne Freiheitsrechte akzeptieren können. Soziale Sicherheit und Freiheit können nur zusammen gehen oder gar nicht.

Damit dieser Text nicht noch länger wird, verzichte ich auf Ausführungen zu anderen DDR eigenen Systemfehlern wie der politischen Strafjustiz, den nicht vorhandenen Verwaltungsgerichten (um gegen Behördenwillkür rechtlich vorgehen zu können – die Partei hatte ja immer Recht), dem MfS mit seinen IMs, den Stasi-Gefängnissen, zur "Nationalen Front" oder den Blockparteien. Das alles stabilisierte die DDR und beinhaltete auch die systematischen Menschenrechtsverletzungen. Wenn ich an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehe, dann soll dies bitte nicht als Leugnung verstanden werden, sondern nur darauf verweisen, dass dies zur DDR-Bewertung dazu gehören muss.

Soweit die gefälschte Überschrift und die damit verbundene Umdeutung meines Interviews in der STZ zu Verletzungen bei DDR-Opfern oder deren Angehörigen geführt haben, muss ich dafür um Entschuldigung und um Vergebung bitten. Ich will und wollte weder Opfer verhöhnen noch das schreiende Unrecht in der DDR verleugnen. Ich wollte differenziert und ehrlich antworten und nicht – wie nun behauptet wird – Wahltaktisch. Aber eine differenzierte Aufarbeitung bleibt notwendig, um diese Periode des Kalten Krieges in West und Ost bearbeiten zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Bodo Ramelow
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
01.03.2009
Von:

Sehr geehrter Hr. Ramelow,

der Presse entnehme ich, dass sie einen direkten Schießbefehl, für die Grenztruppen in der DDR, weiterhin verneinen und leugnen.

www.spiegel.de

Warum ist diese historische und durch die vielen Mauertoten belegte Tatsache für sie und ihre Partei so schwierig einzugestehen?
Siehe auch dieses Originaldokument:

stasifiles.files.wordpress.com

Wird eine Lüge, wenn man sie oft genug wiederholt, zur Wahrheit?
Ist das ihre Hoffnung?

Liebe Grüße
M.
Antwort von Bodo Ramelow
20Empfehlungen
04.03.2009
Bodo Ramelow
Sehr geehrte Frau ,

die von Ihnen gestellte Frage wurde mir bereits 2x auf Abgeordnetenwatch.de gestellt. Ich möchte daher an dieser Stelle in höflichster Form auf diese Verweisen:

Ich danke Ihnen für Ihre Frage, denn Sie gibt mir die Möglichkeit auch hier noch einmal in aller Deutlichkeit darzustellen, dass ich die Toten an der innerdeutschen Grenze nicht leugne, sondern die Geschehnisse nachdrücklich verurteile. Jeder Tote war einer zu viel und kein Einziger war durch irgendeinen Grund zu rechtfertigen. Die Tötungen können auch nicht mit in der DDR geltendem Recht begründet werden. Im Originalinterview mit der Südthüringer Zeitung habe ich auf die Umstände der Teilung hingewiesen und erläutert, dass die deutsche Teilung durch die Alliierten erfolgte. So entstand eine Grenze mitten in Europa, die zugleich Nahtstelle zwischen den Blocksystemen war, in einer Zeit, die wir als "Kalten Krieg" bezeichnen. Das Grenzregime, mit dem die DDR diese Grenze aufrüstete wurde mit der fortschreitenden Entwicklung des Kalten Krieges immer brutaler, auch weil die DDR und die Sowjetunion sich einem "Systemwettkampf" ausgesetzt sahen. Gleichzeitig verließen aus den unterschiedlichsten Gründen immer mehr Menschen die DDR. Schließlich kam die verhängnisvolle Fehlentscheidung, die Grenze hermetisch abzuriegeln.

Dass der Versuch, sein Menschenrecht auf freie Selbstbestimmung und freie Wohnortwahl auszuüben, seit dieser Entscheidung an dieser Grenze häufig und zwingend tödlich endete, ist unbestritten. Dies deutlich auszusprechen versteht sich aus meinem Selbstverständnis und aus Respekt vor den Toten sowie deren Angehörigen. Im Interview habe ich nur über die Frage gesprochen, ob es einen verschriftlichten Schießbefehl gab. Bei der Debatte über meine Äußerung scheint es nun aber nur um Worte und nicht mehr um Inhalte zu gehen – leider.
Ich sagte, dass es nach dem bisherigen Kenntnisstand keinen schriftlichen Befehl gab die Flüchtenden zu töten und dass dieser Umstand sogar in seiner Konsequenz noch schlimmer war. Veröffentlicht wird aber nun über mich der Eindruck ich sei ein "Schießbefehl-Leugner",das Gegenteil wollte ich aber aussagen.

Es begann mit der systematischen Verunsicherung der einfachen Soldaten an der Grenze, was letztendlich zur tödlichen Tragödie führte. Das geschah schon bei der täglichen "Vergatterung". Die Einteilung der Posten wurde täglich neu gemacht, nie durften zwei zusammen länger den Postenweg gehen oder so etwas wie menschliche Nähe entwickeln. Der andere könnte ja "rüber" machen und was dann? Dieser Druck und die Angst vor dem "Versagen" führten zu einer tödlichen Falle an der Grenze. Dazu kamen dann noch Übergriffe aus dem Westen, der Abbau von Selbstschussanlagen und das Zeigen dieser "Trophäen" im bundesdeutschen Fernsehen. Dies führte zu einem permanenten psychischen Druck, der ständig auf den Grenzsoldaten lastete. Durch diese Rituale zur psychologischen Aufrüstung bei der Grenztruppe wird klar, wie sehr dies alles verinnerlicht war. Deshalb ist die Suche nach einem Stück Papier leider so sinnlos. Die Konstruktion der Grenze und der personelle Einsatz verbunden mit der Vergatterung führten zu viel Schlimmerem, nämlich zwingend tödlicheren Ergebnissen. Die Tötung war einkalkuliert und musste gar nicht explizit befohlen werden. Ich finde das in der Wirkung sogar noch schrecklicher. Der Flüchtende war immer das Opfer aber der Grenzsoldat wurde so zum Täter und häufig auch zum Opfer. Die wirklich Verantwortlichen saßen woanders und waren fein raus –das sind typische Merkmale einer Diktatur.

Meine Partei hat sich zu ihrer Wurzel in der SED und der damit verbundenen Verantwortung für dieses schreiende Unrecht bekannt. (Das steht übrigens auch in dem Interview aber es ist natürlich nicht so spektakulär wie "Unrechtstaatsleugner". Unsere Konsequenz ist, dass wir als Linke soziale Rechte nicht ohne Freiheitsrechte akzeptieren können. Soziale Sicherheit und Freiheit können nur zusammen gehen oder gar nicht.

Damit dieser Text nicht noch länger wird, verzichte ich auf Ausführungen zu anderen DDR eigenen Systemfehlern wie der politischen Strafjustiz, den nicht vorhandenen Verwaltungsgerichten (um gegen Behördenwillkür rechtlich vorgehen zu können – die Partei hatte ja immer Recht), dem MfS mit seinen IMs, den Stasi-Gefängnissen, zur "Nationalen Front" oder den Blockparteien. Das alles stabilisierte die DDR und beinhaltete auch die systematischen Menschenrechtsverletzungen. Wenn ich an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehe, dann soll dies bitte nicht als Leugnung verstanden werden, sondern nur darauf verweisen, dass dies zur DDR-Bewertung dazu gehören muss.

Soweit die gefälschte Überschrift und die damit verbundene Umdeutung meines Interviews in der STZ zu Verletzungen bei DDR-Opfern oder deren Angehörigen geführt haben, muss ich dafür um Entschuldigung und um Vergebung bitten. Ich will und wollte weder Opfer verhöhnen noch das schreiende Unrecht in der DDR verleugnen. Ich wollte differenziert und ehrlich antworten und nicht – wie nun behauptet wird – Wahltaktisch. Aber eine differenzierte Aufarbeitung bleibt notwendig, um diese Periode des Kalten Krieges in West und Ost bearbeiten zu können.

Mit freundlichen Grüßen

Bodo Ramelow
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