Sehr geehrte Frau

,
gern möchte ich ihnen auf ihre beiden Fragen antworten.
> Ist Ihnen bewusst, dass Sie mit den Demonstrationen, zu denen Sie
> aufrufen, vielen gewaltbereiten Jugendlichen verschiedener politischer
> Lager die Möglichkeit geben "aktiv" zu werden? Dabei werden sehr wohl
> Bürger, Außenstehende und Polizisten verletzt und erhebliche Sachschäden
> verursacht, wie aus diversen regionalen und zum Teil auch überregionalen
> Medien zu entnehmen ist.
Mir ist nicht bewusst, dass mit den Demonstrationen, die ich aufrufe und die ich zum großen Teil inhaltlich mit vorbereitet, gewaltbereite "Jugendliche" "verschiedener politischer Lager" eine Plattform bekommen. Im Gegenteil schätzen die Menschen, die den Großteil dieser Aktionen vorbereiten und durchführen das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit und die Möglichkeit der kollektiven Meinungsäußerung. Anstatt dieses Engagement mit Gewalt und Zerstörung gleichzusetzen sollte sich eine Gesellschaft über das Engagement der zumeist jüngeren Leute freuen und sich an solchen Aktionen gegen Neonazismus, Rassismus und für soziale Rechte beteiligen. Dann würde auch eine oft wahrnehmbare Homogenität der Teilnehmenden solcher Demos sich verändern. Ich würde gern wissen bei welcher Demonstration sie das "Verletzen von Bürgern, Außenstehenden und Polizisten" und "erhebliche Sachbeschädigungen" wahrgenommen haben bzw. wo sie die Belege hernehmen? Meine letzten Demonstrationsanmeldungen waren am 26.1.2013 eine Demonstration gegen die Abwertung von sozial Benachteiligten und Wohnungslosen aus Anlass eines Urteils gegen die Mörder eines Wohnungslosen, am 19.1.2013 eine Demonstration gegen Repressionen gegen NazigegnerInnen in Reaktion auf das harte Urteil gegen einen jungen Mann, der gegen Nazis protestiert hat, am 29.11.2012 eine Kundgebung zum Thema Verfassungsschutz vor dem Neuen Rathaus und am 27.10.2012 eine Demonstration aus Anlass des 2. Todestages des von Nazis ermordeten Kamal K.. Waren Sie bei einer dieser Aktionen und haben Gewalt und Sachbeschädigungen wahrgenommen?
> Weiterhin möchte ich Sie fragen, warum zu jeder Demonstration, die von
> Ihnen ins Leben gerufen wird, ein Großaufgebot von Polizisten notwendig
> ist. Ich stelle nicht in Frage, dass Sie mit friedlichen Mitteln für Ihre
> Meinung einstehen, dennoch ist es für mich unbegreiflich, dass es nach den
> Demonstrationen immer öfter zu Eskalationen kommt.
Ich würde auch gern wissen warum die Polizei die Demonstrationen oft mit einem vollkommen überzogenem Aufgebot begleitet. Genau das führt oft zu Unmut, denn dadurch werden Menschen, die ihrer Meinung kund tun wollen, von vornherein in eine kriminelle Ecke gestellt, damit werden auch Menschen abgeschreckt teilzunehmen. In Auswertung der massiven Polizeibegleitung bei der Gedenkdemonstration an Kamal K. im Oktober hat die Polizei selbst eingeräumt, dass dies nicht angemessen war, da auch diese Aktion weitestgehend ohne Zwischenfälle verlief. Seitdem scheinen die Einsätze entspannter.
Mit freundlichen Grüßen.
Juliane Nagel