Dr. Wolfgang Schäuble (CDU)
Abgeordneter Bundestag

Grunddaten
Dr. Wolfgang Schäuble
© Bundestagsfraktion CDU/CSU
Geburtstag
18.09.1942
Berufliche Qualifikation
Rechtsanwalt
Ausgeübte Tätigkeit
MdB, Bundesminister der Finanzen
Wohnort
Gengenbach
Wahlkreis
Offenburg
Ergebnis
47,2%
Landeslistenplatz
1, Baden-Württemberg
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(...) Das Maßnahmepaket verhindert, dass die Menschen das Gefühl haben, wir stolpern von einer Krise in die nächste. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Finanzen
17.11.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Minister,

Sie bitten, Fragen an Sie als Finanzminister an das Ministerium zu richten. Das habe ich getan. Nach meiner Meinung wurden meine Fragen aber nicht beantwortet, sondern lediglich ein Standartschreiben versandt. Michael Leisinger verweist mich vor allem auf den Finanzplan bis 2015.
Meine Fragen bezogen sich auf den zu erwartenden Schuldenabbau, nachdem die
konjukturellen Prognosen weitaus schlechter sind als wirtschaftlich äußerst erfolgreiche
Jahre 2010 - 2012 (Anfang). Daher nochmals meine Fragen:
Wie sollen in wirtschaftlich schwierigen Jahren bei einer Stagnation oder gar Rezession der Weltwirtschaft mit hohen Risiken durch den Rettungsschirm das Ziel der Schulden- bremse erreicht werden, wenn schon in rosigen Jahren weitaus höhere neue Schulden aufgenommen werden?
Die geplante Neuverschuldung 2015 ist höher als die Neuverschuldung 2007. Kann man dies als Erfolg werten?
Wenn die Weltwirtschaft größere Einbrüche erleidet, schrumpft unser Export. Unsere Top-Bonität fällt und wir sind auch ein Sanierungsfall. Der Euro ist tot. Muss ich daher in einigen Jahren mit einem Schuldenschnitt rechnen oder steigen die Belastungen für die Bürger weiter an?
Schon 2011 sollte ein ausgeglichener Haushalt erreicht werden. Durch die globale Wirtschaftskrise konnte dieses Ziel nicht erreicht werden. Dies droht wieder. Haben Sie sich schon eine Ausrede zurechtgelegt, wenn das Ziel der Schuldenbremse nicht erreicht wird?
Ihr Ministerium schreibt mir, "Sparsamkeit hat dort ihre Grenzen, wo sie die Wirtschafts- kräfte eines Landes schwächt." Wie richtig. Warum vertreten Sie aber gegenüber den Schuldenländern den gegenteiligen Kurs, dass nur exzessive Sparmaßnahmen zum Erfolg führen kann?

Mit freundlichem Gruß

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Frage zum Thema Finanzen
20.11.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Schäuble,

leider haben Sie meine Fragen vom 1.10. und 9.10. hier noch nicht beantwortet.

Beabsichtigen Sie, dies noch zu tun?

Wie schon geschrieben, habe ich ein Konzept entwickelt, mit dem nicht nur Griechenland, sondern auch anderen EU-Schuldenstaaten geholfen werden kann. Ohne Austritt aus der EU oder Schuldenschnitt. Also auch ohne eine weitere Verschärfung der Bankenkriese.

OK, so viel sei verraten: Es beruht auch auf einen Rückkauf von Schulden am Kapitalmarkt. Damit ist es also marktwirtschaftlich und keine Bank oder andere Gläubiger "müssen" verkaufen. Eine Bankenkrise ist also ausgeschlossen.

Und die Maßnahme würde ziemlich sofort zu einer Beruhigung der Finanzmärkte
führen.

Herr Schäuble, es gibt eine neue Partei, die empfiehlt, auf die Sachkompetenz der Bürger zu setzen und diese endlich nicht mehr zu ignorieren.

Herr Schäuble, wie ernst nehmen Sie uns Bürger noch? Kann ich damit rechnen, daß mir ein kompetenter Ansprechpartner aus Ihrem Hause genannt wird? Meine Daten liegen Ihnen vor.

Mit freundlichem Gruß aus Neukölln

Diplom-Volkswirt
Diplom-Kaufmann
Standard-Antwort von Dr. Wolfgang Schäuble
1Empfehlung
21.11.2011
Dr. Wolfgang Schäuble
Sehr geehrte Damen und Herren,

das Projekt "Abgeordnetenwatch" soll dazu beitragen, einen direkten Kontakt zwischen Bürgern und Abgeordneten zu vermitteln. Da Ihre Anfrage meine Tätigkeit als Bundesminister der Finanzen betrifft, möchte ich Sie bitten, sich mit Ihren Anliegen direkt an das Bundesministerium der Finanzen zu wenden. Über die Emailadresse buergerreferat@bmf.bund.de oder per Post (Bundesministerium der Finanzen, Wilhelmstraße 97, 10117 Berlin) besteht jederzeit die Möglichkeit, mit mir Kontakt aufzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolfgang Schäuble, MdB
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
20.11.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble,

sind machten vor wenigen Tagen auf dem European Banking Kongreß sinngemäß die Aussage, daß unsere Nation seit dem 8.5.1945 nicht wieder souverän geworden ist.
Ich frage mich allerdings dann, was Sie und Ihre Kollegen seit 60 Jahren im Reichstag für eine Politik verfolgen, vertreten Sie dann überhaupt die Interessen unseres Volkes oder die der ehemaligen Siegermächte, welche nach wie vor Truppen sowie Nuklearsprengköpfe in unserem Land stationieren?
Dann ist es also auch korrekt, daß das Grundgesetz eben nicht unsere frei gewählte Verfassung ist sondern nach wie vor ein Besatzungskonstrukt der Siegermächte?
Wann werden Sie endlich unser Volk in freier Entscheidung wieder über unser eigenes Schicksal bestimmen lassen, beispielsweise über EU und Euro, nachdem dieses Recht uns laut Ihrer eigenen Aussage ja seit mehr 65 Jahren vorenthalten wird?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Dr. Wolfgang Schäuble
bisher keineEmpfehlungen
28.11.2011
Dr. Wolfgang Schäuble
Sehr geehrter Herr ,

in meiner Rede vor dem European Banking Congress 2011 habe ich folgendes zur Souveränität Deutschlands ausgeführt: "Die Kritiker, die meinen, man müsse eine Konkurrenz zwischen allen Politikbereichen haben, die gehen ja in Wahrheit von dem Regelungsmonopol des Nationalstaates aus. Das war die alte Ordnung, die dem Völkerrecht noch zugrunde liegt, mit dem Begriff der Souveränität, die in Europa längst ad absurdum geführt worden ist, spätestens seit den zwei Weltkriegen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Und wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen. Und deswegen ist der Versuch in der europäischen Einigung eine neue Form von Gouvernements zu schaffen, wo es eben nicht eine Ebene, die dann nicht für alles zuständig ist und dann im Zweifel durch völkerrechtliche Verträge bestimmte Dinge auf andere überträgt, nach meiner festen Überzeugung für das 21.Jahrhundert ein sehr viel zukunftsweisender Ansatz, als der Rückfall in die Regelungsmonopol-Stellung des klassischen Nationalstaates vergangener Jahrhunderte. "

Hinsichtlich Ihrer ersten Frage handelt es sich also um einen Hinweis auf die eingeschränkten Hoheitsrechte eines Staates innerhalb einer supranationalen Gemeinschaft wie der Europäischen Union. Diese Lage bestand auch schon nach der deutschen Wiedervereinigung, dies ist insofern keine Neuigkeit sowohl für die Zukunft als auch die Vergangenheit.


Zu Ihrer zweiten Frage: Die von unserem Grundgesetz vorgesehene Demokratieform ist die repräsentative Demokratie, bei der das Volk durch Wahlen Repräsentanten ins Parlament entsendet. Plebiszitäre Elemente sind nur in Art. 29 Abs. 1 S. 2 GG (Neugliederung des Bundesgebiets) und Art. 146 GG (Ablösung des bisherigen GG durch eine neue Verfassung) enthalten. Wollte man weitere Elemente direkter Demokratie auf Bundesebene einführen, müsste zunächst das Grundgesetz geändert werden. Verschiedene Gründe sprechen jedoch gegen eine solche Änderung.

Die Entscheidungsfindung im politisch-parlamentarischen Prozess ist auf einen möglichst gerechten und sachdienlichen Interessenausgleich gerichtet. Bei einem Plebiszit würden dagegen hoch komplizierte Sachverhalte auf ein "Ja" oder "Nein" reduziert werden. Auch die konkrete Entscheidungsvorlage, auf Grund derer über die Zustimmung oder Ablehnung eines Vorhabens entschieden werden soll, wäre im Abstimmungsprozess nicht mehr änderbar. Hinzu kommt, dass das Grundgesetz ein ausdifferenziertes System von gegenseitiger Kontrolle durch die Verfassungsorgane vorsieht, welches durch direktdemokratische Elemente aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann.

In der Entscheidungsform der unmittelbaren Demokratie können situationsbedingte Stimmungen eine größere Rolle spielen als beim parlamentarischen Entscheidungsverfahren. Erfahrungen mit Volksentscheiden auf kommunaler Ebene und Länderebene belegen, dass die Chancen für eine Verhinderungsmehrheit im Zweifel größer sind als die für eine Gestaltungsmehrheit, weil sich die Gegner eines Vorhabens oftmals stärker engagieren als die Befürworter.

Zudem sind Entscheidungen, welche die Mitgliedschaft Deutschlands in der Europäischen Union und der Europäischen Währungszone betreffen, in besonderem Maße von umfangreichen Zusammenhängen und Wechselwirkungen getragen, deren Reduzierung auf eine Frage nicht den verschiedenen Anforderungen gerecht wird.


Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolfgang Schäuble
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
21.11.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Schäuble,

was beabsichtigen Sie mit Ihrem Vorschlag, den Europa-Präsidenten direkt vom Volk wählen zu lassen?
Werfen Sie hier Nebelkerzen, auf welche sich die unkritische deutsche Presse stürzen kann, während Sie weiter an Ihrer Idee eines diktatorischen Europa arbeiten?
Ihr Vorschlag ist schon deshalb scheinheilig und unglaubwürdig, da das deutsche Volk weder über die Einführung des Euro, noch über den Vertrag von Lissabon frei entscheiden konnte.
Welches Verständnis eines "Demokraten" Sie vertreten, haben Sie übrigens mit Ihrer Rede im "European Banking Congress" dargelegt.

Mit Grüßen

Antwort von Dr. Wolfgang Schäuble
1Empfehlung
28.11.2011
Dr. Wolfgang Schäuble
Sehr geehrter Herr ,

die von unserem Grundgesetz vorgesehene Demokratieform ist die repräsentative Demokratie, bei der das Volk durch Wahlen Repräsentanten ins Parlament entsendet. Plebiszitäre Elemente sind nur in Art. 29 Abs. 1 S. 2 GG (Neugliederung des Bundesgebiets) und Art. 146 GG (Ablösung des bisherigen GG durch eine neue Verfassung) enthalten. Wollte man weitere Elemente direkter Demokratie auf Bundesebene einführen, müsste zunächst das Grundgesetz geändert werden. Verschiedene Gründe sprechen jedoch gegen eine solche Änderung.

Die Entscheidungsfindung im politisch-parlamentarischen Prozess ist auf einen möglichst gerechten und sachdienlichen Interessenausgleich gerichtet. Bei einem Plebiszit würden dagegen hoch komplizierte Sachverhalte auf ein "Ja" oder "Nein" reduziert werden. Auch die konkrete Entscheidungsvorlage, auf Grund derer über die Zustimmung oder Ablehnung eines Vorhabens entschieden werden soll, wäre im Abstimmungsprozess nicht mehr änderbar. Hinzu kommt, dass das Grundgesetz ein ausdifferenziertes System von gegenseitiger Kontrolle durch die Verfassungsorgane vorsieht, welches durch direktdemokratische Elemente aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann.

In der Entscheidungsform der unmittelbaren Demokratie können situationsbedingte Stimmungen eine größere Rolle spielen als beim parlamentarischen Entscheidungsverfahren. Erfahrungen mit Volksentscheiden auf kommunaler Ebene und Länderebene belegen, dass die Chancen für eine Verhinderungsmehrheit im Zweifel größer sind als die für eine Gestaltungsmehrheit, weil sich die Gegner eines Vorhabens oftmals stärker engagieren als die Befürworter.

Entscheidungen, welche die Mitgliedschaft Deutschlands in der Europäischen Union und der Europäischen Währungszone betreffen, sind in besonderem Maße von umfangreichen Zusammenhängen und Wechselwirkungen getragen, deren Reduzierung auf eine Frage nicht den verschiedenen Anforderungen gerecht wird. Anders verhält es sich mit einer Personendirektwahl. Ausschlaggebend ist dabei nicht, welches der möglichen Ämter durch die Wahl besetzt wird. Vielmehr ginge es darum, eine europäische Führungspersönlichkeit in einer europäischen Wahl zu wählen, um so Nähe und Transparenz entstehen zu lassen. Durch das Verfahren der Direktwahl kann eine europäische Öffentlichkeit und damit ein stärkeres europäisches Bewusstsein in der Bevölkerung geschaffen werden.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolfgang Schäuble
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
22.11.2011
Von:

Sehr geehrter Hr.Minister ,

am 5.08.2009 antworteten Sie einem Herrn Klein auf eine Anfrage mit folgendem Wortlaut :
"Der Zwei-plus-Vier-Vertrag führte zur Beendigung der Rechte und Verantwortlichkeiten der vier Mächte in Bezug auf Berlin und Deutschland als Ganzes. Durch diesen Vertrag erlangte Deutschland die volle Souveränität über seine inneren und äußeren Angelegenheiten."

Am Freitag den 18.11.2011 sprachen Sie in der Alten Oper in Frankfurt (European Banking Congress)
sagten Sie dann folgenden Satz :"Und wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen."

Meine Fragen hierzu :
Stimmt Ihre letze Behauptung ? Sind wir wirklich nie und zu keinem Zeitpunkt (seid 1945) mehr voll souverän gewesen ? Wie erklären Sie sich dazu Ihre Aussage vom 5.08.2009 in der es hieß das wir seid 1990 die volle Souveränität wieder erlangt haben ? Hat die europäische Krise etwas mit Ihrem Meinungsumschwung zu tun , oder gibt es hierfür eine andere sachlich begründete Erklärung ?

Mit freundlichen

Antwort von Dr. Wolfgang Schäuble
1Empfehlung
28.11.2011
Dr. Wolfgang Schäuble
Sehr geehrter Herr ,

zu Ihrem Verständnis des von mir auf dem European Banking Congress 2011 angeführten Souveränitätsbegriffs gebe ich Ihnen den ganzen Kontext meiner Ausführungen wieder: "Die Kritiker, die meinen, man müsse eine Konkurrenz zwischen allen Politikbereichen haben, die gehen ja in Wahrheit von dem Regelungsmonopol des Nationalstaates aus. Das war die alte Ordnung, die dem Völkerrecht noch zugrunde liegt, mit dem Begriff der Souveränität, die in Europa längst ad absurdum geführt worden ist, spätestens seit den zwei Weltkriegen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Und wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen. Und deswegen ist der Versuch in der europäischen Einigung eine neue Form von Gouvernements zu schaffen, wo es eben nicht eine Ebene, die dann nicht für alles zuständig ist und dann im Zweifel durch völkerrechtliche Verträge bestimmte Dinge auf andere überträgt, nach meiner festen Überzeugung für das 21.Jahrhundert ein sehr viel zukunftsweisender Ansatz, als der Rückfall in die Regelungsmonopol-Stellung des klassischen Nationalstaates vergangener Jahrhunderte. "

Hinsichtlich Ihrer Frage handelt es sich also um einen Hinweis auf die eingeschränkten Hoheitsrechte eines Staates innerhalb einer supranationalen Gemeinschaft wie der Europäischen Union. Diese Lage bestand auch schon nach der deutschen Wiedervereinigung, dies ist insofern keine Neuigkeit sowohl für die Zukunft als auch die Vergangenheit.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Wolfgang Schäuble
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