Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Dr. Gregor Gysi
Jahrgang
1948
Berufliche Qualifikation
Rinderzüchter, Diplom-Jurist
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages, selbst. Rechtsanwalt und Publizist in Berlin
Wahlkreis
Berlin-Treptow-Köpenick
Landeslistenplatz
1, Berlin
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(...) Als ich zu Besuch in Brasilien war, habe ich auch vor Reichen gesprochen und ihnen erklärt, dass ihre Kinder in Unfreiheit leben, weil sie sich nur noch im Hochsicherheitstrakt aufhalten. Ich habe sie gefragt, wann sie erreichen wollen, dass ihre Kinder sich wieder frei bewegen können. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Finanzen
14.12.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Gysi,
mit Schrecken verfolge ich z. Zt. diese unsägliche Debatte um Konjunkturhilfen. Ich bin der Meinung, daß diese Hilfen für einzelne Branchen zwecklos sind. M. E. können im Moment nur drastische Steuersenkungen für alle helfen, damit die Kaufkraft der Bevölkerung wieder steigt u. damit die Produktion nicht mehr so stark exportorientiert ist. Desweiteren wundert es mich nicht, daß Gewinne einzelner Branchen individualisiert, die Verluste aber sozialisiert werden.
Ich würde dazu gerne Ihre Meinung wissen.
Mit bestem Dank im voraus
R.
Antwort von Dr. Gregor Gysi
18Empfehlungen
15.12.2008
Dr. Gregor Gysi
Sehr geehrter Herr ,

Ihre Nachricht vom 14. Dezember hat mich erreicht.

Die Forderung nach Steuersenkungen ist mir viel zu pauschal. Man muss das differenzierter machen. Wir sind z. B. für die Anhebung des Spitzensteuersatzes für Besser- und Bestverdienende. Auf der anderen Seite sind wir aber dafür, den Freibetrag bei der Einkommenssteuer zu erhöhen und vor allem den Steuerbauch für die durchschnittlich Verdienenden zu überwinden, d. h. dort die Steuern zu senken. Sie haben aber völlig Recht, dass die Kaufkraft erhöht werden muss. Deshalb sind wir dafür die gesetzlichen Renten im nächsten Jahr um 4 % zu erhöhen, den Sockelbetrag für Hartz IV-Empfängerinnen und -Empfänger auf 435,00 € zu erhöhen und einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,71 € wie in Frankreich einzuführen. Außerdem brauchen wir Investitionen in Bildung, im Gesundheitswesen und in die Energiewende.

Seit Jahren kritisieren wir die Ungerechtigkeit, dass Verluste sozialisiert und Gewinne privatisiert werden. Deshalb sagen wir, dort wo staatliches Geld hinfließt, muss auch staatliches Miteigentum begründet werden, damit die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler künftig auch an den Gewinnen beteiligt sind.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Gysi
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
15.12.2008
Von:
Jan van

Was halten Sie von der Idee des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung einen Grundrechtskontrollrat einzuführen um unser Grundgesetz vor verfassungswiedrigen Gesetzen zu schützen? Halten Sie solche Vorschläge für realistisch und umsetzbar? Ungefähre Pläne wie so ein Rat aussehen sollte können Sie sich unter folgendem Link anschauen: www.vorratsdatenspeicherung.de

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Dr. Gregor Gysi
15Empfehlungen
18.12.2008
Dr. Gregor Gysi
Sehr geehrter Herr van ,

Ihr Schreiben vom 16. Dezember hat mich erreicht. Der Bundestag ist das höchste gewählte Organ der Bundesrepublik Deutschland. Es ist nicht möglich, irgendein Gremium höher zu setzen. Es gibt allerdings zwei gewichtige Ausnahmen. Der Bundespräsident darf ein Bundestagsgesetz dann nicht unterschreiben, wenn es offenkundig grundgesetzwidrig ist. Dreimal hat der gegenwärtige Bundespräsident danach entschieden, ein Gesetz nicht zu unterschreiben. In anderen Fällen kann der Weg bis zum Bundesverfassungsgericht beschritten werden. Das Bundesverfassungsgericht kann ebenfalls entscheiden, dass ein Gesetz als grundgesetzwidrig aufgehoben wird.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Gysi
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Frage zum Thema Rückkehr zur alten Pendlerpauschale
16.12.2008
Von:

Hallo Herr Dr. Gysi,

vielen Dank, dass Sie meine Frage so prompt beantwortet haben. Gleichwohl bleiben noch Unklarheiten.

Sie schrieben, dass diejenigen Erwerbstätigen, die einen bestimmten Weg zur Arbeit zurücklegen, die Entfernungspauschale gewährt bekommen sollten, und zwar unabhängig davon, wie sie den Weg absolvieren.

Meines Erachtens werden hier staatliche Mittel (Steuern) zweckentfremdet. Ich finde es richtig, dass der Staat die Menschen bei der Arbeitsaufnahme bzw. -suche unterstützt (d.h. Arbeitssuchenden und Arbeitslosen die Fahrtkosten erstattet etc.), aber sobald jemand eine Arbeit gefunden hat und ausübt, sollte er die Fahrtkosten von seinem Arbeitgeber erstattet bekommen (denn der will ja, dass der andere für ihn arbeitet) und nicht vom Staat.

Dazu kommt, dass eher sozial besser gestellte von der Entfernungspauschale profitieren, die ihr "Haus im Grünen" außerhalb der Stadt bewohnen und mit einem großen Auto ins Büro fahren. Von der Umweltbelastung ganz zu schweigen. Darum meine Frage:

Wäre es sozial gerechter, die Steuereinnahmen nicht für den privaten Verbrauch von Umwelt auf dem Weg zur Arbeit einzusetzen, sondern für andere Maßnahmen, von denen ALLE Bürger profitieren?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Dr. Gregor Gysi
14Empfehlungen
18.12.2008
Dr. Gregor Gysi
Sehr geehrter Herr ,

Ihre weitere Nachricht hat mich erreicht.

Bitte bedenken Sie, dass ein Arbeitgeber dann die Erstattung von Kosten ablehnen könnte, wenn die Arbeitnehmerin bzw. der Arbeitnehmer umzieht und dadurch eine größere Entfernung entsteht. Der Umzug kann aber z. B. durch Kinder erforderlich werden. Der Staat hat hier auch Verpflichtungen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Gysi
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Frage zum Thema Arbeit
18.12.2008
Von:

Sehr verehrter Herr Dr.Gysi,

meine Frage!. Wäre jetzt nicht ein günstiger Zeitpunkt ein Grundeinkommen (Bürgergeld) für alle Menschen perspektivisch auch später für ganz Europa zum Wahlkampfthema 2009 zumachen.

Man hört täglich über Konjunkturpakete warum nicht den Staat jetzt auf
das Bürgergeld umbauen. Ich könnte mir gut vorstellen das der Arbeitsmarkt davon profitieren wird. So mancher Deutsche würde mit dem neu hinzu gewonnen Bürgergeld sich flexibler im Arbeitsmarkt anpassen oder sogar eine neue Selbständigkeit in Angriff nehmen. Vom Konsumermarkt ganz zu schweigen.

Der Mensch sollte dabei natürlich im Mittelpunkt stehen.

Da einigen Ländern in Europa das Wasser bis zum Hals steht, uns mit eingeschlossen. Wäre das Bürgergeld vielleicht letztlich ein Segen für die Menschheit mit Deutschland als Vordenker und Umsetzer für das (Bürgergeld).

Der Deutsche Bürger wird ein solch gewaltiges Projekt gerne mitragen und mit seiner Arbeitskraft unterstützen wollen. Es muss nur durch die Parteien und Medien anschaulich gemacht werden damit es auch jeder versteht.

Meine Frage, wie stehen Sie zum Bürgergeld und wäre es nicht sinnvoll diese seit Jahren gepflegte und immer wieder durchgerechnete Idee im Bundestag voran zu treiben

FDP (Solms), CDU (Althaus) und die Grünen beschäftigen seit langen schon damit.

Ich habe auf ihrer Internetseite linksfraktion.de mal die Suchfunktion benutzt und Bürgergeld eingegeben. Bis auf Ausschnitt der Rede von Klaus Ernst kam sonst nichts über ein Bürgergeld zu Tage.


Herr Gysi, was halten Sie von einem Solidarischen Bürgergeld plus Mindestlohngarantie oder beteiligen sich weiterhin an irgendwelchen Konjunkturpaketen die den Menschen am Ende der Nahrungskette kaum weiterhelfen. Auf ihre Antwort bin ich gespannt!

Mit freundlichen Grüßen
K.
Antwort von Dr. Gregor Gysi
15Empfehlungen
19.12.2008
Dr. Gregor Gysi
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Nachricht vom 18. Dezember. Seit langem treten wir bereits für eine Grundsicherung ein. Allerdings bin ich dafür, zwischen Menschen zu unterscheiden, die bereit sind, den ihnen möglichen Solidarbeitrag zu leisten und jenen, die sich diesbezüglich verweigern. Die letzten mögen eine kleine Gruppe sein, aber ein etwas anderer Umgang mit ihnen erscheint mir dennoch erforderlich. Selbstverständlich ist auch Ihnen gegenüber der Artikel 1 des Grundgesetzes zu wahren, wonach die Würde des Menschen unantastbar ist.

Konjunkturprogramme beinhalten auch notwendige Investitionen, die wir im Bereich der Bildung, des Gesundheitswesens und der Energiewende dringend benötigen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Gysi
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
18.12.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Gysi,

im November bat ich Sie, mir Auskunft über die Kredtaufnahme der Bundesregierung zu geben. Ich wollte gern wissen, wieviel € bei welcher Bank geliehen werden. Sie verwiesen mich an das Bundesfinanzministerium. Leider erhielt ich von dort keine Antwort, obwohl ich die Möglichkeit von Anfragen nutzte. Mir scheint, es ist ein großes Geheimnis. Man stelle sich 1 Milliarde Kredit mit 4,6 % Zinsen vor. Das ist für die Bank ein vorläufiger Gewinn von 46 Millionen. Auf Grund der hohen Verschuldung unseres Staates ist es doch weltweit d a s Geschäft !!! Da diese Zinsen aus Steuergeldern beglichen werden, ist es doch ein Recht für jeden Bundesbürger, darüber aufgeklärt zu werden. Sehen Sie dies auch so?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Dr. Gregor Gysi
19Empfehlungen
19.12.2008
Dr. Gregor Gysi
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre weitere Anfrage vom heutigen Tage. Ich habe Ihr Schreiben an die Abgeordnete Gesine Lötzsch mit der Bitte weitergeleitet, Ihnen eine Antwort zukommen zu lassen. Selbstverständlich muss die Frage geklärt werden und ich hoffe, dass Frau Lötzsch die Antworten ermitteln kann.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Gysi
Ergänzung vom 22.12.2008
Sehr geehrte Frau ,

Bundeswertpapiere als Einmalemissionen werden in einem Auktions- beziehungsweise Tenderverfahren über die Mitglieder der Bietergruppe Bundesemissionen abgesetzt. Jedes Kreditinstitut kann sich um Aufnahme in die Bietergruppe bewerben. Die Bietergruppe umfasste im Jahr 2007 33 Kreditinstitute.

Das sind Merrill Lynch International, Deutsche Bank, J.P.Morgan Securities Ltd., Morgan Stanley&Co. International Limited, UBS Deutschland AG, Goldman Sachs International, The Royal Bank of Scotland Franfurt Branch, Societe Generale S.A. Zweigniederlassung F.a.M., Barclays Bank PLC, Lehman Brothers International (Europa), Citigroup Global Markets Limited, BNP Paribas S.A., HSBC Trinkaus & Burkhardt AG, Dresdner Bank AG, Bank of America Securities Limited, ABN AMRO Bank N.V., CALYON Deutschland, Landesbank Baden-Württemberg, Credit Suisse Securities (Europe) Limited, Norddeutsche Landesbank Girozentrale, Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale, ING Bank N.V., DZ BANK AG Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, DekaBank Deutsche Girozentrale, Bayrische Landesbank, Nordea Bank Danmark A/S, Bayrische Hypo- und Vereinsbank AG, WestLB AG, Nomura Bank (Deutschland) GmbH, Commerzbank AG, Sparkasse KölnBonn, Rabobank International, BHF-Bank AG. Die Mitglieder der Bietergruppe müssen einen Teil (0,05 Prozent) der jährlichen benötigten Mittel geben.

Bei jeder Emisssion können sich diese Banken bewerben. Oft bilden mehrere eine Gemeinschaft. Die niedrigsten Zinsangebote erhalten den Zuschlag. Große Geldinstitute können leichter so große Kredite aufbringen, die der Bund benötigt. Die Banken setzen für das Geld, das sie dem Bund leihen, die Einlagen ihrer Kunden ein. Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte wird so zu einer sicheren (Zins-)Einkommensquelle für private Anlegerinnen und Anleger. Davon profitieren insbesondere die Besitzer von großen Geldvermögen, weil für höhere Beträge höhere Zinsen gezahlt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Gesine Lötzsch
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Ihre Frage an Dr. Gregor Gysi
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