Winfried Kretschmann (GRÜNE)
Kandidat Landtagswahl Baden-Württemberg 2011
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Winfried Kretschmann
Geburtstag
17.05.1948
Berufliche Qualifikation
Lehrer für Biologie, Chemie und Ethik
Ausgeübte Tätigkeit
MdL, Fraktionsvorsitzender
Wohnort
-
Wahlkreis
Nürtingen , Stimmen (Wahlkreis): 22.918
(...) Offenbar haben sich inzwischen die meisten Eltern mit der Grundschulfremdsprache Französisch arrangiert; jedenfalls erreichen uns so gut wie keine Klagen mehr. (...)
 
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Frage zum Thema Arbeit und Wirtschaft
18.03.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Kretschmann,

als Stuttgarter, Open Source Entwickler und Gründer eines Startup
Unternehmens hab ich mehrere Fragen zum Thema Freie Software und Cloud
Computing.
Seit einigen Jahren ist ein Trend zu beobachten dass immer mehr Daten von
Privatpersonen, Institutionen und Unternehmen auf sogenante Cloud Services
im Internet abgelegt werden. Diese Daten liegen oft ausserhalb der
Gültigkeit des deutschen Datenschutzgesetzes. Für Unternehmen und Bürger
ist meistens undurchsichtig wer heute und zukünftig Zugriff auf diese
personenbezogenen Daten hat. Die meisten dieser Cloud Services basieren
nicht auf freier Software so dass der Benutzer nicht weiss was mit seinen
eigenen Daten passiert.

Auch Unternehmen speichern zunehmen eigene geschäftskritische Daten oder
Daten Ihrer Kunden ausserhalb Deutschlands auf proprietären Cloud
Services.
Das Problem wird unter anderem in folgenden Artikeln thematisiert
www.welt.de
www.it-business.de
www.computerwoche.de

  • Wie beurteilen Sie diese Entwicklung und sehen sie die Notwendigkeit zu einer gesetzlichen Regulierung?
  • Welche Massnahmen möchten Sie ergreifen um Freie Software und Private Cloud Services in Deutschland und speziell Baden-Württemberg zu fördern?
  • Sind Sie der Ansicht dass das deutsche Datenschutzgesetz auch europaweit oder weltweit anwendung finden sollte?
  • Beabsichtigen Sie die Gründung von Startup Unternehmen in Baden-Württemberg zu fördern die sich für freie Software und freie Cloud Dienste einsetzen?

mit freundlichen Grüssen


Geschäftsführer hive01 gmbh
Vorstand KDE e.V.
Antwort von Winfried Kretschmann
bisher keineEmpfehlungen
22.03.2011
Winfried Kretschmann
Sehr geehrter Herr ,

Gerne beantworte ich Ihre Fragen.

  • Wie beurteilen Sie diese Entwicklung und sehen sie die Notwendigkeit zu einer gesetzlichen Regulierung?

Bislang ist die gesetzliche Regelung des Datenschutzes unzureichend und wir schließen uns voll und ganz der Skepsis des Datenschutzbeauftragen von Schleswig-Holstein Thilo Weichert an: "Bei der personenbezogenen Datenverarbeitung im Rahmen des Cloud Computing treten rechtliche und technische Fragestellungen auf, die bisher nur unzureichend aufgearbeitet sind."

  • Welche Maßnahmen möchten Sie ergreifen um Freie Software und Private Cloud Services in Deutschland und speziell Baden-Württemberg zu fördern?

Open-Source-Software muss zukünftig auch von den Landesbehörden viel intensiver genutzt werden. Nach unserer Auffassung sollte der Landtag dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Bei öffentlichen Vergaben sollten die Ausschreibungen so gestaltet werden, dass auch kleine und mittlere Unternehmen aus Baden-Württemberg zum Zug kommen. Wir sehen die Möglichkeiten, die im verstärkten Einsatz freier und quelloffener Software in der öffentlichen Verwaltung liegen, als eine ungeheure Chance. Ob dies ebenfalls bei Freien Cloud Diensten möglich ist, ist in der Kürze der Zeit eingehend nicht zu prüfen und zu beurteilen.

  • Sind Sie der Ansicht, dass das deutsche Datenschutzgesetz auch europaweit oder weltweit Anwendung finden sollte?

Das Datenschutzgesetz bedarf einer Überarbeitung, die grundsätzliche Ausrichtung ist sicherlich auch auf andere Länder übertragbar. Die Einzelheiten jedoch bedürfen einer eingehenden Prüfung, deshalb kann die Frage so nicht wirklich erschöpfend beantwortet werden.

  • Beabsichtigen Sie die Gründung von Startup Unternehmen in Baden-Württemberg zu fördern, die sich für freie Software und freie Cloud Dienste einsetzen?

Siehe Antwort Frage 2

mit freundlichen Grüßen
Winfried Kretschmann
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Frage zum Thema Arbeit und Wirtschaft
22.03.2011
Von:
Eva

Lieber Herr Kretschmann,

viele Fachleute sind der Ansicht, dass jetzt ein vor allem ein ehrgeiziges Kraft-Wärme-Kopplungs-Programm helfen würde, die Kilowattstunden zu ersetzen, die über das hinaus gehen, was durch die 8-Wendehals-Abschaltungen an Ersatz notwendig wird (weil die 8 AKW, sofern sie überhaupt produziert haben, in der Summe exakt den Exportüberschuss eingespeist haben).

Gibt’s es denn dazu bei Grüns schon Überlegungen, wie das auf Landesebene schnell umsetzbar wäre?
Vielleicht kann man sich ja bei etwas von der pfiffigen Heizungspumpen-Austausch-Aktion in Tübingen abgucken – eine geniale win-win-win-Situation!

Der Vorteil eines zügigen KWK-Programms liegt auf der Hand: man umschifft durch die Dezentralität die unsägliche Leitungsdiskussion, bei der wieder den Bürgern die Schuld an allem zugeschoben werden soll und nimmt das mittelständische Handwerk auch mit ins Boot.

Mit freundlichem Gruß,
Eva
Antwort von Winfried Kretschmann
bisher keineEmpfehlungen
22.03.2011
Winfried Kretschmann
Sehr geehrte Frau ,

Sie haben völlig recht: In der aktuellen Debatte um den Atomausstieg kommen die vielen Möglichkeiten des Stromsparens und von mehr Energieeffizienz durch Kraft-Wärme-Kopplung viel zu kurz. Wir wollen nach der Wahl beides voranbringen.

Auf Landesebene denkbar ist dabei wie von Ihnen erwähnt zum Beispiel ein Austauschprogramm für Heizungspumpen, die laut Bundesverband der Energiewirtschaft rund zweieinhalb Prozent des deutschen Stromverbrauchs ausmachen. Geregelte Heizungspumpen sparen etwa Dreiviertel des Stromverbrauchs von ungeregelten Heizungspumpen. Ein anderes Thema ist der Ausbau der industriellen KWK.

Obwohl die zukünftige Energieerzeugung viel dezentraler als die heutige sein muss, folgere ich daraus nicht, dass wir auf den Ausbau der Stromübertragungsnetze in Deutschland von Nord nach Süd und mittelfristig des europäischen Verbundnetzes verzichten könnten. Der Ausbau ist Bestandteil aller Szenarien, die eine weitgehende Umstellung auf Erneuerbaren Strom zum Ziel haben. Diese Fragen müssen wir mit einer ernst gemeinten und offenen Bürgerbeteiligung angehen.

Mit freundlichen Grüßen
Winfried Kretschmann
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
23.03.2011
Von:

Lieber Wilfried Kretschmann!

Im Wahlkampf und besonders auch am politischen Aschermittwoch sind Sie u.a.auch dadurch aufgefallen,dass Sie oft und gerne Dialekt gesprochen haben! Meine Frage lautet nun:Wenn Sie zum Ministerpräsidenten gewählt würden,könnten Sie sich dann auch vorstellen,den Dialekt im Ländle zu fördern? Wäre es nicht möglich,den schwäbischen Dialekt wie Hochdeutsch in der Grundschule zu lehren?Eine Wochenstunde wäre doch ein guter Anfang oder gibt es da gar keine Möglichkeiten,den Schülern,auch den Migrantenkindern, den heimischen Dialekt über die Schule naheizubringen?
Für Sonntag wünsche ich Ihnen viel Erfolg und verbleibe

mit freundlichen Grüssen


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Frage zum Thema Familie und Soziales
24.03.2011
Von:

Lieber Winfried Kretschmann!

von seiten der Politik wird immer häufiger die staatliche Kindergartenpflicht gefordert.

Dies ist ein Übergriff der Politik auf die Freiheit und das Erziehungsrecht der Eltern, das in Art. 6 GG ausdrücklich geschützt wird.

Schon heute werden Familien in erschreckendem Maße bevormundet und dabei gleichzeitig materiell benachteiligt. Ich fordere Sie deshalb auf, sich gegen die Einführung einer Kindergartenpflicht auszusprechen. Statt dessen müssen die Familien in ihrer Erziehungsaufgabe gestärkt werden.

Ich möchte Sie daher dringend bitten, noch vor der Landtagswahl Ihre Haltung zur Kindergartenpflicht offen zu legen. Sind Sie für oder gegen die Einführung einer Kindergartenpflicht?

Meine Wählerstimme werde ich stark von Ihrer Haltung in dieser Frage abhängig machen.

Ich freue mich, schon bald von Ihnen zu hören.
Antwort von Winfried Kretschmann
1Empfehlung
24.03.2011
Winfried Kretschmann
Sehr geehrter Herr ,

Wir sprechen uns gegen die Kindergartenpflicht aus, denn eine Kindergartenpflicht macht den Kindergarten nicht besser.

Bereits jetzt besuchen rund 97 % der Kinder das letzte Kindergartenjahr. Aus verfassungsrechtlichen Gründen müsste ein verpflichtendes Kindergartenjahr kostenfrei sein - das bedeutet 90 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich. Diese Mittel wollen wir lieber für den Ausbau der Kleinkindbetreuung (unter 3-Jährigen) und die Verbesserung der pädagogischen Qualität in der gesamten Phase des frühkindlichen Lernens einsetzen.

Erst danach kann mittelfristig über die Beitragsfreiheit des Kindergartens nachgedacht werden.

Die Orte des Lernens, also Elternhaus und Kindergarten, müssen zusammen arbeiten und dürfen für Kinder nicht zu konträren Welten werden. Die Arbeit im Kindergarten muss die Eltern einbeziehen, denn frühkindliche Bildung kann weder an den Kindergarten delegiert werden, noch dürfen Eltern damit allein gelassen werden.

Mit freundlichen Grüßen
Winfried Kretschmann
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Frage zum Thema Umwelt und Landwirtschaft
24.03.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Kretschmann,

angesichts der drohenden Katastrophe in Fukushima fordern die Grünen heute einen Atomausstieg bis 2020 und ein sofortiges Abschalten besonders alter Atomkraftwerke.
Im Atomkonsens aus dem Jahr 2000 sicherte die damalige rot-grüne Regierung den Energiekonzernen zu:
"(...)Während der Restlaufzeiten wird der von Recht und Gesetz geforderte hohe Sicherheitsstandard weiter gewährleistet; die Bundesregierung wird keine Initiative ergreifen, um diesen Sicherheitsstandard und die diesem zugrunde liegende Sicherheitsphilosophie zu ändern. Bei Einhaltung der atomrechtlichen Anforderungen gewährleistet die Bundesregierung den ungestörten Betrieb der Anlagen. (...)"
Damit hat die damalige Regierung kategorisch ausgeschlossen, dass es in einem Fall wie Fukushima zu einer Überarbeitung von Sicherheitsbestimmungen kommt und dass alte Meiler vorzeitig vom Netz genommen werden können.
Wie erklären Sie diesen Sinneswandel der Grünen? Gab es demnach auch bei den Grünen eine Fehleinschätzung bezüglich der Gefahren von Atomenergie?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Winfried Kretschmann
bisher keineEmpfehlungen
25.03.2011
Winfried Kretschmann
Sehr geehrter Herr ,

Die nukleare Katastrophe von Fukushima stellt auch für uns Grüne einen Einschnitt dar. Wir sagen es offen heraus: Dass in einem Hochtechnologieland wie Japan eine parallele Kernschmelze in mehreren Reaktorblöcken begonnen hat, dass die Welt vor parallelen Super-GAUs steht, das war für uns unvorstellbar. Für uns Grüne ist die Konsequenz klar: Wir müssen so schnell wie möglich aus der Atomenergie aussteigen, schneller auch als im rot-grünen Atomausstieg vorgesehen war.

Der Beschluss der GRÜNEN beim Länderrat am letzten Wochenende sieht deshalb einen endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2017 vor. Das Umweltbundesamt bestärkt uns in unserer Auffassung und hat ebenfalls ausgerechnet, dass der Atomausstieg unter Wahrung der Energiesicherheit und der Klimaschutzziele bis 2017 möglich ist. Die Ereignisse von Fukushima mahnen uns, noch entschiedener, noch engagierter, noch realistischer umzusteuern. Die Zeit ist zu kostbar, um sie mit symbolischen Moratorien zu verschwenden.

Beim Atomausstiegsvertrag haben wir die Sicherheit nicht schleifen lassen, wie Sie es unterstellen. Im Gegenteil. Mit der von Ihnen zitierten Regelung zu den Sicherheitsstandards während der Restlaufzeiten wurde festgeschrieben, dass Atomkraftwerke nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik zu betreiben sind und dass die Betreiber dazu verpflichtet sind, die "bestmögliche Vorsorge" zu treffen. Das wurde inzwischen in einem Bundesverwaltungsgerichtsurteil auch juristisch bestätigt. Auf dieser Grundlage hat Jürgen Trittin als damaliger Umweltminister mehrfach die Abschaltung von Biblis und von Phillipsburg angeordnet. Außerdem wurde mit dem Ausstiegsbeschluss erstmals gesetzlich eine regelmäßige Sicherheitsprüfung aller AKW (PSÜ) mit festen Terminen vereinbart. Einen Rabatt bei der Sicherheit von Atomkraftwerken hat es unter Rot-Grün also niemals gegeben. Und einen Sinneswandel ebensowenig. Ganz im Gegenteil: Unsere Grüne Forderung war 2000 bereits der Sofortausstieg. Dieser war aber politisch nicht durchsetzbar, vor allem, weil die Eigentumsrechte der AKW-Betreiber dagegen standen. Nach Fukushima ist die Zeit reif: Wir wollen und können das Atomzeitalter in Deutschland in der kommenden Legislaturperiode des Bundestags endgültig beenden.
Den grünen Fahrplan dazu finden Sei im Internet.

Mit freundlichen Grüßen
Winfried Kretschmann
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Ihre Frage an Winfried Kretschmann
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