Steffen Reiche (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Grunddaten
Steffen Reiche
Jahrgang
1960
Berufliche Qualifikation
Tischler, Theologe
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Cottbus - Spree-Neiße
Landeslistenplatz
1, Brandenburg
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Wie sie bei Abgeordnetenwatch nachvollziehen können habe ich mich in der Frage der Diätenerhöhung bei der Abstimmung enthalten. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Umwelt
24.04.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Reiche,

was halten Sie vom CCS-Gesetz? Wie werden Sie abstimmen?

Ich stelle Ihnen diese Frage im Hinblick auf die Lausitz.

Dort soll weiterhin Kohle abgebaggert werden - mit der Begründung, dass durch die Verpressung von CO2 ein Beitrag für die "umweltfreundlichere" Energieerzeugung geleistet würde. Ich stehe hinter den Bedenken, die dazu bereits von Greenpeace und dem BUND geäußert wurden. Besonders beunruhigt mich der um ca. 40 steigende Verbrauch von Braunkohle um die Abscheidetechnik zu vollziehen.

Warum baut man nicht gleich in China ein Kraftwerk, welches eine CCS-Technologie erprobt? Ständig wird mit dem Bedarf im Ausland argumentiert.

Die CO2-Verpressung aus der Stahlindustrie scheint mir eher nachvollziehbar. Doch woher auch immer das Gas kommt, was unter unseren Böden gelagert werden soll:

Warum sollen künftige Generationen haften? Warum wird den Firmen nicht ein Sicherheitspaket auferlegt, z.B. in der Form, dass sie eine Kaution hinterlegen müssen, falls nach 30 Jahren Störfälle auftreten.

CCS + Kohleverstromung --> Ist das für Sie eine sinnvolle Kombination?

Mit freundlichen Grüßen

M.
Antwort von Steffen Reiche
10Empfehlungen
02.05.2009
Steffen Reiche
Sehr geehrter Herr ,

ich werde dem CCS-Gesetz, welches eine europäische Richtlinie in nationales Recht umsetzt, zustimmen.

Nicht nur weil eines der beiden 500 Megawatt Modellkraftwerke in meinem Wahlkreis gebaut werden wird, sondern aus Überzeugung. Auch die Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung, die zu den wichtigsten und renommiertesten Klimaforschern der Welt zählen, raten uns dazu. Wir brauchen die CCS-Technologie, um auch in Zukunft Braun- bzw. Steinkohle verantwortbar zu verstromen. Viele Gründe sprechen für dieses Gesetz, die vorgetragenen Bedenken sind überwiegend wissenschaftlich widerlegt.

Braunkohleverstromung ist ohne CCS spätestens in den nächsten Jahren aus Klimagründen nicht mehrheitsfähig bzw. nicht mehr verantwortbar. Wer aber auch aus der Kohlennutzung aussteigen will, der will den Doppelausstieg aus Atom- und Kohlestrom, d.h. er muss erklären können wie über 50 Prozent des heutigen Stroms in naher Zukunft zuverlässig und sicher ersetzt werden sollen. Beide, die Effizienzrevolution und die Erfolgsgeschichte der erneuerbaren Energie, werden weitergehen. Ihr Potential ist weit größer als es heute genutzt wird.

Aber gerade ein Industrieland wie Deutschland braucht eine sichere Energiebasis. Und niemand darf diesen deutschen Weg, der sich gerade jetzt im Vergleich zu dem Dienstleistungsland Großbritannien als nachhaltiger, besser und tragfähiger erweist, in Frage stellen oder gefährden. Kommt das Gesetz nicht, müsste Vattenfall mit seinem neuen Kraftwerk nach Polen ausweichen und auch RWE würde seine Technologie außerhalb Deutschlands, im Norden Europas zum Einsatz bringen und Strom müsste mittelfristig von dort nach Deutschland importiert werden.

Im Dezember soll in Kopenhagen ein auf die Kyoto-Konferenz aufbauendes Abkommen beschlossen werden. Vermutlich wird dieses Abkommen von mehr Staaten ratifiziert, als das Vorherige von Kyoto.

Der weltweite Handel von CO_2 -Emissionsrechten wird damit vermutlich in Gang kommen.

Natürlich kann die neue Technologie auch in China zum Einsatz kommen. Aber "/in China statt in Deutschland"/ ist ein Weg, der schon beim Transrapid nicht geklappt hat. Ich halte es außerdem nicht für klug, in Deutschland zu forschen, die Marktreife herzustellen und die Wertschöpfung dann in China zu haben.

Zudem wird der Doppelausstieg aus Atom und Kohle nicht funktionieren. Die neue Verbrennungstechnologie Oxyfuel wird zugleich Effizienzgewinne bringen, also die ca. zehn Prozent Energie, die für das Abscheiden und Lagern von CO_2 zusätzlich gebraucht werden, werden zumindest teilweise durch die neue Technologie der Kohleverbrennung gewonnen. In Zukunft soll in Jänschwalde getrocknete und sehr viel stärker zerkleinerte Kohle bei sehr viel höheren Temperaturen verbrannt werden. So entsteht auch reines CO_2 in einem sehr viel größeren Umfang, das dann abgeschieden werden kann. Es gibt Erfahrungen mit Erdgasspeichern. Ein sehr viel gefährlicheres Gas wird mitten in Berlin in viel geringerer Tiefe gespeichert. Ein anderes Beispiel sind die Erdgaslagerstätten in Salzwedel. Jahrtausende lagerte dort Gas, ohne in einem nachweisbaren Umfang ausgetreten zu sein. Mit der Lagerung in salinen Aquiferen

im Norden Deutschlands, vielleicht aber auch in Brandenburg im Kreis Oder-Spree betreten wir Neuland. Die jahrelange Forschung ist eingegangen in das Gesetz und zugleich wird nach dem Stand von Wissenschaft und Forschung durch die Kraftwerksunternehmen die Ablagerung auch in Zukunft vorzunehmen sein. Die Unternehmen tragen noch 20 Jahre nach der letzten Einlagerung die Verantwortung für die sichere Lagerung. Wird hier also CO_2 freigesetzt, wird es den Unternehmen als CO_2 -Emissionen angerechnet. Die Probleme, die unsere moderne Art zu leben mit sich bringt, können nur dadurch bewältigt werden, dass weiter geforscht wird und mit neuen Methoden und Verfahren die bisherigen Probleme reduziert werden. Die neue CCS-Technologie hat aber über die Kohleverstromung hinaus einen wichtigen Einsatzort. Später kann auch bei der Verbrennung von Biomasse oder in der Stahl- und Chemieindustrie das entstehende Kohlenstoffdioxid abgeschieden und gelagert werden.

Bei der Biomasseverbrennung würde dadurch der Atmosphäre sogar CO_2 entzogen werden. Somit gäbe es, hoffentlich bevor die sogenannten tipping points erreicht sind, die Möglichkeit den CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu reduzieren und somit eine Verlangsamung des Klimawandels einzuleiten.

Ob mithilfe von CO_2 -Einleitungen in Wasserreservoire Algen in Massen produziert werden können, die dann ihrerseits, nachdem sie das CO_2 gebunden haben, wieder verbrannt werden können, bleibt abzuwarten. Ich bin skeptisch, weil ich nicht sehe, wo solche gigantischen Wasserreservoire für solche Algenmengen organisiert werden könnten.

Bei CCS geht es also nicht nur um den Erhalt der Kohleverstromung in Deutschland für die nähere Zukunft, sondern um weit mehr. CCS ist nur eine sinnvolle Antwort auf den Klimawandel in einem größeren System. Aber auf CCS zu verzichten, wäre verantwortungslos. Zugleich bin ich als direkt gewählter Abgeordneter auch nicht nur vor Wahlen an die Interessen der Bürger meiner Region gebunden. Ich soll ihre Interessen vertreten.

Das Volksbegehren gegen neue Tagebaue und gegen die Basis der Brandenburger Energiepolitik hat keine Mehrheit gefunden. Hier aber geht es um eine neue Technologie, die wegweisend in Zeiten des Klimawandels ist, welche uns ermöglicht auch in Zukunft Braunkohle zu verstromen und damit zumindest die Voraussetzung schafft, dass wir aus der Atomenergie aussteigen. Aber nicht einmal dafür gibt es zurzeit eine Mehrheit in Deutschland. Manche Dinge müssen trotz noch fehlender Mehrheiten gemacht werden, wie z.B. die Einführung der Euro 5 Norm, aber bei CCS würde eine informierte Bevölkerung mit überdeutlicher Mehrheit zustimmen.

Weil es in regionalen, nationalen, europäischen und globalen Interesse ist.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Steffen Reiche
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Frage zum Thema Soziales
04.06.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Reiche,

stimmt es, dass Sie einer Stewardess ein Bein gestellt haben?

Es wundert, dass eine Angestellte der Airline damit vor Gericht geht, zumal doch Ihre Genossen den wahrlich schlimmen Vorwurf sicherlich und ehrlich entkräften könn(t)en.

In diesem Zusammenhang:

Was halten Sie von Überwachungskameras auf Linienflügen?

Vielen Dank und
mfG
Antwort von Steffen Reiche
12Empfehlungen
19.06.2009
Steffen Reiche
Sehr geehrter Herr ,

am 15.06.2009 hat mich das Amtsgericht Tiergarten von dem Vorwurf der versuchten Körperverletzung freigesprochen. Anders als die Staatsanwaltschaft hat das Gericht bereits bezweifelt, ob die Stewardess tatsächlich "gestolpert" ist. "Ich habe starke Probleme mit der Aussage der Zeugin O., sie hat übertrieben" – so die zuständige Richterin im Originalton. Insbesondere hielt sie es für "absurd", dass es meinetwegen zu Verzögerungen gekommen sei. Zudem hat das Gericht in seiner mündlichen Urteilsbegründung klargestellt, dass es überhaupt keinen Anhaltspunkt dafür habe, dass ich die Stewardess angeblich hätte zu Fall bringen wollen.

Durch diese Entscheidung fühle ich mich zwar nicht vollständig rehabilitiert, jedoch in meiner Auffassung bestätigt. Ich bin unschuldig. Mir wurde oft gesagt, dass es weitaus professioneller gewesen wäre, auf die Sachverhaltsaufklärung – buchstäblich – im "Lichte der Öffentlichkeit" zu verzichten und lieber auf die Schnelllebigkeit der Meldung und die Vergesslichkeit der Öffentlichkeit statt der Wahrheit zu setzen. Ich bin ganz bewusst diesen Weg nicht gegangen. Ich habe weder der mir vorgeschlagenen Verfahrenseinstellung zugestimmt, noch mich dem Strafbefehl unterworfen. Ich wollte nichts im "Hinterzimmer" verhandelt wissen, ich wollte, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Hierfür habe ich in Kauf genommen, dass mein Name seit nunmehr zwei Jahren mit der Frage in Verbindung gebracht worden ist, ob ich einer Stewardess ein Bein gestellt haben soll. Dass ich dies nicht getan habe, steht nach der Entscheidung des Gerichtes fest. Selbst die Staatsanwaltschaft hatte Freispruch beantragt.

Sobald mir die schriftlichen Urteilsgründe vorliegen, werde ich das Urteil auf meiner Homepage zugänglich machen.

Die Installation von Überwachungskameras auf Linienflügen halte ich indes nicht für angebracht.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Steffen Reiche.
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Frage zum Thema Internetsperren
19.06.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Reiche,

ich bedanke mich für Ihre Abstimmung gegen die Zensur, womit Sie sich sicherlich keine Freunde in der Partei, dafür aber unter den Wählern gemacht haben.
Haben Sie noch Vertrauen zur SPD, oder denken Sie an einen Wechsel zu einer anderen Partei nach, die sich mehr der Demokratie und Freiheit der Bürger verpflichtet fühlt?

Vielen Dank und Grüße
Antwort von Steffen Reiche
13Empfehlungen
25.06.2009
Steffen Reiche
Sehr geehrter Herr ,

ich bin gern in meiner Partei und werde dort bleiben. Wo fast alle Parteien jetzt versuchen, sozialdemokratisch zu werden (Linke, CDU, Grüne), fühle ich mich in der ältesten Partei Deutschlands, die auch noch nie ihren Namen ändern musste, sehr wohl. Ich habe sie im Osten der Republik am 07. Oktober 1989 mitbegründet und bin weiterhin gern dabei. Freunde habe ich mit meinem Abstimmungsverhalten übrigens in der SPD auch hinzugewonnen. Sie sehen – das wäre vielleicht auch ein Ort für Sie. In der SPD kann man Zukunft besser mitgestalten als irgendwo anders.

Freundliche Grüße,

Ihr Steffen Reiche
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Frage zum Thema Internationales
25.06.2009
Von:

Was tut die Fraktion zur Entfernung der Atomwaffen aus Deutschland? Am 6.8. ist Hiroshimatag.
Antwort von Steffen Reiche
4Empfehlungen
06.07.2009
Steffen Reiche
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage im Hinblick auf die Atomwaffenlagerung in Deutschland.

Die Zahl der Lagerstätten nuklearer Waffen in Europa und Deutschland ist seit Jahren stark rückläufig. Allein in der letzten Dekade sind etwa 60% der vorhandenen und modernen Lagerstätten in Europa stillgelegt worden – darunter z.B. auch die in Deutschland befindlichen Lagerstätten Memmingen und Rammstein.
Derzeit gibt es in Europa noch sechs Lagerstätten für nukleare Waffen, darunter befindet sich mit dem Standort Büchel nur noch ein deutsches Depot. Diese positive Entwicklung der vergangenen Jahre möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich hervorheben.
Allerdings darf man sich auf dem Erreichten noch nicht ausruhen, schließlich ist es die Zielsetzung der SPD für Deutschland, sich in den nächsten Jahren gänzlich aus der so genannten nuklearen Teilhabe zurückzuziehen. Dies wird insbesondere dadurch erleichtert werden, dass auch in Büchel vom "Tornado" auf den nicht-nuklearen "Eurofighter" umgerüstet werden wird.
Die Aufgabe der Politik wird es sein, weitere Gespräche mit den Amerikanern zu führen, in welchen wir die Zielstellung der Atomwaffenfreiheit Deutschlands voranbringen. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein solches Signal aus Deutschland gehört werden würde und es auch in seiner Umsetzung keine so große Herausforderung für die NATO und die Amerikaner darstellen wird.
Barack Obama hat in seiner großen Prager Rede eine atomwaffenfreie Welt als Ziel benannt. Die Bundesregierung unterstützt dieses Ziel und insofern denke ich, werden wir vor Frankreich und Großbritannien atomwaffenfrei sein. So bald wie möglich – ist daher das Ziel für die Gespräche in der NATO.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Steffen Reiche
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Frage zum Thema Internetsperren
01.07.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Reiche,

auch von meiner Seite nochmal Danke das sie gegen dieses Gesetz gestimmt haben.

Was hat sie aber dazu bewogen gegen dieses Gesetz zu stimmen und was haben sie unternommen um ihre Fraktionkollegen sowie ihre Koalitionskollegen von ihrer Meinung zu überzeugen?

mit freundlichen Grüßen

Antwort von Steffen Reiche
56Empfehlungen
06.07.2009
Steffen Reiche
Sehr geehrter Herr ,

ich habe gegen das Gesetz gestimmt, weil ich denke, dass es nicht halten wird, was es verspricht. Die Umgehung der STOP-Seite ist für diejenigen, die auf die verbotenen Seiten wollen, in kürzester Zeit möglich. Dank der SPD ist zwar erreicht worden, dass die "Neugierigen" oder die, die sich nur "verirrt" haben, nicht verfolgt werden. Aber was da entwickelt wurde an Software, kann eben durch Gesetzesänderungen auch für andere Seiten verwendet werden und insofern ist die Gefahr, dass man die Geister, die man rief, nicht mehr los wird, groß. Ich befürchte auch, dass andere Staaten die hier entwickelte Software für ihre Ziele missbrauchen können.
Die SPD hat am ursprünglich eingebrachten Gesetz viel ändern können, aber bei mir waren die Bedenken größer.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Steffen Reiche.
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Ihre Frage an Steffen Reiche
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