Ottmar Schreiner (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Ottmar Schreiner
Jahrgang
1946
Berufliche Qualifikation
Jurist
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Saarlouis
Landeslistenplatz
1, Saarland
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(...) Das Problem der Arbeitslosigkeit ist nur zum Teil in der mangelnden Qualifikation der Betroffenen begründet. Um diese Einstellungshindernisse zu reduzieren sind Qualifizierungsmaßnahmen geeignete Mittel und nicht deren künstliche Verbilligung durch Lohnsubventionen. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Soziales
16.05.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner,

meine Frage ist: Wann werden endlich die Regelsätze von Hartz 4 angepasst und wann beantworten Sie die Fragen der anderen Teilnehmer?

Mit freundlichem Gruß

A.
Antwort von Ottmar Schreiner
6Empfehlungen
30.05.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Der Hartz-IV Regelsatz steigt zum 1.7.2008 um 5 Euro. Dies ist meines Erachtens völlig unzureichend. Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat sehr eindrücklich und einleuchtend vorgerechnet, dass die Regelsätze um mindestens 20 Prozent angehoben werden muss, um eine (wenngleich immer noch sehr bescheidene) Bedarfsgrenze zu erreichen, das entspricht ca. 70 Euro. Überdies halte ich es für dringend notwendig, einen eigenständigen Kinderregelsatz zu ermitteln. Bisher erhalten Kinder unter 14 Jahren einfach 60% des Regelsatzes -- was dann beispielsweise zu der unhaltbaren Situation führt, dass für die Anschaffung von Kinderschuhen nur 4,40 Euro im Monat vorgesehen sind, für Zeichenmaterial 1,33 Euro. Leider gibt es für diese Forderungen auch innerhalb meiner eigenen Partei keine Mehrheiten, ich werde mich jedoch weiterhin dafür einsetzen.

Was Ihre zweite Frage betrifft: Ich bemühe mich, alle Fragen so schnell wie möglich zu beantworten. Bedenken Sie jedoch bitte, dass ich nicht nur über abgeordnetenwatch Fragen gestellt bekomme, sondern auch per mail, Post und Telefon. Dies führt dazu, dass ich im Monat über 100 Anfragen zu beantworten habe -- weshalb ich um Verständnis bitte, wenn dies manchmal ein wenig länger dauert.

Mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
19.05.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner,

als junger, politikinteressierter Mensch und angehender Jurist möchte ich zunächst die Chance nicht vertun, Ihnen ein Riesen-Kompliment zu machen: Sie haben in einer Reihe wichtiger Abstimmungen im Parlament das "freie Mandat" ernst genommen und nach Ihrem persönlichen Dafürhalten entschieden. Dies lief nicht selten darauf hinaus, dass Sie sich gegen die Fraktionslinie stellten bzw. sich der Stimme enthielten. Ihr "gerader Weg" betraf v.a. sozialpolitische Fragen, aber auch solche von grundrechtlicher Relevanz.

Nun meine Frage: Erschrickt es Sie nicht auch (wie mich), dass Menschen wie Sie in unserem Parlament (= Gesetzgebungsorgan!) in einer absoluten Minderheit sind? Was muss sich i.E. ändern, damit wieder Freigeister und Unabhängige ins Parlament kommen, Menschen mit Empathie und Zivilcourage? Hängt all die Misere nicht auch mit den Karriereleitern gerade in den Volksparteien zusammen, die es nichtssagenden und inhaltlich beliebigen Menschen wie Heil oder Pofalla ermöglichen, schnell aufzusteigen?
Antwort von Ottmar Schreiner
6Empfehlungen
05.06.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre netten Worte. Natürlich finde ich es traurig, dass ich mich mit meiner Position in einer Minderheit befinde. Allerdings möchte ich mich hier nicht über den Grad an Unabhängigkeit, Empathie oder Zivilcourage meiner Kolleginnen und Kollegen äußern. Welche Mehrheiten sich im Parlament wiederfinden, hängt nicht nur von Parteistrukturen ab, sondern auch vom Wählerwillen – wir brauchen auf allen Ebenen Mehrheiten für eine wirklich soziale Politik!

Mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Soziales
21.05.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner,

mit Interesse habe ich Ihre Antwort vom 14.01.2008 an Herrn Udo Priese gelesen. Bisher habe ich Sie als korrekten Politiker mit Sinn für die Masse der Bürger kennen gelernt. Ihre Antwort vom 14.01.2008 geht aber am Kern der Sache vorbei. Wenn auch das Thema Diätenerhöhung inzwischen vom Tisch bzw. vertagt worden ist, würde mich interessieren unter welchen Aspekten Sie dafür gestimmt haben. Sie hätten doch wissen müssen, dass damit in der derzeitigen lage das Volk auf die Barrikaden geht. Steigenden Armut, sinkende Nettolöhne, Nullrunden bei Rentnern auf der einen Seite und drastische Erhöhung der Diäten auf der anderen Seiten. Beim Vergleich geht es nicht um formale prozentsätze, sondern um die unterschiedlichen Ausgangsbasen. Es ist eben ein Unterschied, ob z.B. die Rente mit 700 €/Monat um ein Prozent erhöht wird oder ob eine Diät von 7000 €/Monat um ein Prozent bzw. sogar um 15 Prozent erhöht wird. Bei Rentnern und vielen Arbeitnehmern geht es durch die inflationäre Entwicklung an die Substanz, bei Reichen und Besserverdienern geht es um die Erhöhung ihres Reichtums. Und dazu gehören auch die Abgeordneten.

Zu diesen Gesichtspunkten möchte ich einmal Ihre Meinung wissen und nicht zu der allgemeinen Aussage, dass Sie für eine Erhöhung der ALG II-Beträge sind. Wenn immer nur die ALG II-Beträge beachtet werden und nicht auch Die Einkommen und die Renten, dann haben am Ende alle das gleiche Niveau. Lohnt es sich dann für viele Menschen, überhaupt noch zu arbeiten?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Ottmar Schreiner
1Empfehlung
30.05.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich habe mich in den letzten Wochen in mehreren Interviews öffentlich gegen die Diätenerhöhung gestellt und hätte selbstverständlich dagegen gestimmt. Ich stimme Ihnen völlig zu, dieser Schritt wäre in der jetzigen Lage völlig unangemessen gewesen: Es kann nicht sein, dass die Diäten um 16% steigen, während die Rentner sich in diesem Jahr mit 1,1 Prozent und die Hartz-IV-Empfänger mit einer Erhöhung der Regelsätze um fünf Euro begnügen müssen.

Grundsätzlich hielte ich es für richtig, wenn sich sowohl die Diäten als auch die Rente und die Hartz-IV-Regelsätze an der allgemeinen Lohnentwicklung orientieren würden. Solange letzteres nicht (mehr) der Fall ist, wäre es meines Erachtens sinnvoll, die Diäten an die Entwicklung der Einkommen der 27 Millionen Rentner und Hartz-IV-Empfänger zu koppeln -- natürlich in der Hoffnung, dass man auf diese Weise Mehrheiten für eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze bekommt und nicht mit dem Ziel, dass am Ende alle auf Hartz-IV-Niveau angekommen sind.

In der Hoffnung, dass Sie mich weiterhin als korrekten Politiker mit Sinn für die Masse der Bürger betrachten, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Soziales
21.05.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner!

Die SPD hat, wie z.B. in der "Linkszeitung" steht, für 2007 eine Überprüfung des ALG II Satzes versprochen. Was wurde daraus?
Mit 347 Euro kann man in Deutschland kaum noch leben.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Ottmar Schreiner
1Empfehlung
30.05.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Da Herr Wagner mir ein paar Tage vor Ihnen die gleiche Frage gestellt hat, verweise ich auf meine Antwort an ihn.

Mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema EU-Vertrag von Lissabon
23.05.2008
Von:
Dr.

Sehr geehrter Herr Schreiner,

vor ein paar Tagen bin ich aus der SPD ausgetreten und habe damit alle meine ehrenamtlichen Mandate, auch im Landesvorstand der AfA-Brandenburg sowie den AfA-Vorsitz im UB Barnim, niedergelegt. Konkret: Ich konnte die Unglaubwürdigkeit dieser Partei einfach nicht mehr ertragen.

Deshalb muss ich Sie jetzt wohl leider wieder siezen...
Mir geht es nicht in den Kopf, weshalb Sie sich dazu hinreißen ließen, für den Lissabon-Vertrag zu stimmen? Zum Thema haben Sie ja bereits am 24.04.08 auf die Frage von Ali Avci geantwortet. Diesbezüglich sind Ihre Argumente, weshalb Sie dafür gestimmt haben, für mich eher vorgeschoben und alles andere als schlüssig. Denn die sozialen Verwerfungen mit dem Inkrafttreten dieses Vertrages überwiegen eindeutig gegenüber den wenigen Vorteilen. Und da stehe ich nicht allein mit meiner Meinung, sondern diese wird von den Gewerkschaften geteilt.

Auf der diesjährigen AfA-Bundeskonferenz wurde ein eindeutiger Beschluss gegen den EU-Vertrag von Lissabon verabschiedet.
Weshalb fühlen Sie sich als AfA-Bundesvorsitzender diesem Votum nicht verpflichtet? Oder anders gefragt: Was sind dann die Beschlüsse der vielen aufrechten Genossinnen und Genossen der AfA dann überhaupt noch wert? Wie ernst soll denn die von der Parteiführung ohnehin nicht ganz ernstgenommene AfA dann überhaupt noch Ernst genommen werden, wenn ihr Vorsitzender bei solch wichtigen Abstimmungen seine Basis, bitte verzeihen Sie mir die Wortwahl, verrät?
Antwort von Ottmar Schreiner
bisher keineEmpfehlungen
05.06.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrter Herr ,

es tut mir leid zu hören, dass Sie aus der SPD ausgetreten sind und auch bei der AfA nicht weiter aktiv sind.

Meine Zustimmung zum Vertrag von Lissabon habe ich – wie Sie ja ansprechen – in meiner Antwort an Herrn Avci begründet. Leider wird aus Ihrer Kritik für mich nicht klar, warum ich diese Argumente vorgeschoben haben sollte oder was daran nicht schlüssig ist. Der Vertrag wird keine neuen sozialen Verwerfungen bringen, er führt – wie gesagt – im sozialen Bereich hauptsächlich fort, was auch jetzt schon Vertragsgrundlage ist. Eine Ablehnung würde die Situation demnach nicht verbessern, sondern auch die kleinen Fortschritte verhindern.

Auch in den Gewerkschaften gab und gibt es verschiedene Stimmen zum Vertrag von Lissabon. Der Wunsch nach einem sozialeren, friedlicheren und demokratischen Europa ist der gleiche, die Frage ist jedoch die nach der besten Strategie, dieses zu erreichen. Meines Erachtens – und darin stimme ich mit den Gewerkschaften überein – muss es jetzt darum gehen, die Diskussion zu intensivieren, wie ein soziales Europa aussehen könnte, welche konkreten Schritte (soziale Fortschrittsklausel etc.) auf diesem Weg notwendig sind etc. Diese Diskussion möchte ich auch innerhalb der AfA führen, um auf dieser Grundlage zu einer fundierten Stellungnahme zu kommen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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