Ottmar Schreiner (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Ottmar Schreiner
Jahrgang
1946
Berufliche Qualifikation
Jurist
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Saarlouis
Landeslistenplatz
1, Saarland
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(...) Allerdings bin ich der Meinung, dass wir hierfür einen grundlegenden Systemwechsel brauchen. In Deutschland muss man mittlerweile von einer Zwei-Klassen-Medizin sprechen, da sich die Gutverdienenden dem solidarischen System entziehen können und dafür auch noch bessere Leistungen in Anspruch nehmen können. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Arbeit
09.06.2008
Von:
Udo

Sehr geehrter Herr Schreiner,

seit Jahren beschäftigen mich Fragen, die unser aller Zukunft (wirtschaftlich wie sozial) betreffen. Vielleicht können Sie mir bei der Beantwortung einiger dieser Fragen behilflich sein.

Wir befinden uns derzeit in einer wirtschaftlichen Aufschwungphase, die aber nicht alle Bevölkerungsschichten erreicht, was haben diese dann bei der nächsten Rezession zu erwarten?

Seit Jahrzehnten haben wir eine stetig steigende Sockelarbeitslosigkeit. Muss nicht einmal grundsätzlich anerkannt werden, dass Vollbeschäftigung nicht mehr möglich ist, gerade, weil der technische Fortschritt und die Produktivität immer schneller wachsen und somit immer mehr Arbeitskräfte freigesetzt werden können?

Seit Jahren gibt es Initiativen, die ein bedingungsloses Grundeinkommen vorschlagen, um die derzeitigen und zukünftigen gesellschaftlichen Probleme zu lösen. In wieweit halten Sie die dort gemachten Vorschläge zur Finanzierung und Einführung für nachdenkenswert bzw. durchführbar.

Vielen Dank für Ihre Antwort

Mit freundlichen Grüßen
Udo
Antwort von Ottmar Schreiner
5Empfehlungen
24.06.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen – die mich auch schon seit langer Zeit beschäftigen. Abschließend beantworten kann ich sie natürlich auch nicht, aber vielleicht einige Denkanstöße geben.

Der Aufschwung kommt nicht bei allen an, er schafft auch kaum neue reguläre Arbeitsplätze. Stattdessen nehmen die prekären Beschäftigungsformen zu, die im nächsten Abschwung umso leichter abgebaut werden können – und die Betroffenen mit noch weniger zurücklassen als sie jetzt schon haben. Die Gewinne sind im Aufschwung gestiegen, die Nettolohneinkommen der Arbeitnehmer sind gesunken – nur die Topmanager haben kräftig zugelegt. So wird die soziale Spaltung der Gesellschaft auch im Aufschwung weiter vorangetrieben – für den nächsten Abschwung verheißt dies nichts Gutes.

Ich halte das bedingungslose Grundeinkommen für keine gute Lösung, hierzu verweise ich Sie auf meine Antwort an Herrn Klumpp. Stattdessen muss man meines Erachtens auf zwei Säulen setzen: Bildung und Umverteilung. Bildung, die früh anfängt und vor allem die Schwächsten der Gesellschaft berücksichtigt und Umverteilung nicht nur von "Chancen", sondern von Geld: Über eine Stärkung der Gewerkschaften und die Einführung eines Mindestlohns müssen die Löhne gestärkt werden, über eine gerechte Steuerpolitik die höheren Einkommen und vor allem die Vermögen und Erbschaften stärker belastet werden.

Mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Soziales
23.06.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner,

ich bin in Austrittsgedanken befangene SPD-Genossin und Arbeitnehmerin mit einem Bruttogehalt im sogenannten Mittelstand und zahle für jeden hinzuverdienten Euro weit über 50% Steuern und steuerähnliche Sozialabgaben, letztere fälschlicherweise Sozial"versicherungs"beiträge genannt. Ich empfinde dies als Skandal.

Sie sind in führender Position der AG für Arbeitnehmerfragen der SPD und deshalb wende ich mich an Sie und frage:

1) Welche konktreten Beschlüsse der AG für AN-Fragen der SPD gibt es aus den Jahren 2005 bis 2008 zu der zukünftigen Gestaltung, Ausrichtung und Finanzierung
a) der gesetzlichen Krankenversicherung
b) der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung
c) der gesetzlichen Pflegeversicherung
d) der gesetzlichen Rentenversicherung?

2) Welche konkreten Beschlüsse der AG für Arbeitnehmerfragen der SPD gibt es aus den Jahren 2005 bis 2008 zur Gestaltung und dem Verlauf der Steuerprogressionskurve zwischen Eingangssteuersatz (15%) und Höchststersatz (42%) , also der Besteuerung der mittelständischen Arbeitnemer bis zu Bruttogehältern von 50000/60000 €/Jahr
3.) Wo kann ich als SPD-Mitglied konkret diese Beschlüsse finden und nachlesen?

4) fallsessolche Beschlüsse geben sollte - welche Bedeutung und Beachtung haben sie aus Ihrer Sicht für die Ausrichtung der Bundes-SPD-Programmatik?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Ottmar Schreiner
4Empfehlungen
14.07.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Fragen. Alle Beschlüsse der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen finden Sie auf der Website der AfA: www.afa.spd.de . Dort gibt es eine Rubrik mit Beschlüssen, aber auch eine Rubrik, in dem die Positionen der AfA zu den verschiedenen Themen aufgeführt sind.

Die Frage, welche Bedeutung und Beachtung die Beschlüsse der AfA für die Ausrichtung der Bundes-SPD-Programmatik haben, lässt sich nicht allgemein beantworten. Mit vielen Forderungen -- unter anderem einer Ablehnung der Rente mit 67 -- konnten wir uns nicht durchsetzen. Dennoch würde ich nicht davon sprechen, dass die AfA keinen Einfluss hat. Der Einfluss hängt jedoch auch davon ab, wie viel Unterstützung wir durch andere SPD-Mitglieder bekommen. Daher würde ich mich freuen, wenn Sie nicht aus der SPD austreten würden, sondern die AfA und mich in unseren Bemühungen um eine Resozialdemokratisierung der SPD unterstützen würden.

Mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Soziales
25.06.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Schreiner
Mit vollen Entsetzen las ich einen Artikel das der Sozialstaat nun
vollends abgeschafft werden soll. Hartz 4 soll abgeändert in Workfare
werden.

"Workfare soll´s nun richten. Mit diesem System, in dem man aber
"Fördern" ganz streichen will, sollen nun diese Kosteneinsparungen erzielt
werden. Grundvoraussetzung ist hierbei die Abschaffung des
Sozialstaatsgebotes aus dem Grundgesetz. Die Grundsicherung für
Erwerbsfähige Arbeitslose soll dann nur noch gezahlt werden, wenn
Bedürftige dafür unentgeltlich dort arbeiten, wo das Amt sie hinschickt.
Als Basis sollen die bisherigen 1€ Jobs dienen, wobei die
Mehraufwandsentschädigung, die ihnen diesen Namen gab, Ersatzlos
gestrichen und diese Jobs ohne Beschränkungen überall vergeben werden
sollen - auch bzw. gerade in der Privatwirtschaft.

D.h. also: sozialversicherungspflichtige Angestellte die entlohnt werden
müssen, können ganz legal durch Arbeitsdienstverpflichtete
Grundsicherungsempfänger ersetzt werden. Arbeitsdienstverpflichtete
Grundsicherungsempfänger werden so zu Arbeitnehmern ohne
Arbeitnehmerrechte deren "Lohn", die Grundsicherung, vom Staat bezahlt
wird. 100% Subventionen für Arbeitgeber, bestmögliche Profitmaximierung.
Das Ziel: eiskalter Kapitalismus nach dem Grundsatz: friss oder stirb.
(20.06.2008)"

Nun meine Frage.
Haben sie von dieser Idee gehört und wenn ja was ist ihre Meinung herzu?
Mit freundlichen Gruß
Sven Szczepanski


Quelle:
www.bundesfinanzministerium.de
Pressemitteilungen29.05.2008
Antwort von Ottmar Schreiner
8Empfehlungen
14.07.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrter Herr Szczepanski,

vielen Dank für Ihre Frage. Die Pressemitteilung des Bundesfinanzministeriums, aus denen Sie ihre Informationen ziehen, bezieht sich auf ein Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen, es geht dabei nicht um konkrete Beschlüsse des Bundestages. Insbesondere die Abschaffung des Sozialstaatsgebots aus dem Grundgesetz steht überhaupt nicht zur Debatte.

Dennoch gehen die Vorschläge des Gutachtens leider in die Richtung, die durch die Hartz-Reformen bereits eingeschlagen wurde – und gegen die ich schon seit Langem kämpfe. Alle Ansätze, die zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf Lohnsubventionierung setzen, gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit durch zu hohe Löhne verursacht wurde. Die massenhafte Ausbreitung des Niedriglohnsektors in Deutschland in den letzten Jahren hat jedoch gezeigt, dass diese Annahme falsch ist: Nicht neue Arbeitsplätze wurden geschaffen, sondern bestehende sozialversicherte Beschäftigungsverhältnisse in prekäre umgewandelt – und dies auch noch staatlich subventioniert.

Ich trete für eine Abschaffung dieser Lohnsubventionen an Unternehmen durch die Allgemeinheit ein. Stattdessen muss ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden, der den Beschäftigten ein Leben in Würde und ohne materielle Abhängigkeit gewährleistet.

Mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
26.06.2008
Von:

Hallo Herr Schreiner,
für den 1. und 3.Juli sind in Baumholder Gefechtsübungen angemeldet und genehmigt, bei denen es auch zu militärischen Nachtflügen kommen wird in der TRA Lauter. Da haben wir den Salat: Von Mai bis Ende Oktober hat das saarl. Innenministerium erreicht, dass ab abends 21:00h Schluss ist mit diesem militärischen Fluglärm.
Meine Frage an Sie: Wer hat das genehmigt und wer war so dreist, sich einfach über das Verbot hinwegzusetzen?
Die Zeit drängt. Ich möchte erreichen, dass dieser nächtliche Lärm das Saarland nicht berührt. Wozu haben wir jahrelang gekämpt und tun das immer noch, gegen den Fluglärm, wenn man sich hinterher einfach darüber hinwegsetzt?
Versuchen Sie bitte, etwas bei Herrn Beck zu erreichen.
Die Genehmigung ist bestimmt von Minister Jung erteilt worden.
Ich bitte um Info.
Danke
Antwort von Ottmar Schreiner
bisher keineEmpfehlungen
14.07.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Wie ich bereits in meiner Antwort an Herrn Wagner geschildert habe, erhalte ich in meinem Büro derart viele Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern, dass mir eine zeitnahe Beantwortung kaum möglich ist. In Ihrem Fall war ich überdies im Ausland, so dass es mir nicht möglich war, mich für Ihr Anliegen einzusetzen.

Mit der Bitte um Verständnis und freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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Frage zum Thema Senioren
27.06.2008
Von:
-

Sg. Herr Schreiner,

nun kommt also eine Rentenerhöhung am 1.Juli 08. Bei kleinen Renten, den typischen, auch lebensbiografisch bedingten Frauen-West-Renten, bringt das wirklich nicht viel. Warum kann die Rente nicht in umgekehrter Dynamik steigen, reproportional unten mehr, oben weniger. Die ausgleichende Gerechtigkeit zu den seit Jahrzehnten immer geringeren Frauenlöhnen, Sie wissen, sogar von der EU angemahnt, wäre schon längst fällig!
Aber das Gegenteil passiert, die Hinterbliebenen-Bezüge wurden zusammen gestrichen u.die Kleinrenten bleiben klein. Nach einem Todesfall stehen die Witwen nicht nur der Trauer, sondern auch dem finaziellen Fiasko gegenüber. Die allg. Kosten bleiben, die Situation ist für viele mehr als schwierig! Vielleicht sollte die SPD vor den Linken darüber nachdenken! Es ist ein urtypisches SPD-Thema, es betrifft ja mehrheitlich nicht so gut situierte Arbeitnehmerhaushalte.
Viel Erfolg für Ihre weitere Tätigkeit, auch für Ihren Mut, insbesondere den Mut, wenn`s sein muss, in den eig.Reihen gegen den Strom zu schwimmen.

Unter dem Motto "Politik ist für die Menschen da, nicht umgekehrt"

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Ottmar Schreiner
10Empfehlungen
14.07.2008
Ottmar Schreiner
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Frage. Zuerst einmal möchte ich mich für Ihre unterstützenden Worte bedanken, über die ich mich sehr gefreut habe.

Ihre Verärgerung über die diesjährige minimale Rentenerhöhung kann ich sehr gut nachvollziehen. Wie bereits in anderen Antworten (z.B. an Herrn Roth) ausgeführt, trete ich schon seit Langem dafür ein, die Umverteilung innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung zu erhöhen: Am unteren Ende durch eine Mindestrente, am oberen durch die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze bei gleichzeitiger Deckelung der Renten nach oben.

Ich werde mich auch in Zukunft dafür einsetzen, um so "Politik für die Menschen" zu machen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ottmar Schreiner
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