Niema Movassat (DIE LINKE)
Abgeordneter Bundestag

Grunddaten
Niema Movassat
© Die LINKE
Geburtstag
22.08.1984
Berufliche Qualifikation
Diplom-Jurist
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Oberhausen
Wahlkreis
Oberhausen - Wesel III
Ergebnis
9,6%
Landeslistenplatz
8, Nordrhein-Westfalen
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(...) Im Kern stehen wir für ein öffentlich-rechtliches Rundfunksystem, in dem die Kreativen mehr und die Verwaltungen weniger zu sagen haben. Dazu bedarf es Mitspracherechte der Zuschauerinnen und Zuschauer, dazu braucht es mehr Sachverstand in den Rundfunkgremien und dazu ist auch die Zwei-Parteien-Autokratie zur Besetzung der Spitzenpositionen nach dem Parteienproporz aus SPD und CDU/CSU aufzulösen. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
23.02.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Movassat,

mein Name ist und ich bin Schülerin der 12 Klasse des Gymnasiums am Römerkastell in Alzey. Im Rahmen meiner Facharbeit "Von der Politikverdrossenheit der Bürger zur Bürgerverdrossenheit der Politiker- Befindet sich die repräsentative Demokratie in der Krise?" beschäftige ich mich unter anderem mit der sich wandelnden Protestkultur in unserem Land und interessiere mich deshalb für Stimmen von Bürgern und Politkern zu ihrem subjektiven Empfinden des Verhältnisses von den Regierenden zu den Regierten.
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich in meiner Arbeit unterstützen könnten, indem Sie den angehängten Fragebogen beantworten.
Schon jetzt vielen Dank für Ihre Zeit und Mühe.

Mit freundlichen Grüßen






1) Wie bewerten Sie die aktuelle Protestkultur in Deutschland, im Hinblick auf die Demonstrationen gegen Stuttgart 21 und die Proteste gegen Castortransporte?

2) Wie bewerten Sie die momentan praktizierte Kommunikation zwischen Parlament und Öffentlichkeit?

3) Was kann Ihrer Meinung nach getan werden, um diese Kommunikation in Zukunft aufrechtzuerhalten, beziehungsweise zu verbessern?

4) Halten Sie persönlich Volksentscheide auf Bundes- und/ oder Länderebene für sinnvoll?

5) Haben Sie alternative Vorschläge, die Bürger besser in den politischen Entscheidungsprozess einzubinden und die Akzeptanz der Bevölkerung für bereits getroffene Entscheidungen zu erhöhen?
Antwort von Niema Movassat
9Empfehlungen
29.03.2011
Niema Movassat
Sehr geehrte Frau ,

In der Geschichte der BRD gab es auch früher schon Protestkulturen, die über das reine Demonstrieren hinausgingen, siehe zum Beispiel die Proteste in Brokdorf oder gegen die Startbahn West in den 1980er Jahren. Allerdings teile ich die Meinung, dass die Organisation von Massenblockaden gegen Naziaufmärsche oder gegen den Castor in den letzten Jahren an Professionalität zugenommen und sich weiter gesellschaftlich etabliert hat. Es handelt sich dabei aus meiner Sicht aber eher um das Wiederaufleben eines alten Leitsatzes: "Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht." (B. Brecht).

Nun zu den direkten Fragen:

1) Wie bewerten Sie die aktuelle Protestkultur in Deutschland, im Hinblick auf die Demonstrationen gegen Stuttgart 21 und die Proteste gegen Castortransporte?

Die beiden Protestbewegungen sind aus meiner Sicht nur schwer miteinander zu vergleichen.

In Stuttgart entstand die Protestbewegung gegen ein singuläres, lokales Projekt. Die Palette des Engagements gegen den milliardenschweren Bau in Stuttgart war von Beginn an vielfältig. Einige linke Bewegungen sahen in dem Projekt den Auswuchs des Kapitalismus und hatten eine sozialpolitische Motivation, sich der Protestbewegung anzuschließen. Angesichts der sozialpolitischen Defizite in der Stadt und der Inkompetenz der Regierungsparteien, ist dieses Bauvorhaben auch aus meiner Sicht ein Schlag ins Gesicht all jener Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, keine Kita-Plätze für ihre Kinder bekommen oder nicht wissen, wie sie ihren Kindern eine gute Bildungschance ermöglichen können. Für Andere wiederum stand nicht das Sozialpolitische im Vordergrund des eigenen Engagements. Politikverdrossene sammelten sich ebenso unter dem Banner der Gegenproteste, wie UmweltaktivistInnen oder Menschen, die einfach wütend über die sorglose Verschwendung von Steuergeldern waren.

Die Proteste gegen den Castor haben hingegen eine längere Tradition und entstanden aus der linken Friedensbewegung. Inzwischen sind die Proteste im Wendland bis tief in die bürgerliche Gesellschaft verankert und reichen andereseits bis in die radikale Linke hinein. Dabei sind sich die Protestierenden in ihrer Motivation einig: Atomindustrie gefährdet unser aller Leben und muss abgeschafft werden. Der Ausstieg aus dem Atomausstieg ist absolut inakzeptabel. Das Beispiel Japan mit den noch nicht abzuschätzenden Opfern und Langzeitschäden für Mensch und Natur mahnt uns. Das derzeitige Schlingern der Bundesregierung in Atompolitik ist eine Schande für die gesamte Politik. Es gibt einen breiten gesellschaftlichen Konsens gegen Atomkraft! Dieser Konsens sorgte in der Vergangenheit dafür, dass Protestierende aus dem gesamten Bundesgebiet nach Gorleben reisten, um den Castor zu blockieren. Und er Widerstand wird sich nach den jüngsten Ereignissen sicher noch verfestigen. Die Protestformen ergänzten sich im Wendland dabei gut: neben den schon seit Jahren stattfindenden Gleisblockaden gab es im vergangenen Jahr auch wieder AktivistInnen die im großen Stil den Schotter unter den Gleisen aushöhlten und dies öffentlich ankündigten, um ein Passieren des Castor Transports so unmöglich zu machen. Die unterschiedlichen Aktionsformen verhielten sich dabei solidarisch zueinander, was ein großer Erfolg der gesamten Bewegung darstellt. Auf den Gleisblockaden in Gorleben waren beispielsweise Sprechchöre zu hören, die die Einigkeit klar demonstrierten: "blockieren – schottern - Hand in Hand! Einig ist der Widerstand!" (Siehe hierzu auch den Bericht in der Paroli-Zeitung auf S. 4: www.paroli-verein.de ).

Insgesamt gibt es für mich die Hoffnung, dass wieder mehr Menschen bereit sind für ihre Ideale und Überzeugungen auf die Straße zu gehen. Das Prinzip des zivilen Ungehorsams, wie er auch von Brecht vertreten wurde, ist nicht etwa ein verstaubtes Relikt vergangener Tage, sondern zieht auch heute noch junge AktivistInnen an. Ausschlaggebend für die weitere Etablierung sind aber auch Erfolge solcher Bewegungen, wie sie sich in Gorleben oder auch bei der Blockade des größten Naziaufmarschs Europas in Dresden gezeigt haben (siehe hierzu auch meinen Bericht auf der Website: www.movassat.de ). Noch haben wir die Protestfreudigkeit unserer französischen und griechischen Nachbarn nicht in Deutschland erreicht. Geht der Staat jedoch weiter so menschenunwürdig mit seinen BürgerInnen um, könnten sich im besten Sinne auch in der BRD soziale Unruhen entzünden.

2) Wie bewerten Sie die momentan praktizierte Kommunikation zwischen Parlament und Öffentlichkeit?

Mit einem Wort: mangelhaft! Die parlamentarische Arbeit wird fast ausschließlich über die Parlamentarier und deren Pressearbeit kommuniziert. JournalistInnen berichten für die großen Sendeanstalten über Beschlüsse und Beratungen der Abgeordneten. Ein Austausch findet jedoch kaum statt. Das Parlament kann selbstverständlich besucht werden und ist der Öffentlichkeit zugänglich. Auch aus meinem Wahlkreisbüro werden regelmäßig Fahrten nach Berlin und in den Bundestag organisiert. Der Kontakt bleibt jedoch ein künstlicher. Er gleicht einem Besuch im Museum. Kommunikation im Sinne eines Dialogs aus dem sich Konsequenzen für das parlamentarische Handeln ergeben, findet nicht statt. Dies ist und bleibt ein Problem der repräsentativen Demokratie und des noch vorherrschenden konservativen Politikverständnisses.

3) Was kann Ihrer Meinung nach getan werden, um diese Kommunikation in Zukunft aufrechtzuerhalten, beziehungsweise zu verbessern?

Ein Weg die Bürgerinnen und Bürger mehr in die parlamentarischen Entscheidungen einzubinden sind Volksentscheide. Ich habe bereits in einer anderen Anfrage meine Haltung zum Thema "Volksentscheide" bei Abgeordnetenwatch veröffentlicht (siehe: bit.ly ). Aber auch die Herabsetzung der Alterbeschränkung und die Ausweitung des Wahlrechts auf alle in Deutschland lebenden Menschen sind wichtige Aspekte, die eine partizipative Politik befördern würden.

4) Halten Sie persönlich Volksentscheide auf Bundes- und/ oder Länderebene für sinnvoll?
5) Haben Sie alternative Vorschläge, die Bürger besser in den politischen Entscheidungsprozess einzubinden und die Akzeptanz der Bevölkerung für bereits getroffene Entscheidungen zu erhöhen?

Hier würde ich ebenfalls gerne auf meine bereits veröffentlichten Zeilen zum Thema verweisen (siehe: bit.ly ).

Mit freundlichen Grüßen
Niema Movassat
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Frage zum Thema Arbeit
07.06.2011
Von:

Hallo Herr Movassat,

Sie sind jung mit 27 und Dipl. Jurist. Wollen Sie immer Berufspolitiker sein und in der Politik dauerhaft Karriere machen?

Können Sie sich vorstellen im realen Leben auch in einem richtigen Job zu arbeiten und einer "Zwangsrotation" als Volksvertreter zu unterliegen?

Sind Sie für eine zeitliche Begrenzung von Abgeordnetenmandaten auf max 3 Legislaturperioden, für alle Abgeordneten, wie in USA der Präsident?

Glauben Sie, dass Politiker jahrzehntelang hintereinander im Bundestag sitzen sollten, wie z.B. Schäuble?

Sind Sie für oder gegen "sichere Listenplätze" über die Kandidaten auch mit schlechten Ergebnissen automatisch "gewählt" werden?

Ich würde mich über klare und nicht ausweichende Antworten freuen. Bin sehr gespannt.

/ Berlin
Antwort von Niema Movassat
5Empfehlungen
08.06.2011
Niema Movassat
Hallo Herr ,

Ich habe damals Jura studiert und auch das Staatsexamen abgelegt, weil ich mir gut vorstellen kann, im juristischen Bereich tätig zu sein. Insofern ist eine politische Karriere für mich nicht zwingend, dauerhaft Berufspolitiker zu bleiben ist auch nicht mein Ziel. Daher kann ich mir sehr gut vorstellen, in einem anderen Beruf zu arbeiten.

Eine Mandatszeitbegrenzung für Abgeordnete fände ich vorstellbar und auch erstrebenswert, sie würde dazu führen, dass Abgeordnete näher an der Bevölkerung sind, weil sie gezwungen sind, im üblichen Berufsleben tätig zu sein. Außerdem wäre es auch ein Schritt gegen eine zu starke Machtstellung einzelner PolitikerInnen. Daher bin ich dagegen, dass PolitikerInnen jahrzehntelang hintereinander im Bundestag sitzen sollten.

Zu der Frage Listenplätze: Ich bin für die Beibehaltung des derzeitigen Systems von Listenplätzen/Zweitstimmen. Für eine Demokratisierung und Durchsetzung von Positionen, die die Bevölkerung bewegen, braucht es mehr direktdemokratische Elemente.

Mit freundlichen Grüßen

Niema Movassat
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Frage zum Thema Gesundheit
16.06.2011
Von:

sehr geehrter herr movassat,
endlich gibt es die möglichkeit der heroin - gestützten - behandlung die aufgrund ihres repressiven
charakters - keine take home verordnung - schon wieder gute ansätze im keim erstickt.....
frage 1: wie steht die linke zu einer take home verordnung gerade von z.b heroin?
punkt 2: nun gibt es sie die hgb für all jene die zu den glücklichen gehören das sie an ihrem wohnort
angeboten wird und man / frau die entspr. aufnahmekriterien erfüllt.
frage 3: die bundesdrogenbeauftragte hat mir - hier auf abgeordnetenwatch - eine gewisse sorge zum ausdruck gebracht das sich die hgb - versorgung nur auf einige großstädte bezieht bzw. auf schon bestehende modelleinrichtungen.außer dieser sorge ausdruck zu verleihen hat sie bisher nichts zustande gebracht.konkrete frage an sie:wann können bewohner ländlicher gegenden endlich hoffen an dieser behandlung teizuhaben??????anmerkung:das heilbronner selbstverständnis geht über ländliche gegend hinaus - fragt man hier jedoch beim gesundheitsamt,sozialamt,amt für jugend und soziales nach erntet man schweigen,dann die bitte sich in ein paar monaten wieder zu melden - meldet man sich wieder erwarten dann ist der wissensstand null.- wie steht die linke hierzu?was haben drogengebraucher konkret zu erwarten?
abschließende frage: was kann und wird die linke tun um den bescheuerten - nur leid und elend über die davon betroffenen bringenden - war on drugs endlich zu beenden?
wann ändert sich endlich etwas zum positiven für die betroffenen?die schuld die all jene auf sich geladen haben die der repression das wort redeten die dazu beitrugen das die jährlichen todesstatistiken zeitweilig "überprpoportional" stiegen,die dazu beitrugen und noch dazu beitragen das die ok - organisierte kriminalität - auf diesem gebiet rekordeinnahmen erziehlt,länder nach wie vor destabilisiert sind möchte ich nicht tragen....langer rede kurzer sinn was habt ihr vor und vozuweisen?
mit freundlichen grüßen,
dietmar holzheuer
Antwort von Niema Movassat
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20.07.2011
Niema Movassat
Sehr geehrter Herr ,

ich bitte um Verständnis, dass die Beantwortung ihrer Anfrage etwas Zeit in Anspruch genommen hat - die letzten Sitzungswochen vor der Sommerpause sind immer besonders arbeitsintensiv.

Für die Diamorphinabgabe gelten noch strengere Richtlinien als bei der Substitution mit anderen Mitteln. Die "Richtlinie der Bundesärztekammer zur Durchführung der substitutionsgestützten

Behandlung Opiatabhängiger" enthält endlich auch Regelungen zur Mitgabe (Take Home) auch für die Diamorphinabgabe. In der Realität sind diese jedoch kaum anwendbar, da der Konsum immer unter ärztlicher Aufsicht zu geschehen muss.

Ich halte es prinzipiell für dringend notwendig, in der Drogenhilfe praktikable Lösungen zu finden, die den Lebensrealitäten der betroffenen Menschen auch gerecht werden. Eine Take-Home-Verordnung sollte natürlich so gestaltet werden, dass sie in der Praxis auch zur Anwendung kommen kann.

Die gesonderten Bestimmungen der Diamorhinabgabe sind insgesamt nicht geeignet, eine flächendeckende Versorgung der betroffenen Schwerstabhängigen zu gewährleisten. Schon in einer Großstadt wie Berlin ist es stellenweise sehr schwer, substituierende Ärzte zu finden. Deshalb wird es natürlich schwierig sein, die Diamorphinabgabe in ländlichen Regionen zu installieren. DIE LINKE hat von Anfang an versucht, dies anders zu gestalten. Nur ist es in der Drogenpolitik sehr schwer, progressive Ansätze durchzusetzen, weil sich insbesondere CDU/CSU bis heute jeglichem rationalen Umgang mit dem Thema verweigern.

Die Aktivitäten der Linksfraktion zum Thema "Diamorphin" können Sie hier im Detail nachlesen:

linksfraktion.de

DIE LINKE hält den Krieg gegen die Drogen grundsätzlich für gescheitert. Unsere grundsätzlichen Positionen

zum Thema "Drogen" finden Sie hier:

linksfraktion.de

Sollten Sie weitergehende Fragen haben, wenden Sie sich doch bitte an den drogenpolitischen Sprecher der LINKEN im Bundestag, Frank Tempel MdB.

Mit besten Grüßen

Niema Movassat
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
02.07.2011
Von:

Hallo Herr Movassat,

was gedenkt der Bundestag gegen die ungeheuerliche und abenteuerliche Verschwendung der Fernsehgebüren zu unternehmen. Heute musste ich wieder einmal feststellen das ein republikanisches Fernsehen eine Hofberichterstattung aus Monaco vornimmt (wie schon auch bei der Hochzeit der britischen Blutsauger).
Das soll man doch bitte anderen überlassen, aber nicht dem offentlich rechlichen Rundfunk!

Wir sind eine Republik und ich meine darauf müssen wir stolz sein.

mfg

Antwort von Niema Movassat
7Empfehlungen
12.07.2011
Niema Movassat
Lieber Herr Kirsten,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Wie man zur Berichterstattung von den königlichen Hochzeiten steht ist sicherlich Geschmacksache. Dass diese neben den privaten Sendern auch in den öffentlich-rechtlichen Sendern erfolgt, ist auf jeden Fall zu kritisieren.

Obwohl DIE LINKE für den Erhalt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks steht, betrachten wir darunter keinen Auftrag an diesen zu einer ungebremsten Expansion auf allen Medienmärkten: Der Empfang der Öffentlich-Rechtlichen muss für die Bürgerinnen und Bürger bezahlbar bleiben. Zunehmend skeptisch betrachten wir auch die fortschreitenden Tendenzen in der Kommerzialisierung des öffentlich-rechtlichen Programmangebots selbst. Diese folgen weitgehend unkritisch den Handlungsmustern der Privaten und bewirken eine weitere Verflachung des Medienspektrums - wie auch beim Thema Hofberichterstattung. Hier sieht DIE LINKE einen erheblichen Reformbedarf. Denn: Bürgerinnen und Bürger, die das Eine ohne die stetig steigenden Kosten des Anderen haben können, werden auf Dauer nicht bereit sein, an einem gebührenfinanzierten Rundfunkmodell festzuhalten.

Im Kern stehen wir für ein öffentlich-rechtliches Rundfunksystem, in dem die Kreativen mehr und die Verwaltungen weniger zu sagen haben. Dazu bedarf es Mitspracherechte der Zuschauerinnen und Zuschauer, dazu braucht es mehr Sachverstand in den Rundfunkgremien und dazu ist auch die Zwei-Parteien-Autokratie zur Besetzung der Spitzenpositionen nach dem Parteienproporz aus SPD und CDU/CSU aufzulösen. Zudem sollte über die Formulierung des Programmauftrags neu diskutiert werden. Wünschenswert ist ein Diskurs darüber, was Grundversorgung im Digitalzeitalter bedeutet.

DIE LINKE fordert ferner den Verzicht auf Werbung und Sponsoring. In der digitalen Welt, in der die Grenzen zwischen Werbung und Medium, zwischen ökonomischen und inhaltlichen Aspekten, zunehmend verschwimmen, ist ein werbe- und sponsoringfreier öffentlich-rechtlicher Rundfunk wichtig. Von dieser Regelung auszunehmen sind lediglich Übertragungen von nationalen und internationalen Sportereignissen, deren Rechte oft nur erworben werden können, wenn gleichzeitig auch Werbe- und Sponsoringmöglichkeiten geboten werden.

DIE LINKE tritt zudem dafür ein, die geltenden Regelungen für die Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht durch die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) zu ändern. Geringverdiener, Studierende und Bezieher von Niedrigrenten sollen deshalb ebenso wie Arbeitslose in Hartz IV mit Zuverdienst die Möglichkeit zur Befreiung erhalten. Um einen dadurch bedingten Gebührenausfall zu kompensieren, sollen die Arbeitsagenturen und Arbeitsgemeinschaften nach SGB II sowie sonstigen Träger von sozialen Leistungen für deren Empfänger die Gebühr übernehmen. Dies würde Spielraum für eine Gebührenbefreiung für die genannten Gruppen bringen ebenso wie für den zu veranschlagenden Einnahmeausfall aus Werbung und Sponsoring.

Ich hoffe ich habe Ihnen hiermit weitergeholfen und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Niema Movassat
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Frage zum Thema Sicherheit
07.11.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Movassat,

mehrfach hat Die Linke öffentlich ihre Ablehnung zur Vorratsdatenspeicherung kundgetan und auf ihre Verfassungswidrigkeit hingewiesen. Doch wie stehen Sie zum sogenannten "Quick Freeze" Verfahren - der anlassbezogenen Speicherung von Verkehrsdaten verdächtiger Personen? Halten Sie dieses Verfahren für mit der Verfassung vereinbar und wenn ja, überhaupt für praktikabel?

Mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Niema Movassat
4Empfehlungen
09.01.2012
Niema Movassat
Sehr geehrter Herr ,

danke für Ihre Anfrage und bitte entschuldigen Sie die längere Bearbeitungszeit. Nach einiger Zeit kann ich Ihnen wie folgt Auskunft geben:

Im Rahmen der Koalitionsauseinandersetzungen wurden im letzten Sommer Vorratsdatenspeicherung, jetzt "Mindestspeicherfristen genannt, und "Quick-Freeze" in verschiedenen Varianten kombiniert. Die Justizministerin hat im Sommer eine sieben Tage dauernde präventive Speicherung vorgeschlagen, aus dem Hause des Bundesdatenschutzbeauftragten kam ein Angebot von vierzehn Tagen - beides sollte "anlassbezogen" sein, das heißt Polizei oder Staatsanwaltschaft könnten bei einem Verdacht anordnen, dass die gespeicherten Verbindungsdaten den Unternehmen zur Verfügung gestellt und alle ab da anfallenden Daten "eingefroren" werden.

DIE LINKE lehnt auch diese kleine Vorratsdatenspeicherung ab. An fünf Fingern kann man abzählen, dass die kurzen Fristen lediglich Türöffner wären und irgendwann auf mindestens sechs Monate ausgedehnt werden würden. Das ist im Übrigen die Frist, die BKA-Experten in Gesprächen für ihre Zwecke als absolutes Minimum bezeichnet haben. Andere haben auch schon mal zwei Jahre gefordert.

DIE LINKE hält allenfalls das ursprüngliche "Quick-Freeze" für grundrechtskonform: keine Speicherung auf Vorrat, erst bei Vorliegen eines Verdachts im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens werden die Daten "eingefroren" und stehen ab dann zur Verfügung. Das halten wir für eine praktikable und an neue Verhältnisse angepasste Erweiterung von Ermittlungsinstrumenten.

Niemand fordert bisher die Pflicht, den eigenen Hausmüll eine bestimmte Frist zu Hause aufzubewahren für den Fall von Ermittlungen und Hausdurchsuchungen wegen Diebstahls gegen die Bewohner. Genau das aber wäre die geforderte Vorratsdatenspeicherung - auch mit kurzen Fristen.

Ich hoffe, eine befriedigende Antwort gegeben zu haben.

Mit besten Grüßen

Niema Movassat
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