Mechthild Rawert (SPD)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich. Besuchen Sie das aktuelle Profil.

Grunddaten
Mechthild Rawert
Jahrgang
1957
Berufliche Qualifikation
Diplom Sozialpädagogin, Diplom Pädagogin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Berlin-Tempelhof-Schöneberg
Landeslistenplatz
4, Berlin
weitere Profile
(...) Die Demokratie in Deutschland, die Gesetzgebung in Deutschland und in Europa gewinnt durch die hoffentlich noch zahlreicher werdenden Frauen im Deutschen Bundestag und in allen Landesparlamenten. Ohne Frauen ist kein Staat zu machen!
Ich bin stolz auf die bis dato erreichten Fortschritte bei der politischen Partizipation von Frauen und kämpfe weiterhin für eine noch tatkräftigere Umsetzung des nachfolgendes Rechtsgrundsatzes in unserer Verfassung: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Mechthild Rawert
Auswahl der Fragen und Antworten
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Umwelt
05.12.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Mechthild Rawert,

sind Sie in Ihrer Arbeit/politischen Entscheidung für den Anbau von gentechnisch manipulierten Pflanzen (Gen-Saatgut), für die Aufzucht von gentechnisch manipulierten Tieren (Gentechnik im Futtermittel) und für die gentechnische Manipulation von Menschen (z.B. gentechnisch verunreinigte Nahrungsmittel (Zusatzstoffe, etc. und gentechnisch veränderte Impfstoffe)?

Mit welchen Nebenwirkungen haben Pflanzen, Tiere und Menschen zu rechnen?
Ich möchte hiermit auch die Beweisfrage bezüglich "Unschädlichkeit der Gentechnik" stellen. Wo ist empirisch-wissenschaftlich nachgewiesen, dass keine schädigende Wirkung auf Menschen, Tiere und Pflanzen eintreten? Bitte mit genauer Quellenangabe.

Wie stehen Sie zu der Entwicklung, dass Gentechnik Armut verschlimmert (z.B. Indien), d.h. durch Preis-Eskalation von Saatgut, Dünger und Pestiziden? Was tun Sie dagegen?

Mit freundlichem Gruß

Antwort von Mechthild Rawert
7Empfehlungen
15.12.2008
Mechthild Rawert
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihr Schreiben zum Thema Gentechnik. Sie stellen darin viele Fragen, die nicht in Kürze zu beantworten sind.

Unser oberstes Ziel ist der Schutz von Mensch und Umwelt. Hierbei gilt für uns das Vorsorgeprinzip. Deshalb hat die SPD sich für die Sicherung des Bestands der gentechnikfreien Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion eingesetzt und für Transparenz und Wahlfreiheit sowohl für VerbraucherInnen als auch für ProduzentInnen.

Im Vergleich zum Rest der Welt haben wir in Europa die strengsten Sicherheitsprüfungen für die Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen und die höchsten Auflagen für den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen. Auch deshalb ist bei uns bisher nur eine gentechnisch veränderte Maissorte zum kommerziellen Anbau zugelassen – der MON810.
Dennoch sehen wir als SPD den Anbau kritisch und haben Respekt vor den Vorbehalten der Bevölkerung. Mehrfach hatten wir den früheren Agrarminister Seehofer aufgefordert, den Anbau von MON810 zu unterbinden, denn dieser Mais ist mit einer Resistenz gegen den Schädling Maiszünsler ausgestattet, deren Auswirkungen auf andere Insekten oder Vögel nach unserer Ansicht noch nicht ausreichend untersucht ist. Seehofer hat einen Anbaustopp unter Verweis auf das EU-Recht abgelehnt. Und in der Tat stellt ein Verbot des Anbaus einer auf EU-Ebene sicherheitsgeprüften und zugelassenen gentechnisch veränderten Sorte in der Regel einen Verstoß gegen EU-Recht dar. Auch deshalb setzen wir uns für eine Verbesserung des EU-Gentechnikrechts.

Das größte Einfallstor sind derzeit aber die Futtermittel: Zu 80% landen gentechnisch veränderte Pflanzen im Futtertrog. Die Hersteller scheuen sich, solche Pflanzen direkt bei der Lebensmittelproduktion einzusetzen, denn dies müsste gekennzeichnet werden, und Verbraucherinnen und Verbraucher würden solche Produkte meiden.
Der Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen zu Futterzwecken aber muss nicht gekennzeichnet werden. Hier lässt die EU-Kennzeichnungsregelung leider eine Lücke. Diese Lücke lässt sich auch nur auf EU-Ebene schließen. Deshalb haben wir eine nationale Regelung auf freiwilliger Basis durchgesetzt, nach der hier in Deutschland Milch, Eier und Fleisch von Tieren, die nicht mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert werden, mit "Ohne Gentechnik" gekennzeichnet werden können. Diese Kennzeichnung ist ein enormer Fortschritt für die Verbraucherinnen und Verbraucher! Wenn immer mehr Hersteller auf solche Produkte umsteigen und die Verbraucher "Ohne Gentechnik"-Erzeugnisse in großen Mengen nachfragen, dann wird der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen irgendwann zum Erliegen kommen, weil es keine Verwendung, keinen Markt mehr dafür gibt. Stattdessen wird die Nachfrage nach gentechnikfreien Pflanzen zunehmen. Dies ist derzeit schon am Futtermittelmarkt zu beobachten – obwohl bisher noch nicht viele "Ohne Gentechnik"-gekennzeichnete Angebote auf dem Markt sind.

Sehr geehrter Herr ,
wir brauchen Ihre Unterstützung! Helfen Sie mit beim Ausbau des gentechnikfreien Marktsegments, steigern Sie die Nachfrage, fragen Sie bei Ihrem Händler nach "Ohne Gentechnik"-Produkten, und informieren Sie bitte alle Freunde und Bekannten über solche Erzeugnisse.

Vielen Dank im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Mechthild Rawert
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Soziales
10.12.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Rawert,
ich möchte Sie gerne auf das Thema Kliniken ansprechen.
Kliniken, für psychisch labile Menschen.
In Deutschland begeht jeden Tag ein Jugendlicher Selbstmord. Es sind im Jahr 450 Suizide und 4.000 Suizidversuche von Menschen unter 20 Jahren.
Es gibt Kliniken für Jugendliche zwischen 12- bis 18-Jahren. Doch sobald man das 18. Lebensjahr erreicht hat, kommt man in eine Klinik für Erwachsene. Man bekommt ältere Menschen zu Gesicht, die psychisch am Ende sind. Für einen Jugendlichen ist das kein schöner Anblick. Vorallem wenn man gerade ein Suizidversuch hinter sich hat und nun ´lernen´ soll, das Leben wieder lebenswert zu finden. Es ist ein extremer Unterschied zwischen einer Klinik für Jugendlichen und einer für Erwachsene. Ich habe manchmal das Gefühl, dass nicht so viel für psychisch labile Menschen getan wird. Es gibt zwar viele verschiedene Einrichtungen (WG´s), was ich sehr gut finde, doch es gibt leider nicht viel für den Ernstfall bzw. nach einem Suizidversuch oder wenn jemand momentan den Alltag nicht bewältigen kann, wegen der psychischen Lage. Kliniken für Leute zwischen dem 18. und dem 30. Lebensjahr wäre z.B. hilfreicher. Und dass mit diesen Menschen auch mehr unternommen wird, damit sie nicht in ihrem Zimmer sitzen und weitergrübeln müssen. Ich weiß, dass soetwas sicher nicht einfach ist und dass das auch sicher eine Geldfrage ist, doch zur Zeit steigen die Zahlen deren Menschen, die an Depressionen oder z.B. an dem Borderline-Syndrom erkranken, extrem.
Darum würde ich Sie, Frau Rawert, gerne fragen ob soetwas irgendwann mal möglich sein wird oder ob schon andere Ideen in Betracht gezogen worden?
Ich bitte Sie um eine Antwort.

Mit freundlichem Gruß
Antwort von Mechthild Rawert
8Empfehlungen
22.01.2009
Mechthild Rawert
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihr offenes Schreiben vom 10. Dezember 2008 zum Thema Kliniken für psychisch labile junge Erwachsene. Wie Sie wissen, ist die Zahl psychischer Erkrankungen vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den letzten 10 Jahren dramatisch gestiegen und nimmt in unserer schnelllebigen und anspruchsvollen Zeit leider einen immer größeren Raum ein.

Dementsprechend wächst auch die Nachfrage nach speziellen Behandlungsstrategien, die speziell auf die junge Zielgruppe der Suizidgefährdeten zugeschnitten sind. Wie sie selbst festgestellt haben, unterscheiden sich die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen stark nach dem Lebensalter. Es gibt im Bundesgebiet eine ganze Reihe von Kliniken mit differierenden Konzept- und Behandlungsansätzen und unterschiedlich geschultem Personal. Zur Finanzierung der Leistungen darf ich anmerken, dass wir SozialdemokratInnen in den Verhandlungen zum Gesundheitsfonds den Leistungsumfang in der Behandlung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen erheblich steigern konnten.

Sehr geehrte Frau ,
da ich Ihre Anfrage so interpretiere, dass Sie in Ihrem Umfeld selbst Erfahrungen mit Depressionen oder Borderline-Syndrom gemacht haben, schlage ich Ihnen vor, für einen weiteren Austausch nicht diese öffentliche Plattform zu wählen.

Unter mechthild.rawert@bundestag.de können Sie mir bei Bedarf vertraulich weitere Informationen zukommen lassen, auch um Ihnen zielgenauere Informationen über Hilfezentren und AnsprechpartnerInnen für psychische Notfall-Situationen mitteilen zu können.

Weitere wichtige Informationen erhalten Sie auch unter www.buendnis-depression.de. Unter der www.kompetenznetz-depression.de finden Sie Klinikadressen in Ihrer Nähe und Kontakt zu Selbsthilfegruppen.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

Ihre Mechthild Rawert
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Städtebau und Stadtentwicklung
15.01.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Rawert,

als Anwohnerin des Hafens Tempelhof habe ich folgende Fragen, von denen ich hoffe, das sie durch Sie beantwortet werden können.

1) Auf dem Gelände des neuen Einkaufszentrums am Hafen sollte (an der östlichen Flanke) der "kulturelle" Teil des Projektes entstehen. Nun ist an der Stelle nicht einmal der Ansatz einer Baustelle zu sehen.
Wurde dieser Teil des Baus gestrichen? Und wenn ja, warum?
Oder wurde der kulturelle Aspekt nur in der Planungsphase erörtert um die Anwohner zu besänftigen?

2) Da das zum Projekt gehörige Parkhaus sehr geringe Kapazitäten für ein Einkaufszentrum dieser Größe hat (laut Planungsbüro - Veranstaltung für die Anwohner - an der unteren Grenze dessen, was gefordert werden konnte), fürchten die Anwohner einen deutlich erhöhten Parksuchverkehr im Bereich Wenckebachstraße / Burgemeisterstraße / Ordensmeisterstraße / Friedrich-Wilhelmstraße. Die bereits jetzt relativ raren Parkplätze für die Anwohner (es parken viele Pendler im Einzugsbereich der U6) werden dadurch ein noch kostbareres Gut, außerdem wird die Lärmbelastung deutlich zunehmen. Dazu kommt, dass die Einfahrt für Lkw direkt gegenüber der Zufahrt zur Wenckebachstraße gelegen ist und ein noch größeres Anlieferchaos als bei Karstadt / Kaiserin-Augusta-Straße zu befürchten ist.
Ist es angedacht, in unserem Teil des Bezirkes eine Parkraumbewirtschaftung einzuführen? Sind Einbahnstraßenregelungen angedacht? An wen könnte man sich damit wenden? Gibt es die Möglichkeit, Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Mechthild Rawert
6Empfehlungen
25.02.2009
Mechthild Rawert
Sehr geehrte Fr. ,

bitte entschuldigen Sie die sehr stark verzögerte Beantwortung Ihrer Fragen zum Bauvorhaben HafenTempelhof. Da es sich bei Ihrer Frage um eine kommunalpolitische Fragestellung handelt, habe ich Kontakt zum zuständigen Mitglied der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg aufgenommen, damit Sie eine aktuelle, dem Bau entsprechende Antwort erhalten. Herr Reinhard Janke ist der stadtentwicklungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, der nachfolgende Informationen zur Verfügung gestellt hat:

"Nach Rücksprache mit dem zuständigen Stadtplanungsamt und dem Investor sind im Baukomplex des Einkaufszentrums Tempelhofer Hafen mehrere Räume und Flächen für kulturelle Angebote vorgesehen. Im Dachgeschoß des Speichers wird eine Ballettschule einziehen und eine Tanzschule wird im Ostflügel untergebracht. Ein Kinderland mit Dachgarten und Außenspielflächen wird dort ebenfalls angesiedelt. Gastronomiebetriebe werden nicht nur in den Gebäuden, sondern auch auf den Freiflächen, einschließlich der Molen, kulturelle Veranstaltungen anbieten können. Auf dem vorgesehenen Stadtplatz kann neben einem geplanten Wochenmarkt auch eine kulturelle Nutzung erfolgen.

Genauere Angaben zu Art, Umfang und Kosten können nur die zukünftigen Mieter der Räume und Flächen machen.

Die ca. 600 Pkw-Stellplätze werden auf drei Gebäudeebenen und dem Dach untergebracht. Die Anzahl entspricht den Nachfrageerfahrungen vergleichbarer Einrichtungen. Der Parksuchverkehr der Kunden wird sich somit überwiegend, auch wegen der Bequemlichkeit, im Gebäude abwickeln. Für den Ver- und Entsorgungsverkehr werden genügend große Lieferzonen, ebenfalls im Gebäude, mit ausreichend bemessenen Zu- und Abfahrten, vorhanden sein."

Ich hoffe, ich konnte Ihnen behilflich sein.
Mit freundlichen Grüßen
Mechthild Rawert
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Gesundheit
18.02.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Rawert,
mit Interesse verfolge ich die seit Wochen anhaltenden Diskussionen um die geplanten und geforderten Bürgschaften für Unternehmen aus dem Automobil- und Bankenbereich. Es ist wirklich erstaunlich, mit welchen Geldbeträgen jeden Tag herumjongliert wird. Und das alles für Branchen, die zum allergrößten Teil durch eigenes Verschulden, durch Misswirtschaft in den Unternehmen in diese prekäre Lage gekommen sind.
Warum ist es möglich, Milliardenbeträge für eine einzige Bank zur Verfügung zu stellen, das Gesundheitswesen aber ständig abzuschmettern? Sind die Arbeitnehmer im Gesundheitswesen weniger wert als die Arbeitnehmer bei Opel & Co.? In den letzten Jahren sind zigtausend Arbeitsplätze im Gesundheitswesen abgebaut worden, ohne dass sich in der Bevölkerung jemand darum geschert hat (es sei denn, er ist gerade in eine Klinik eingeliefert worden, in der Personalmangel herrschte).

Beim Gesundheitswesen hieß es immer wieder, es wäre kein Geld da! Für die Automobil- und Bankenbranche (alles Branchen mit hervorragenden Verdienstmöglichkeiten, von denen andere nur träumen!) erstaunlicherweise schon.

Vorab vielen Dank für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Mechthild Rawert
3Empfehlungen
08.05.2009
Mechthild Rawert
Sehr geehrte Frau ,

die Beschäftigten im Gesundheitswesen verrichten ihre Arbeit oft unter großer Belastung. Schichtdienst, körperliche und psychische Belastungen sowie Stress sind für viele die tägliche Realität. Ich habe großen Respekt vor den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der Gesundheitsbranche, die diese Belastungen täglich auf sich nehmen und dadurch ein funktionierendes und menschliches Gesundheitswesen für uns alle garantieren. Die Gesundheitsbranche ist der wachsende Bereich in Deutschland. Hier arbeiten mehr Menschen als in der Automobilindustrie.

Ich versichere Ihnen, dass mir die Beschäftigten im Gesundheitssystem wert und teuer sind. Deshalb habe ich mich auch im vergangenen Jahr an der Verdi-Aktion "Der Deckel muss weg" beteiligt. Mit der Aktion protestierte die Gewerkschaft dagegen, dass der Kostendruck in den Krankenhäusern vor allem an die Beschäftigten weitergegeben wird. Weitere Informationen über mein Engagement finden Sie auf meiner Homepage unter www.mechthild-rawert.de

Die Schwierigkeiten der Automobil- und Bankenbranche sind unter dem Strich Ergebnis der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Banken sind für das Funktionieren unserer gesamten Wirtschaft absolut notwendig. Sie sind es, die insbesondere den klein- und mittelständischen Unternehmen Kredite bereitstellen und damit Investitionen ermöglichen. Momentan sind wir jedoch in einer Situation, in der sich die Banken kaum gegenseitig trauen und dementsprechend auch weniger Geld verleihen. Wenn aber keine Kredite mehr vergeben werden, gerät die Wirtschaft immer mehr ins Schlingern. Deshalb musste der Staat eingreifen und Bürgschaften für die Banken übernehmen. Durch die Sicherheit, dass der Staat im Notfall einspringen würde, kommt der Kreditkreislauf wieder in Schwung.

Die Finanzkrise entwickelte sich zu einer weltweiten Wirtschaftskrise, unter der besonders die Autoindustrie leidet. Diese exportorientierte Branche ist für Deutschland von enormer Bedeutung. Mehr als eine Million Arbeitnehmer sind direkt in der Produktion oder bei Zulieferbetrieben beschäftigt. Hinzu kommen Arbeitsplätze u.a. im Verkauf, der Reparatur und Wartung. Die Pleite eines deutschen Autobauers hätte schwerwiegende Auswirkungen auf große Teile der Wirtschaft. Weitere Konkurse von Zulieferern wären die Folge. Deshalb diskutiert die Bundesregierung auch über Kreditbürgschaften für Autohersteller wie Opel. In der Automobil- und in der Bankenbranche lauten die aktuell vordringlichsten Fragen: Wie können wir den Kreditkreislauf wieder in Schwung bringen und wie erhalten wir möglichst viele Arbeitsplätze, solange bis es der Wirtschaft wieder besser geht?

Die Personalsituation im Gesundheitssystem ist hingegen eine strukturelle Herausforderung. Diese kann man nicht mit den Mitteln lösen, mit denen wir die Auswirkungen der Finanzkrise angehen und mit denen wir für neue Regeln nach der Krise sorgen müssen. Hier helfen keine Bürgschaften, vielmehr muss dauerhaft Geld in Personal investiert werden.

Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist das Krankenhausfinanzierungsreformgesetz, das der Deutsche Bundestag am 18. Dezember 2008 verabschiedet hat. Durch das Gesetz erhalten die Krankenhäuser im Jahr 2009 zusätzliche Finanzmittel in Höhe von 3,55 Mrd. Euro. Dies hat die SPD-Fraktion gegen den Widerstand von Teilen der Unionsfraktion und des Kanzleramtes durchgesetzt, die den Krankenhäusern nicht mehr als 1,5 Mrd. Euro zugestehen wollten, was aus meiner Sicht völlig unzureichend gewesen wäre. Die SPD hat sich insbesondere dafür eingesetzt, dass die zusätzlichen Mittel bei den Krankenhäusern dort ankommen, wo sie besonders dringend gebraucht werden -- nämlich bei den Beschäftigten. So haben wir eine Regelung dafür getroffen, dass 50 % der durch die Tarifabschlüsse gestiegenen Personalkosten durch die Krankenkassen finanziert werden. Wir haben dabei dafür gesorgt, dass nur die Krankenhäuser eingeschlossen werden, die auch Tarif bezahlen.

Auch das Programm zur Schaffung neuer Pflegestellen in den Krankenhäusern war ein besonderes Anliegen der SPD. Ursprünglich war im Gesetzentwurf vorgesehen, dass die Krankenkassen 70% der Kosten für neue Stellen übernehmen sollten. Schließlich konnten wir erreichen, dass nunmehr 90 % der Kosten neuer Pflegestellen von den Kassen finanziert werden. Insgesamt werden damit in den kommenden Jahre 14.000 neue Pflegestellen geschaffen.

Ein zentraler Punkt des Gesetzes ist der Einstieg in eine Neugestaltung der Investitionskostenfinanzierung. Gemeinsam mit den Ländern haben wir uns darauf verständigt, dass leistungsorientierte Investitionspauschalen entwickelt werden sollen, die für jede Krankenhausbehandlung zusätzlich zu den bisherigen Fallpauschalen gezahlt werden sollen. Dieses neue Finanzierungssystem soll ab 2012 bereitstehen, die Länder sollen aber entscheiden können, ob bzw. in welchem Umfang sie danach verfahren. Nun geht es darum, dass die Länder sich zu ihrer Verantwortung bekennen und ihre Krankenhäuser mit den dringend erforderlichen Investitionsmitteln auszustatten.

Auch in unserem Regierungsprogramm zur Bundestagswahl im September haben wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten uns mit der Personalsituation in der Gesundheitsbranche befasst. Die Wachstumspotenziale in diesem Bereich sind enorm. Deshalb sieht die SPD auch Investitionen in Gesundheit als Zukunftsinvestitionen. Nur der verantwortliche Umgang aller mit den zur Verfügung stehenden Mitteln sichert eine gute Zukunft unseres Gesundheitssystems. Daran wollen wir weitere Reformen -- insbesondere auch der Institutionen -- des Gesundheitswesens ausrichten.

Mit freundlichem Gruß

Mechthild Rawert
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Familie
19.02.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Rawert,

in vielen Fällen werden Vätern mit Kindern, die aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit auf ALGII angewiesen sind, von den Berliner JobCentern offenbar systematisch die notwendigen Möglichkeiten verweigert, um einen kindgerechten Kontakt mit den Kindern zu leben. Familiengerichtliche Umgangsurteile werden schlichtweg ignoriert.

Diese Väter werden als "alleinstehend" behandelt und zum Umzug in 1-Raum-Wohnungen aufgefordert. Wie soll man aber z.B. drei Töchter im Pubertätsalter in einer 1-Raum-Wohnung unterbringen?

Was sollen diese Kinder essen, während sie beim Vater sind, der nur den Regelsatz für eine Person erhält?

Ist aktive Vaterschaft nur für zwei Wickelmonate erwünscht und soll man ältere Kinder vergessen, falls man arbeitslos wird?

Ist die grundgesetzliche Elternverantwortung erloschen, sobald man ALGII-Bezieher wird? Gilt der Sozialstaat nur für Mütter?

Warum haben Sie als Politiker keinerlei gesetzliche Grundlagen geschaffen, um die aktive Elternschaft von Vätern auch bei Arbeitslosigkeit zu gewährleisten?

Mit freundlichen Grüßen
M.
Antwort von Mechthild Rawert
5Empfehlungen
23.04.2009
Mechthild Rawert
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihren Brief zum Thema Familien und Unterstützung durch das Jobcenter. Natürlich ist die grundsätzliche Verantwortung der Eltern auch bei Bezug von ALGII weiter zu gewährleisten. Der Sozialstaat hat hier die Aufgabe allein- oder getrennt erziehenden Müttern und Vätern zu helfen.

Zu den aktuellen Fakten, die Ihnen hoffentlich weiterhelfen. Ich darf Sie auf die letzte Rechtsprechung des Bundessozialgerichts vom 03.03.2009 - AZ.: B 4 AS 50/07 R - verweisen.

Danach steht erwerbsfähigen Hilfebedürftigen - geschieden und getrennt wohnenden Eltern - ein hälftiger Mehrbedarf für Alleinerziehende bei Erziehung und Pflege des gemeinsamen Kindes zu. Voraussetzung ist: Die abwechselnde Erziehung und Betreuung des gemeinsamen Kindes erfolgt in größeren, mindestens eine Woche umfassenden zeitlichen Intervallen und die anfallenden Kosten werden in etwa hälftig geteilt. Der sogenannte Mehrbedarf soll unabhängig von der konkreten Höhe des Bedarfes in Form einer Pauschale gewährt werden. Nach meinem Verständnis auch dann, wenn der hilfebedürftige Vater oder die hilfebedürftige Mutter leistungsberechtigt im Sinne des SGB II und alleinerziehend sind. Dies könnte auch in Ihrer Situation der Fall sein. Das Gericht erkennt in seinem Urteil an, dass es in dieser Situation nicht angemessen ist, hilfebedürftigen Arbeitslosen den Mehrbedarf (eine Teilzahlung) wegen Alleinerziehung ganz abzulehnen. Aber auch die Zahlung des vollen Mehrbedarfs ist – laut Urteil – nicht angemessen.

Hier wird auch die Auslegung nach § 21 Abs 3 SGB II erwähnt. Die aus meiner Sicht entscheidende Frage lautet: Haben getrennt Erziehende, von denen mindest eine/r ALG II-Leistungen bezieht, Anspruch auf Mehrbedarf, wenn sie sich das elterliche Sorgerecht teilen. Die Antwort des Bundessozialgerichts klingt kryptisch. Ich vermute, dass in Ihrem Fall aber einiges dafür spricht, dass Ihnen mehr als der Regelsatz für eine Person zusteht. Tritt in Fällen, in denen sich das Kind also mindestens für eine Woche bei dem einen, die andere Woche bei dem anderen Elternteil befindet, in der Betreuungszeit keine umfassende Entlastung bei der Pflege und Erziehung ein, scheint die Zuerkennung des hälftigen Mehrbedarfs gerechtfertigt zu sein.

Bitte setzen Sie sich erneut mit Ihrem Job-Center in Verbindung und fragen bitte auf der Grundlage der aktuellen Rechtsprechung erneut nach.

Ich wünsche Ihnen für Ihre Arbeitsplatzsuche viel Erfolg und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Ihre Mechthild Rawert
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Ihre Frage an Mechthild Rawert
Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.