Sehr geehrter Herr

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vielen Dank für Ihre Fragen.
1. Zu den Provider-Verträgen:
Die im April abgeschlossenen Verträge waren wirksam, bevor wir das Gesetz verabschiedet haben. Allerdings wurde dort für die technische Umsetzung eine Frist von 6 Monaten vorgesehen. Auf den Abschluss und den Inhalt der Verträge hatte der Bundestag keinen Einfluss.
Ob die Verträge rechtmäßg sind, ist umstritten. Das Bundesinnenministerium beispielsweise hat keine Bedenken. Ich selbst halte sie rechtlich allerdings für hoch problematisch.
Niemand kann aber sicher voraussagen, wann und wie ein Gericht später entscheidet. Das ist das Wesen unserer Gewaltenteilung. Deshalb halte ich es für richtig und notwendig, dass wir mit dem Gesetz die Schutzvorschriften für die Internetnutzer/innen beschlossen haben, die sonst fehlen würden, einschließlich der Kontrolle der BKA-Liste durch ein unabhängiges Expertengremium und wichtiger Datenschutzregelungen.
2. Zur meiner Diskussionsveranstaltung am 23. Juli in Köln:
Ich wurde in den vergangenen Wochen vielfach zum Gesetz angeschrieben, in der Regel von kritischen Internet-Nutzer/innen. Da ich aus zeitlichen Gründen nicht mit jedem einzelnen einen Termin vereinbaren konnte, habe ich alle, die mich angeschrieben haben, zu dieser Diskussion eingeladen. Andere haben sich angeschlossen.
Natürlich habe ich dort zunächst meine und die Position der SPD erläutert, mich dann aber anschließend über drei Stunden lang den kritischen Nachfragen gestellt.
Aus meiner Sicht war es eine sehr gute und ganz überwiegend sachliche Diskussion. Sie hat nach meiner Einschätzung nicht dazu geführt, dass sich die Grundsatzpositionen der meisten verändert hätten, auch meine nicht. Schließlich habe ich bereits eine Vielzahl solcher Diskussionen gehabt, auch mit Kritikern und auch bereits vor der Verabschiedung des Gesetzes. Die Pro- und Contra-Argumente sind mir also durchaus bereits bekannt gewesen.
Manche Dinge werden einfach unterschiedlich bewertet. Das ist auch ganz normal so. Wir leben schließlich in einer Demokratie, in der jeder seine eigene Meinung haben kann.
In der Bevölkerung ist es übrigens nach einer aktuellen Allensbachumfrage so, dass die ganz große Mehrheit der Bevölkerung (90 %) hinter den Sperren steht. Das entspricht jedenfalls in der Tendenz auch meinen Erfahrungen bei Gesprächen im Bekanntenkreis, auch wenn innerhalb der "Internet-Community" die Stimmungslage ganz anders ist, wie wir alle wissen.
Allerdings haben sich nach der Veranstaltung noch einige Teilnehmer bei mir persönlich für die Diskussion bedankt, da sie doch einige zusätzliche Informationen gebracht habe. Das war letztlich der Sinn des Ganzen. Und ich hoffe natürlich, dass ich bei dem einen oder anderen zu einer etwas differenzierteren Bewertung beitragen konnte, als dies oft öffentlich geäußert wird.
Ein wenig enttäuscht war ich lediglich darüber, dass einzelne Teilnehmer in Internetforen gleich sehr einseitig und zum Teil auch sinnentstellt kommentiert haben. Das ist schade, da zu einem vernünftigen Dialog doch gehört, die Argumente des anderen in fairer Weise aufzunehmen und wiederzugeben, auch wenn man am Ende zu anderen Bewertungen und Schlussfolgerungen kommen mag.
Deshalb bin ich froh, dass ich auf diesem Forum meinen Standpunkt stets unverfälscht und zum Nachlesen für alle darstellen kann.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Dörmann, MdB