Kornelia Möller (DIE LINKE)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Kornelia Möller
Jahrgang
1961
Berufliche Qualifikation
Friseurin, Industriekauffrau, Diplom Sozialökonomin, Soziologin
Ausgeübte Tätigkeit
Miglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Landesliste
Landeslistenplatz
3, Bayern
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(...) Wir von der LINKEN haben immer davor gewarnt, der Wirtschaft erst völlig freie Hand zu lassen, bei auftretenden Problemen aber sofort nach der Staatsfeuerwehr zu rufen, die es nun richten soll. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Arbeit
05.08.2008
Von:

Vor 6 Jahren wurde die Anzahl der Mitarbeiter eines Senioren-Wohnstiftes um etwa ein Drittel reduziert. Dies hat seitdem zur Folge, dass sich bei den Verbliebenen die Anzahl der Überstunden deutlich erhöht hat: Weit über 300/Jahr sind keine Seltenheit, wovon mit der Januar-Abrechnung alle über 200 liegenden ´en bloc´ ausbezahlt werden, wobei man stets Gefahr läuft, in diesem Monat ein niedrigeres Netto-Einkommen zu erhalten als ´normalerweise´ üblich. Wer diese steuerliche Belastung per Einkommensteuererklärung berichtigen möchte, muss sich hierfür über ein Jahr gedulden, was einen weiteren Zinsverlust zur Folge hat!

Dass unter dieser Grenze liegende Überstunden - auch teilweise - NICHT ausbezahlt werden versteht sich bei diesem ´Geschäftsgebaren´ leider von selbst; die Mitarbeiter werden auf "Freizeitausgleich" vertröstet, der jedoch meist abgelehnt wird: "Aufgrund der momentanen personellen Situation musste der Dienstplan für den nächsten Monat dahingehend abgeändert werden, dass für Sie leider einige Arbeitsstunden mehr anfallen werden." Und wehe, wenn dann auch noch jemand wegen Krankheit oder Urlaub ausfällt!

Selbst die wirklich sehr engagierte MAV ("Mitarbeitervertretung") vermochte es bislang nicht, dagegen anzugehen! Auch wurden für 6 Jahre 8 (!) Pflegedienstleiter/innen ´benötigt´!

In den AVR ("Arbeitsvertragsrichtlinien des Diakonischen Werkes Bayern"), welche auch in anderen Bundesländern gelten, heißt es hierzu in

§ 20,7 "Arbeitszeitkonten": "Bis zu 200 Plusstunden können auf das nächste Kalenderjahr übertragen werden."

  • Kann man den o. a. Paragraphen in dieser Form anwenden oder verstößt dies gegen Bundesgesetz?

  • Wo liegt die vom Gesetzgeber zulässige "Höchstüberstundenzeit" (Zahlenwert) ab welcher man weitere Überstunden ablehnen kann?

  • Gibt es einen Rechtsanspruch auf ´Freizeitausgleich’ (AVR § 20, 9)?

  • Unter welchen bundeseinheitlichen Richtlinien ist eine Auszahlung geleisteter Überstunden möglich?

Besten Dank!

s. auch Google: DiAG-Info 4/2007 (PDF)
Antwort von Kornelia Möller
10Empfehlungen
16.09.2008
Kornelia Möller
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage. Es gibt leider nur eine gesetzliche Rahmenbestimmung zu Arbeitszeiten und Überstundenanzahl. Im Arbeitszeitgesetz (§ 3 und 7) ist zwar eine Höchstarbeitszeit von 10 Stunden täglich an höchstens 6 Wochentagen festgeschrieben, aber durch Tarifverträge kann davon abgewichen werden, zum Beispiel wenn Bereitschaftsdienste anstehen. Die gesamte Thematik, einschließlich Überstunden und deren Abgeltung, ist Bestandteil tariflicher Vereinbarungen. Vom Gesetzgeber wurde den Tarifparteien dabei ein weiter Gestaltungsspielraum eingeräumt. So bleibt es ihnen überlassen, Arbeitszeiten, Überstundenmenge und Ausgleichszeiträume festzulegen. Daraus ergibt sich, dass konkrete Begrenzungen zur Überstundenzahl und deren Ausgleich in dem von Ihnen erwarteten Maße nicht existieren. DIE LINKE kämpft seit Jahren dafür, dass Arbeitszeiten verkürzt und die vorhandene Arbeit besser verteilt wird. Die Spielräume der Unternehmen müssen eingeschränkt werden, damit Ausbeutung nicht per Tarifvertrag festgelegt werden kann. Es ist genug Arbeit für alle da, sie muss nur anders aufgeteilt werden! Das hilft den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, da sie dann auch mehr Zeit für Familie und Gesellschaft haben. Es nützt aber ebenfalls den erwerbslosen Menschen, die damit nicht mehr gezwungen sind, von staatlichen Almosen abhängig zu sein. Ein positiver Nebeneffekt wäre, dass damit die Grundsicherungssysteme entlastet würden.
Wenn Ihnen im geschilderten Fall ein konkreter Anhalt dafür vorliegt, dass bei der Diakonie Bayern mit der Arbeitsvertragsrichtlinie gegen Bundesgesetze verstoßen wird, dann bitte ich Sie, sich an die Gewerkschaftsvertreter vor Ort zu wenden. Auf diese Weise ist es am besten möglich, die Einhaltung von Tarifverträgen zu kontrollieren und den weiteren Verfall von Arbeitszeiten zu verhindern.

Mit freundlichen Grüßen,

Kornelia Möller
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Frage zum Thema Internationales
02.09.2008
Von:

Sehr geehrter Frau Abgeordnete Möller,

im Zusammenhang mit dem Konflikt im Kaukasus fordern immer mehr Politiker Untersuchungen zu den Hintergründen und dem Ablauf dieser Krise.

Am 18. August 2008 berichtete das ARD-Magazin Report aus Mainz, dass georgische Soldaten mit deutschen Gewehren (Sturmgewehr G 36-K der Firma Heckler & Koch) ausgestattet sind.

"Deutsche Kriegswaffen im Kaukasus"
( www.swr.de )

Als Krisenregion ist Georgien für Waffenexporte eigentlich tabu - auf Umwegen ist deutsches Kriegsgerät aber wieder einmal in einem Kriegsgebiet gelandet.

"Deutsche Sturmgewehre in Südossetien" ( www.tagesschau.de )

Heute, 2. September 2008, berichtet die taz, dass in Georgien - vermutlich von beiden Kriegsparteien - Streubomben eingesetzt wurden. Die von georgischer Seite könnten aus der Produktion von Rheinmetall stammen.

  • Werden Sie sich dafür einsetzen, dass im Rahmen der internationalen Aufarbeitung dieses Konfliktes auch der Einsatz deutscher Kriegswaffen in dieser und anderer Krisengebiete der Erde geklärt wird?

  • Sind die Regelungen für Rüstungsexporte scharf genug und wie steht es um die entsprechenden Kontrollen?

  • Glauben Sie, dass es dem Dialog mit Russland dient, direkt an den Grenzen dieser Atommacht ein Raketenabwehrsystem zu installieren (die Anschläge in New York, Madrid und London haben doch gezeigt, dass Terroranschläge nicht mit den üblichen Militärstrategien zu verhindern sind) ?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Kornelia Möller
13Empfehlungen
18.09.2008
Kornelia Möller
Sehr geehrte Frau ,

die Fraktion DIE LINKE registriert seit langem besorgt die deutschen Waffenlieferuhgen in Krisengebiete. Sie hat mehrfach kritische Anfragen an die Bundesregierung gerichtet, denn deutsche Waffenlieferungen in Krisengebiete widersprechen den Prinzipien des deutschen Rüstungsexports.
Tatsächlich wirken sie wie Brandbeschleuniger in einem bislang noch schwelenden Feuer.
Nachdem mehrere Medien darüber berichtet haben, dass im jüngsten Kaukasus-Konflikt deutsche Waffen in Georgien eingesetzt wurden, hat die Fraktion erneut eine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet. Ihre Antwort liegt noch nicht vor. Leider können wir uns aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen nur wenig Hoffnung machen, dass die Bundesregierung ihre direkten oder indirekten Waffenlieferungen offenlegt. Wir werden aber diesen Skandal nicht auf sich beruhen lassen.

Zu ihrer dritten Frage: Die Antwort steckt schon im Fragetext. Nein, die Umzingelung Russlands mit Stützpunkten der USA und der NATO dient nicht der Friedenssicherung und auch nicht der Terrorismus-Bekämpfung. Sie stellt eine bedrohliche, ja geradezu aggressive Provokation gegenüber Russland dar und ist Ausdruck der ungezügelten geostrategischen Weltmacht-Interessen der USA, der sich die deutsche Regierung nicht widersetzt. Unsere Fraktion hat schon in der Vergangenheit diese friedensbedrohende Politik verurteilt und wird das auch in Zukunft tun. Als einzige Bundestagsfraktion, die sich konsequent gegen Kriegseinsätze, militärische Interventionen und Waffenexporte wendet, wird DIE LINKE weiterhin mit allen gesellschaftlichen Kräften für eine friedliche Welt kämpfen.

Mit freundlichen Grüßen,

Kornelia Möller
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Frage zum Thema Finanzen
30.09.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Möller,

für die "Rettung" der Hypo Real Estate wurden einfach so schnell mal rd. 35 Milliarden, davon vom Bund allein 26,6 Mrd versprochen (sehr wahrscheinlich eine Ausfallbürgschaft - mit Aussicht auf sichere Inanspruchnahme).

Fragen:
  • was hat den Bund die vorgezogene (halbherzige) Rentenerhöhung gekostet?
  • was ist die Summe der Finanzspritzen zu IKB, SachsenLB, BayernLB und KfW?
  • warum laufen die verursachenden Manager noch frei herum?
  • warum wird nicht sofort das gesamte Privatvermögen dieser Manager konfisziert?
  • wo bleibt die Staatsanwaltschaft, zu ermitteln wegen Wirtschaftsbetrug?
  • wo bleiben die Konsequenzen bei der BaFin - "schlafende Hüter werden nicht gebraucht!"
  • warum müssen Teile der Deutschen Bahn "auf Teufel komm raus" verscherbelt werden, wenn der Bund dann wieder einzuspringen hat, wenn Manager das Unternehmen "ausgelutscht" haben?
  • schafft der Bund mit dem Gesundheitsfond nicht schon wieder eine riesengroße Betrugs- und Korruptionsplattform?
  • was ist Ihnen wichtiger - die Parteilinientreue oder Ihr Gewissen?

In Gewissensentscheidungen hört das Gesetz der Mehrheit auf!

Wichtiger als die Beantwortung meiner Fragen ist, daß Sie im Bundestag Ihren kritischen Menschenverstand nutzen und sich dafür einsetzen, das Wohl des Volkes - und damit auch das Gemeingut zu schützen - mutig und vehement aktiv.

Mit freundlichen Grüßen


Hohenstaufenstr. 9 in 87600 Kaufbeuren
Tel.: 08341-13408
e-mail: j-philipp@gmx.de
Antwort von Kornelia Möller
11Empfehlungen
13.10.2008
Kornelia Möller
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen. Die momentane Krise auf dem Finanzmarkt, deren Ende bei weitem noch nicht abzusehen ist, hat unmittelbare Auswirkungen auf die Länder. Die erwähnte Ausfallbürgschaft des Bundes wird vermutlich noch nicht die letzte Anstrengung sein, die der Staat machen muss, um das Finanzsystem zu retten. Wir von der LINKEN haben immer davor gewarnt, der Wirtschaft erst völlig freie Hand zu lassen, bei auftretenden Problemen aber sofort nach der Staatsfeuerwehr zu rufen, die es nun richten soll.
Zu ihren Fragen im Einzelnen:
  • Die Kosten der Rentenerhöhung für den Staat können Sie aus folgendem Zitat der Bundesregierung entnehmen: "Aufgrund der Rentenanpassung zum 1. Juli 2008 um 1,1 Prozent ergeben sich in der gesetzlichen Rentenversicherung, der Alterssicherung der Landwirte und der Unfallversicherung Mehraufwendungen von insgesamt rd. 1 336 Mio. Euro im Jahr 2008. [...] In den Jahren 2009 bis 2011 ergeben sich ausschließlich aus der Rentenanpassung zum 1. Juli 2008 pro Jahr Mehraufwendungen von insgesamt rd. 2 672 Mio. Euro. [...] Von den genannten Mehraufwendungen werden im Jahr 2008 rd. 72 Mio. Euro und in den Jahren 2009 bis 2011 jährlich rd. 143 Mio. Euro vom Bund getragen. Von den neuen Ländern werden für die Mehraufwendungen der überführten Ansprüche aus Zusatz- und Sonderversorgungssystemen im Jahr 2008 rd. 12 Mio. Euro und in den Jahren 2009 bis 2011 jährlich rd. 24 Mio. Euro erstattet." (Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Rentenanpassung 2008; Bundestagsdrucksache 16/8744)
  • Für die Rettung der IKB wurden ca. 10,7 Mrd. Euro aufgewendet. Die KfW ist eine staatseigene Bank, die zusammen mit dem Bund die Risiken und Zahlungen übernommen hat. Für die Rettung der Landesbanken in Sachsen und Bayern mussten noch einmal mehrere Milliarden aufgewendet werden. Allein die sächsische Landesregierung musste 2,75 Milliarden Euro zugeben.
  • DIE LINKE spricht sich seit Jahren dafür aus, dass Manager für von ihnen verursachte Schäden in angemessenem Umfang haften müssen und dass sie zur Verantwortung gezogen werden können.
  • Die Privatisierung von Staatsunternehmen lehnen wir prinzipiell ab. Öffentliche Güter wie Verkehr, Kommunikation und Wasser gehören nicht in die Hände von Großunternehmen, die daraus ihre Profite ziehen wollen. Speziell zur Bahnprivatisierung haben wir einen Antrag in den Bundestag eingebracht, nachzulesen als Drucksache 16/9306.
  • Auch zum Gesundheitsfonds hat sich die Fraktion DIE LINKE in einem Antrag ablehnend geäußert. (16/10318)
  • Im Falle der Fraktion DIE LINKE fallen Parteilinie und Gewissenstreu, wie Sie das so schön nennen, also in jedem Fall zusammen. Wir setzen uns für die Menschen ein und gegen die Allmacht der Großkonzerne. Als Oppositionspartei tun wir unser Bestes, die sozial ungerechten Vorhaben der Koalition öffentlich und damit andere Ansichten deutlich zu machen. Auch weiterhin werden wir uns für die Menschen im Lande einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Kornelia Möller
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
11.01.2009
Von:

Sehr geehrte Fr. Möller,
ich habe einen Bekannten der Jahre in der Sozialhilfe war u. letztes Jahr in "Hartz IV eigegliedert" wurde. Der Mann ist gesundheitlich mehr als eingeschränkt u. hat einen Zuschuß für kostenaufwendige Ernährung erhalten. Auch bei Hartz IV. Dieser Zuschuß ist ihm jetzt mit dem Verweis auf den deutschen Verein zur Gewährung von Krankenkostzulagen ab den 1.2.09 gestrichen worden (51,13€ im Monat). Ich habe nun versucht in Erfahrung zu bringen ob es da neue Gesetzsesverordungen gibt u. ob dieser Vorgang rechtsmäßig ist. Aber leider ohne Erfolg. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit näheres in Erfahrung zu bringen o. wissen eine Stelle o. jemand bei dem ich nachfragen könnte. Herzlichen Dank. Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Kornelia Möller
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13.01.2009
Kornelia Möller
Sehr geehrte Frau ,

es gibt in der Tat eine neue Stellungnahme des Deutschen Vereins zur Frage der krankheitsbedingten Mehraufwendungen für die Ernährung. Relevant ist dies inbesondere bei Diabetes-Patienten. Diese Empfehlungenen sind zwar rechtlich nicht verbindlich ist, werden aber von den Gerichten ggf. bei der Rechtsanwendung und deren juristischer Bewertung herangezogen. Es bedarf guter Gründen, um von den Empfehlungen des Deutschen Vereins abzuweichen. In dieser Weise verpflichten die Die Durchführungshinweise der Bundesagentur für Arbeit verpflichten die durchführenden Träger auf die Berücksichtigung der Empfehlungen des deutschen Vereins. Von diesen Empfehlungen dürfe nur im Einzelfall unter Beteiligung des ärztlichen Dienstes bzw. des Gesundheitsamts abgewichen werden (Hinweise zu § 21 SGB II).

Wir als Fraktion DIE LINKE im Bundestag lehnen die Senkung der Leistungen ab, die auf den Empfehlungen des Deutschen Vereins beruhen.

Inwieweit die gefällte Entscheidung im Einzelfall den Empfehlungen des Deutschen Vereins tatsächlich entspricht, kann ich auf Grund der unzureichenden Sachkenntnis des Einzelfalls nicht beurteilen. Deshalb sollten Sie sich an eine Beratungsstelle wenden und eingehend informieren.

Nachfragen können Sie beim Deutschen Verein. Kontaktdaten finden sich unter www.deutscher-verein.de. Hier finden sich auch die entsprechenden Empfehlungen. Diese habe ich Ihnen im Anhang zu dieser Mail zukommen lassen.

Die Durchführungshinweise der BA finden Sie unter folgender Internetadresse: www.arbeitsagentur.de

Mit freundlichen Grüßen

Kornelia Möller
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
03.03.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Möller,

da Ihre Partei aus der ehemaligen PDS und somit aus der früheren SED hervorgeht dürfte der Anteil früherer SED-Mitglieder ja doch noch relativ hoch sein. Meine Frage an Sie ist, ob es innerhalb der Linken Erhebungen über den Anteil ehemaliger SED-Mitglieder gibt? Wenn Ihre Partei in der Demokratie der BRD bestehen will, dann sollten Sie auch Vergangenheitsbewältigung betreiben und sich klar von Ihren Wurzeln (der SED) abtrennen, wozu solch eine Erhebung selbstverständlich dienen würde.

Ich hoffe auf eine baldige Antwort und verbleibe mit besten Grüßen,

Antwort von Kornelia Möller
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06.03.2009
Kornelia Möller
Sehr geehrter Herr ,

zunächst vielen Dank für Ihre Frage. Wenn sie provokatorisch gemeint wäre, könnte ich es mir leicht machen und mit einer Gegenfrage antworten: Würden Sie, falls Franz-Josef Strauß noch leben würde, auch ihm eine ähnlich geartete Frage stellen, etwa in der Form: Sehr geehrter Herr Strauß, wie wollen Sie eigentlich Vergangenheitsbewältigung betreiben, wo Sie doch mit dem Generalsekretär der SED, Herrn Honecker, seinerzeit Verhandlungen über Milliardenkredite an die SED-geführte DDR geführt haben, die dazu beigetragen haben, das SED-Regime zu stärken? Und wie soll sich Helmut Kohl verhalten, der für den Generalsekretär der SED, Herrn Honecker bei dessen Besuch in Bonn den roten Teppich ausrollen ließ?

Ich gehe davon aus, dass Ihre Frage nicht provokatorisch gemeint war. Ich möchte Ihnen mitteilen, dass der Anteil ehemaliger Mitglieder der SED in der Linkspartei, also derjenigen, die seit DDR-Zeiten durchgängig Mitglieder der SED und ab 1989 der PDS und seit 2007 Mitglieder der LINKEN sind, fünf Prozent aller Parteimitglieder ausmacht.
Ein Teil ehemaliger Mitglieder der SED ist nach 1989 aus der Partei ausgetreten. Eine ganze Reihe davon ist in den letzten Jahren wieder in die PDS bzw. die LINKE eingetreten. Legt man diese Rechnung zugrunde, so sind es rd. 20 % der heutigen 76 000 Mitglieder der Linken, die aus der SED kommen.

Soweit zur rein quantitativen Entwicklung, die jedoch wenig darüber aussagt, wie sich Vergangenheitsbewältigung vollzogen hat - besser gesagt vielleicht - Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Hierzu muss man sicher mehrere Überlegungen anstellen. Zunächst Ihre Frage nach dem Bestehen in der Demokratie der BRD: Aus meiner Sicht kann die von Ihnen angesprochene "Vergangenheitsbewältigung" nicht heißen, dass ehemalige Mitglieder der SED kein Recht haben, sich in den politischen Parteien der Bundesrepublik zu engagieren. Sie haben dieses Recht wie jeder andere Bürger laut unserem Grundgesetz. Und sie tun es im Übrigen auch in anderen Parteien der Bundesrepublik, wie der SPD oder der CDU. Genauso wie sich viele ehemalige Mitglieder der CDU und der Bauernpartei der DDR in der CDU der Bundesrepublik politisch engagieren.

Was die "Abtrennung von den Wurzeln der SED" angeht, so kann ich Ihnen versichern - und Sie können es im Übrigen auch selbst nachvollziehen, wenn Sie sich intensiver mit den Parteitagen der PDS von 1989 bis 1993 und den dabei geführten Debatten über die Vergangenheit und die Fehler der SED beschäftigen - dass keine der ehemaligen Parteien der DDR eine so intensive und gründliche Auseinandersetzung mit ihren Wurzeln, ihrer Herkunft und auch ihren Fehlern und Irrtümern geführt hat, wie die PDS/Die LINKE. Dazu wurden entsprechende Beschlüsse gefasst, die Leitlinie für das Handeln aller Mitglieder der Partei sind.
Inzwischen ist vielen Menschen in Deutschland deutlich geworden, dass die PDS und nun die LINKE die wesentliche Partei geworden ist, die sich für soziale Gerechtigkeit und Friedenspolitik einsetzt - einschließlich derer, die aus der SED kommen. Das widerspiegelt sich auch in den Ergebnissen der LINKEN bei Bundestags- und Landtagswahlen in den letzten Jahren - inzwischen auch in den alten Bundesländern, wie Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Hessen.
Die LINKE ist längst zum Garanten für Demokratie, für die Achtung des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung geworden.
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