Sehr geehrter Herr

,
vielen Dank für diese Frage. Leider ist sie nicht so einfach zu beantworten. Ich versuche mich trotzdem kurz zu fassen. Mir sind die Vorstellungen von Herrn Czisch aus Kassel bekannt. Schon öfter habe ich mit ihm kontrovers debattiert. Während er für "große überregionale Lösungen" plädiert bin ich eher ein Verfechter von ortsnahen, dezentralen Lösungen. Dezentrale kleine Lösungen haben den Vorteil, dass sie den Transport der Energie verbilligen. Das schießt eine intelligentes Verbundsystem nicht aus. Entscheidend aber ist, dass sich der Verbraucher/innen mit den Problemen eine ortsgerechten Erzeugung in demokratischer Art auseinandersetzen kann und muss. Außerdem merkt er oder sie, dass eine rationelle und sparsame Nutzung der Energie immer nötiger wird. Im übrigen ist sie im Zweifelsfall ( Krisenfall) sicherer. Dass diese funktioniert, rechnen ihnen die Techniker von SMA in Kassel für kleinere Einheiten, Dörfer und kleine Städte, auch aus. Selbstverständlich werden Industriegebiete oder große Städte nicht die gesamte benötigte Energie in unmittelbarer Nähe erzeugen können, deshalb werden lokale als auch weiter entfernter Gebiete zur Erzeugung der Energie benötigt werden. Leider wird auch der Landschaftsverbrauch dadurch erhöht. Dies aber Muss in Zukunft auch gegen andere Formen und Inhalte der Produktion abgewogen werden. Unser extremer Verbrauch von materiellen Gütern und damit auch der Stromverbrauch wird in Zukunft nicht mehr machbar sein, wenn wir eine lebensgerechte Umwelt erhalten wollen. Hier kommt es als immer darauf an, was wollen die Betroffenen. Leider ist es zur Zeit so, dass bei der Energieerzeugung die Profiterträge der Strommonopole einer zukunftsfähigen Lösung im Wege stehen. Sie verdienen dann am meisten, wenn viel verbraucht wird, deswegen kämpft die Linke auch für eine demokratische Kontrolle der Konzerne. Die Atomstromerzeugung gehört schon lange auf die Müllhalde der Geschichte Sie war sehr teuer und wird noch sehr teuer.
Aber nun zu einem weiteren Argument gegen ferne zentrale Stromerzeugung.
Stellen sie sich vor sie sind Lappe in Norwegen, und ihnen wird ein Staudamm in ihre Landschaft gebaut, oder Fischer und Bauer an der französischen und englischen Küste, oder marokkanischer Hotelier und ihnen wird ein Windpark vor die Tür gestellt oder der Rentierzüchter in die Taiga, oder der Dorfbewohner in Südspanien, dem die Landschaft verspiegelt wird. usw. . Sie würden, glaube ich, genauso wie die Einheimischen reagieren, und wie viele Bewohner des Wolfhager Landes, die sich gegen den Aufbau von Windrädern auf bewaldetet Kuppen wehren. Es ist unverantwortlich, anderen mit gigantischen Anlagen was auf Auge zu drücken, was man bei sich selbst nicht haben will. Dies würde darauf hinauslaufen unseren Wohlstand auf Kosten von anderen zu erhalten. Dies ist nichts anderes als neue koloniale Ausbeutung, die nicht nur ungerecht ist, sondern auch den Widerstand der Betroffenen hervorrufen wird. Erfahrungsgemäß haben bei jeder Ausbeutung des Landes, die ummittelbar Betroffenen immer den Kürzeren gezogen. Ich denke, wir müssen uns weiterhin intelligente lokale Lösungen aus denken, die einen Energiemix aus regionalen Möglichkeiten darstellen, die aber einen reellen Tausch von Energie gegen lokale Güter mit nicht all zu weit entfernten Nachbar nicht ausschließt. Dies ist ein Teil der Schaffung von sozialer Gerechtigkeit weltweit.
Ganz konkret ist bin ich gegen die Aufstellung von Windkraftmonstern in unserer schönen nordhessischen Landschaft, da es hier noch andere Lösungen der regenerativen Energieerzeugung gibt.
Mit freundlichen Grüssen
Klaus Albrecht