Kersten Artus (DIE LINKE)
Kandidatin Bürgerschaftswahl Hamburg 2008
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Kersten Artus
Jahrgang
1964
Berufliche Qualifikation
Verlagskaufffrau, Journalistin
Ausgeübte Tätigkeit
Redakteurin, Bauer Verlagsgruppe
Wohnort
-
Wahlkreis
Rotherbaum - Harvestehude - Eimsbüttel-Ost , Listenplatz 2, Stimmen (Wahlkreis): 1.533, 2,1%
Landeslistenplatz
5, über Liste eingezogen
(...) Hätten allerdings alle Betriebe - große wie kleine - auf Personalkosteneben gleiche Bedingungen, nämlich den gesetzlichen Mindestlohn, könnte über die Gehälter kein Preiskampf ausgefochten werden. Die Linke setzt sich daher für einen gesetzlichen Mindestlohn ein. (...)
 
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Frage zum Thema Gesundheit / Verbraucherschutz
19.02.2008
Von:

Soll es Ausnahmeregelungen beim Nichtraucherschutz z.B. für kleine Eckkneipen geben?
Antwort von Kersten Artus
8Empfehlungen
19.02.2008
Kersten Artus
Lieber ,

Wer raucht, entscheidet nicht frei, ob er aufhört oder nicht, denn er ist süchtig - dies vorweg. Vielen Dank für Ihre Frage. Die Linke wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach ihrem Einzug in die Bürgerschaft für den Beibehalt des Nichtraucherschutzgesetzes auch in kleinen Eckkneipen aussprechen. Es gibt zwar keinen Parteibeschluss zu diesem konkreten Thema, aber Gesundheitsschutz genießt bei uns die höchste Priorität - und steht über wirtschaftlichen Interessen, sowohl denen der Zigarettenindustrie wie auch denen den Gastronomen und auch denen des Staates, der ja Unmengen von Steuern durch das Rauchen kassiert.

Viele nikotinabhängige Menschen haben das Rauchverbot, das seit Anfang des Jahres in Hamburg gilt, genutzt, um endlich von ihrer Sucht loszukommen - ich inklusive! Vielen "trockenen" Raucher/-innen wird es durch das Verbot leichter fallen, nicht mehr zum Glimmstängel zu greifen, weil sie in einer Kneipe oder in einem Restaurant nicht mehr dazu verführt werden. Ein Glas Wein, so machen viele die Erfahrung, schmeckt sogar noch besser ohne Zigarette - weil die Geschmackssensibilität wieder größer wird, wenn man nicht mehr raucht. Das ist auch meine persönliche Erfahrung.

Wer noch raucht - ob aus Prinzip oder weil er gegen die Sucht nicht ankommt, befriedigt sein Bedürfnis seit Anfang des Jahres vor der Tür. Das geht nach meiner Kenntnis ohne Probleme. Viele Raucher/-innen schätzen es zudem ebenfalls, nicht mehr in vollgequalmten Kneipen sitzen zu müssen, um Geselligkeit erleben zu können. Ich gebe zudem zu bedenken, dass viele Menschen deswegen nicht in Kneipen gehen, weil die Luft in der Regel durch den Zigarettenqualm toxisch belastet und damit gesundheits gefährdend ist.

Ich bin unschlüssig, ob der Nichtraucherschutz die Existenz von kleinen Eckkneipen gefährdet. Fakt ist, dass es vielen Kleingastronomen seit langem nicht gut geht. Die liegt vor allem daran, dass sich viele Menschen aufgrund ihrer sozialen Lage keine regelmäßigen Kneipenbesuche mehr leisten können. Wer will letztendlich genau beurteilen, ob eine eventuelle "Pleite" am Rauchverbot oder an einer schon vorher vorhandenen Flaute liegt? Die kleinen Gastronomen wären aus meiner Sicht gut beraten, wenn sie um neue Kunden/-innen werben anstatt vor Gericht zu ziehen um das Nichtraucherschutzgesetz wieder zu kippen.

Nachgewiesen ist, dass circa 80 Prozent aller Raucher/-innen nikotinabhängig sind. Nikotin verursacht eine Art Gehirnwäsche. Nikotin ist nach Kokain das stärkste Suchtgift. Ich möchte niemandem seine Objektivität und Meinungsfreiheit streitig machen, aber die Erkenntnisse über das Suchtmittel Nikotin lassen durchaus den Rückschluss zu, dass der freie Wille durch die Wirkung des Giftes erheblich eingeschränkt ist. Dass die FDP mobil macht für "Freiheit für Raucher" finde ich in Anbetracht der medizinischen Erkenntnisse über die Folgen des Rauchens fahrlässig. Das ist aus meiner Sicht eine reine Stimmenfangmethode. Mit diesem Ticket in die Bürgerschaft einzuziehen, ist impertinent.

Mit freundlichen Grüßen

Kersten Artus
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Frage zum Thema Innere Sicherheit und Justiz
19.02.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Artus,
sie hatten sich schon zur Frage des Rauchens geäußert. Doch das erschien mir unbefriedigend, da sie nur auf medizinische Probleme eingegangen sind. Mir stellt sich hingegen die Frage, ob das Rauchverbot nicht eher ideologische und ordnungspolitische Gründe hat? So wie das anngestrebte Alkoholverbot auf Straßen, das Herausdrängen von Bettlern etc. Denn sonst würde man sich ja die Frage stellen, warum Autos oder Handys, sie sind viel gesundheitsschädlicher, weiterhin erlaubt sind? Reiche Leute gründen sich einen Club und rauchen dort. Uns hingegen, die wir auf kleine Eckkneipen angewiesen sind, soll dieser Genuss verwehrt bleiben. Es wäre jederzeit möglich auch Nichtraucherkneipen zu gründen, meinetwegen auch steuerlich bevorzugt, als nun einfach zu verbieten. Das Rauchverbot kommt wie mancher moderner Quatsch nicht umsonst aus den USA. Es entspricht m.E. einem bestimmten Zeitgeist, der auf sichtbare Sauberkeit setzt, aber das Problem nicht wirklich angeht. Dann wären Hilfsprogramme für Raucher erforderlich. Die Linke tritt dafür ein, habe ich gelesen, Canabis-Konsumenten nicht zu kriminalisieren. Das Rauchverbot führt aber zu einer Kriminalisierung, denn wer die Bußgelder nicht bezahlt oder nicht bezahlen kann bzw. nicht will, wird angeklagt.
Und bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Passivrauchen, denn dann müssten sie auch ein Handyverbot im öffentlichen Raum fordern. Die Gesundheitsschädigung über die Strahlen ist erwiesener Maßen mindestens genauso stark. Also ich verstehe ihre Position nicht und sehe darin nur ein Eingehen auf den Zeitgeist, letztlich aus wahltaktischen Gründen. Doch gerade Linke waren doch aus guten Grund auch immer sehr genussfreudige Menschen.
Freundliche Grüße,
Antwort von Kersten Artus
8Empfehlungen
20.02.2008
Kersten Artus
Sehr geehrter ,

Ich kann mich damit abfinden, dass sie meine Antwort unbefriedigend finde und bedaure, dass Sie sie nicht verstehen. Sie scheinen aber etwas zu verwechseln: Wir sind nicht gegen Eckkneipen, Sie können und sollen dort gern weiterhin Geselligkeit genießen. Ich finde es fragwürdig, den Nichtraucherschutz mit der Stigmatisierung von Obdachlosen gleichzusetzen, da ideologisieren Sie das Thema.

Natürlich habe ich beim Nichtraucherschutz die gesundheitlichen Aspekte in den Vordergrund gehoben, darum geht es schließlich - ich habe mich dabei noch sehr zurückgehalten.

Würde mit dem Nichtraucherschutzgesetz ein Verbot der Zigarettenproduktion einhergehen, deren Vertrieb und Verkauf, wäre an Ihrer Argumentation was dran. Das ist aber nicht so. Jede/r darf weiterqualmen, Sie bekommen Zigaretten an jeder Ecke. Ich sehe daher keine Kriminalisierung von Rauchern/-innen - dies ist ein blasser Vorwurf.

Für ein Hilfsprogramm für ausstiegswillige Raucher/-innen bin ich auf jeden Fall. Der Betrieb in dem ich arbeite, bietet auf meine Initiative demnächst Nichtrauchertrainings an.

Dass ich auf einen Zeitgeist eingehe, war mir nicht klar. Herr Schüler schien mir ganz real.

Vielleicht haben Sie Lust, heute Abend in der Fabrik mit die Wahlabschlussveranstaltung der LINKE.HAMBURG mit Gregor Gysi und Oskar Lafontaine zu erleben - rauchfrei und in bester Stimmung. Denn da haben Sie Recht: Wir feiern gern.

Mit freundlichen Grüßen nach Wilhelmsburg

Kersten Artus
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