Katja Kipping (DIE LINKE)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Katja Kipping
Jahrgang
1978
Berufliche Qualifikation
Literaturwissenschaftlerin M.A.
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Dresden I
Landeslistenplatz
1, über Liste eingezogen, Sachsen
weitere Profile
(...) Zudem ist das Krankenversicherungssystem insgesamt nicht ausreichend in der Lage, die Anbieterdominanz von Pharmakonzernen, Krankenhäusern und Ärzten zurückzudrängen. Die Ökonomisierung der Gesundheitspolitik stellt spätestens seit den 90er Jahren die Grundlagen des solidarischen und sozialen Systems in Frage. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
06.01.2009
Von:
Eck

Guten Tag, Katja Kipping,

das Hartz4System bedeutet für Millionen Bürger nicht nur Armut per Gesetz, sondern Verlust von Bürgerrechten wie Datenschutz, Recht auf Privatsphäre, Mitbestimmungsrechten, Verlust von Selbstwertgefühl und Menschenwürde.

Wenn die Linken Hartz4Gesetze zunehmend befürworten, bliebe Millionen Bürgern als Oppositionspartei nur die NPD.

Was macht das für einen Sinn, Bürgern inhaltlich keine Wahl zwischen SPD/Hartz4 und Linken/schikanefreie Grundsicherung anzubieten?

Freundliche Grüße Eck
Antwort von Katja Kipping
7Empfehlungen
13.01.2009
Katja Kipping
Sehr geehrte Frau Eck,

Ihrer Einschätzung von Hartz IV kann ich voll zustimmen.

Die Fraktion DIE LINKE. diskutiert gerade ein Grundsicherungskonzept, welches Hartz IV überwinden soll. Wie Sie sicher wissen, streite ich für eine repressions- (also auch sanktionsfreie) und Armut bekämpfende Grundsicherung, die jeder und jedem ohne Anrechnung von PartnerInneneinkommen im Bedarfsfall zusteht.

Darüber hinaus setze ich mich sowohl in meiner Partei als auch in der Öffentlichkeit für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Menschen ein. Ein Konzept dafür können Sie bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen in und bei der Partei DIE LINKE. unter www.die-linke-grundeinkommen.de nachlesen.

Mit freundlichen Grüßen
Katja Kipping
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
11.01.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Kipping,

zum Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Sozialgerichtsgesetzes und des Arbeitsgerichtsgesetzes habe ich eine Frage.

Bei der Anhörung vor dem Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales, dessen Mitglied Sie sind, hat der Sozialverband VdK Deutschland zum Entwurf des Gesetzes zur Änderung des Sozialgerichtsgesetzes u.a. folgendes ausgeführt:

"…Gewahrt bleiben muss deshalb für den Bürger insbesondere der niederschwellige kostenfreie Zugang zum Sozialgericht, die zulassungsfreie Beibehaltung von zwei Tatsacheninstanzen und eine größtmögliche Waffengleichheit gegen Verwaltungsträger, die an personellen, materiellen und finanziellen Ressourcen überlegen und im Hinblick auf vorgegebene Einsparungsziele in den Haushalten in ihren Entscheidungen nicht unabhängig sind. …"

Diese Forderung des VdK finde ich äußerst wichtig, da ich selbst erleben muss, wie chancenlos ich als einzelner Bürger gegenüber der spezialisierten Verwaltung bei immer komplizierteren und unüberschaubaren Rechtsnormen bin. Da werden trickreich hinter dem unüberschaubaren Geflecht der Rechtsnormen vorgegebene Einsparungsziele rechtswidrig durchgesetzt. Dokumentiert habe ich das in meinem Blog. Gerne übermittle ich Ihnen die Internetadresse dazu.

Unterstützen Sie die von mir zitierte Forderung des VdK Deutschland?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Katja Kipping
8Empfehlungen
13.01.2009
Katja Kipping
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Sie beziehen sich sicher auf die Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales zur Bundestagsdrucksache 16/7716 - "Entwurf eines Gesetzes für Änderung des Sozialgerichtsgesetz und des Arbeitsgerichtsgesetzes", die zu Beginn des letzten Jahres stattgefunden hat. Die von Ihnen dazu zitierte Auffassung des VdK teilen wir. Zum Entwurf wäre im Nachgang aus unserer Sicht noch zu bemerken, dass die Forderung nach einer Gebührenerhebung vor den Sozialgerichten zu recht nicht in dem Gesetzentwurf auftaucht; dies sollte auch in Zukunft unterlassen werden. Als Hauptursachen für den Anstieg der Verfahren sind die Einführung von Hartz IV sowie die konkrete Umsetzung durch teilweise nicht ausreichend qualifizierte MitarbeiterInnen zu nennen. Hier gilt es aus Sicht der Fraktion DIE LINKE. anzusetzen: Reform/Überwindung von Hartz IV sowie Weiterbildung des Personals. Die Belastung der Sozialgerichte darf keinesfalls dazu führen, dass Verfahrensrechte beschnitten oder verkürzt werden. Immerhin ein Drittel der Klagen ist zumindest teilweise erfolgreich gewesen; der Großteil der Betroffenen wehrt sich also zu Recht (so z.B. Meldung von reuters am 06.10.2007).

Die Kritikpunkte meiner Fraktion am Gesetzentwurf im Rahmen der genannten Anhörung waren besonders die folgenden:
  • erhöhte formale Anforderungen für eine Klage
  • Fiktion der Klagerücknahme; "Präklusion" - d.h. Nichtberücksichtigung verspäteten Vorbringens, z.B. Fristversäumnis
  • Erschwerung der Berufungsmöglichkeit
  • Ausschluss der Beschwerdemöglichkeit bei Prozesskostenhilfeverfahren soweit es um die wirtschaftlichen Verhältnisse geht
  • Erschwerung der Einbeziehung von weiteren Bescheiden in das Gerichtsverfahren - dadurch werden potenziell neue Verfahren notwendig...

Im Anhang finden Sie zu Ihrer Information die Beschlussempfehlung des Ausschusses für Arbeit und Soziales zum o.g. Gesetzentwurf, in der Sie u.a. die Kernpunkte der Anhörung sowie auch die Meinungen aller Fraktionen noch einmal in vergleichsweise kompakter Form nachlesen können.

Mit freundlichen Grüßen
Katja Kipping
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Frage zum Thema Soziales
21.01.2009
Von:

Sehr geehrete Frau Kipping,

Als Partei dieLinke fordern wir weg mit HartzIV. Mir ist aber nicht klar was wir statt dessen fordern.

Also was fordern wir? Oder wie ist unsere Positiv Forderung?

Die Forderung nach einem Mindestlohn reicht mir einfach nicht aus. Diese Forderung ist zwar wichtig, hilft aber jemandem der Erwerbslos ist nicht wirklich weiter.
Wieso Fordern wir also nicht ein Bedingungsloses Grundeinkommen oder von mir aus auch ein Grundeinkommen das an Bedingungen geknüpft ist. Sofern diese keine represalien wie bei den derzeitigen Hartz IV Gesetzen sind.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Katja Kipping
10Empfehlungen
26.01.2009
Katja Kipping
Sehr geehrte Frau ,

die Linkspartei beschränkt sich wahrlich nicht nur auf die Forderung nach einem Mindestlohn, wenn es um eine Überwindung von Hartz IV geht. Wir haben viele weitere Initiativen eingebracht. So kämpfen wir kurzfristig z.B. für einen höheren Regelsatz von 435 Euro. Dies kann aber nur ein allererster Schritt in Richtung einer repressionsfreien Grundsicherung sein. Im Moment diskutieren gerade die Bundestagsfraktion und die Partei, wie diese genau ausgestaltet sein soll.

Sie plädieren ja für ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Es freut mich ja immer besonders, wenn ich auf weitere BGE-Anhänger/innen treffe. Womöglich ist Ihnen schon bekannt, dass ich mich persönlich sehr für diese Idee engagiere. So habe ich u.a. vor einigen Jahren das parteiunabhängige Netzwerk Grundeinkommen mitgegründet. Falls Sie mehr darüber wissen wollen: www.grundeinkommen.de Auch werde ich im Februar bei ECON ein Buch veröffentlichen, in dem ich u.a. über das BGE als Demokratiepauschale schreibe.

Kennen Sie schon die Bundesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen in und bei der Partei DIE LINKE.? Unter www.die-linke-bag-grundeinkommen.de finden Sie viele Informationen.

Allerdings ist innerhalb der gesamten Partei umstritten, ob das BGE DIE Alternative zu Hartz IV ist oder nicht - das wäre noch zu diskutieren. So steht in den programmatischen Eckpunkten:

"Die vorgelegten "Programmatischen Eckpunkte" sind in einem intensiven Diskussionsprozess innerhalb der Gemeinsamen Programmgruppe von Linkspartei.PDS und WASG entstanden. Vielfältige Bemerkungen, Hinweise und Vorschläge aus beiden Parteien wurden in die Erarbeitung einbezogen. [...] Zugleich zeigt sich, dass eine Reihe von Problemen und Fragen weiter diskutiert und Antworten gefunden werden müssen. Als Anregung für die folgenden Debatten zur Programmatik der neuen linken Partei seien einige Fragen benannt:

[...]
* Ist es ausreichend, eine bedarfsorientierte soziale Grundsicherung für Menschen in sozialer Not zu fordern, oder ist ein bedingungsloses individuelles Grundeinkommen als Rechtsanspruch für alle Bürgerinnen und Bürger zu verlangen?
[...]"

Mit freundlichen Grüßen
Katja Kipping
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Frage zum Thema Soziales
23.01.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Kipping,
aktuell läuft eine Unterschriftenaktion (Petition) für ein Grundeinkommen,eingereicht von Susanne ,nach dem Modell von G.Werner.
Mir ist der Begründungstext für diese Petition ein wenig zu kurz gefasst.
Eine zweite Petition ging an das Europaparlament .
Was denken sie über diese Petitionen?
Ich denke es ist gut,daß mal ein bischen (Massen)-Bewegung in die Sache kommt und dieses Thema breiter diskutiert wird.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Katja Kipping
13Empfehlungen
18.07.2009
Katja Kipping
Sehr geehrter Herr ,

falls Sie die Diskussionen in den letzten Jahren verfolgt haben, so wissen Sie sicher, dass ich alle Initiativen, die in Richtung eines die Existenz sichernden und Teilhabe ermöglichenden bedingungslosen Grundeinkommens gehen, begrüße. So natürlich auch die Petition von Susanne Wiest (mittlerweile durfte ich Frau Wiest auch persönlich kennen lernen). Übrigens - auch wenn die für eine öffentliche Anhörung erforderliche Stimmenzahl bei dieser Petition nicht im vorgeschriebenen Zeitraum zusammen gekommen ist - unterstützt meine Fraktion die Forderung nach einer öffentlichen Anhörung nachdrücklich. Frau Wiest hat sich allerdings für ein Modell - nach Götz Werner - ausgesprochen, diesen ganz konkreten Ansatz teile ich inhaltlich nicht. Ich unterstütze die Vorstellungen der BAG Grundeinkommen in und bei der Partei DIE LINKE. Zudem vertrete ich nach wie vor den Standpunkt, dass dem bedingungslosen Grundeinkommen nur in einer breiten gesellschaftlichen Debatte und im Bündnis mit verschiedenen sozialen Akteuren zum Durchbruch verholfen werden kann.

Mit freundlichen Grüßen
Katja Kipping
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Frage zum Thema Arbeit
27.01.2009
Von:

Liebe Frau Kipping

in einer Antwort hier ( abgeordnetenwatch.de ) haben Sie einige kostenintensive Vorschläge gemacht, bei der sich mir die Frage der Finanzierung stellt. So fordern Sie die Erhöhung des Hartz IV-Satzes und ein Grundeinkommen. Welche Höhe sollen dies haben und wie wollen Sie dies unter Berücksichtigung der bereits jetzt sehr hohen Staatsverschuldung finanzieren?

Herzlichst
C.
Antwort von Katja Kipping
12Empfehlungen
27.01.2009
Katja Kipping
Sehr geehrte Frau ,

einen Finanzierungsvorschlag für das Grundeinkommen finden Sie unter www.die-linke-grundeinkommen.de Diese Finanzierung beinhaltet natürlich eine Umverteilung von oben nach unten. Mehr dazu finden Sie auch in der vergleichenden Darstellung von Grundeinkommenskonzepten unter www.grundeinkommen.de dort auf Seite 15 und 16.

Grundeinkommenskonzepte verlangen zudem keine höhere Staatsverschuldung. Aus meiner Sicht sind Staatschulden per se auch nichts schlechtes, wenn es darum geht, dringende Ausgaben und Investitionen vorzunehmen. Sie müssen aber natürlich schnell abgebaut werden. Dazu bedarf es einer von oben nach unten umverteilenden Steuerpolitik, von der wir aber aktuell in Deutschland weit entfernt sind.

Grundsicherungen als auch Grundeinkommen müssen - wollen sie menschen- und grundrechtlichen Standards entsprechen und die Existenz sichern sowie gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen - sich in etwa an der Armutsrisikogrenze (zwischen 800 und 1.000 ?)orientieren. Diese Ableitung der Höhe muss durch einen fiktiven Warenkorb abgesichert werden, in dem sich alle Güter und Dienstleistungen befinden, die zur Sicherung der Existenz und der gesellschaftlichen Teilhabe benötigt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Katja Kipping
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