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Sehr geehrte Frau Kipping,
ich kann die Forderung nach dem Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan und die Argumentation der PDS-Broschüre gut nachvollziehen. Ich bin jedoch enttäuscht, dass Ihre Partei nicht die Öffentlichkeit bzw. demogratische Plattform findet, die Frage nach der Perspektive des Militäreinsatzes klar und laut zu stellen. Denn es ist eine zentrale Frage für unsere Zukunft in Deutschland.
Ich sehe insofern Parallelen zum Irak, dass die Frage nach dem "Danach" - nach dem Militär - in den USA wie auch in Europa nicht beantwortet wird. Die Außenpolitik lässt sich treiben in Notwendigkeiten, die es nun einmal gibt, wenn man einen Krieg anfängt. Jenseits der bloßen Reaktionen auf Aggressionen erkenne ich keine Idee, geschweige den Ansatz der diplomatischen Arbeit. Diplomatie heißt im Krieg übrigens mit dem Gegner sprechen, und wenn der Gegner die Taliban sind und wenn der Gegner Terroristen sind, dann muss wohl mit Ihnen gesprochen werden.
Die Situation ist so einfach, so schrecklich und so vorhersehbar katastrophal für uns und die anderen. Die vernünftigen und umsichtigen Stimmen müssen viel, viel zwingender erscheinen, viel präsenter. Daher finde ich die Aufmachung der Broschüre gemessen an dem Problem, das wir haben, lächerlich. Ich weiß nicht ob in Afghanistan mehr Kinder, Frauen oder Männer sterben - sicher wissen Sie das, sicher wissen Sie auch mehr über Frauenrechte in Zentralasien. Aber ist denn das jetzt entscheidend? Muss ich mir wieder Parolen anhören. Überall höre ich Parolen, ich kann´s nicht mehr hören. Und Geschichten vom Imperialismus, Kolonialismus, Kapitalismus will niemand mehr hören. Einfach argumentieren, einfach überzeugen!
Wenn Sie mir sagen, wie Sie den Krieg in Afghanistan anhalten und wie Sie alles dafür tun, dann wähle ich Sie beim nächsten Mal.
Viele Grüße