Julia Schramm (Piratenpartei)
Kandidatin Landtagswahl NRW 2010
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Julia Schramm
Geburtstag
30.09.1985
Berufliche Qualifikation
Studentin
Ausgeübte Tätigkeit
Studentin/Hilfswissenschaftler im Haus der Geschichte
Wohnort
Bonn
Wahlkreis
Bonn II
Ergebnis
2,1%
Landeslistenplatz
keinen
(...) Dies kann nicht im Sinne eines (wenn auch defizitär) funktionierenden Gemeinwesens sein! Vielmehr denke ich, dass wir den politisch bereits aktiven und engagierten Teil der Bevölkerung verstärkt in die Entscheidungsprozesse mit einbeziehen müssen. (...)
 
Fragen an Julia Schramm
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
10.03.2010
Von:

Sehr geehrter Frau Schramm,

Da die Bildung für mich einer der interessantesten und wichtigsten Punkte ist, bitte ich Sie, mir einen Einblick in Ihre Bildungspolitik zu gestatten.
Was ist ihre Meinung zu der verkürzten Oberstufe?
Wie stehen sie zu den Studiengebühren in NRW?

Mit freundlichen Grüßen

N. A.
Antwort von Julia Schramm
30Empfehlungen
11.03.2010
Julia Schramm
Lieber ,

Bildung ist das wohl wichtigste Gut in unserer Gesellschaft. Bildung, also die Möglichkeit etwas in sich zu bilden, darf nicht zur bloßen Ausbildung, zum Mittel, degradiert werden, sondern muss ohne Zweck der Entfaltung jedes einzelnen zur Verfügung gestellt werden: "Das wichtigste Resultat aller Bildung ist die Selbsterkenntnis.” (Ernst von Feuchtersleben)

Was wir aber momentan beobachten können, ist die massive "Verwirtschaftung" der Bildung: Sei es nun die Schüler schneller durch das Abitur zu bringen - ich würde es eher prügeln nennen - die krampfhafte Verkürzung der Studienzeiten oder auch Studiengebühren. Humboldt haben wir begraben, statt dessen wird Bildung immer mehr zur Fließbandproduktion für die Wirtschaft.

Studiengebühren halte ich für eine Katastrophe - vor allem, weil sich das Land aus der Finanzierung Stück für Stück herauszuwinden versucht. Sozial Schwachen wird der Zugang zur Universität weiter erschwert, da sie sich verschulden müssen bzw. mehr arbeiten müssen, was bei den straffen Bachelor-Studienplänen nicht leistbar ist. Unser selektives Bildungssystem vergeudet fahrlässig geistiges Potential, was sich ein Know-How-Land wie Deutschland nicht leisten kann!

"Meine" Bildungspolitik entspricht eigentlich 1:1 dem Programm der Piratenpartei. Schlüssel ist hierbei ein Modul-System. Statt in starren Klassen, soll jeder Schüler nach seinem Können lernen - individualisiert für jedes Fach. Gibt es doch oft Schüler, die in Mathe unterfordert, dafür in Deutsch überfordert sind, und andersherum. Es macht wenig Sinn Leistung nivellieren zu wollen. Vielfalt und Flexibilität müssen hierbei im Vordergrund stehen. Das Auflösen des 3-gliedrigen Schulsystems, das ich für falsch und ungerecht halte, wäre hierbei auch mit inbegriffen.

Ich hoffe, dass ich die Fragen zufriedenstellend beantworten konnte und einen Einblick in meine Vorstellung von Bildung geben konnte!

Mit besten Grüßen,
Julia Schramm
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Frage zum Thema Gesundheit
13.03.2010
Von:

Liebe Julia Schramm,

ich finde es gut, dass Sie sich hier den Fragen Ihrer potentiellen Wählerinnen und Wähler und anderer interessierter Bürger stellen. Nun habe ich mit Interesse den Punkt Drogenpolitik in Ihrem Wahlprogramm gelesen, den ich hier gefunden habe: wiki.piratenpartei.de (Falls Sie übrigens einen Link zur endgültigen Version haben, würde ich mich freuen.) Darin steht, dass die Piraten die Freigabe von Cannabis zu medizinischen Zwecken fordern. Nun ist es ja so, dass andere Parteien wie die Linkspartei und die Grünen, in geringerem Rahmen auch die Jungen Liberalen, die Freigabe von geringen Mengen von Cannabis zum Eigenkonsum fordern, um die Entkriminalisierung von leichten Drogen voranzutreiben. Nun meine Frage:

Machen die nordrhein-westfälischen Piraten da nicht bei einer an sich sinnvollen Sache auf halbem Wege Stopp? Für eine libertäre Partei sollte es doch eigentlich selbstverständlich sein, dass man sich für die Legalisierung leichter Drogen einsetzt, die ja auch häufig genug Ursache für Hausdurchsuchungen sind. Wie kommt es, dass andere Parteien sich in dieser Frage liberaler äußern als die Piraten? Über eine kurze Erläuterung würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Julia Schramm
24Empfehlungen
14.03.2010
Julia Schramm
Lieber ,

danke für ihre Frage. Ich persönlich halte die Legalisierung von "weichen" Drogen für richtig und notwendig. Neben den finanziellen Aspekten (Entlastung der Justiz/Polizei, Steuereinnahmen für den Staat) denke ich, dass eine Reihe weiterer Vorteile mit einer Entkriminalisierung von Mengen, die dem Eigenkonsum entsprechen, zu beachten ist:

Ist die Möglichkeit gegeben Cannabis abseits des Schwarzmarktes zu erwerben wird die Gefahr als Cannabiskonsument mit "harten" Drogen konfrontiert zu werden drastisch reduziert. Einer Entkriminalisierung des Erwerbs (der Konsum ist ja sowieso nicht strafbar!) würde so eine Entkriminalisierung des Umfeldes folgen. Cannabis wäre somit lediglich eine "Einstiegsdroge", wie es Alkohol auch ist. Darüber hinaus könnte endlich eine Enttabuisierung stattfinden, da eine Tabuisierung unterm Strich nur zu einer Verharmlosung führt. Indem Cannabis-Konsum mit dem Konsum von "harten" Drogen gleichgesetzt wird, aber in der Realität eben nicht dieser Einordnung entspricht und zahlreicher und offener konsumiert wird, bekommen junge Menschen ein falsches Bild vermittelt. Sie konsumieren sorgloser Cannabis und merken zu spät welche, vor allem psychischen, Folgewirkungen der Konsum haben kann bzw. hat. Angesichts der Zahl von Cannabiskonsumenten (1/4 der deutschen Bevölkerung hat Erfahrung mit Cannabis, 31% der 12-25 jährigen haben Cannabis bereits konsumiert, davon circa 13% regelmäßig), kann man schwer von einer Minderheit sprechen. Eine ausgewogene, differenzierte Debatte über die Gefahren und den Konsum, aber auch den Reiz von Cannabis ist dringend notwendig!

Die Piratenpartei NRW hat sich auf ihrer Mitgliederversammlung zum Parteiprogramm gegen eine umfassende Legalisierung ausgesprochen. Das muss ich akzeptieren, auch wenn meine eigene Meinung, wie oben angeführt, über eine rein medizinisch orientierte Legalisierung hinausgeht. Ich bedauere die Entscheidung der Landesmitgliederversammlung und werde mich für eine Entkriminalisierung von Eigenkonsum weiterhin einsetzen. Da die Piratenpartei sich aber als evolutionäre Partei versteht, haben sich die Mitglieder zunächst für eine "gesellschaftsverträgliche", pragmatische Legalisierung entschieden, wahrscheinlich auch um dem Etikett "Spaßpartei" nicht zum Opfer zu fallen.

Beste Grüße,
Julia Schramm
Ergänzung vom 15.03.2010
Leider ist mir in meiner Antwort an ein Fehler unterlaufen: Der Antrag für eine umfassende Liberalisierung wurde zum letzten Parteitag nicht fertig, so dass auch nicht über einen Antrag abgestimmt werden konnte. Unsere Arbeitsgemeinschaften und Arbeitskreise zum Thema Drogenpolitik arbeiten aber an entsprechenden Entwürfen. Grundsätzlich besteht aber auch bei den NRW-Piraten ein Konsens über eine Liberalisierung, allerdings muss dies "gesellschaftsverträglich" und pragmatisch gestaltet werden. Lieber erstmal keinen Entwurf statt Murks! Das Parteiprogramm ist im Moment noch in der Überarbeitungsphase und wird in den nächsten Tagen wohl online zur Verfügung gestellt. Tut mir leid, aber zum Glück ist das hier ja alles transparent!

Beste Grüße,
Julia Schramm
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Frage zum Thema Soziales
15.03.2010
Von:
Mai

Hallo Julia,
wie stehst Du denn zu der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens? Findest du dieses Konzept mit der Piratenpartei vereinbar? Wenn ja, warum, wenn nein, warum nicht?
Antwort von Julia Schramm
16Empfehlungen
23.03.2010
Julia Schramm
Hallo ,

ich persönlich halte die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) für fantastisch - im wahrsten Sinne des Wortes. Die Abkopplung der Arbeit von der Existenzsicherung empfinde ich als einen kulturellen und sozialen Fortschritt, den wir wagen sollten. Die Frage sollte meiner Meinung nach deswegen nicht sein, OB wir ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen, sondern WIE! Denn natürlich zieht eine derartige Umstellung der sozialen Sicherungssysteme viele Probleme und Fragen mit sich, so ist die Frage der Finanzierung stark umstritten. Die Theorie aber, dass kein Mensch mehr arbeiten würde, angesichts eines BGE, halte ich persönlich nicht für tragbar, da es beim BGE nur um die Existenzsicherung geht und für jede Form des Luxus (Urlaub, Auto, etc.) das Ausüben einer Arbeit weiterhin notwendig ist.

Die Piratenpartei versteht sich als Partei der Wissens- und Kulturgesellschaft und die Einführung eines BGE passt, meiner Meinung nach, gut zu den Ideen der Piraten: Freie Entfaltung des Einzelnen, Unterstützung von Kunstschaffenden und Forschenden und die Möglichkeit dieser unabhängig von der Wirtschaft tätig zu sein, keine Überwachung von Empfängern staatlicher Unterstützung und der Abbau von Verwaltungsstrukturen.

Darüber hinaus ist es in der Piratenpartei weitestgehend Konsens, dass eine Vollbeschäftigung, wie sie den etablierten Parteien immer noch vorschwebt, nicht mehr zu erreichen ist. Stattdessen müssen andere Formen des Sozialstaats, wie er in Artikel 20 GG verankert ist, entwickelt werden. Das BGE ist hierbei eine Alternative. Dennoch besteht in der Piratenpartei kein Konsens über das Einführen eines BGE, wenn wir auch viele Anhänger dieser Idee in unseren Reihen haben. Da wir uns als pragmatische Partei verstehen, sind wir uns über die Probleme - vor allem bezüglich der Finanzierung - eines BGE durchaus bewusst. Deswegen arbeiten wir an tragfähigen Konzepten, die eine realistische und vernünftige Einführung eines BGE ermöglichen könnten.

Beste Grüße,

Julia Schramm
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
15.03.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Schramm,

welche Möglichkeiten bietet das Programm der Piratenpartei aus ihrer Sicht gegen Lobbyismus vorzugehen, bzw. diesen auf eine vernünftiges Maß zu beschränken?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Julia Schramm
11Empfehlungen
23.03.2010
Julia Schramm
Sehr geehrter Herr ,

zunächst möchte ich anmerken, dass nicht das Prinzip "Lobbyismus" das Kernproblem ist, sondern die unterschiedliche Gewichtung verschiedener Lobby-Gruppen. So ist eine Kinderschutzorganisation ebenso eine Lobbygruppe, nur wird ihrem Anliegen weniger Einfluss zugestanden, als z.B. der Atomkraftlobby oder auch der Waffenlobby. Da die Piratenpartei Anhänger einer sozialen Marktwirtschaft ist, versteht sie die Aufgabe der Politik regulierend allen Parteien der freien Marktwirtschaft eine Chance zu geben - also die Schwachen zu stärken und die Starken zu schwächen. Nur so ist eine gefährliche wirtschaftliche Monopolbildung zu verhindern. Zusätzlich ist Korruption zu bekämpfen, was jedoch nur über eine höchstmögliche Transparenz politischer Entscheidungsmechanismen zu erreichen ist.
Ein wesentliches Kernanliegen der Piratenpartei ist die Nachvollziehbarkeit und Transparenz politischer Entscheidungen, frei nach dem Motto: Gläserner Staat statt gläserner Bürger! Erst wenn politische Entscheidungsprozesse und deren Ergebnisse weitestgehend für die Öffentlichkeit zugänglich sind, ist Kontrolle möglich und Missbrauch vermeidbar. Eine Trennung von Politik und Wirtschaft ist darüber hinaus nicht möglich, so dass dieser Anspruch der Piraten auch auf einen transparenten Wirtschaftsstandort NRW zu übertragen ist. Deswegen haben die Piraten NRW verschiedene Maßnahmen entwickelt, die eine höhere Transparenz und den Kampf gegen undemokratische Einflussnahme von Unternehmen und Korruption ermöglichen sollen. So fordern die Piraten eine Sperrfrist für Politiker nach dem Auslaufen ihres Mandates bevor sie einen Job in der freien Wirtschaft annehmen. Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, dass ehemalige Mandatsträger keine Tätigkeiten in dem Ressort ausüben dürfen, in dem sie zuvor politische Entscheidungen getroffen haben. Außerdem müssen die Ergebnisse von Vergabeverfahren durch das Land offen gelegt werden, ebenso wie alle Ausgaben, die das Land NRW tätigt. Schließlich geht es hier um Steuergelder. Auch muss es ein Lobbyistenverbot bei Gesetzesentwürfen geben, denn hier MUSS die Hoheit bei den demokratisch gewählten Abgeordneten liegen. Die Piraten setzen sich durchaus für das Einbeziehen von Experten bei der Erarbeitung von Gesetzen ein, allerdings müssen diese unabhängig von Unternehmen sein.

Ich hoffe, dass meine Antwort zufriedenstellend ist.

Mit freundlichen Grüßen,

Julia Schramm
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
15.03.2010
Von:
Tim

Liebe Frau Schramm,

1. Was halten sie von der momentanen Lehrersituation in den Schulen? Die letzten Jahre werden verstärkt nicht speziell qualifizierte Personen als Lehrkräfte eingestellt. D.h. "nicht-Pädagogen" übernehmen pädagogische Aufgaben. Falls nötig, welche Alternativen sind Ihrer Meinung nach sinnvoll?

2. Halten sind die pädagogische und auch fachspezifische Ausbildung der Lehrer an den Universitäten für angemessen? Was würden sie von einer praktischeren Ausrichtung dieses Studiums halten?

MfG
Tim
Antwort von Julia Schramm
12Empfehlungen
22.03.2010
Julia Schramm
Lieber Herr ,

Die Schulen sind ganz klar unterbesetzt bzw. die Klassenstärke zu groß. Das Problem ist hinreichend bekannt, nur leider immer noch nicht ausreichend behoben! Das verstärkte Einsetzen von "nicht-Pädagogen" halte ich in der Sekundarstufe I für eine absolute Katastrophe. In der Oberstufe bzw. in Berufsschulen können "nicht-Pädagogen" teilweise eine Ergänzung sein, wenn auch kein Ersatz!

Generell sollte die Lehrerausbildung einen stärkeren pädagogischen Anteil haben als dies bisher der Fall ist - nicht nur zum Wohle der Kinder, sondern auch als Schutz für die Lehrer selbst. Viele Lehrer sind mit der Unterrichtung überfordert, denn erst eine fundierte pädagogische Ausbildung gibt dem Lehrpersonal das nötige Handwerkszeug, um junge Menschen zu verstehen und ihnen den Unterrichtsstoff angemessen zu vermitteln. Somit profitieren von einer grundlegenden Auseinandersetzung des Lehrpersonals mit Pädagogik und Psychologie sowohl die Schüler, als auch die Lehrer.

Die Ausbildung an den Universitäten ist sehr fachkonzentriert, so dass angehende Grundschullehrer mit Diplom-Mathematikern zusammen in den Veranstaltungen sitzen, aber nur wenige Semester Pädagogik und Psychologie besuchen müssen. An dieser Stelle fehlt dann das richtige Verhältnis. Das Erlernen von pädagogischen Fähigkeiten ist ebenso wichtig wie die fachliche Kompetenz.

In den letzten Jahren wurden Stück für Stück Pflichtpraktika für angehende Lehrer in Schulen eingeführt, was ich sehr begrüße. Gerade in den ersten Semestern ist es wichtig den Studierenden zu zeigen, was die Arbeit an und in der Schule de facto bedeutet. Darüber hinaus sollten Lehrer besser und leistungsabhängig bezahlt werden, was vielleicht auch das Überdenken des Beamtenstatus miteinbezieht.

Man kann es jedoch drehen und wenden wie man möchte: Die Bildung braucht mehr Geld!

Mit freundlichen Grüßen,

Julia Schramm
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