Johannes Kahrs (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Johannes Kahrs
Jahrgang
1963
Berufliche Qualifikation
Jurist, Oberstleutnant der Reserve
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Hamburg-Mitte
Landeslistenplatz
keinen, Hamburg
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(...) Es entstehen in der Innenstadt wieder viel mehr neue Wohnungen. Das ist insofern wichtig, weil dadurch die Innenstadt lebendig bleibt und nach Feierabend nicht ausgestorben ist. Das ist ein echter Erfolg. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
04.03.2009
Von:

Hallo Herr Kahrs,


ich habe gerade den Aufruf "Volksentscheid ins Grundgesetz" unterschrieben.

www.mehr-demokratie.de

Mit diesem Aufruf soll der Satz "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und ABSTIMMUNGEN … ausgeübt." endlich mit Inhalt gefüllt werden. Bisher wurden alle Versuche, einen bundesweiten Volksentscheid einzuführen auch mit tatkräftiger Hilfe der SPD erfolgreich unterlaufen. Daher frage ich Sie als mein Abgeordnetes:

Wie stehen Sie zum bundesweiten Volksentscheid?


Gruß,

Antwort von Johannes Kahrs
19Empfehlungen
04.03.2009
Johannes Kahrs
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Die SPD-Bundestagsfraktion hatte bereits im Jahre 1993, im Anschluss an die Beratungen der Gemeinsamen Verfassungskommission, einen Gesetzentwurf eingebracht, mit dem ein Volksentscheid auf Bundesebene ermöglicht werden sollte. Im Jahr 2002 hatten wir zusammen mit dem Koalitionspartner erneut einen Gesetzentwurf zur Einführung von Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid eingebracht. Da das Gesetz eine Verfassungsänderung darstellt, bedarf es aber einer Mehrheit von zwei Dritteln in Bundestag und Bundesrat, die nicht zustande kommt, solange die CDU/CSU-Fraktion das Vorhaben ablehnt.

Im Jahr 2004 hat die SPD deshalb noch einmal versucht, die CDU/CSU-Fraktion umzustimmen, was damals leider nicht gelungen ist.

Trotzdem wird das Vorhaben weiter verfolgt. Deshalb stand z.B. im Wahlmanifest der SPD zur Bundestagswahl 2005: "Wir brauchen mehr direkte Demokratie und damit den Volksentscheid."

Im Koalitionsvertrag ist jetzt vereinbart: "Die Einführung von Elementen der direkten Demokratie werden wir prüfen." Leider sperrt sich der Koalitionspartner aber dennoch sehr gegen die Einführung von plebiszitären Elementen auf Bundesebene (in den Ländern ist die Haltung der Unionsparteien uneinheitlich). Ohne ein Umdenken in der CDU/CSU wird es eine entsprechende Mehrheit für eine Verfassungsänderung auf absehbare Zeit jedoch nicht geben. Die SPD wird den Druck auf die CDU jedoch aufrechterhalten und hofft dabei auf Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen,

Johannes Kahrs
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
12.03.2009
Von:
Bax

Abgeordnete, die einen Wahlkreis nicht für sich gewinnen können, können über Listenplätze trotzdem in den Bundestag einziehen. Hier werden innerparteilich Privilegien ausgegeben, die vom Wähler nicht so entschieden wurden. Lässt sich durch eine Änderung dieser Regelung nicht viel eher die Demokratie im Sinne der "Staatsgewalt vom Volke aus" verbessern?

Wie argumentieren Sie außerdem unter Beobachtung der aktuellen Wahlbeteiligungen für Volksentscheide? Sollten vor allem gemäßigte Parteien hier nicht vorsichtiger sein, um radikale Wähler, die politisch immer "aktiver" sind, nicht zu sehr erstarken zu lassen?
Welche Finanzierung und logistische Realisierung von Volksentscheiden schlagen Sie außerdem vor?

Zugegeben, das sind mehrere Fragen, sie behandeln jedoch das eine Thema.

Beste Grüße und vielen Dank,

Bax
Antwort von Johannes Kahrs
17Empfehlungen
19.03.2009
Johannes Kahrs
Sehr geehrter Herr Bax,

vielen Dank für Ihre Fragen. Da ich genau Ihrer Meinung bin, habe ich schon immer auf die Aufstellung auf einer Landesliste verzichtet. Bei den Bundestagswahlen 1998, 2002 und 2005 habe ich mich jeweils direkt dem Votum der Menschen in meinem Wahlkreis gestellt. Im Jahr 2009 werde ich dies wieder tun. Diese direkte Nominierung durch meine Wähler verschafft mir eine Unabhängigkeit bei meinen Entscheidungen im Parlament, auf die ich nicht verzichten möchte.

Demokratie lebt von der Teilnahme möglichst vieler Bürger an der Politik. Auch aus diesem Grund bemüht sich die SPD seit 1993 das Element der "Direkten Demokratie", die direkte Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger durch Volksbegehren und Volksentscheide, in gesetzlich festzulegenden Grenzen zu ermöglichen. Die SPD-Bundestagsfraktion hatte bereits 1993, im Anschluss an die Beratungen der Gemeinsamen Verfassungskommission, einen Gesetzentwurf eingebracht, mit dem ein Volksentscheid auf Bundesebene ermöglicht werden sollte. Deshalb stand im Wahlmanifest der SPD zur Bundestagswahl 2005: "Wir brauchen mehr direkte Demokratie und damit den Volksentscheid." Im Koalitionsvertrag ist jetzt vereinbart: "Die Einführung von Elementen der direkten Demokratie werden wir prüfen." Ohne ein Umdenken in der CDU/CSU wird es eine entsprechende Mehrheit für eine Verfassungsänderung wohl auf absehbare Zeit nicht geben. Die SPD wird den Druck auf die CDU jedoch aufrechterhalten.

Die logistische als auch finanzielle Realisierung eines Volksentscheides erscheint mir nicht das Problem zu sein. Die Infrastruktur, getragen durch eine Vielzahl von ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürgern ist durch Kommunal-, Europa-, Landes- und Bundestagwahlen vorhanden. Um "radikalen Wählern" die Möglichkeit zur Profilierung durch Volksentscheide zu nehmen, gilt es – wie auch bei Wahlen – eine möglichst große Anzahl von Bürgern zur Abstimmung zu bewegen. Demokratie lebt von Teilnahme.

Ich hoffe Ihre Fragen beantwortet zu haben und stehe Ihnen für Rückfragen gern zur Verfügung.


Mit fröhlichem Gruß
Ihr
Johannes Kahrs
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
13.03.2009
Von:

Guten Tag s.g. Herr Khars,

ich las kürzlich in "Szene Hamburg" einen Bericht über parteiinterne Prozesse, die bei Aufstellung und Wahl von Delegierten praktiziert werden.

Auch las ich über die Verwendung von Wahlkampfspenden von Rüstungsfirmen an den SPD-Kreis Mitte, deren Verwendung für die Organisation parteiinterner Fraktionen und Ihre Aufgabenstellung bei den Entscheidungen über die Beschaffung und die Finanzierung des neuen Schützenpanzers Puma.

Halten Sie es für legitim, wenn ich eine solche Konstellation für in höchstem Maße suspekt halte. Gibt es hier Parallelen zu den Vorgängen um den Schützenpanzer HS 30 und F. J. Strauß und sehen Sie hier Ähnlichkeiten zu parteiinternen Machenschaften in der CSU hinsichtlich der Intransparenz bei der Mitwirkung der Parteien bei der Willensbildung unserer Bevölkerung?
Antwort von Johannes Kahrs
22Empfehlungen
18.03.2009
Johannes Kahrs
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.

Auch wenn ein Politiker sich selbstverständlich öffentlicher Kritik, insbesondere in der Presse, zu stellen hat, muß er deswegen keine unwahren Berichte über sich dulden. Ich bin deshalb mit rechtlicher Unterstützung gegen die von Ihnen erwähnte Zeitschrift erfolgreich vorgegangen. Der Artikel wurde zurückgezogen und "Szene Hamburg" hat sich strafbewehrt verpflichtet, ihn nicht weiter zu veröffentlichen.

Zu Vorgängen innerhalb der CSU – insbesondere solchen, die sich vor über 50 Jahren ereigneten – äußere ich mich hier auf Abgeordnetenwatch nicht.

Mit freundlichen Grüßen,

Johannes Kahrs
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Frage zum Thema Arbeit
13.03.2009
Von:

Guten Tag Herr Kahrs,

bei den Abstimmungen am 22.01.2009 zu den Mindestarbeitsbedingungen
und dem Mindestlohn für sechs weitere Branchen sind Sie der Abstimmung im Bundestag fern geblieben.

Da ich als Mitglied der IG Bau ein stark entwickeltes Interesse an der realen parlamentarischen Arbeit und politischen Publikationsarbeit der SPD-Abgeordneten habe, möchte ich von Ihnen erfahren, ob Sie mit Ihrer Abwesenheit ihre politischen Auffassungen zu diesen Beschlussvorlagen zum Ausdruck brachten.
Antwort von Johannes Kahrs
20Empfehlungen
18.03.2009
Johannes Kahrs
Sehr geehrter Herr ,

danke für Ihre Anfrage.

Der Abstimmung mußte ich seinerzeit aus gesundheitlichen Gründen fernbleiben. Mit meinen politischen Auffassungen hatte das also nichts zu tun - hätte ich an der Abstimmung teilnehmen können, so hätte ich selbstverständlich für Mindestarbeitsbedingungen und -löhne gestimmt.

Mit freundlichen Grüßen,

Johannes Kahrs
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
26.03.2009
Von:
Anz

Sehr geehrter Herr Kahrs, die aktuelle Situation der Großen Koalition im Endstadium, lässt die Frage aufkommen: Wäre es nicht möglich, das die SPD-Fraktion, zusammen mit B`90/Grüne und Linkspartei, Gesetze wie das Umweltgesetzbuch und das Gesetz zur Bekämpfung der "Steueroasen", durch den Bundestag bringt? damit es noch in dieser Wahlperiode passiert, wenn schon die CDU/CSU offensichtlich nicht regierungsfähig sind, Frau Merkel, vielleicht als Physikerin, nicht aber als Kanzlerin zu gebrauchen ist. - Klar ist der Bundesrat, muss ja auch noch mitspielen..., aber so könnten zumindest Gesetze die jetzt gemacht werden können, aber blockiert werden, noch verabschiedet werden.

Vielen Dank f. die Beantwortung der Frage im Voraus, Ihr Anz
Antwort von Johannes Kahrs
17Empfehlungen
21.04.2009
Johannes Kahrs
Sehr geehrter Herr Anz,

danke für Ihre Frage. Schön mal wieder von Ihnen zu hören. Wenn der von Ihnen vorgeschlagene Weg möglich wäre, wären sicherlich viele Interessengruppen sehr zufrieden. Eine sinnvolle und verlässliche Politik, wäre jedoch auf lange Sicht aber nicht mehr möglich.

Auch für die derzeitige Große Koalition wurde ein Koalitionsvertrag geschlossen. Dieser bindet die Vertragspartner an gemeinsam gefällte Beschlüsse. Wäre das nicht so, könnte ich mir neben der überfälligen Abschaffung des Kammerzwangs in Deutschland, dem Lebenspartnerschaftsgesetz Teil II und der Verlegung der Ministerien von Bonn nach Berlin noch einige andere Punkte vorstellen, die man unbedingt noch vor Ende der Legislative abschließend klären müsste. Aber es gelten nun einmal die Regeln des Koalitionsvertrages.

Auch wenn es oft nicht nach außen den Eindruck macht, aber auch Politik lebt von Regeln und gegenseitigem Vertrauen. Ohne die Gewissheit, dass Partner, die einen Vertrag schließen, sich auch an die Regeln dieses Vertrages halten, hätten wir innerhalb kürzester Zeit chaotische Verhältnisse in Berlin, die auch dafür sorgen würden, dass Politik, im Sinne von konstruktivem Gestalten, nicht mehr möglich wäre.

Ich stimme Ihnen natürlich darin zu, dass die CDU/CSU momentan nicht gerade von Verantwortungsgefühl für unser Land beseelt sind, dass Angela Merkel alles andere als Führungsqualitäten erkennen lässt und das viele notwendige Vorhaben dadurch auf der Strecke bleiben. Dennoch bin ich nicht der Überzeugung, dass wir von der SPD auch noch den Boden der seriösen Politik verlassen und uns mit den politischen Hasardeuren der Linkspartei einlassen sollten. Das dieses Verhalten zu einer größeren Planungssicherheit und Verlässlichkeit führen würde, wage ich zu bezweifeln.

Das wir im Zusammengehen mit den Grünen eher in der Lage sind konstruktive Politik umzusetzen, haben wir in den sieben Jahren der rot-grünen Regierung deutlich unter Beweis gestellt. Dass dieses Bündnis von der Verantwortung für unser Land geprägt war, beweisen die vielen erfolgreich umgesetzten Projekte.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Johannes Kahrs
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Ihre Frage an Johannes Kahrs
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