Sehr geehrter Herr

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vielen Dank fuer Ihr Mail. Gestatten Sie, dass ich ebenfalls sehr offen antworte:
Die Gruende fuer Ihre individuelle "Politikverdrossenheit" kenne ich nicht. Mit Politikverdrossenheit kann ich dessen ungeachtet nichts, aber auch gar nichts, anfangen. Sie erscheint mir eher das Luxusproblem einiger Zeitgenossen auf dem Trittbrett modischen Zeitgeistes zu sein, die sich auch ansonsten langweilen. Ich habe keine Probleme mit Demokratie, schon gar nicht mit unserer Demokratie. Ich bin stolz auf sie.
Auch fehlt mir insofern jegliches Verstaendnis fuer Nichtwaehler. In Anbetracht von ungezaehlten Menschen, die die im Kampf fuer Demokratie und Wahlrecht ihre Freiheit und oft sogar ihr Leben liessen, kommt mir bei solchen Leuten eher die Galle hoch, um ein anderes Wort mit K... zu vermeiden.
Da ich mich nicht erinnern kann, wann Sie um einen Termin gebeten haben, bitte ich Sie zudem, mich mit der Unterstellung zu verschonen, als "ordinaerer Buerger" keinen Termin zu bekommen. In meinem Wahlkreisbuero bekommen selbst 11- jaehrige Schuelerinnen Termine. Woher beziehen Sie eigentlich Ihre reichlich vorhandenen Vorurteile? Im uebrigen koennen Sie meine Arbeit auf meiner Hompage www.tauss.de verfolgen, sich auf der Bundestagshomepage einen Ueberblick verschaffen oder eben auf dieser Seite von Abgeordnetenwatch.
Ausschussarbeit ist im uebrigen parlamentarische Arbeit. Auf der Seite des Deutschen Bundestages koennen Sie sich ueber Parlamentsablaeufe jedoch einen umfassenden Ueberblick verschaffen. Ich wuerde Ihnen dazu raten. Ihre Einschaetzung des Schauspielhauses vermag ich ebenfalls nicht zu teilen. Fuer die Nazis war das demokratisch gewaehlte Parlament uebrigens eine Quasselbude. Insofern wuerde ich mir die Nachbarschaft Ihrer "Argumente" auch einmal etwas genauer ueberlegen, wenn Sie sich vollmundig als Freund einer offenen und intakten Demokratie "outen".
Ich selbst nehme an moeglichst vielen Plenarberatungen teil. Allein ein Blick auf die Tagesordnung des Bundestages wuerde Ihnen aber zeigen, dass es voellig unmoeglich ist, an allen Beratungen des Hauses teilzunehmen. Ich habe parallel meine Arbeit zu erledigen, die nicht nur in der (in der Regel naechtlichen) Beantwortung von Buereranfragen besteht, sondern vor allem in meiner Funktion fuer die Bereiche Bildung, Forschung, Wissenschaft und Medien. Die hieraus resultierenden Aufgabenstellungen gegenueber der Oeffentlichkeit, im Parlament und gegenueber meiner Fraktion, haben stets Prioritaet gegenueber einem fuer mich zweitrangigen Fachthema im Plenarsaal.
Die Gewissensfreiheit steht im uebrigen dem Fraktionszwang nicht hinten an. Bei Sachfragen entscheidet allerdings die Mehrheit, bei Gewissensfragen jede(r) Abgeordnete fuer sich selbst. Auch ich habe mir schon erlaubt, gegen die Mehrheit meiner Fraktion zu stimmen.
Zum Thema Volksabstimmungen: Ich habe mich stets fuer mehr plebiszitaere Elemente im Grundgesetz ausgesprochen.
Mit freundlichen Gruessen
Joerg Tauss, MdB