Joachim Poß (SPD)
Abgeordneter Bundestag

Grunddaten
Joachim Poß
© spdfraktion.de
Geburtstag
27.12.1948
Berufliche Qualifikation
Verwaltungsleiter
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Gelsenkirchen
Wahlkreis
Gelsenkirchen
Ergebnis
54,3%
Landeslistenplatz
56, Nordrhein-Westfalen
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(...) Gerade die Abstimmung im Bundestag am vergangenen Freitag hat aber deutlich gemacht: Union und FDP legen, sobald es um die Regulierung und Bändigung der Finanzmärkte geht, die Hände in den Schoß. In diesem Punkt haben sie durchaus Recht: Von der Kanzlerin selbst kommt derzeit nicht viel mehr als wohlfeile Ankündigungen. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Finanzen
24.11.2011
Von:
Utz

Sehr geehrter Herr Poß,

vielen Dank für Ihre Darlegungen vom 24.11.2011, die meine Fragen nicht beantworten.

1. Die von Ihnen direkt und im "Nationalen Pakt für Bildung und Entschuldung" aufgeführten Intentionen bringen zwar Mehreinnahmen, stehen aber in keinem Zusammenhang mit dem von mir aufgeworfenen Kernproblem der "legalen" Steuervermeidung und meiner Frage, warum die SPD nicht an diese Thema herangeht, statt an anderer Stelle Steuern erhöhen zu wollen.
2. Die mangelnde Beteiligung von Unternehmen an der Finanzierung unseres Gemeinwesens kann nicht Union und FDP angelastet werden, die erst seit zwei Jahren regieren; in den elf Jahren davor waren ununterbrochen Finanzminister der SPD im Amt.
Das von mir zitierte Einzelbeispiel der Körperschaftssteuer unterstreicht das. Von 2000 auf 2001 hat Hans Eichel die damaligen 23 Mrd. Einnahmen auf unter Null gesetzt. Als diese sich 2006/2007 dann fast bis auf das Niveau von 2000 erholt hatten, senkte Steinbrück den Satz von 25% auf 15% und finanzierte den Ausfall von 7 Mrd. durch die Erhöhung der MWSt um das berüchtigte dritte Prozent. Derzeit liegt sie bei 12 Mrd.
12 Mrd. als 15% Steuer auf die Gewinne aller Kapitalgesellschaften, die von der Bundesregierung schon für 2005 mit 420 Mrd. angegeben wurden (Bundestagsdrucksache 16/3071) und für 2010 auf 494 Mrd. geschätzt werden. Die Körperschaftssteuer sollte mit über 70 Mrd. eine Haupteinnahmenquelle sein und ist dank geduldeter Steuervermeidung zur Bagatellsteuer verkommen, die weniger einbringt als die Tabaksteuer, über 60 Mrd. zu wenig.
Das ist nur e i n Beispiel!

Ich bitte Sie also nochmals um Antwort auf meine Frage, warum die SPD sich des so dramatischen Themas der Steuerschlupflöcher nicht annehmen will und stattdessen Mehreinnahmen auf weit weniger lukrativen Nebenschauplätzen sucht.

Vielen Dank im Voraus und freundliche Grüße

Utz
Antwort von Joachim Poß
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21.12.2011
Joachim Poß
Sehr geehrter Herr ,

da Sie sich offensichtlich mit der Entwicklung der Unternehmensbesteuerung in den letzten Jahren befasst haben, verstehe ich nicht, wie Sie zu der Aussage kommen, dass Union und FDP nicht "die mangelnde Beteiligung von Unternehmen an der Finanzierung unseres Gemeinwesens" angelastet werden könne. Eigentlich sollten Sie wissen, dass Union und teilweise FDP während der von Ihnen angesprochenen Jahre meist über den Bundesrat an steuerpolitischen Weichenstellungen beteiligt waren. Während die SPD auf gerechte Besteuerung aller nach ihrer Leistungsfähigkeit setzt und setzte, ging es Union und FDP dabei vor allem um die Interessen der Unternehmen. Ähnlich war die Lage übrigens als die SPD in der großen Koalition steuerpolitische Kompromisse mit der Union finden musste.
Generell sollten Sie bei der Belastung der Unternehmen nicht die Körperschaftsteuer isoliert betrachten. Wegen des gleichmäßigeren Aufkommens hat man in den vergangenen Jahren sehr bewusst stärker auf die Gewerbesteuer gesetzt, um die Unternehmen an der Finanzierung unseres Gemeinwesens zu beteiligen.

Dies spiegelt auch die aktuelle Steuerschätzung wieder. Diese prognostiziert für die Körperschaftsteuer Einnahmen, die von 18 Mrd. Euro(2012) auf über 20 Mrd. (2016) ansteigen. Gleichzeitig steigen die prognostizierten Einnahmen aus der Gewerbesteuer von 36 Mrd. Euro auf knapp 45 Mrd. an.
Sollte Ihnen - ebenso wie der SPD - an einer angemessenen Beteiligung der Unternehmen an der Finanzierung unseres Gemeinwesens gelegen sein, dann sollten Sie eher kritisch die aktuellen Bestrebungen der Regierungsparteien hinterfragen: Union und FDP drohen seit Amtsantritt, die Bemessungsgrundlage der Unternehmensbesteuerung zu verkleinern. Nicht zuletzt das erfolgreiche Eintreten der SPD für die Gewerbesteuer macht deutlich: Die Sozialdemokratie setzt auf eine angemessene Beteiligung der Unternehmen an der Finanzierung unseres Gemeinwesens. Dieses Ziel steht auch in keinerlei Widerspruch zu unseren weiteren steuerpolitischen Vorschlägen.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Poß
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Frage zum Thema Finanzen
06.12.2011
Von:

Guten Tag Herr Poß,

mich interessiert, wie heute ein Normalverdiener in Eigenregie fürs Rentenalter vorsorgen kann. Wie bekannt ist, wird das Rentenniveau in den nächsten Jahrzehnten eher noch weiter sinken als steigen. Wer heute sein Geld in Sparbriefen, Anleihen, Aktien, Fonds und Immobilien anspart, hat es sowohl mit einer hohen (und wahrscheinlich ansteigenden) Inflation, als auch mit einer Besteuerung zu tun.
Zur Zeit liegen die Zinssätze bei sicheren Anlagen zum großen Teil unterhalb der Inflationsgrenzen, wodurch trotz Zinsen ein realer Kaufkraftverlust eintritt. Diese Zinsen werden zusätzlich einheitlich mit 25%+Soli+Kirchensteuer besteuert, so dass ein noch stärkerer realer Kaufkraftverlust eintritt. Dadurch findet praktisch eine Vermögensvernichtung statt.

Früher gab es für Kleinanleger die Möglichkeit, z.B. kleine Wohnungen bzw. Immoblienfonds, Aktienfonds und Zertifikate nach einer gewissen Zeit zu verkaufen und damit eine steuerfreie Alterssicherung zu realisieren. Leider wurden die Spekulationsfristen mit der SPD abgeschafft, so dass für Kleinanleger kaum noch Möglichkeiten bestehen, Geld ohne Kaufkraftverluste anzusparen.
Jetzt wurde von der SPD beschlossen, im Falle einer Machtübernahme die Spekulationssteuer noch weiter anzuheben, so dass zusätzlich Kaufkraftverluste bestehen.

Riester hat sich, wie die aktuellen Tests zeigen, nicht bewährt und bietet vor allen Dingen den Banken auf Staatskosten gute Einnahmemöglichkeiten. Die Bankengebühren sind teils extrem hoch.

Haben Sie eine Idee, wie dem Kleinanleger die Möglichkeit gegeben werden kann, eigenverantwortlich fürs Alter vorzusorgen?
Warum wird nicht den Menschen die Möglichkeit gegeben, in begrenzten Maße (z.B. 5000€ je Lebensjahr) steuerfrei fürs Alter anzulegen (z.B. über eine 3,5 oder gar 10 jährige Spekulationsfrist)?
Damit werden die Bankenzocker und Superreichen weiterhin ihren Beitrag zahlen, aber der Normalverdiener kann für sich und seine Familie vorsorgen.

Mit freundlichem Gruß.
Antwort von Joachim Poß
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21.12.2011
Joachim Poß
Sehr geehrter Herr ,

wenn es rein um den realen Vermögenserhalt geht, dann bieten sich inflationsgesicherte Anleihen an. Diese bieten dem Anleger Schutz gegenüber dem Inflationsrisiko. Diese werden übrigens auch von der Finanzagentur der Bundesrepublik ausgegeben.
Ihre pauschale Kritik an der Riesterrente kann ich so nicht teilen:
Richtig ist, dass der Anleger einen genauen Blick auf Gebühren und Konditionen der Anbieter werfen muss. Wenn man das beachtet, dann ist die Riesterrente immer noch eine gute Möglichkeit, privat vorzusorgen. Die prinzipielle Kritik an der Besteuerung von Kapitalerträgen erschließt sich mir nicht. Solange aus Finanzierungsnotwendigkeiten kleinere und mittlere Arbeitseinkommen besteuert werden, sehe ich weder Anlass noch Notwendigkeit, Kapitalerträge nicht zu besteuern.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Poß
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Frage zum Thema Gesundheit
09.12.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Poß!

Dem Leitantrag zur Gesundheitspolitik der SPD anlässlich des Bundesparteitages vom 6.12.2011 entnehme ich, dass die SPD die "Liberalisierung des Arzneimittelvertriebes" anstrebt.
Meine Fragen an Sie lauten:1. Wann nimmt die SPD-Fraktion endlich wahr, dass die Apotheken in Deutschland lediglich 2,5 Prozent aller Kosten im Gesundheitswesen verursachen? 2.Warum zieht die SPD eine Berufsgruppe erneut in das Zentrum der Einsparbemuehungen obwohl diese Berufsgruppe bei der Einkommensentwicklung zu "den groessten Verlierern der vergangenen Jahre" (Zitat aus FOCUS Heft 47/2011) gehoert? 3.Wann nimmt die SPD wahr, dass die gesetzlichen Krankenversicherungen enorme Summen fuer Fernsehwerbung und prachtvolle Bauwerke verschwenden? 4.Wann fuehrt das o.g. Gebahren der gesetzlichen Krankenversicherungen zu Konsequenzen bei den gesetzlichen Krankenversicherungen?

Vielen Dank fuer Ihre Antworten!
Mit freundlichem Gruss
Antwort von Joachim Poß
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21.12.2011
Joachim Poß
Sehr geehrter Herr ,

da die Gesundheitspolitik nicht zu meinen Arbeitsschwerpunkten im Parlament gehört, bitte ich Sie dieses Thema mit einem entsprechenden Fachpolitiker oder mit ihrem Wahlkreisabgeordneten zu diskutieren. Prinzipiell verstehe ich Ihre Kritik aber nicht: Arzneimittel insgesamt zählen zu den großen Kostentreibern im Gesundheitswesen. Wenn es hier gelingt, Kosten zu senken, ohne dass damit ein wesentlicher Qualitätsverlust in der Versorgung der Kranken einhergeht, dann ist das eine gute Sache. Dazu gehört natürlich auch eine kritische Überprüfung beim Arzneimittelvertrieb. Im Regelfall gehören selbständige Apotheker übrigens immer noch zu den Topverdienern in unserem Land. Den Widerspruch, den Sie versuchen aufzuzeigen, kann ich nicht erkennen: Alle Leistungserbringer im Gesundheitssystem müssen letztendlich effizient arbeiten: Das gilt für Apotheker ebenso wie für die Krankenkassen. Denn letztendlich stammen alle in diesen Bereichen eingenommenen Gelder aus den hart erarbeiteten Beiträgen der Versicherten. Den Versuch, verschiedene Kostendämpfungsbemühungen gegeneinander auszuspielen, kann ich daher nicht nachvollziehen.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Poß
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