Sehr geehrter Herr

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vielen Dank für Ihre Fragen, die sicherlich nicht kurz und mit einem "Patentrezept" beantwortet werden können. Ich will dennoch versuchen, Ihnen einige Vorschläge der SPD und meine Position zu diesen Problemen zu erläutern.
Zunächst müsste Konsens darüber erzielt werden, welche Bildungsabschlüsse die "wirklich wichtigen" sind; häufig machen Schulabgänger und junge Erwachsene auch die Erfahrung, dass sie beim Start einer Ausbildung vorgeblich beste Chancen mit dem angestrebten Beruf haben, nach Abschluss aber dennoch Schwierigkeiten haben, einen Arbeitsplatz zu finden. Meines Erachtens ist das Schulsystem (das ich hier deutlich vom Bildungssystem unterscheide) unter anderem deshalb dringend reformbedürftig, weil es weder in der Spitze noch in der Breite ausreichend gute Ergebnisse "produziert", die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss ist erschreckend hoch, ebenfalls viel zu groß ist die Anzahl der Abschlüsse ohne aussichtsreiche Perspektive - entweder für weitere Schul-Qualifikation oder für eine berufliche Ausbildung.
Die Berufsorientierung beginnt meines Erachtens in allen derzeitigen Schulformen zu spät. In der Enquetekommission "Chancen für Kinder"
www.landtag.nrw.de haben wir (übrigens fraktionsübergreifend!) die Empfehlung ausgesprochen, "ein integriertes Gesamtkonzept zum Bereich ´Arbeitswelt´ in allen Schulformen." aufzubauen, einschließlich mehrwöchiger Berufspraktika.
Das Problem des Unterrichtsausfalls, das wir auch immer wieder im Schulausschuss und im Landtagsplenum debattiert haben, hatte die CDU-FDP-Regierung ganz vorrangig bearbeiten wollen; eine maßgebliche Änderung ist unseres Erachtens seit 2005 nicht eingetreten. Mir ist wichtig festzustellen, dass die ganz überwiegende Mehrheit der LehrerInnen hoch engagiert für ihre und mit ihren Schülerinnen und Schüler arbeitet. Aber - ein einfacher Grund, warum hier Verbesserungen auch schwierig sind - vor Krankheitsausfällen ist niemand gefeit. Vor allem aber müssen LehrerInnen bereits durch ihre Ausbildung in die Lage versetzt werden, den veränderten Anforderungen gerecht zu werden; auch hier, meine ich, gibt es Defizite. So fehlen bspw. sonder-, heil- und sozialpädagogische Elemente in der Regel-Lehrer-Ausbildung; diese aber würden einen "anderen Blick" aufs Kind ermöglichen und den Lehrkräften ein erweitertes Instrumentarium in ihrer Arbeit zur Verfügung stellen.
Der Ausbau unserer Schulen zu Ganztagsschulen würde unseres Erachtens anderes Lernen und Lehren ermöglichen, Stoff-Fülle entzerren und zum Beispiel auch die von Ihnen beschriebenen Schwierigkeiten beim (leidigen) Thema Hausaufgaben verringern. Wir wünschen uns den Ausbau in einer geregelten, vom Land sehr viel besser finanziell geförderten Weise; besonders wichtig ist für uns hier auch das Thema geregelte und kostenfreie Verpflegung.
Wie geschrieben, die eine Lösung gibt es m. E. nicht; an vielen Stellen zugleich sind Veränderungen notwendig, um im komplexen System Schule kindgerechter zu werden und damit auch LehrerInnen bessere Arbeit zu ermöglichen.
Mit herzlichen Grüßen
Ingrid Hack