Hüseyin Aydin (DIE LINKE)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Grunddaten
Hüseyin Aydin
Jahrgang
1962
Berufliche Qualifikation
Gewerkschaftssekretär
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Landesliste
Landeslistenplatz
6, Nordrhein-Westfalen
weitere Profile
(...) 3. Ich halte Hamas für eine islamisch-fundamentalistische Organisation. Die Kritik an deren ideologischer Ausrichtung darf allerdings kein Vorwand sein, um die Bevölkerung im Gasastreifen von der Außenwelt abzuschneiden, sie auszuhungern und die Zivilbevölkerung mit Bombardements zu terrorisieren. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Hüseyin Aydin
Auswahl der Fragen und Antworten
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Internationales
02.04.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Aydin,

ist es nicht prinzipiell möglich die Mehrwertsteuer für gerecht gehandelte Produkte drastisch zu senken? Einerseits haben die Weltläden mehr Geld zur Verfügung um sinnvolle kleinere Entwicklungsprojekte, z.B. die Entwicklung von Solarkochern in Indien, in ärmsten Staaten finanziell zu unterstützen bzw. unsere Kunden können somit direkten Einfluss auf politische Entscheidungen treffen. Finanzieren liesse sich das meiner Ansicht nach über eine Umverteilung der Gelder aus dem Ministerium vor Entwicklung und Zusammenarbeit. Andererseits würde der Verkauf dieser Waren vor allem im Bereich von Nahrungsmitteln reizvoller auch für die Discounter (um ein ähnlich hohes Niveau am Verkauf fair gehandelter Güter zu erreichen wie Großbritannien -> etwa 25%).

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Hüseyin Aydin
14Empfehlungen
16.04.2007
Hüseyin Aydin
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Als Obmann der Fraktion Die LINKE. im Ausschuss für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit verstehe ich Ihr Anliegen gut. Die einheimische Landwirtschaft wird in vielen Entwicklungsländern unter dem Druck der transnationalen Nahrungsmittelkonzerne untergraben. Netzwerke zur Förderung fair gehandelter Produkte finden unsere Unterstützung, da sie zur Existenzsicherung vieler kleinbäuerlicher Familien beitragen. Damit das rasante Wachstum der fair gehandelten Produkte weiter geht (2006: + 50 %), unterstützen wir deshalb Maßnahmen, sie einem breiteren Publikum zugänglich machen.
Eine besondere Reduzierung der Mehrwertsteuer dieser Produkte, über die für alle Lebensmittel bestehende Halbierung hinaus, ist allerdings mit einer Reihe praktischer Schwierigkeiten behaftet.

Wie definiert sich exakt ein fair gehandeltes Produkt? Im Grunde müsste zur Feststellung eine internationale Behörde geschaffen werden, die fortlaufend und anhand feststehender Kriterien Produktionsmethoden und Vertrieb prüft. Denn ansonsten bestünde die Gefahr, dass der gute Name des fair gehandelten Produkts durch Subventionsbetrug beschädigt wird. Zum anderen ist unter den Bedingungen der Marktwirtschaft keineswegs garantiert, dass Discounter den niedrigeren Preis weitergeben. Gerade in England verlangen die Supermarktketten enorm hohe Preise für alles, was auf dem Etikett mit "organic" oder "fair" wirbt. Dass diese Produkte dennoch so großen Erfolg haben, zeigt, dass die breite Mehrheit der Bevölkerung durchaus ein gestiegenes Bewusstsein für globale Zusammenhänge entwickelt hat. Ich denke, dass dies auf die hartnäckige und erfolgreiche Arbeit der zahlreichen Dritt-Welt-Initiativen und Umweltschutzverbände zurückzuführen ist.

Die Initiativen, die kleine Entwicklungsprojekte und Weltläden anstoßen, sollten auf jeden Fall besser finanziell ausgestattet werden. Vor allem müsste der Weg zur Bewilligung solcher Projekte vereinfacht und besser durch das Ministerium unterstützend begleitet werden. Angesichts der Tatsache, dass Deutschland 2006 erneut "Exportweltmeister" geworden ist, sind reichlich Mittel dafür vorhanden. Die Regierung müsste allerdings erst einen grundlegenden Richtungswechsel in der Entwicklungszusammenarbeit vollziehen, zu dem sie derzeit aber nicht bereit scheint.

DIE LINKE hat in diesem Zusammenhang einen Antrag zur Offenlegung der Agrarexportsubventionsempfänger in den Bundestag eingebracht ( dokumente.linksfraktion.net ). Wir glauben, dass mehr Transparenz bei der bestehenden Vergabepraxis von milliardenschweren Beihilfezahlungen dazu beitragen kann, den politischen Druck für eine bessere finanzielle Unterstützung von Dritt-Welt-Initiativen und Eine-Welt-Läden zu erhöhen.

Mit freundlichen Grüßen,

Hüseyin Aydin
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
04.06.2007
Von:
-

Hallo Ex-WASG-Kollege Aydin,

trifft es zu, daß Du Dich dafür aussprichst, daß die "Die Linke." in Duisburg zukünftig und besonders bei der Duisburger Kommunalwahl 2009 die SPD unterstützen soll und deren OB-Kandidaten Brandt, der sich in 2 jahrzehnten Tätigkeit als städtischer rechtslastiger "Law and Order" - Rechtsdezernent nicht um das Wohl der Bürger sondern nur um das seiner Oberbürgermeisterin kümmerte und sogar Abschiebungen aus dem Kirchenasyl veranlasste?

Ist es nicht etwas merkwürdig, daß Fraktion DIE LINKE. einerseits vollmundig gegen die neoliberale SPD im Bundestag wettert und auf anderer Ebene dann Koalitionspläne geschmiedet werden?
Antwort von Hüseyin Aydin
bisher keineEmpfehlungen
30.04.2008
Hüseyin Aydin
Sehr geehrter Herr ,

DIE LINKE tritt bei gar keiner Wahl an, um die SPD zu unterstützen. So werden wir auch bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr dafür eintreten, dass linke Politik in Nordrhein-Westfalen und Duisburg gestärkt wird. Dies setzt eine möglichst hohe Stimmenzahl für DIE LINKE voraus. Es ist und bleibt ein Eckpunkt unserer Politik, dass Sicherheit zunächst einmal soziale Sicherheit voraussetzt. Kriminalität kann nur bekämpft werden, wenn ihr der Nährboden entzogen wird. Das heißt, Arbeitslosigkeit und Armut müssen zurückgedrängt werden. Eine Politik, die demgegenüber auf Repression setzt, ist mit der Linken nicht zu machen.
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Internationales
15.09.2007
Von:

Herr Aydin,

Sie sind Experte für internationale Politik und "Entwicklungshilfe". Trifft es ihrer Meinung nach zu, dass die Gelder, die zur Zeit durch das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit an unterentwickelte und andere (China) Staaten zahlt, vornehmlich dem Interesse der deutschen Wirtschaft dient. Ist es wahr, dass Missbrauch, z. B. die "Umwidmung" von Hilfsgeldern für militärische und dynastische Zwecke, an der Tagesordnung sind und die zuständigen Beamten und die Fachministerin offenen Auges die m.E. kriminellen Intentionen unterstützt? Was kann man mit Alternativen, z.B. Zahlungen nur noch an internationale Hilfsorganisationen, erreichen und wie weit ist es überhaupt möglich, sinnvoll Einfluss zu nehmen auf Entwicklungsländer?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Hüseyin Aydin
2Empfehlungen
30.04.2008
Hüseyin Aydin
Sehr geehrter Herr ,

natürlich versuchen deutsche Unternehmen, ihre Interessen in Drittweltstaaten auch über die offiziellen Kanäle der Entwicklungspolitik durchzusetzen, es wäre jedoch zu kurz gegriffen daraus den Umkehrschluss zu ziehen, dass alle Entwicklungshilfe lediglich eine verkappte Außenwirtschaftsförderung sei. Es ist in diesem Zusammenhang auch völlig verfehlt, der Fachministerin oder den zuständigen Beamten gar kriminelle Absichten zu unterstellen. Zu den einzelnen Punkten:

1. Tatsächlich ist die Entwicklungspolitik sehr widersprüchlich in ihrer Ausrichtung. So werden auf der einen Seite mit Geldern des europäischen Entwicklungsfonds teure Berater bezahlt, die die tunesische Regierung zur Privatisierung des Staatsvermögens überreden sollen. Das lehnt DIE LINKE ab. Ebenso argumentieren wir dagegen, dass in Afghanistan der zivile Aufbau eng mit der militärische Besatzung des Landes durch die Bundeswehr und andere Truppen verzahnt ist.

2. Auf der anderen Seite stellen die Durchführungsorganisationen des Entwicklungsministeriums Gesundheitsbasisdienste in Kenia zur Verfügung, damit Schwangere in entlegenen Gebieten ihre Kinder im Hospital zur Welt bringen können. Im Jemen etabliert die GTZ im Auftrag des Ministeriums ein Wasserressourcenmanagement, um der rapiden Übernutzung der Grundwasservorräte in diesem trockenen Land entgegen zu wirken. All dies sind Projekte, die in ihrer Zielsetzung an der Bekämpfung der Armutsfolgen orientiert sind. Genau deshalb ist das Kapital ja auch dagegen, dass dafür mehr Mittel aus dem deutschen Staatshaushalt zur Verfügung gestellt wird.

3. Zu China ist zu sagen, dass es sich hierbei weder um ein Entwicklungsland, noch um ein Schwellenland, sondern um eine Großmacht handelt. DIE LINKE beurteilt die dort geförderten Projekte nach ihrem praktischen Nutzen, der zum Beispiel in Einzelfällen in der Errichtung umweltfreundlicher Energietechnik bestehen kann. Allerdings gibt es keinen Grund, solche Projekte allein aus dem Steuertopf der Bundesrepublik zu bezahlen. Hier geht es vielmehr darum, dass die deutsche technische Zusammenarbeit ihre Expertise einbringt.

4. Internationale Hilfsorganisationen werden auch aus den Töpfen der deutschen Entwicklungspolitik gefördert. So fließen 200 Millionen Euro oder zwei Drittel der Überweisungen an multilaterale Organisationen in den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Wichtig ist hierbei, dass angesichts der immensen Summen ein rigides Verteilregime nach klar definierbaren Kriterien das Korruptions- und Verschwendungsrisiko minimiert. Nicht jede internationale Hilfsorganisation kann man als förderungswürdig ansehen.

5. Was den Einfluss auf Entwicklungsländer angeht, so fällt dies nur bedingt in den Bereich der Entwicklungspolitik. Wer gute Regierungsführung als Voraussetzung für aktive Entwicklungspolitik betrachtet, müsste sich streng genommen für das Ende der Entwicklungszusammenarbeit einsetzen. So wird in Äthiopien derzeit ein großes Programm zur Errichtung eines integrierten Bildungssektors durchgeführt. Zur gleichen Zeit führt das Land einen Besatzungskrieg in Somalia durch – mit Unterstützung von EU und USA. Dieser Zustand ist völlig inakzeptabel und muss entsprechend kritisiert werden. Ausgangspunkt muss die Solidarität mit den äthiopischen (und somalischen) Kräften sein, die auf friedliche und demokratische Konfliktlösung setzen. Es würde den Menschen in Äthiopien aber nichts helfen, wenn deshalb das große Bildungsprogramm ausgesetzt würde. Dies hinterließe nur ungenutzte Bauruinen.
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
30.10.2007
Von:

Kurze Frage, kurze Antworten:
1. Soll die Türkei EUmitgliedsstaat werden oder aufgrund Ihres jedenfalls derzeitigen sozio-kulturellen Zustands nicht?
2. Verurteilen Sie die militärischen Einmarschabsichten der Türkei in den Irak und, falls ja, werden Sie sich für eine Protest- /Sanktionsmaßname gegen die Türkei verwenden?
3. Halten Sie die HAMAS und deren Mitglieder für eine terroristische Organisation oder eine demokratische Parteiorganisation?
Antwort von Hüseyin Aydin
2Empfehlungen
30.04.2008
Hüseyin Aydin
Sehr geehrter Herr ,

1. Ich trete für die Aufnahme der Türkei in die EU ein, denn dies würde den Demokratisierungsprozess im Land stärken.

2. Ich habe die militärischen Einmarschabsichten sehr scharf im Bundestag verurteilt und dazu zwei Pressemitteilungen herausgegeben (zu finden unter:
www.linksfraktion.de/pressemitteilung.php?artikel=1201103560 und
www.linksfraktion.de/pressemitteilung.php?artikel=1282363208 ).
Sanktionsmaßnahmen hielt ich in diesem Zusammenhang nicht für sinnvoll.
Der einzige zielführende Weg besteht in der Unterstützung der demokratischen und am friedvollen Ausgleich interessierten Kräfte in der Türkei.

3. Ich halte Hamas für eine islamisch-fundamentalistische Organisation. Die Kritik an deren ideologischer Ausrichtung darf allerdings kein Vorwand sein, um die Bevölkerung im Gasastreifen von der Außenwelt abzuschneiden, sie auszuhungern und die Zivilbevölkerung mit Bombardements zu terrorisieren. Ich fordere die Auszahlung der von EU und Bundesregierung eingefrorenen Hilfsgelder für den Gasastreifen.
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Internationales
28.11.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Aydin,

mit Schrecken muss ich heute (Mi., 28.11.07) in der Frankfurter Rundschau lesen, wie anscheinend das Kinderhilfswerk UNICEF-Deutschland über Jahre horende Summen an dubiose Honorarkräfte gezahlt hat. Die FR spricht von 300.000 Euro an einen Berater, rund 1 Mio. Euro für den Umbau der UNICEF-Büros in Köln etc..

Frau Heide Simonis, ehrenamtliche UNICEF-Deutschland-Vorsitzende, gibt sich erschüttert und hat von nichts gewusst.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie zu diesem Sachverhalt Ihr Meinung auf dieser Platform äußern würden.

Vielen Dank dafür im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Hüseyin Aydin
3Empfehlungen
30.04.2008
Hüseyin Aydin
Sehr geehrter Herr ,

der UNICEF-Beraterskandal hat uns alle sehr geschockt. Er hat verdeutlicht, dass überall dort Korruption und Vetternwirtschaft lauern, wo große Summen im Spiel sind. Der Bereich der Entwicklungspolitik macht da leider keine Ausnahme. Deshalb legt DIE LINKE sehr viel Wert darauf, dass transparente Vergabeverfahren, Beteiligung durch Parlamente und Zivilgesellschaft sowie unabhängige Evaluierungen zum Standard gehören müssen. Diesbezüglich gibt es etwa beim milliardenschweren Europäischen Entwicklungsfonds noch erheblichen Nachholbedarf, um nur ein Beispiel zu nennen.

Der Skandal bei UNICEF darf aber nicht über die bedeutsame Arbeit hinwegtäuschen, die das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen geleistet hat und noch immer leistet, UNICEF Deutschland musste in Folge des Skandals im Bundestagsausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit Rechenschaft ablegen. Im April hat die Mitgliederversammlung des deutschen Komitees für UNICEF unter der engagierten Mitwirkung der parlamentarischen Kommissionsmitglieder schließlich einen Neuanfang ermöglicht und einen anderen Vorstand eingesetzt.

Die Vertreter der LINKEN haben dabei deutlich gemacht, dass wir einen unmittelbaren und umfassenden Reformbedarf im Bereich der Satzung und der Provisionsregelungen sehen. Wir erwarten vom neuen Vorstand, dass er dies nun schnell anpackt und sind optimistisch, dass er dem auch entsprechen wird. So kann das Vertrauen in der Bevölkerung zurück gewonnen werden.
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Ihre Frage an Hüseyin Aydin
Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.