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Sehr geehrter Herr Gustav Herzog,
Sie haben sich positiv für die Einführung der Vorratsdatenspeicherung eingesetzt und mit Ihrer Stimme am Freitag den Weg zur Realisierung dieser geebnet.
Welchen effektiven Nutzen glauben Sie in der Vorratsdatenspeicherung zu erkennen, und in welchem Maß glauben Sie, wird diese Maßnahme positive Auswirkungen auf den Alltag der deutschen Bürger nach sich ziehen?
Wie hoch muss das Verhältnis zwischen ungescholtenen Bürgern und Kriminellen (jeder Art) sein, dass eine Bevorratung und daraus hervorgehende Pauschalüberwachung der Kommunikationsgewohnheiten einer GANZEN Bevölkerung in Kauf genommen wird, mit all ihren Folgen?
Zeigt sich hier nicht langsam ein Weggang von ur-demokratischen Grundwerten, wie: alle Macht dem Volke (das es nun pauschal überwacht wird), Unschuldvermutung ( die Daten werden Verdachtsmomente generieren, ohne das Taten vorliegen ), das Recht auf die informationelle Selbstbestimmung?
Sollte nicht jeder (demokratische) Politker in Deutschland als oberstes Mantra sich mehrmals am Tag den Artikel 20 des Grundgesetzes verinnerlichen, und sich "überhaupt" darüber im Klaren sein, für welche Werte der Artikel einsteht? Und was es bedeutet, wenn Maßnahmen beschlossen werden, die zum Einen das GG ansatzweise oder teilweise aushöhlen und zum Anderen den Weg ebnen für zukünftige Maßnahmen, die das GG im Ganzen aushöhlen werden.
Die Geschichte hat schon häufig gezeigt, das kleine Dinge zu großen heranwachsen. Wenn Sie also meine Bedenken, und die anderer Mitbürger als übertrieben abtun, so sollte jedem bewusst sein, das alles mal klein angefangen hat... Die demokratischen Grundwerte in Deutschland haben historisch betrachtet noch keine lange Zeit hinter sich, und es sollte jedem zu denken geben, das Tendenzen auszumachen sind, diese Schritt für Schritt wieder aufzugeben.
Grade als traditionell volksnahe und demokratische Partei hat die SPD hier im Ganzen, und speziell mit Ihrer Stimme, regional versagt und enttäuscht.
MfG A.