Gabriele Hiller-Ohm (SPD)
Abgeordnete Bundestag

Grunddaten
Gabriele Hiller-Ohm
© spdfraktion.de
Geburtstag
28.02.1953
Berufliche Qualifikation
Redakteurin
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Lübeck
Wahlkreis
Lübeck
Ergebnis
36,7%
Landeslistenplatz
4, Schleswig-Holstein
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(...) Ich fürchte, es wird schwierig, als kleiner Förderverein Mittel vom Bundesministerium oder aus Töpfen der EU zu erhalten. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Soziales
17.12.2012
Von:

Sehr geehrte Frau Hiller-Ohm,

warum gibt es in einem der reichsten Länder der Welt wie Deutschland (ca.Vermögen mind. 6 Billionen Euro plus 170 Mrd. at the top p.a. ?) leider immer noch Suppenküchen, Tafeln sowie Hungerlöhne von dem die Menschen nicht LEBEN können ?

Für Ihre Antwort vielen Dank im Voraus.

MFG
J.L.
Antwort von Gabriele Hiller-Ohm
3Empfehlungen
19.12.2012
Gabriele Hiller-Ohm
Sehr geehrter Herr ,

Sie sprechen mit Ihrer Frage einen ganz wesentlichen Punkt an, der in Deutschland immer wichtiger und dramatischer wird: Die Verteilungsgerechtigkeit!

Sie haben völlig Recht, wenn Sie hier ein deutliches Ungleichgewicht sehen. Ein paar Zahlen:

Die reichsten 10 Prozent der Deutschen verfügen über mehr als 50 Prozent, die ärmsten 50 Prozent über rund 1 Prozent des Gesamtvermögens.

Das private Nettovermögen (also Geld und Immobilien) hat sich in den letzten 20 Jahren von 4,6 Billionen Euro auf 20 Billionen Euro vergrößert.

Das Nettogesamtvermögen des Staates sank im gleichen Zeitraum um 800 Milliarden Euro.

Zugleich ist jeder siebte Deutsche armutsgefährdet. Besonders die Altersarmut und hier insbesondere die Altersarmut von Frauen wird uns in den nächsten Jahren herausfordern.

Einen Grund für diese Entwicklung haben sie selbst genannt: Löhne, von denen die Menschen nicht leben können. Wenn man diesen Umstand weiterdenkt, dann muss aus meiner Sicht jeder Mensch darauf kommen, dass Armut im Erwerbsleben auch Armut im Alter nach sich ziehen wird.

Diese Entwicklung zeigt einmal mehr: Wir müssen endlich einen gesetzlichen Mindestlohn bekommen, der nicht unter 8,50 Euro pro Stunde liegen darf. Damit würde sich die Situation für viele Menschen bereits deutlich entspannen.

Dazu brauchen wir gute Arbeitsbedingungen, die Planungssicherheit ermöglicht.

Der nächste Punkt ist natürlich auch eine gerechte Steuerpolitik, die hohe Vermögen und Erbschaften, Mieteinnahmen oder Aktiengewinne genauso gerecht berücksichtigt, wie Arbeitseinkommen. Und genau da sehe ich momentan eine große Schieflage.

Deswegen hat die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2000 beschlossen, dass jeweils zur Mitte einer Wahlperiode ein Armuts- und Reichtumsbericht vorgelegt werden muss.

Leider hat die schwarz-gelbe Bundesregierung in dieser Wahlperiode alles unternommen, um den Bericht zu verzögern, Mitgliedern des Bundestages vorzuenthalten oder zu schönen. Das zeigt, dass es diese Regierung nicht Ernst meint, wenn sie über Maßnahmen gegen Armut spricht. Aus meiner Sicht ist es der Bundesregierung egal, ob es Tafeln oder Suppenküchen gibt. Soziale Fragen lässt Schwarz-Gelb kalt. Dieses Verhalten ärgert mich.

So arm wie lange nicht, so reich wie nie zuvor – zwei Meldungen, die nicht zusammenpassen zu scheinen. Da ist etwas aus dem Lot geraten. Die Schere zwischen Arm und Reich spreizt sich weiter – das sagte der erste Entwurf des Vierten Armuts- und Reichtumsberichts. Im zweiten Entwurf wurde diese Aussage verfälscht.

Mit Untätigkeit verschärfen wir die Situation. Nicht nur für die Menschen, sondern auch für den Staat an sich. "Nur ein reicher Mensch kann sich einen schlanken Staat leisten" – die Satz hat nach wie vor seine Gültigkeit. Auch der Staat muss ein ureigenes Interesse haben, nicht zu verarmen. Sonst wird es für die Armen in diesem Land noch schlechter. Das wird man bei der Bildung zuerst merken, dann bei Sozialleistungen. Diese Spirale müssen wir durchbrechen. Wir brauchen einen starken Staat, der für alle Menschen sorgt. Ganz besonders für arme und schwache Menschen.

Ich möchte keine Neiddebatte führen. Und ich möchte niemanden an den Pranger stellen, nur weil er reich ist. In unserem Grundgesetz steht, dass Eigentum verpflichtet. Ich denke, auch Reichtum verpflichtet. Starke Schultern müssen solidarisch auch starke Lasten tragen. Nur wenn wir hier für Ausgewogenheit sorgen, können wir überhaupt erst damit anfangen, Armut zu bekämpfen.

Wir müssen den Staat so handlungsfähig machen, dass er dafür sorgen kann, allen die gleichen Chancen auf Wohlstand, die gleichen Möglichkeiten zur Bildung, zum Aufstieg, zum eigenen Fortkommen zu geben. Das ist die sozialdemokratische Antwort auf soziale Ungleichheit!

Mit freundlichen Grüßen nach München und Empfehlung für meinen Fraktionskollegen Klaus Barthel, der als SPD-Abgeordneter München betreut.

Gabriele Hiller-Ohm
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
01.01.2013
Von:

Sehr geehrte Frau Hiller-Ohm,

Afghanistan: Soldat lebenslänglich gelähmt.

In Afghanistan abgeknallt: Soldat Luca! Kein Opfer, kein Held ... - Blick
www.blick.ch/news/ausland/soldat-luca-kein-opfer-kein-held-id1845417.html
14. Apr. 2012 – Kerngesund und voller Optimismus geht Luca Barisonzi mit 18 zur Armee. Mit 20 schiesst ihn ein Afghane in den Hals. Jetzt ist der Grenadier ..

Daraus: Neun Monate liegt er in Mailand im Spital. Er begreift dort, daß er die Glieder nie mehr bewegen kann. Wut kennt er nicht, eher Scham. "Ich hatte das Gefühl, aus Afghanistan zu flüchten, die Kameraden im Stich zu lassen, ein Deserteur zu sein", sagt er. Dabei hat er doch seine Jugend geopfert, seine Beine, den Tanz mit Frauen, das normale Leben. "Ich bin kein Opfer", wehrt er ab. "Ich habe nur meine Pflicht getan".

Trotz der Erschütterung über das Schicksal des Soldaten frage ich Sie:

Geht es bei Auslandseinsätzen um Pflichterfüllung oder erfüllt man dann seine Pflicht, wenn man kritisch über alle Argumente nachdenkt? Was wird nach Ihrer Einschätzung zum Beispiel der Bundespräsident Kriegsopfern sagen, wenn sich herausstellt, daß Ziele wie Terrorbekämpfung und Menschenrechte nicht erreicht wurden oder - noch schlimmer - voraussehbar nicht erreichbar waren?

Müssen junge Menschen schon in der Schule lernen, daß auch Meinungsäußerungen von Frau Merkel und Herrn Gauck kritisch zu prüfen sind?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Gabriele Hiller-Ohm
4Empfehlungen
10.01.2013
Gabriele Hiller-Ohm
Sehr geehrter Herr ,

das Schicksal des jungen italienischen Soldaten ist erschütternd, ebenso wie viele andere Schicksale auch deutscher Soldaten im Zuge des Afghanistaneinsatzes. Ich lehne den Bundeswehreinsatz in Afghanistan ab und habe in der gesamten Wahlperiode im Bundestag gegen die Anträge der Bundesregierung zur Fortsetzung des ISAF-Einsatzes gestimmt. Der militärische Einsatz der Bundeswehr war falsch und muss schnellstmöglich beendet werden. Die ursprünglichen Ziele des Einsatzes, die Sicherheit für die Bevölkerung, den zivilen Wiederaufbau und die Demokratisierung des Landes zu unterstützen, sind so nicht erreichbar. Wichtig ist nach einem Abzug der Bundeswehr jedoch, dass die afghanische Bevölkerung nicht allein gelassen wird. Die Weltgemeinschaft muss wirksame humanitäre und zivile Hilfe leisten.

Selbstverständlich ist es wichtig, dass in unseren Schulen Weltkunde vermittelt wird und dabei aktuelle politische Fragen – wie der Bundeswehreinsatz in Afghanistan – erörtert werden. Es muss Raum geschaffen werden für eine eigene, kritische Meinung der Schülerinnen und Schüler.

Mit freundlichen Grüßen
Gabriele Hiller-Ohm
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Frage zum Thema Arbeit
04.02.2013
Von:

fast alle grossen deutschen Unternehmen entlassen trotz Milliarden schweren Gewinnen, aktuell MitarbeiterInnen und ersetzen hoch qualifizierte und erfahrene KollegenInnen durch Praktikanten, Werkstudenten oder junge Niedriglöhner.

Das bedeutet wohl, das es weder eine faire Mitbestimmung, noch eine gesunde Teilhabe an dem Unternehmenserfolg für diese KollegenInnen die zum Teil hier nach Jahrzehnten auf die "Strasse" gesetzt werden, in diesem Zusammenhang zu geben scheint.(Siemens; Finanz Informatik, Eon ec)

Wieso muss dafür, das Wettbewerbsargument herhalten, wenn doch eigentlich nur die Gewinn- maximierung, vor Teilhabe und Mitbestimmung, also offenbar vor unserer Demokratie, steht ? Was ist mit der Anerkennung der Lebens- und Arbeitsleistungen langjähriger MitarbeiterInnen ?

Was ist mit der Demokratie in den Unternehmen in Deutschland eigentlich los ? Ist das nicht gefährlich für unsere Demokratie, wenn ausschließlich nur noch die Shareholder bestimmen ?

Wie stehen Sie zur Sicherung von Teilhabe und Mitbestimmung in den deutschen Unternehmen ?

Wollen Sie wirklich weiterhin und wie es momentan scheint noch stärker als bisher ein Land mit flächendeckenden Niedriglöhnen, Suppenküchen, Tafeln, Kinder- sowie Altersarmut gestalten, oder doch endlich die Teilhabe aller BürgerInnen und ArbeitnehmerInnen am wachsenden BIP; Gewinnen durch eine demokratiesichernde gesetzlichen Mitbestimmung in unserem Land ?

Für Ihre Bearbeitung herzlichen Dank im Voraus.

MFG
Jörg L.
Antwort von Gabriele Hiller-Ohm
2Empfehlungen
11.02.2013
Gabriele Hiller-Ohm
Sehr geehrter Herr ,

da Sie sich sehr für den Themenbereich soziale Gerechtigkeit interessieren, sende ich Ihnen – auch als Antwort auf Ihre vielen Fragen – eine thematisch passende Auswahl der parlamentarischen Initiativen der SPD-Bundestagsfraktion dieser Wahlperiode, an denen ich mitgearbeitet oder die ich federführend betreut habe.

Bessere Chancen für Alleinerziehende auf dem Arbeitsmarkt: dipbt.bundestag.de

Ausbildungsbonus für benachteiligte Jugendliche: dipbt.bundestag.de

Arbeitsmarktpolitik: dipbt.bundestag.de

Ausweitung der Arbeitslosenversicherung: dipbt.bundestag.de

Förderung des sozialen Arbeitsmarktes: dipbt.bundestag.de

Bekämpfung der Altersarmut durch geänderte rechtliche Bewertung in Zeiten von Arbeitslosigkeit oder Niedriglohn: dipbt.bundestag.de

Anträge zur Bemessung der Regelsätze: dipbt.bundestag.de sowie dipbt.bundestag.de

Antrag zur Weiterentwicklung des Armuts- und Reichtumsberichts: dipbt.bundestag.de

Verbesserungen beim Kündigungsschutz: dipbt.bundestag.de sowie dipbt.bundestag.de

Zur Leiharbeit: dipbt.bundestag.de sowie dipbt.bundestag.de und dipbt.bundestag.de Dazu gibt es zudem ein gemeinsames Positionspapier, das unter meiner Federführung mit den SPD-Bundestagsabgeordneten aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie dem DGB Nord entstanden ist. Dieses Positionspapier finden Sie hier: www2.hiller-ohm.de

Zum Thema Mindestlohn: dipbt.bundestag.de dipbt.bundestag.de sowie dipbt.bundestag.de und dipbt.bundestag.de

Befristete Beschäftigung: dipbt.bundestag.de

Mitbestimmung: dipbt.bundestag.de sowie dipbt.bundestag.de

Rechte von Praktikantinnen und Praktikanten: dipbt.bundestag.de

Darüber hinaus habe ich mich bereits in meiner letzten Antwort vom 19. Dezember 2012 zu Ihren Fragen zu Verteilungsgerechtigkeit und guter Arbeit geäußert.

Wenn Sie an sozialpolitischen Themen und der Arbeit der SPD-Bundestagsfraktion interessiert sind, können Sie sich auch gern für den Newsletter anmelden, hier finden Sie die entsprechenden Informationen: www.spdfraktion.de

Im Übrigen möchte ich Sie darauf hinweisen, dass die Abgeordneten der SPD-Fraktion nach dem Wahlkreisprinzip arbeiten. Das heißt, dass sich die Abgeordneten um Bürgeranfragen aus ihrem Wahlkreis oder einem Betreuungswahlkreis kümmern. So wird der direkte Draht der Bürgerinnen und Bürger zu ihrem lokalen Abgeordneten gewährleistet. München wird von meinem Kollegen Klaus Barthel betreut. Ich möchte Sie bitten, sich mit weiteren Fragen an ihn zu wenden.

Darüber hinaus sollten Sie Ihre Fragen in erster Linie auch den Abgeordneten der Regierungsfraktionen von CDU/CSU und FDP stellen, die die derzeitige Regierungspolitik zu verantworten haben.

Münchner Bundestagsabgeordnete von CSU und FDP sind: Peter Gauweiler, Johannes Singhammer, Hans-Peter Uhl und Daniel Volk, Herbert Frankenhäuser und Rainer Stinner.

Mit freundlichen Grüßen
Gabriele Hiller-Ohm
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Frage zum Thema Privatisierung der Wasserversorgung verhindern (Linken-Antrag)
10.03.2013
Von:

Sehr geehrte Frau Hiller-Ohm,

auf ihrer Webseite fordern Sie die BürgerInnen auf sich bei einer Petition gegen die Privatisierung von Trinkwasser zu beteiligen Sie schreiben: "Wasser muss bezahlbar und von hoher Qualität sein. Das schaffen wir nur, wenn wir es nicht dem Markt überlassen. Deswegen lehne ich die EU-Konzessionsrichtlinie ab.".

Nun haben Sie sich allerdings bei einen entsprechenden Antrag im Bundestag enthalten und nicht dagegen gestimmt. Dies scheint mir etwas paradox und ich bitte Sie hiermit mir diesen scheinbaren Widerspruch zu erklären.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Gabriele Hiller-Ohm
1Empfehlung
12.03.2013
Gabriele Hiller-Ohm
Sehr geehrter Herr ,

haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage zum Abstimmungsverhalten bei der Wasserprivatisierung. Die SPD hatte unter dem gleichen Tagesordnungspunkt einen eigenen Antrag zu dem Thema mit dem Titel "Kommunale Versorgungsunternehmen stärken - Formale Ausschreibungspflicht bei Dienstleistungskonzessionen insbesondere für den Bereich Wasser ablehnen" eingebracht. Unseren Antrag finden Sie unter folgendem Link: dipbt.bundestag.de
Unser SPD-Antrag ging nur etwas unter, weil die Linken namentliche Abstimmung beantragt haben. Vielleicht hätten wir das für unseren SPD-Antrag auch beantragen sollen. Dann hätten wir damit auch noch mehr Öffentlichkeit erreicht.

Also: Die SPD ist weder für die Privatisierung noch ist es ihr egal. Unser eigener Antrag ist nur weitgehender - das haben auch die Linken anerkannt und dem SPD-Antrag zugestimmt. Nebenbei: Die CDU/CSU-Fraktion hatte sich fast - versehentlich - beim SPD-Antrag enthalten. Dann hätte er eine Mehrheit bekommen. Die Abstimmung musste aber auf Verlangen der CDU/CSU-Fraktion wiederholt werden. Das kann man im Plenarprotokoll nachlesen.

Mit freundlichen Grüßen
Gabriele Hiller-Ohm
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Frage zum Thema Soziales
13.03.2013
Von:

Sehr geehrte Frau Hiller-Ohm,

den Medien war während der letzten Tage zu entnehmen, dass in der SPD darüber nachgedacht wird, die Beamten sowohl in die gesetzliche Kranken- als auch gesetzliche Rentenversicherung mit einzubeziehen. Ich bin Beamter und würde derartige Maßnahmen grundsätzlich auch mittragen, um einer Ungleichbehandlung zu Zukunft entgegenzuwirken und auch meinen Beitrag in einer solidarischen Kasse zu leisten. Meine Sorge jedoch ist, dass eine entsprechende Umgestaltung nicht fair verlaufen würde. Während meiner gesamten Berufstätigkeit habe ich bei der Kommentierung von Lohnrunden von den Vertretern der Arbeitgeber gehört, dass höhere Lohnzuwächse deshalb nicht nötig seien, weil Beamte ja zahlreiche Privilegien in ihrer sozialen Absicherung genießen würden. Diese Privilegien sind somit längst Teil meines Einkommens geworden. Ich musste offensichtlich auf zahlreiche Lohnerhöhungen verzichten. Vor einer Einbeziehung in die gesetzliche Renten- und Krankenkasse müsste daher eine entsprechende Lohnerhöhung für Beamte erfolgen, so dass Beamte auch nach den Sozialreformen über das gleiche Nettogehalt verfügen. (Berücksichtigt werden muss auch, dass Pensionsansprüche höher als Rentenansprüche sind.) Meine Fragen: 1. Spielen entsprechende Überlegungen bei Ihren Reformplänen eine Rolle? 2. Wie hoch schätzen Sie die notwendigen Lohnerhöhungen für Landes- und Bundesbeamte, um einen fairen Wechsel zu gewährleisten? 3. Glauben Sie, dass unter den von mir beschriebenen Voraussetzungen die Bundesländer tatsächlich ein finanzielles Interesse an einen derartigen Wechsel haben? Deren finanzielle Belastung würde deutlich steigen.

In der Hoffnung, dass Sie Ihre Reformpläne nicht auf dem Rücken der Beamten austragen, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Antwort von Gabriele Hiller-Ohm
1Empfehlung
25.03.2013
Gabriele Hiller-Ohm
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr grundsätzliches Verständnis für unsere Reformpläne bezüglich der Kranken- und Rentenversicherung, um zukünftig für mehr Solidarität und Gerechtigkeit zu sorgen.

Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass dies nicht auf Kosten der Beamten oder anderer privat Versicherter geschehen wird.

Wir haben in unserem kürzlich am 11. März vom Parteivorstand beschlossenen Wahl- bzw. Regierungsprogramm erläutert, wie wir uns die sozialdemokratische Bürgerversicherung konkret vorstellen und wie die Einbeziehung von Privatversicherten erfolgen soll bzw. kann:
"Die Bürgerversicherung wird als Krankenvoll- und Pflegeversicherung für alle Bürgerinnen und Bürger eingeführt. Dazu werden wir für alle Kassen, die an der Bürgerversicherung in Gesundheit und Pflege teilnehmen, einen einheitlichen und solidarischen Wettbewerbsrahmen schaffen. Für alle Neu- und bislang gesetzlich Versicherten wird die Bürgerversicherung verbindlich eingeführt. Menschen, die bisher privat versichert sind, können für ein Jahr befristet wählen, ob sie wechseln wollen." (Seite 63 des Entwurf des SPD-Regierungsprogramms 2013, www.spd.de , weitere Informationen zum Regierungs- bzw. Wahlprogramm finden Sie hier: www.spd.de )

Diesen freiwilligen Wechsel mit Vertrauensschutz für bestehende Privatversicherungen haben wir von Anfang an deutlich gemacht. Im ausführlichen Beschluss des SPD-Präsidiums zur Bürgerversicherung vom 11. April 2011 heißt es daher auch:
"Privatversicherte können - unabhängig von Alter und Gesundheitszustand - in einem befristeten Zeitrahmen wählen, ob sie sie in die Bürgerversicherung unter Mitnahme der Alterungsrückstellungen im Umfang des Basistarifes wechseln oder in ihren bestehenden Verträgen der Privatversicherung bleiben wollen. Vertrauensschutz ist uns wichtig. Gleichzeitig eröffnen wir für viele Privatversicherte, die unter hohen Prämiensteigerungen leiden, damit zum ersten Mal echte Wahlfreiheit." (Seite 2 den Beschlusses vom 11.4.2011, www.spd.de )

Es liegt dann also bei Ihnen, ob Sie – als bislang privat Versicherter – in den neuen Bürgerversicherungs-Tarif einsteigen oder zu den bisherigen Konditionen versichert bleiben.

Wie unsere sozialdemokratische Bürgerversicherung speziell für Beamte ausgestaltet werden soll haben wir zudem in einem ausführlichen Fragen-und-Antwort-Papier vom 11.10.2011 dargelegt. Dieses finden sie hier: www.spd.de .
Darin heißt es:
"Was bedeutet die Bürgerversicherung für beihilfeberechtigte Beamte?
Auch für Beamtinnen und Beamte hat die Bürgerversicherung Vorteile:
Alle, die nach der Einführung der Bürgerversicherung neu verbeamtet werden, werden automatisch normale Pflichtmitglieder in der Bürgerversicherung. Viele Beamte – vor allem in unteren Besoldungsgruppen und/oder mit Familie müssen sich nicht mehr zwangsweise in der PKV versichern.
Beamtinnen und Beamte können sich durch die Wechseloption auch nach langjähriger Vorversicherungszeit in der PKV in der Bürgerversicherung gesetzlich versichern. Wer weiter im bestehenden Beihilfesystem PKV-versichert verbleiben will, dem steht diese Option ebenso offen.
Die Bürgerversicherung soll beihilfefähig ausgestaltet werden. Insofern würden Beamte auch in der Bürgerversicherung nicht ihren Beihilfe-Anspruch verlieren. Die Bundesländern sollen prüfen, wie sie die Bürgerversicherung bzgl. des Beihilferechts umsetzen. Entweder behalten Sie die Beihilfe bei, oder steigen auf das neue System um. Dies liegt in Ihrer eigenen Entscheidungskompetenz.
Gerade für Ehepartner von Beamten entstehen in der Bürgerversicherung deutliche Vorteile, sie können gesetzlich versichert bleiben und erhalten im sowieso bereits belastenden Scheidungsfall zumindest ihren bezahlbaren sozialen Krankenversicherungsschutz."

Die gesetzliche Rentenversicherung wollen wir Sozialdemokraten stärken und zur Erwerbstätigenversicherung hin weiterentwickeln. Die Einbeziehung von Selbständigen ohne obligatorische Altersversorgung in die Rentenversicherung ist dahin ein erster Schritt und verringert auch ihr Armutsrisiko im Alter. Grundsätzlich halten wir es zwar für richtig, alle Selbständigen, Beamten und Abgeordneten in die Rentenversicherungspflicht einzubeziehen, doch steht dies aktuell nicht auf der Tagesordnung. Denn neben der Änderung des Grundgesetzes wären auch die schwierigen Probleme der Belastung der öffentlich Haushalte, die in der Übergangsphase sowohl die Anwartschaften der bisherigen Beamten als auch die Beiträge für die neuen Beamten tragen müssten, zu lösen. Völlig klar wäre dabei, dass eine Rentenversicherungspflicht nicht für diejenigen gelten könnte, die bereits im geltenden Recht verbeamtet sind und entsprechende Ansprüche erworben haben – dies wäre verfassungsrechtlich nicht möglich.

Ich hoffe Ihre Bedenken hinsichtlich unserer sozialdemokratischen Reformpläne ausgeräumt und Sie davon überzeugt zu haben. Ich möchte Ihnen die Links zur weiteren Information – und dabei insbesondere unser Wahl- bzw. Regierungsprogramm für die nächste Legislaturperiode – empfehlen und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Gabriele Hiller-Ohm
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