Sehr geehrter Herr Lay,
vielen Dank für Ihre Anfrage, wie die Politik die Zukunft unseres Landes und die Energieversorgung sichern will.
In Deutschland besteht über die Parteigrenzen hinweg Einigkeit, dass wir unser Energieversorgungssystem langfristig fast vollständig auf erneuerbare Energien umstellen wollen.
Der Weg der Nutzung der Atomenergie war nie zukunftsfähig, zumal auch diese auf den endlichen Rohstoff Uran angewiesen ist. Nach den Reaktorunfällen in Tschernobyl und Fukushima ist in Deutschland allen klar geworden, dass das Restrisiko dieser Technologie zu hoch ist, um weiter auf sie zu setzen. Weltweit ist zudem noch kein Standort für ein Endlager des strahlenden Mülls, der noch viele Generationen nach uns belasten wird, gefunden worden.
Dass die fossilen Energieträger mit Ihren klimaschädlichen Emissionen die Umwelt belasten und den Klimawandel verursachen, bezweifelt heute ebenfalls niemand mehr. Auch die endlichen Rohstoffe Kohle, Öl und Gas sichern also nicht die Zukunft unserer Kinder.
Vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen bei gleichzeitig steigender Nachfrage ist ferner mit weiter steigenden, unter Umständen sogar stark steigenden Energiepreisen auf den Weltmärkten zu rechnen, auf die wir nur einen äußerst geringen Einfluss haben. Uns dieser absehbaren Preisentwicklung gewissermaßen auszuliefern, wäre riskant und grob fahrlässig. Deshalb gibt es langfristig keine Alternative zur Energiewende. Ganz im Gegenteil; die Energiewende an führender Position zu gestalten, eröffnet uns neue Perspektiven und Chancen, insbesondere für unsere innovative Industrie. Die Entwicklung neuer Technologien bietet riesige Chancen. Im Zuge der Energiewende bilden sich neue Geschäftsfelder und neue Märkte. Mit Blick auf die künftigen Generationen ist gerade dieser Weg zukunftsweisend und nicht das Verharren in der alten Welt.
Zu Ihren Aussagen zu den einzelnen Energieträgern:
PV-Anlagen produzieren auch im Winter Strom, aber aufgrund der geringeren Sonneneinstrahlung weniger als im Sommer. Besonders wichtig ist, dass sie dann am meisten Strom produzieren, wenn die Nachfrage nach Strom in der Regel besonders hoch ist: in der Mittagszeit.
Windenergieanlagen haben Volllaststundenzahlen von etwa 2000 bis zu 4000 Stunden pro Jahr an besonders guten Standorten. Da die Stromerzeugungskosten von Onshore - Windenergieanlagen innerhalb der erneuerbaren Energien am niedrigsten liegen, muss gerade die Windenergie weiter ausgebaut werden. Nachholbedarf besteht insbesondere in den Lastzentren im Süden Deutschlands. Aber auch der Stromtransport aus dem windreichen Norden in den Süden ist für die Umstellung unseres Energieversorgungssystems auf erneuerbare Energien unerlässlich und auch sinnvoll.
Biogasanlagen werden mit Biogas (Methan) betrieben, das aus der Vergärung von Biomasse (z.B. Energiepflanzen wie Mais, aber auch Gülle) gewonnen wird. Die Ausbaupotenziale sind hier begrenzt, auch weil es Nutzungskonkurrenzen z.B. mit der Lebensmittelerzeugung gibt. BW setzt deshalb vor allem auf die verstärkte Nutzung von bisher ungenutzter Biomasse wie Rest- und Abfallstoffe oder Landschaftspflegematerial.
In den Jahresbilanzen wird zumeist sowohl auf die installierte Leistung als auch auf die erzeugte Strommenge abgestellt. Unser Ziel in BW für 2020 ist, rund 38% des Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Die Windkraft soll einen Anteil von 10 % beisteuern. Das bedeutet auf der anderen Seite aber, dass wir eine installierte Leistung von ca. 3,5 Gigawatt benötigen. Im Übrigen veröffentlicht das Umweltministerium zusammen mit dem statistischen Landesamt jährlich einen Energiebericht (
www.um.baden-wuerttemberg.de ), der detaillierte Zahlen rund um das Thema Energie enthält und auch langjährige Entwicklungen anschaulich darstellt. Zum Thema Erneuerbare Energien in BW veröffentlicht das UM jährlich eine eigene Broschüre mit umfangreichen Informationen und Zahlenangaben (
www.um.baden-wuerttemberg.de ).
Mit freundlichen Grüßen
Franz Untersteller MdL