Sehr geehrter Herr

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vielen Dank für Ihre Nachricht, auch wenn ich es nicht ganz fair finde, wenn Sie meine differenzierten Ausführungen zur Agenda 2010 und den Arbeitsmarktreformen hier so verkürzt darstellen.
In Wiesloch habe ich unter anderem gesagt, dass ich mir mehr Würde im System der sozialen Sicherung wünsche, dass mir bekannt ist, was auf unseren Sozialgerichten los ist und dass die Menschen mit den Anträgen nicht zurecht kommen, dass fördern und fordern noch nicht in einer guten Balance sind usw.; was ich will, ist, dass das Hilfesystem als Hilfe erlebt wird, nicht als Bedrohung.
Wir können jedoch nicht einerseits den Reformstau der Kohl-Jahre anprangern und gleichzeitig wollen, dass alles beim Alten bleibt. Die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe ("Hartz IV") war, so meine Überzeugung, grundsätzlich richtig. Und Agenda 2010 hieß auch Verringerung des Eingangssteuersatzes, Anhebung des Grundfreibetrags, Ausbau von Ganztagsschulen, Erhöhung von Kindergeld, Wohngeld und BAföG, Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie etc.!
Die Agenda 2010 war gewiss nicht so durchdacht, wie das gerne dargestellt wurde und wird. Zum Beispiel wäre es gut gewesen, schon damals einen gesetzlichen Mindeslohn vorzusehen. Einzelne Bausteine sind kritikwürdig; manches, was die CDU heute kritisiert, hat aber ausgerechnet sie im Vermittlungsverfahren durchgesetzt (Stichwort Schonvermögen beispielsweise). Viele Probleme ergeben sich vor allem in der Umsetzung: Diese müssen im engen Austausch zwischen Betroffenen, Praktikern, Experten und dem Gesetzgeber erkannt und analysiert werden, um auf dieser Grundlage Veränderungen (=Verbesserungen) durchzusetzen. Viel Hoffnung in die neue Koalition habe ich da allerdings nicht!
Was die Bedeutung von Bildung und Weiterbildung und die Bedeutung aktiver Arbeitsmarktpolitik angeht, rennen Sie bei mir offene Türen ein. Zu diesen Fragen engagiere ich mich politisch schon seit vielen Jahren. Gerne bin ich bereit, in den von Ihnen angedeuteten konkreten Einzelfällen zu helfen, wenn ich dafür Möglichkeiten sehe.
Mit freundlichen Grüßen
Lars Castellucci