Dr. Konrad Schily (FDP)
Kandidat Bundestagswahl 2009
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Grunddaten
Dr. Konrad Schily
Jahrgang
1937
Berufliche Qualifikation
Neurologe
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Witten
Wahlkreis
Ennepe-Ruhr-Kreis II
Ergebnis
10,0%
Landeslistenplatz
keinen, Nordrhein-Westfalen
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Ich bin für ein Gutscheinsystem für bedürftige Studierende, dies könnte ähnlich wie beim BAFÖG gehandhabt werden. Diese Gutscheine könnten bei der Hochschule der Wahl eingelöst werden. (...)
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Frage zum Thema Gesundheit
12.09.2009
Von:

Wie wollen Sie die medizinische, pflegerische Versorgung der älter werdenden Bevölkerung sicherstellen? Dies vor dem Hintergrund eines schon bestehenden und zunehmenden Ärztemangels.
Antwort von Dr. Konrad Schily
1Empfehlung
17.09.2009
Sehr geehrter Herr ,

haben Sie Dank für Ihre Frage vom 15. September 2009, die ich gern ausführlich beantworte.

Sie haben Recht, die medizinische und pflegerische Versorgung steht angesichts der demografischen Entwicklungen vor großen Herausforderungen. Daran hat auch die jüngste Reform der Pflegeversicherung nichts geändert. Im Gegenteil! Erlauben Sie mir zwei Aspekte näher zu beschreiben.

Schauen wir zur Fehlentwicklung der Großen Koalition bezüglich der Pflegestützpunkte. Die allgemeine Kritik an der Einrichtung von Pflegestützpunkten mit dort angesiedelten, bei den Pflegekassen angestellten Pflegeberatern wird von der FDP-Bundestagsfraktion geteilt. Vor Ort werden bereits heute vielfach die Aufgaben wahrgenommen, die das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz für die Pflegestützpunkte und die dort angesiedelten, bei den Pflegekassen angestellten Pflegeberater vorsieht: die Beratung Pflegebedürftiger und ihrer Angehöriger sowie die Koordination und Vernetzung bestehender Hilfe- und Unterstützungsangebote bei Pflegebedürftigkeit. Auch wenn die einzurichtende Zahl der Pflegestützpunkte von den ursprünglich von der Gesundheitsministerin und der SPD gewollten und im Kabinettsbeschluss zugestandenen 4.100 im Gesetzgebungsverfahren auf rechnerisch nur noch 1.200 reduziert wurde, bleibt es dabei, dass durch die Einrichtung der Pflegestützpunkte bereits bestehende, durch Pflegebedürftige und ihre Angehörige genutzte Beratungsangebote verdrängt werden. Auch macht das Gesetz den Pflegeberater zu einem Beratungsmonopolisten, der darüber entscheidet, bei welchem Anbieter der Versorgungsplan umgesetzt werden soll.

Das Gesetz übersieht zudem geflissentlich, dass die bisherigen Beratungsangebote nicht aus dem Leistungskatalog der Pflegeversicherung bezahlt wurden, während der Aufbau der geplanten wirkungsgleichen Pflegestützpunkte dem System Geld entzieht, dass an den Betten dringend benötigt wird. Eine bessere Koordination und Vernetzung der vor Ort bestehender Angebote würden mehr bringen und könnte virtuell umgesetzt werden. Dies wäre aber zunächst eine Aufgabe der Kommunen bzw. der Leistungsträger vor Ort. Dazu bedarf es nicht der Einrichtung neuer Strukturen.

Somit wird immer deutlicher, dass dieser Ansatz Pflegefinanzierung für die Menschen zu vereinfachen, wieder einmal nur zu einem bürokratischen Monstrum wird. Dabei muss der bedürftige Mensch im Mittelpunkt stehen und nicht die Verwaltungsstruktur. Die Verwaltung darf nur ein Hilfsmittel sein.

Der zweite Aspekt betrifft die Finanzierung der Pflege. Es ist zu kritisieren, dass die Leistungen für Pflegebedürftige mit Beitragserhöhungen erkauft werden. Bleibt es beim Umlageverfahren, werden die nachfolgenden Generationen die steigenden Pflegekosten nicht mehr tragen können. Wir fordern hingegen, dass mit einem gleitenden Übergang in ein kapitalgedecktes und prämienfinanziertes Versicherungssystem unverzüglich begonnen werden muss. Ansonsten besteht keinerlei Leistungs- und Finanzierungsspielraum. Dies gilt auch für eine Dynamisierung der Pflegeleistungen ebenso wir für Leistungen zur Versorgung Demenzkranker. Um Überforderung zu vermeiden, muss der Übergang mit einem teuerfinanzierten sozialen Ausgleich verbunden werden.

Um meine Gedanken nochmals auf den Punkt zu bringen: In der Pflege braucht es also nicht mehr Staat(s-Pflege) im Sinne neuer staatlicher Reglementierung und staatlicher bzw. quasi-staatlicher Institutionen, sondern mehr individuelle Freiheit sowohl der Pflegebedürftigen als auch der Anbieter, um auf die demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen flexibel und bestmöglich reagieren zu können.

Lieber Herr , lassen Sie mich nun etwas zum Ärztemangel in Deutschland sagen.

Ich bin der Meinung, dass Anreize gegen Ärztemangel ein sinnvoller Weg sind.
Die FDP wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass mit der Neuregelung der ärztlichen Vergütung ein falscher Weg beschritten worden ist. Durch die Entwicklung in den letzten Monaten sehen wir uns bestätigt. Das Vergütungssystem ist viel zu kompliziert und intransparent. Die Budgetierung ist nicht abgeschafft, sondern lediglich in anderer Form wieder aufgelebt. Die bundesweite Angleichung der Ärztehonorare wird den regionalen Gegebenheiten nicht gerecht. Selbst diejenigen, die jetzt besser dastehen als vorher, müssen befürchten, dass sich das ganz schnell wieder ändern kann. Niemand blickt mehr durch, mit welchen Einnahmen er planen kann. Wer als Arzt mehr arbeitet, bekommt das nicht leistungsgerecht honoriert. Stattdessen brauchen wir eine einfache, durchschaubare und leistungsgerechte Gebührenordnung, die die Grundlage für die Abrechnungen der Ärzte bildet.

Die FDP hat sich immer für die niedergelassenen Ärzte, sowohl die Haus- als auch die Fachärzte stark gemacht, weil Sie der Überzeugung ist, dass sich nur so eine qualitativ hochwertige, flächendeckende Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung sicherstellen lässt. Dazu gehören neben dem Einsatz für eine angemessene, transparente und verlässliche Vergütung der Abbau überzogener bürokratischer Anforderungen sowie der Aufbau von Strukturen, die auf Anreize statt auf Kontrollen setzen. Wichtig ist uns, dass die Ärzte wieder mehr Zeit für ihre Patienten haben. Gerade den Hausärzten kommt mit der zunehmenden Zahl älterer Menschen eine immens wichtige Bedeutung zu, denn sie sind diejenigen, die die Patienten als Ganzes im Blick haben und sie durch die verschiedenen Stationen begleiten müssen. Das ist zeitaufwändig. Das muss sich auch in der Vergütung widerspiegeln.

Ich denke nur mit einem umfassenden Konzept lässt sich auch weiterhin die medizinische und pflegerische Versorgung der älter werdenden Bevölkerung sicherstellen.

Mit freundlichem Gruß

Dr. Konrad Schily
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Frage zum Thema Soziales und Familie
15.09.2009
Von:

Wie steht Ihre Partei zu der hohen Belastung für Alleinerziehende mit der Eingruppierung in Steuerklasse zwei. Einem Alleinerziehender wird fast genauso behandelt steuerlich, wie Kinderlose!
Antwort von Dr. Konrad Schily
bisher keineEmpfehlungen
22.09.2009
Sehr geehrter Herr ,

haben Sie Dank für Ihre Anfrage vom 15. September 2009.

Ihre aufgewurfenen Frage zur steuerlichen Situation von Alleinerzeihenden ist recht komplex, deshalb setzt sich die FDP für ein Bündel an Forderungen ein.

Es gibt in Deutschland 153 familienpolitische Leistungen in Höhe von rund 189 Mrd. Euro; 45 Milliarden Euro hiervon stehen für die Familienförderung im engeren Sinne zur Verfügung. Für Alleinerziehende ergeben sich je nach Ausgangslage Ansprüche aus dem Steuer-, dem Sozial- oder dem Unterhaltsrecht.
An einer Harmonisierung dieser Rechtsgebiete fehlt es bislang. Aus dem Grunde fordern wir, dass sich die staatliche Rahmenbedingungen die zunehmende Zahl alleinerziehender Elternteile Berücksichtigen müssen .

Mit einem fairen Steuersystem mit Stufentarif, gekoppelt mit einer Kindergelderhöhung auf monatlich 200 Euro, und der Anhebung des Kinderfreibetrages auf den von Erwachsenen wird allen Familien mehr Geld für die Lebensgestaltung zur Verfügung stehen, auch den Alleinerziehenden.

Die FDP fordert weiterhin die steuerliche Berücksichtigung der tatsächlich entstandenen Kosten der Kinderbetreuung bis 12.000 Euro.

Gemeinsam mit einer großen Steuerreform setzen wir uns für die Einführung eines liberalen Bürgergeldes im Sinne eines Universaltransfers für Erwachsene und Kinder ein. Speziell für Familien und alleinerziehende Elternteile ist zu prüfen, wie ein Kinderbeihilfepaket (Child Benefit Package) geschnürt werden kann, um Eltern und Kinder in einem ersten Schritt durch bessere Rahmenbedingungen zu unterstützen.

Mit freundlichem Gruß

Dr. Konrad Schily - MdB
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Frage zum Thema Finanzpolitik
19.09.2009
Von:

Sehr geerter Herr Dr. Schily,

Ihre Ideen zum Thema Gesundheit und Bildung sprechen mich direkt an und ich freue mich, dass Sie sich dafür weiterhin in Berlin einsetzen wollen.

Nur frage ich mich - und nun Sie - wie diese in Zukunft möglichst vorteilhaft finanziert werden können.
Dabei denke ich vorallem an Funktionalität und Qualität einerseits und soziale Gerechtigkeit, aber auch Schönheit, anderseits.

Für meine Empfindung und mein Verständnis wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen, die ideale Lösung dafür, dass ALLE Studenten überhaupt die Möglichkeit hätten, Studiengebühren zu entrichten - falls diese dann immer noch für gut befunden würden. Es erlaubte auch, dass ALLE Patienten und ihre Angehörigen einer übertriebenen und normierenden Verstaatlichung einerseits und einer erdrückenden Konzernabhängigkeit andererseits de facto frei gegenüberstünden und wirklichen Freiraum für die Kreation individuell passender Lösungen erhielten.

Über das gängige Verständnis von Gesundheit und Bildung hinaus, sehe ich in diesem Ansatz eine Erweiterung dieser Begriffe in Richtung der heute brennend not-wendigen gesamtgesellschaftlichen Fragen: Direktdemokratischer Einbezug der Bürger und ihre
ökonomische Autonomisierung.

Ein neues kulturelles Blühen entstünde.

Gute Ideen hätten dadurch überhaupt einen Boden.

Staatsbankrott u.ä. würde entgegengewirkt.

Wie stehen Sie zu Ideen wie dem bedingslosem Grundeinkommen? - Oder auch ähnlichen Ansätzen, die schrittweise in diese - oder eine ähnliche - Richtung führen?

Setzen Sie sich damit systematisch auseinander?

Sind Sie dafür offen?

Schlägt Ihr Herz auch in dieser Richtung?

Würden Sie sich für die praktische Einbettung Ihrer Themen in den dafür inzwischen dringend und wichtigst not-wendigen Realisierungsrahmen eines Grundeinkommens gerne tatkräftig engagieren?

Mit herzlichstem Dank für Ihr Ja zum Volksentscheid und allem anderem, sowie freundlichen
Grüßen,

J.S.
Antwort von Dr. Konrad Schily
bisher keineEmpfehlungen
22.09.2009
Sehr verehrte Frau ,

Ihnen vielen Dank für Ihre Mitteilung und Ihre Fragen vom 19.9.09.

Dass ich für Volksentscheide bin, wissen Sie. Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens muss sicher noch weiter entwickelt werden. Der Vorschlag der FDP zum Bürgergeld beschreibt eine unbürokratische und machbare Form zu einem solchen Ziel. Sicher würde damit den Menschen mehr Freiheit gegeben und es würde einen erheblichen Bürokratieabbau bewirken.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Konrad Schily
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Frage zum Thema Finanzpolitik
19.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Schily,

  • Wie stehen Sie zu Studiengebühren?

  • Was sind diesbezüglich Ihre Nah- und Fernziele?

Mit freundlichem Gruß,

* JSA.
Antwort von Dr. Konrad Schily
bisher keineEmpfehlungen
22.09.2009
Sehr verehrte Frau ,

ich bin für ein Gutscheinsystem für bedürftige Studierende, dies könnte ähnlich wie beim BAFÖG gehandhabt werden. Diese Gutscheine könnten bei der Hochschule der Wahl eingelöst werden. Damit würde man ein sozial verträgliches Studiengebührensystem schaffen, das diejenigen unterstützt, deren finanzieller Hintergrund das notwendig macht und nicht viele unterstützt, um eine/n Richtigen zu treffen.

Mit freundlichem Gruß

Dr. Konrad Schily
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Frage zum Thema Gesundheit
23.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Schily,
bleibt mit der FDP in der Regierung der § 73 b bestehen?
Antwort von Dr. Konrad Schily
bisher keineEmpfehlungen
25.09.2009
Sehr geehrter Herr ,

haben Sie Dank für Ihre gestrige Frage.
Um es klar zu sagen, ja die FDP setzt sich auch weiterhin dafür ein, dass Hausarztverträge nach § 73b Sozialgesetzbuch V bestehen.

Die FDP unterstützt die Möglichkeit für die Vertragspartner, auf freiwilliger Basis zu für beide Seiten vorteilhaften Vereinbarungen zu kommen. Wir wünschen uns, dass viele Krankenkassen gute Verträge abschließen, um die Qualität der Versorgung und die ärztliche Vergütung zu verbessern. Der Aspekt der Freiwilligkeit ist für uns ein ganz entscheidender Vertragspartner, einzelne Hausärzte und Patienten müssen auch die Möglichkeit haben, ein Angebot, das ihnen nicht gefällt, abzulehnen.

Wir haben uns immer dafür eingesetzt und wird das auch weiterhin tun, dass die Hausärzte in ihrer wichtigen Funktion in unserem Gesundheitssystem gestärkt werden. Das entspricht dem Wunsch vieler Patientinnen und Patienten.
Für uns bedeutet das, dass die Hausärzte Arbeitsbedingungen vorfinden müssen, die es ihnen ermöglichen, sich auf ihre Patienten zu konzentrieren und die ihnen ein angemessenes Einkommen sichern.
Ich bin überzeugt davon, dass das über eine transparente und leistungsgerechte Gebührenordnung ohne Regelleistungsvolumina möglich ist. Ein höherer Arbeitseinsatz muss sich auszahlen, ebenso wie ein Mehr an Qualität. Insbesondere Gesprächsleistungen und Hausbesuche müssen so bezahlt werden, dass die Selbstausbeutung vieler Ärzte ein Ende hat.

Mit freundlichem Gruß

Dr. Konrad Schily - MdB
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Ihre Frage an Dr. Konrad Schily
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