Dr. Hermann Scheer (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Dr. Hermann Scheer
Jahrgang
1944
Berufliche Qualifikation
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, Publizist
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Waiblingen
Landeslistenplatz
2, über Liste eingezogen, Baden-Württemberg
weitere Profile
(...) Ich habe das in der AG Wirtschaft der SPD-Fraktion (deren Mitglied ich nicht bin) angestoßen, ist aber dort auf die lange Bank geschoben worden. Individuelle Anträge gibt es im Bundestag nicht, alles läuft über Fraktionen. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
03.07.2009
Bundestagswahlrecht
nicht beteiligt
02.07.2009
AWACS-Einsatz in Afghanistan
nicht beteiligt
18.06.2009
Internetsperren
nicht beteiligt
18.06.2009
Patientenverfügung (Stünker-Antrag)
nicht beteiligt
29.05.2009
Schuldenbremse
JA
28.05.2009
Abgabe von künstlichem Heroin an Schwerstabhängige
JA
Fragen an Dr. Hermann Scheer
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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
14.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Scheer,

ich habe ihr engagiertes Auftreten auf dem Hamburger Parteitag interessiert mitverfolgt und mich darüber gefreut, dass sie mutig Stellung gegen die Privatisierung der Bahn bezogen; zwar war ich selbst nicht wirklich zufrieden mit dem Volksaktienmodell, jedoch erschien es als ein wirksames Model, um mögliche unpopuläre Entscheidungen von renditefixierten Investoren auszuschließen.

Die Entscheidung, welche nun vom Parteivorstand getroffen wurde und wieder nicht dem Willen der SPD-Anhänger folgt, ist nun eine schwere Enttäuschung. Von wessen Demorkatie reden wir hier noch? Die Mehrheit der Bevölkerung, die SPD-Parteibasis (!) spricht sich GEGEN eine Privatisierung aus; der technokratische Vorstand, welcher arrogant und überheblich die Mehrheit ignoriert und nur noch den Interessen der Finanzwirtschaft hinterherhechelt, demontiert weiter die Partei.

Ihr Interview im dradio Kultur war eine unbeschreibliche Frechheit. Sie lügen, wenn sie davon ausgehen, dass die Investoren keinen Einfluss hätten; sie lügen, wenn sie davon ausgehen, dass in Zukunft nicht noch mehr veräußert wird! Dieser Beschluss war erst der Anfang, worauf die Zufriedenheit von der heuschreckenfreundlichen CDU gründet, weshalb der Mehdorn zufrieden in die Kameras grinste. Es ist nur eine Frage der Zeit, ehe die Bahn vollständig in die Hände von Privatinvestoren fällt.

Wo bleibt ihr Gewissen? Wie können sie die Parteibasis so dermaßen hintergehen? Wo ist der Scheer des Parteitags?

Es wird stets gefragt, wieso die LINKE so stark ist; weshalb die SPD immer weiter an Zustimmung verliert, weshalb niemand den Beck mag.

Mit solchen Beschlüssen wird die SPD nie wieder irgendeine Chance zur Regierungsbildung haben. Auf diese SPD kann jeder stolze Sozialdemokrat verzichten.

Mit freundlichem Gruß

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Frage zum Thema Wirtschaft
21.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Scheer,

die kommende Versorgungskrise beim Öl wird langsam offiziell:

"Energiehunger trifft Energieknappheit: Während die Nachfrage nach Öl
wächst, sinkt die Förderung – es drohen Lieferklemmen, eskalierende Preise, Inflation. Im Gespräch mit der Energiepolitikerin Astrid Schneider fordert der Chefökonom der IEA, Fatih Birol, die Mitgliedsstaaaten zu einem Politikwechsel auf. Sein Motto: Wir sollten das Öl verlassen, bevor es uns verlässt."
www.internationalepolitik.de

Dazu die beunruhigenden Meldungen aus Russland und Saudi-Arabien, die Sie sicher kennen.

Ich habe nicht den Eindruck, dass in der Öffentlichkeit der Ernst dieser Lage bekannt ist.

Was tun Parlament und Regierung, um diese kommende Krise zu vermeiden oder mindestens einzudämmen?

Mit freundlichen Grüßen

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Frage zum Thema Umwelt
22.04.2008
Von:

Als erstes möchte ich mich für ihre Arbeit bedanken. Ich bin begeistert von ihren Büchern und ihrem Energiekonzept. Ich befasse mich nun schon seit einigen Jahren mit den Erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz und komme immer mehr zu dem Schluss das ein Umbau des Energiesystems nicht nur zwingend notwendig ist, sondern auch viele Vorteile bietet.

Nun meine Frage. Warum wird in der Politik nicht mehr getan um die fossilen Energieträger zurückzudrängen und die Energiewirtschaft effizienter und umweltverträglicher zu gestalten? Außerdem: Wann bekommen sie endlich einen Ministerposten?!?
Antwort von Dr. Hermann Scheer
3Empfehlungen
24.04.2008
Dr. Hermann Scheer
Lieber Herr ,

vielen Dank für Ihre mail.

Auf die Fragen des "warum nicht" habe ich ja in meinen Büchern Antworthinweise gegeben, die allerdings nichts entschuldigen. Wann ich Minister werde, hängt von Dingen ab, die ich nicht beeinflussen kann, ich bin aber auch so nicht untätig. Denken Sie an den Satz von Kurt Tucholsky: "Sie glaubten, sie seien an der Macht, dabei waren sie nur in der Regierung."

Freundliche Grüße
Dr. Hermann Scheer MdB
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
06.05.2008
Von:

Herr Dr. Scherr,

ich frage mich wie bei einem Mindesteinkommen von derzeit über 7ooo,- Euro Brutto und nicht wenigen sonstigen Geld- und Sachleistungen in Zeiten von Niedriglohn wachsender Armut, allgemeiner Preissteigerungen, beschönigten Arbeitslosenzahlen und Tarifabschlüßen die oftmal effektiv nur die reale Inflation ausgleichen, die letzte und die aktuelle Diätenerhöhung gegenüber dem Wähler gerechtfertigt werden kann?

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Frage zum Thema EU-Vertrag von Lissabon
15.05.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Scheer,

können Sie mir schreiben, was genau Ihnen alles nicht vorgelegen hat, als Sie über den Vertrag von Lissabon abstimmen sollten?

Was hat Ihnen gefehlt? Halten Sie den jetzigen Prozess in irgendeiner Weise für gefährlich für die freiheitliche demokratische Grundordnung? Was genau befürchten Sie für Nachteile? Bisher ist die Entwicklung in der EU doch fast nur positiv zu bewerten.

Manche Personen befürchten, durch die komplizierten Formulierungen oder durch Vorbehalt von Einzelheiten solle am Volk vorbei etwas aufgebaut werden, was diesem dann die Rechte nimmt.
Halten Sie das für begründet oder für verschwörerische Paranoia?

Mich würde ernsthaft Ihre detaillierte Meinung zu dem Thema interessieren und was genau Ihnen weshalb nicht vorgelegen hat.

Vielen Dank für Ihre Antwort!

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Dr. Hermann Scheer
17Empfehlungen
29.07.2008
Dr. Hermann Scheer
Sehr geehrter Herr ,

ich habe am 29. April diesen Jahres auf eine Bürgeranfrage zur Abstimmung im Bundestag über den Vertrag von Lissabon Folgendes geantwortet:

"Ich habe mich an der Abstimmung über den EU-Reformvertrag nicht beteiligt, weil ich mich grundsätzlich einer Teilnahme verweigert habe aus einem übergreifenden und zentralen Grund: Ein vollständiger Vertragstext lag nicht vor. Insofern fehlte aus meiner Sicht die Voraussetzung für eine entsprechende Abstimmung."

Da diese Äußerung in vielfacher Hinsicht falsch interpretiert wurde, möchte ich hiermit klarstellen, dass Folgendes gemeint war: eine vollständige konsolidierte Fassung des Vertrages lag dem Deutschen Bundestag nicht als offizielles Dokument im Zusammenhang mit der Abstimmung vor (beispielsweise als Anhang zum Gesetzentwurf der Bundesregierung).

Die Bundesregierung hat sich in ihrem Gesetzentwurf darauf beschränkt, nur das Nötigste aufzuführen. Auf Seite 152 der entsprechenden Bundestagsdrucksache (16/8300) konnte man dazu nachlesen : "Der Vertrag von Lissabon ist ... ein klassischer Änderungsvertrag. Das heißt, er baut auf der Struktur der bestehenden Verträge auf und ändert diese.". So war dann auch der Gesetzentwurf gestaltet: er führte nur die Änderungen auf, aber keinen endgültigen Vertragstext inklusive der Änderungen (konsolidierte Fassung). Der Bundesrat hat in seiner Stellungnahme zur Bundestagsdrucksache völlig zu Recht ausgeführt: "Bedauerlich ist auch, dass von der Verabschiedung eines einheitlichen und transparenten Vertragstextes Abstand genommen .... werden musste.".

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung war der juristischen Form nach korrekt, für eine öffentliche Debatte jedoch vollkommen ungeeignet. Ich halte es für so bezeichnend wie bedauerlich, dass die Europäische Union erst am 15. April, also nur 9 Tage vor der Abstimmung im Bundestag eine konsolidierte Fassung des Vertragstextes vorgelegt hat. Deren Umfang beträgt 479 Seiten. Kaum ein Parlamentarier dürfte in der Lage gewesen sein in so kurzer Zeit dieses Dokument zu lesen und zu bewerten. Für die Bürgerinnen und Bürger gilt das ebenso. Vielfach herrscht deshalb, das belegen auch die zahlreichen Briefe und Mails die ich erhalten habe, in Teilen der Bevölkerung ein Gefühl der Ohnmacht vor.

Es ist politisch jedoch ein Fehler, den EU-Vertrag nicht zum Anlass einer breiten gesellschaftlichen Diskussion zu nehmen. Die Tatsache, dass ich mich nicht an der Abstimmung beteiligt habe, bezieht sich auf dieses Vorgehen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Hermann Scheer MdB
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