Bodo Ramelow (DIE LINKE)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Grunddaten
Bodo Ramelow
Jahrgang
1956
Berufliche Qualifikation
Kaufmann
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Gera - Jena - Saale-Holzland-Kreis
Landeslistenplatz
1, über Liste eingezogen, Thüringen
weitere Profile
(...) Nichtsdestotrotz liegt der LINKEN und mir persönlich das Thema Erneuerbare Energien in Verbindung mit der Schaffung von nachhaltigen Arbeitsplätzen sehr am Herzen. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
31.07.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Ramelow,

ich betreibe im süddeutschen Raum 2 Reisebüro und einen Reiseveranstalter, für die Kanaren/Bali und Städte und Musicalreisen.
Ich habe jetzt vor das Tätigkeitsfeld zu erweitern und mich an dem Wettbewerb auf der Schiene. Die DB hat den Nachtreise - und Urlauberverkehr einschlafen lassen und in diese Nische möchte ich mit meinem Unternehmen tretten und den Kunden die Produkte wieder anbieten.

Leider bekomme ich nirgenswo Antworten auf die Fragen anch den gesetzlichen Vorschriften, den Fördermöglichkeiten durch EU/Bund / Länder und Gemeinden.


Können Sie mir da Auskunft geben.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Bodo Ramelow
5Empfehlungen
07.08.2008
Bodo Ramelow
Sehr geehrter Herr ,

da Sie aus Baden-Württemberg kommen, möchte ich Ihnen zuallererst einen offiziellen Weg nennen, der für Sie eine direkte Beratung in Sachen Fördermöglichkeiten, Konzeptentwicklung, Finanzierung usw. bringen kann: Auf der Internetseite: www.wpunkt.de finden Sie umfassende Informationen zu vorhandenen Fördermöglichkeiten!

Unter: www.mehrbahnen.de finden Sie Beratung und Infos zum Thema Engagement im Schienenverkehr! Nicht in Konkurrenz dazu, aber mit Berücksichtigung der DB AG wird der gesetzliche Rahmen zum Schienenverkehr auf der Seite: www.vdv.de beschrieben.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Hinweisen schon einmal direkt helfen!

Mit freundlichen Grüßen

Bodo Ramelow
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Frage zum Thema Soziales
06.08.2008
Von:

Guten Morgen Genosse Ramelow,

ab Januar 2009 sollen die Krankenkassenbeiträge erneut steigen und zwar einheitlich auf 15,6 oder 15,8%.
Dem Geschnatter von Frau Schmidt kann man ja nun keinen Glauben mehr schenken .... nach dieser Reform werden die Kassenbeiträge sinken! Die bisherigen Reformen gingen alle für das normale Volk nach hinten los. Wir haben um die 300 Krankenkassen mit diversen Vorständen bzw. Geschäftsführern und sehr, sehr hohen Gehältern - bisher war dafür die Begründung: Es muss Wettbewerb zwischen den Kassen bestehen. Da gehe ich doch jetzt davon aus, dass bei einheitlichen Beiträgen so etwa 299 Kassen unnötig werden! Oder?

M.f.G. S.
Antwort von Bodo Ramelow
8Empfehlungen
06.08.2008
Bodo Ramelow
Hallo Herr/Frau ,

vielen Dank für die Frage. Die letzte Gesundheitsreform wurde wie ihre Vorgänger mit dem Versprechen verkauft, dass dadurch die Beiträge gesenkt werden könnten. Dass genau das nicht passiert, wird in diesen Monaten deutlich. Ein Gesundheitssystem, das zukünftig alle Innovationen abdecken und allen Menschen zur Verfügung stehen soll, braucht eine neue Finanzierungsbasis. Die Bundesregierung hat sich im Grunde nicht darauf verständigen können. Und so kam der Gesundheitsfonds als Kompromiss heraus, der keine der bestehenden Probleme löst. Folgerichtig kommt es zum weiteren Beitragsanstieg.
Wir haben im Parlament auf die richtige und gerechte Lösung hingewiesen: Wir brauchen eine solidarische Bürgerinnen- und Bürgerversicherung, eine Einbeziehung aller Einkommensarten und aller Berufsgruppen, also auch der Beamten und Selbstständigen.
Die Anzahl der Krankenkassen ist in den letzten zehn Jahren von über 2000 auf etwa 200 geschrumpft. Wenn zukünftig auch die Beitragsunterschiede verschwinden, stellt sich die Frage, warum wir noch so viele Kassen brauchen. Ich bin der Meinung, dass der Schrumpfungsprozess weitergeführt werden muss. Auch wenn die Kassen mit ihren Vorständen nicht die maßgeblichen Kostentreiber sind, sind mit Sicherheit weniger Kassen erforderlich, um alle Menschen zu versichern und die Finanzierung ihrer Krankheitskosten zu garantieren.

Mit freundlichen Grüßen

Bodo Ramelow
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Frage zum Thema Wirtschaft
09.09.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Ramelow,

ich danke Ihnen für Ihre Antwort vom 30.7.2008 und habe nun eine Frage aus aktuellem Anlass.

Spiegel Online berichtete vor wenigen Tagen: "Die Billiglohnregion der Republik liegt im Osten: Nach einer Gewerkschaftsstudie arbeiten die Menschen in Thüringen im Schnitt am längsten - aber verdienen am wenigsten." Siehe www.spiegel.de für den ganzen Artikel. Mich überraschte diese Meldung, d.h. ich hätte uns im Lohn wenigstens vor Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gesehen.

Das Thema habe ich in einem Internet-Forum angeschnitten und fragte, ob dies an geringeren Lebenshaltungskosten in Thüringen liegen mag. Exil-Thüringer aus bspw. München oder Frankfurt meinten aber, dass zwar die Mieten und die Gastronomie in Thüringen teilweise günstiger sei als dort, aber bspw. Wasser und Energie (Gas, Strom, Sprit) sogar teurer.

Meine Fragen an Sie also:
1. Woran liegt es ihrer Meinung nach, dass Thüringen die geringsten Löhne hat? Zieht ein ausufernder Niedriglohnsektor den Lohndurchschnitt soweit herunter oder sind auch die Normallöhne viel zu niedrig? Oder ist dies nur ein demographisches Problem oder gibt es zu wenig Ballungszentren bzw. Technologiezentren in Thüringen? Was denken Sie?
2. Wie könnte man der Ursache begegnen? (Das Programm 2020 und damit die Punkte "Förderung von KMU", "ÖBS", usw. sind mir mittlerweile bekannt. Was hilft davon in diesem Punkt?)

Selbstverständlich ist mir bewusst, dass die Verhältnisse nicht in einem Satz erklärt werden können, daher habe ich nichts dagegen, wenn Sie etwas umfangreicher antworten. :-)

Mit neugierigem und freundlichem Gruß,
Antwort von Bodo Ramelow
16Empfehlungen
17.09.2008
Bodo Ramelow
Sehr geehrter Herr ,

meiner Ansicht nach sind vor allem zwei Ursachenkomplexe für die niedrigen Löhne relevant. Erstens wurde in der Zeit der wirtschaftlichen Umstrukturierungen nach dem Ende der DDR in Thüringen der Kurs der Deindustrialisierung besonders rigide vollzogen. Im Prozess der Privatisierung ehemals volkseigener Betriebe sind industrielle Kerne und große Unternehmen bewusst nicht erhalten worden. Das war Regierungspolitik der ersten Thüringer Koalition aus CDU und FDP, die gegen erhebliche Widerstände durchgesetzt wurde. Ich möchte eine Zahl nennen, um einen Eindruck von der Dimension des Abbaus zu vermitteln. Allein im Verarbeitenden Gewerbe, dem ja eine Schlüsselrolle zukommt, sind in Thüringen zwischen Januar 1991 und Januar 1992 fast 300.000 Arbeitsplätze weggefallen, damit hatten 74 Prozent aller dort beschäftigten Menschen ihre Arbeit verloren.

In der Folge ist die Wirtschaftsstruktur in Thüringen äußerst kleinteilig. Im aktuellen "IAB-Betriebspanel Länderbericht Thüringen" ist für 2007 ausgewiesen, dass 75 Prozent der Unternehmen weniger als zehn Beschäftigte haben, 48 Prozent sogar weniger als fünf. Diese kleinen Unternehmen, die in aller Regel über einen geringeren Anteil an hochwertigen Stellen verfügen und für die auch eine geringe Tarifbindung typisch ist, zahlen niedrigere Löhne als Großunternehmen. Ein damit zusammenhängendes Problem ist das der niedrigen Produktivität, die bei allem Fleiß und Einsatz der Beteiligten in Kleinunternehmen existiert. Außerdem spielt der stark gewachsene Niedriglohnsektor eine Rolle. Sein Ausbau war gewollt, niedrige Löhne sind jahrelang von Regierungsmitgliedern offiziell als "Standortvorteil" bezeichnet und von der landeseigenen Landesentwicklungsgesellschaft bei der Investorensuche bewusst beworben worden (Sozialministerin Lieberknecht argumentierte noch im Juni 2008 in diese Richtung). Das hat natürlich Konsequenzen. Laut Arbeitsmarktstatistik handelte es sich 2006 bei fast 34 Prozent aller Beschäftigungsverhältnissen in Thüringen um "nicht standarisierte Beschäftigung", also um befristete Stellen, Teilzeitarbeit, Minijobs, prekäre Jobs. Angewachsen ist auch die im Vergleich mit den Stammbelegschaften deutlich schlechter bezahlte Leiharbeit, Thüringen verzeichnete 2007 die bundesweit zweithöchsteLeiharbeitsquote.

Um dem zu begegnen, müssen zunächst auf Bundesebene die Auswüchse des Lohndumpings durch einen gesetzlichen Mindestlohn gestoppt werden. In der Landespolitik halte ich eine alternative Konzeption von Wirtschaftsförderung unter dem Motto "Regional vor Global" für dringend notwendig. Ziel muss die Schaffung und Erhaltung von Existenz sichernden Arbeitsplätzen in nachhaltigen Zukunftsbranchen der Region sein. Wirtschaftsförderung ist dann nicht Selbstzweck, sondern zielt auf den sozial-ökologischen Umbau und auf Beschäftigungswirksamkeit. Das ist zu erreichen durch die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe, um die Bedingungen für regional produzierende kleine und mittlere Unternehmen sowie für alternative Formen der wirtschaftlichen Betätigung (z.B. in der Kommunalwirtschaft oder in Genossenschaften) zu verbessern und ihnen günstigere Ausgangsmöglichkeiten zur Teilnahme an Innovations- und Vermarktungsprozessen zu schaffen. Kooperation, Vernetzung und Clusterbildung sind Schlüsselelemente dieses alternativen Wirtschaftens, mit denen auch die Produktivitätsrückstände kleiner Unternehmen reduziert werden können. Auch der Wissenstransfer aus der Forschung in die regionalen Unternehmen spielt eine wichtige Rolle. Wenn zudem die Mittel der aktiven Arbeitsmarktpolitik gebündelt werden, um Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge im Nonprofit-Sektor zu gewährleisten, wird auf sinnvolle Weise Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanziert.

Mit freundlichem Gruß

Bodo Ramelow
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
17.09.2008
Von:

Werter Herr Ramelow,

Sie sind eine Partei eingetreten, die aus 70% ehemaligen SED - Mitgliedern besteht. Die Verbrechen dieser Partei gegen die Menschlichkeit sind bekannt. Wollen Sie eine EDEL - DDR errichten und dann auf die Erfahrung dieser Genossen zurückgreifen?
2. Frage: Das grausamste Verbrechen der modernen Zivilisation der Nationalsozialisten an den Juden ist Ihnen gut bekannt. Warum hat die SED deren eingezogenes Vermögen behalten und nicht schnellsten zurück gegeben?

Mit freundlichen Grüßen

Humplik
Antwort von Bodo Ramelow
19Empfehlungen
13.10.2008
Bodo Ramelow
Sehr geehrter Herr Humplik,

es stimmt, ich bin der PDS 1999 beigetreten. Dieser Entschluss wurde von mir in Thüringen getroffen angesichts zweier Faktoren. Erstens angesichts des Beginns des völkerrechtswidrigen Krieges der Bundesrepublik Deutschland gegen Jugoslawien, um angeblich die Menschenrechte im Kosovo zu schützen (das Ergebnis können wir heute besichtigen) und zweitens bin ich einer regionalen Volkspartei beigetreten, die zu dem damaligen Zeitpunkt in Thüringen 20 % der Bevölkerung durch Mandate repräsentiert hat.

In dieser PDS sind in der Tat auch Mitglieder organisiert, die vorher in der SED Mitglied waren. Dies hat nie jemand geleugnet und dies scheint mir auch kein Kriterium für eine Bewertung zu sein, denn die schiere Mitgliedschaft sagt nichts über den Charakter, das politische Wollen und das Engagement eines Menschen aus. Erwähnt sei, dass die CDU zwei Blockparteien aus der DDR direkt übernommen und die FDP auch zwei Blockparteien in sich vereint hat.

Dem Schlussbericht der Treuhand kann man entnehmen, dass Millionen von der DDR-CDU in Form von Bargeld oder Sachinvestitionen in die CDU der Bundesrepublik Deutschland direkt übernommen wurden. Sie können auf unserer Homepage nachlesen, dass sämtliche Vermögenswerte der SED von unserer Partei per notariellen Vertrag an die Bundesrepublik Deutschland abgetreten worden sind. Erwähnen möchte ich, dass, sollte sich irgendwo auf der Welt ein Konto befinden, das aus diesen Vermögensbeständen nicht erfasst worden ist, aber der SED zugeordnet werden könnte, dieses unmittelbar an die Bundesrepublik Deutschland fallen würde. Sollte die Bundesrepublik nachweisen, dass ein Vorstandsmitglied meiner Partei damals oder heute Kenntnis von diesem Konto gehabt hat, werden wir sofort pönal mit einer Buße von 1 : 4 belegt. Die Frage also, ob die SED Vermögen eingezogen hat, das jüdischen Menschen gehört, kann ich so ohne Weiteres gar nicht beantworten. Aber verweisen kann ich auf die Wiedergutmachungsgesetze des Landes Thüringen vom 14. September 1945 bzw. der Landtage von Sachsen-Anhalt vom Mai 1947 und Mecklenburg im April 1948, mit denen die Rückübertragung von Eigentum an die Organisationen garantiert wurde und damit auch die jüdischen Gemeinden berechtigt waren, dieses Eigentum wieder in Besitz zu nehmen.

Außerdem wurde jüdisches Gemeindeeigentum auf Grund des SMAD-Befehls Nr. 82 vom 29. April 1948 zum Teil an die Gemeinden rückübertragen. In Sachsen-Anhalt gab es während der sowjetischen Besatzungszeit eine Entschädigungszahlung für das jüdische Kinderheim Bad Dürrenberg und für die Synagogengemeinde in Magdeburg. Allerdings gab es tatsächlich durch eine Intervention des DDR-Finanzministeriums später keinerlei weitere materielle Entschädigungsleistungen mehr. Die Rückübertragung von Gemeindeeigentum erfolgte auf der Grundlage des Befehls Nr. 82 bis 1951 und wurde dann als abgeschlossen deklariert. Gemeinden erhielten jährliche finanzielle Zuwendungen vom Ministerium der Finanzen, um Synagogen und Friedhöfe zu erhalten sowie notwendigste Ausgaben zu finanzieren. Diese regelmäßigen Leistungen wurden aber ausdrücklich nicht als Wiedergutmachungs- und Entschädigungszahlungen verstanden und - wie ich als Bürger der Bundesrepublik mit Erstaunen sagen muss -, die DDR verwies ausdrücklich darauf, dass sie sich nicht in der Verpflichtung sah, als "sozialistischer Staat" Verpflichtungen einzugehen, anscheinend, um damit nicht in den Verdacht zu geraten, eine besondere Schuld gegenüber den Überlebenden der Shoa einzuräumen. Als Nachgeborener aus der Bundesrepublik kann ich dies nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, denn die historische Verantwortung für die Shoa tragen als Volk wir Deutschen zusammen.

Deshalb ist es gut und richtig, dass wir heute in der Partei DIE LINKE sehr intensiv über diese Fragen diskutieren, und ich verweise ausdrücklich auf die Ausführungen meines Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi zum 60. Jahrestag des Staates Israel.

Ich persönlich bin gerade eine Woche im Rahmen einer großen Konferenz des interreligiösen Dialogs in Israel gewesen und meine entsprechenden Reflexionen können Sie auf meiner Homepage auf den Tagebuchseiten vom 20.06. bis 27.06.2008 nachlesen.

Ich glaube, dass die DDR als völkerrechtlich anerkannter Staat Schuld auf sich geladen hat, als sie mit staatlichen Beschlüssen mehrfach dafür gesorgt hat, dass Vermögenswerte, die jüdisches Eigentum sind, nicht entschädigt oder zurückgegeben bzw. mit dem Beschluss vom 20. Juli 1950 als ausländisches Vermögen unter staatliche Verwaltung gestellt wurden.

Hier wurde die Rückgabe des Vermögens jüdischer Bürger als "Restauration des Kapitalismus" qualifiziert und man sah es für gerechtfertigt an, damit die Überführung in das sogenannte Volkseigentum vorzunehmen. All das halte ich für eine historische Schuld der DDR.

Trotzdem, werter Herr Humplik, muss ich darauf hinweisen, dass nicht die SED dieses Vermögen an sich gezogen, sondern der DDR-Staat diese Vermögenswerte gewandelt hat, entweder in Staatseigentum oder in sogenanntes Volkseigentum. Alle diese Werte sind am Schluss in die Treuhand eingegangen, und mit den Nachwendegesetzen wurde sichergestellt, dass jedes Vermögen, jedes Grundstück, jeder materielle und immaterielle Schaden, der belegt werden konnte, entsprechend wieder zur Herausgabe gebracht oder durch Schadensersatzleistungen gewandelt wurde. Aus vielen Gesprächen, die ich in Thüringen geführt habe, weiß ich, dass mit den Organisationen der jüdischen Verbände hierüber intensive Beratungen stattgefunden haben und dass im Zweifelsfall Grundstücke nicht freigegeben wurden, wenn jüdische Erben oder deren Beauftragte oder die Jewish Claims Conference Ansprüche angemeldet hatten. Bis zur Klärung der jeweiligen Dinge mussten diese Grundstücke dann dem Grundstücksverkehr entzogen werden. Das hat manchmal zur Verlängerung von Entscheidungswegen geführt, war aber auf Grund der Verantwortung für die Shoa die einzig mögliche Handlungsweise, um nicht ein erneutes Unrecht zu begehen.
Manches Mal musste man mit Bürgern nach der Wende darüber debattieren, weil
dadurch die eine oder andere Bauruine im Stadtbild stehen blieb, bis die
Dinge geklärt waren.

Sollten aber über den einen oder anderen verschlungenen Weg solche Vermögenswerte doch in das SED-Vermögen gekommen sein, verweise ich wiederum auf unsere Homepage, denn selbst, wenn es so wäre, sind diese Vermögenswerte dann sämtlich an den deutschen Staat gefallen. Eine derart radikale Trennung, wie sie von meiner Partei vorgenommen wurde, ist von keiner anderen Parteien belegt. Verwiesen sei noch einmal auf den Treuhand-Abschlussbericht zur Vermögensintegration der Blockpartei CDU in die Vermögenswerte der Christlich-Demokratischen Union der Bundesrepublik Deutschland.

Auf Ihre Frage, ob ich eine DDR errichten will, kann ich nur klar sagen: Nein. Ich lebe in diesem Land, kandidierte in diesem Land für öffentliche Ämter und möchte im Rahmen dieser öffentlichen Ämter Verantwortung übernehmen und Politik gestalten.

Deshalb ist es absurd zu glauben, dass ich eine DDR oder eine "Edel-DDR" (was immer das auch sein mag) errichten wolle. Ich verweise auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Verbindung mit der gesamten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes und ich darf auch darauf verweisen, dass z. B. Artikel 14 (2)

"Eigentum verpflichtet" oder Artikel 15 GG eindeutige Aussagen darüber trifft, dass an einzelnen Stellen wirtschaftliche Macht durch politische Mehrheiten gestaltet werden kann und darf.

Dies führt nicht zu einer "Edel-DDR", sondern schlicht dazu, dass Monopolsituationen geöffnet werden können, um im Rahmen einer Marktwirtschaft dem Sozialen oder dem fairen Wettbewerb wieder größere Priorität einzuräumen. Angesichts der Finanzmarktkrise wird es selbst Ihnen einleuchten, dass man Finanzmärkte kontrollieren muss. Und mit Verlaub, sehr geehrter Herr Humplik, die Verstaatlichung der Banken in der Welt betreibt zurzeit nicht meine Partei!

Zu der Frage der 70 %-igen Mitgliedschaft aus der SED kann ich Ihnen wiederum nur versichern, dass beim Übergang von der SED zur PDS diese sogar aus 100 % dieser Mitglieder bestanden hat. Aus welchen Menschen denn sonst? Bei den Blockparteien war dies auch nicht anders, und die sind dann zu 100 % in die FDP oder CDU übergeleitet worden.

Verweisen möchte ich Sie allerdings darauf, dass die Staatsmachtpartei SED weit über 2,2 Millionen Mitglieder gehabt hat und dass sie Teil von Karriereplanung war, wie das auch bei der Mitgliedschaft in der CDU der Fall war. Die Bauernpartei, so wird mir von DDR-Bürgern berichtet, galt immer als die "SED vom Lande". Hier sei erwähnt, dass sich diese Bauernpartei völlig problemlos in die heutige CDU integriert hat.

Von diesen 2,2 Mitgliedern sind in der heutigen Linken ca. 30.000 Mitglieder noch ehemals eingeschriebene SED-Mitglieder. Das heißt, nicht einmal die Hälfte der heutigen Mitgliedschaft besteht aus Mitgliedern, die früher ein SED-Parteibuch hatten.

Andererseits sind alleine bei der Parteibildung 20.000 Neumitglieder aus den alten Bundesländern hinzugekommen. Auch in den neuen Bundesländern überwiegen kontinuierlich Neueintritte. Und um es Ihnen klar zu sagen: Auf die Erfahrung aller Mitglieder, auch der 30.000 Mitglieder, die ehemals der SED angehörten, möchte ich auch künftig bauen. Frau Merkel haben ihre Erfahrungen aus der FDJ auch nicht geschadet. Vielleicht sollten wir über die DDR als Ganzes reden, dann aber mit allen Facetten und nicht nur instrumentell über den Teil, der ins Bild passt, um ihn gegen DIE LINKE als Partei und gegen den Erfolg der Linken in Stellung zu bringen.

Sehr geehrter Herr Humplik, der Kalte Krieg ist wirklich vorbei und die Gefahr auf der Welt besteht nicht in einem drohenden Sowjetkommunismus. Alle Wege führen auch nicht nach Moskau, sondern unsere eigentliche Bedrohung können wir im Stundentakt in "Tagesschau" und "Heute Journal" besichtigen. Antworten, die wir heute brauchen, beziehen sich auf internationale Konflikte mit Friedenslogik und Diplomatie und nicht mit Militärmaschinerie.

Energieressourcen können wir nur entwickeln, wenn wir friedliche Nachbarschaft pflegen und gleichzeitig dezentrale regenerative Energie flächendeckend vorantreiben. Finanzmarktkontrollen sind nur ein Einstieg in einen Kapitalmarkt, der endlich wieder den Bedürfnissen der Menschen und auch den Bedürfnissen der Wirtschaft dient, aber nicht der Zockermentalität von Börsenspekulanten, gierigen Bankmanagern oder Hasardeuren.

Mit freundlichen Grüßen

Bodo Ramelow
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Frage zum Thema Gesundheit
06.10.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Ramelow !
Heute am 06.10.2008 steht auf der ersten Seite im ´´Freien Wort``: kein Zuschlag bei Hartz IV für Diabetiker !!! Ein Anruf bei der Dachorganisation der Wohlfahrtsverbände bestätigte die Richtigkeit des gesamten Artikels.
Nun meine Frage, wie lange wollen Sie als Abgeordneter, Kürzungen und Streichungen im sozialen Sektor noch zulassen ?
Für mich ergibt sich folgende Schlußfolgerung - entweder diabetikergerecht essen, oder mehr Medikamentenkauf, um die Diabetes in Griff zu halten. Nur mehr Geld für Medikamente - woher nehmen bei Hartz IV und nicht stehlen !!! ( 316,00 € mtl / Bedarfsgemeinschaft, -Strom, -18% von den Heizungskosten für Warmwasser zum Duschen, dann die Bemessungsgrenze vom Landkreis, kein Mehrverbrauch nur eben höhere Preise, eben erst wieder - Preiserhöhungen ).
Solche Entscheidungen im Hinblick auf die vielen Diabetiker und die bevorstehenden Wahlen sollten unbedingt nochmal überdacht werden.
MfG.
Antwort von Bodo Ramelow
4Empfehlungen
13.01.2009
Bodo Ramelow
Sehr geehrter Herr ,
entschuldigen Sie meine späte Rückmeldung an Sie.

In der Tat hat der Deutsche Verein neue Empfehlungen erlassen, die auf medizinischen Gutachten beruhen in denen ausgeführt wird, dass leichte Diabetes durch eine Diät geregelt werden kann.
Die Empfehlungen des Deutschen Vereins haben formell keinen bindenden Charakter, eine Abweichung muss aber begründet werden, so sagen es die Gerichte.
Die Empfehlungen des Deutschen Vereins kritisieren wir in diesem Punkt, können diese aber aufgrund der aktuellen parlamentarischen Konstellationen nicht ändern. Aber auch aus diesem Grund werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass der Regelsatz auf 435 Euro im Monat angehoben wird, damit dürfte dann auch die Ernährung besser gesichert sein als aktuell.

Mit freundlichen Grüßen
Bodo Ramelow
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Ihre Frage an Bodo Ramelow
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